Halbjahresbericht 2018

Liebe Freunde unserer Senegalprojekte,

gerne informiere ich  heute wieder über den neuesten Stand unserer Projekte. Ich war Ende Februar nur 1 Woche in Mbour und konnte aber trotzdem vieles erledigen und unsere Pläne für das Jahr 2018 besprechen. Anschliessend war ich 10 Tage mit einer Freundin im südlichen Teil von Senegal, der Casamance. Ich habe ein ganz anderes Senegal kennengelernt, da es dort viel grüner und fruchtbarer ist als im Norden und bin mit vielen Eindrücken wieder gesund heimgekommen.

Ich fasse nun die wichtigsten Ereignisse des ersten Halbjahres zusammen:

Das Wichtigste war mir, dass ich mIt Malick die noch fehlenden Quittungen für 2017 kontrollieren konnte, sodass ich nach meiner Rückkehr  die Buchhaltung bei der Advisa Anstalt abgeben konnte. Alles hat bestens geklappt und dank der Unterstützung von Monika Laakso ist die Buchhaltung auch für mich kein grosses Problem mehr, danke Monika! Auch Sascha Vogt danke ich wieder einmal für die unentgeltliche Revision. Wenn jemand den Revisionsbericht einsehen möchte, bitte bei mir melden!

Für das Collège in  Mbettite konnten wir im Januar wie geplant mit dem Bau des 4. Klassenzimmers anfangen. Da die Spende vom Martin-Luther-Bund wesentlich höher ausfiel als erwartet, konnten wir auch noch 30 Schulmöbel anfertigen lassen und für die Lehrer 2 Schreibtische anschaffen. Als ich Ende Februar nach Mbettite kam, wurde mir als Dank ein überwältigendes Fest bereitet. Das ganze Dorf und die Schüler haben mich mit verschiedenen Präsentationen tief beeindruckt. So habe ich auch den neuen Direktor kennengelernt, der sich sehr für seine neue Schule und die Schüler engagiert. Gleich zu Beginn hat er es geschafft sich gut im Dorf zu integrieren, obwohl er einer anderen Ethnie angehört und die Sprache, die in Mbettite gesprochen wird, gar nicht beherrscht. Die ersten 2 Klassen werden mit 135 Schülern geführt, eine enorme Zahl für eine neu eröffnete Schule! Das zeigt uns aber auch die Wichtigkeit dieses Collège für die Region. Im nächsten Schuljahr wird diese Schule dann mit 4 Klassen komplett sein. Wir planen noch den Bau eines Lehrerzimmers für Anfang 2019, danach warten wir mal ab wie sich alles entwickelt.

Leider habe ich von der Frauengruppe, die die Hirseschälmaschine erhalten haben, keine guten Nachrichten. Weil die Maschine nicht richtig gepflegt und benutzt wurde, ist nach 3 Jahren der Motor kaputt. Unser Vertrauensmann, der Pfarrer Ndeb, war sehr enttäuscht von den Frauen, da sie ihn nicht informiert hatten und auch seinen Anweisungen nicht gefolgt sind. Ich machte ihnen den Vorschlag, dass sie einen Teil des Verdienstes, den sie mit der Maschine erarbeitet haben wieder  an die Gruppe zurückzahlen und so wenigstens einen Teil für Anschaffung eines neuen Motors zusammenbringen. Teranga Senegal würde dann den Rest finanzieren. Natürlich nur wenn sie weiterhin mit Ndeb zusammenarbeiten und die Maschine zuverlässig besser verwalten. Doch die Frauen waren nicht einverstanden damit, und so habe ich mich zurückgezogen und warte ob sie es sich im nächsten Jahr doch anders überlegen. Sie müssen nun die Hirse wieder von Hand schälen und haben keinen Verdienst mehr, vielleicht bringt sie das zum nachdenken. Schade, aber nicht zu ändern!

Von unseren Studentinnen gibt es jedoch gute Nachrichten. Beide gehen regelmässig zum Unterricht und lernen mit grosser Freude. Malick ist regelmässig in Kontakt mit ihnen und auch mit der Schule. Heute habe ich erfahren, dass die Studentin in Dakar sogar eine Auszeichnung für ihren Abschluss im ersten Jahr erhalten hat  –  ich bin wirklich stolz auf sie! Beide Studentinnen erhalten nun als Belohnung für ihre gute Arbeit einen gebrauchten Laptop. 3 weitere Patenkinder  haben die Matura bestanden. Dem Patenkind, die eine Schneiderlehre gemacht hat, haben wir eine Nähmaschine gekauft, die sowohl mit Strom als auch ohne Strom arbeitet, da es immer wieder viele Stromunterbrüche gibt. Leider ist auch bei den Patenkindern nicht nur alles bestens, da 1 Mädchen Anfang des Schuljahrs aufgehört hat ohne uns zu informieren. Als ich sie besucht habe, hat sie dann gesagt, dass sie sich nicht mehr wohlfühlt in dieser Schule und lieber an einer Privatschule weiterlernen will. Obwohl Malick regelmässig telefoniert, hat sie ihm nie etwas davon gesagt. Nach Absprache mit Malick haben wir beschlossen ihren Wunsch nicht zu akzeptieren, denn es ist sehr unsicher ob sie dann 3 Jahre durchhält bis zu einem Abschluss. Wir haben kein Vertrauen mehr in sie, da sie auch ihre Mutter nicht einmal über ihren Entschluss informiert hat. Die hat es erst ein paar Wochen nach Schulanfang gemerkt. Es tut mir sehr leid für diese Schülerin, aber gewisse Regeln müssen eingehalten werden. Sie ist 15 Jahre alt und sollte wissen was sie tut.

Ueber die Projekte in Ndioum habe ich mich telefonisch und in Gesprächen mit Malick informiert. In Alwar ist nun die Mauer um den Gesundheitsposten fertig und die Bauarbeiten für die neue staatliche Station gehen voran, wenn auch sehr langsam – halt senegalesisch! Beim Wohnhaus für die Leiterin haben wir 2 Fenster und eine Tür bei der Veranda eingesetzt, so ist dieser Raum und das ganze Haus mehr windgeschützt und auch sicherer. Die 2 neuen Räume für die Primarschule sind fertig, die Schule ist nun komplett. Im nächsten Schuljahr werden die neuen Lehrer erwartet. Am Collège haben alle 14 Kandidaten den Abschluss geschafft  und können nun aufs Gymnasium wenn sie wollen.

Der Bau des offenen Pausenraumes für den Kindergarten in Ndioum hat sich sehr bewährt, denn dieses Jahr ist wirklich schon seit Ende März eine enorme Hitze. Im Collège in Ndioum hatte der Sturm letztes Jahr ein Dach weggerissen, das wurde nun repariert und der ganze Raum renoviert, auf Kosten der Schule, wie versprochen. Leider wurde mit dem Bau der vom Staat versprochenen Klassenzimmer noch nicht begonnen. Hier haben 78% der Schüler den Abschluss geschafft, das ist überdurchschnittlich bei so grossen Klassen.

Wegen der grossen Hitze kam Mitte Mai ein Hilferuf vom Direktor der Primarschule, für die wir letztes Jahr die Schulkantine gebaut haben. Das provisorische Klassenzimmer aus Schilfmatten, das ich im November gesehen habe, reichte gegen die Hitze für die ganz Kleinen nicht aus. Zum Teil musste der Unterricht ausfallen. Er wusste, dass wir den Bau eines Klassenzimmers planen, da wir schon einige Ziegel angefertigt hatten. Seine Bitte war nun ob wir nicht eine Möglichkeit sehen den Bau zu beschleunigen. Da wir schon bei der Stiftung PRONOIA für dieses Klassenzimmer einen Antrag gestellt hatten, und wir die letzten Jahre immer unterstützt wurden, haben wir uns entschlossen den Bau gleich zu beginnen. Die Handwerker haben auch mitgezogen und so konnte der Raum schon nach 5 Wochen Bauzeit bezogen werden. Die Spende von PRONOIA wurde inzwischen fest zugesagt und wir können noch 15 Schulmöbel anfertigen lassen und einen neuen Drucker/Kopierer für die Schule kaufen.  Der Direktor ist sehr, sehr dankbar, und ich bin froh, dass wir 60 kleinen Schülern helfen konnten.

Und nun habe ich noch eine gute Nachricht! Unsere letztes Jahr gebaute Krankenstation in Doubangué wird demnächst eingeweiht. Seit Anfang Juni ist eine Krankenschwester dort, es wurden schon Impfaktionen durchgeführt und die Frauen können dort auch entbinden. Meine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, aber die Senegalesen nahmen die Verspätung sehr gelassen, denn sie waren fest davon überzeugt, dass alles gut kommt – und Warten ist im Senegal normal!!!

Anfang Februar war Niels Hörnö wieder mit 5 Kollegen in Mbettite, um dort und in einem anderen Dorf Zahnbehandlungen zu machen. Auch dieses Mal war er sehr zufrieden mit seinem Aufenthalt, und auch seine Kollegen wollen 2019 unbedingt wieder mitkommen. Danke Niels für deinen Einsatz!

In der Casamance habe ich den Schweizer Kurt Koch kennengelernt, der mich sehr beeindruckt hat. Er ist vor 10 Jahren ausgewandert und hat im Senegal eine grosse Schreinerwerkstatt aufgebaut. Die ganze Einrichtung hat er aus der Schweiz mitgebracht und bildet nun Senegalesen zu Schreinern aus, nach Schweizer Standard! Er hat schon mehrere  Lehrlinge ausgebildet und ist nun staatlich anerkannt als Lehrbetrieb. In seinem Herzen fühlt er sich als Senegalese und wird auch dort bleiben. Er will die Werkstatt noch 10 Jahre führen, dann an Senegalesen, die er ausgebildet hat, weitergeben. Da er immer dort ist, hat das Projekt wirklich eine Chance. Er kommt im Oktober in die Schweiz und wird uns auch besuchen. Ich werde versuchen, dass er hier einen Vortrag über seine Arbeit halten kann und vielleicht auch noch Spenden erhält, da der Betrieb noch nicht selbsttragend ist. Ich schicke euch dann rechtzeitig eine Information. Er hat in der Schweiz einen Verein und auch eine homepage:  afrique-lien.org   Ich denke, dass genau solche Projekte vielversprechend sind, da den Jugendlichen so eine gute Möglichkeit gegeben wird, selbst etwas Seriöses aufzubauen und sie ihr Wissen weitergeben können.

Zum Schluss meines Briefes noch etwas in eigener Sache. Ich habe bemerkt, dass mich die Reisen immer mehr anstrengen und beschlossen, nur noch einmal im Jahr nach Senegal zu reisen. Malick ist selbständig genug, dass er mit telefonischer Unterstützung von mir die Projekte verwalten  kann. Die Schulen sind unter staatlicher Kontrolle und wir haben regelmässig Kontakt mit den Lehrern. Die Krankenstationen verwalten sich selbst, da braucht es meine Anwesenheit nicht 2x im Jahr. Wir werden in Zukunft weniger bauen, vor allem nicht in neuen Dörfern,  sondern uns auf die Ausbildung der Abiturienten konzentrieren. Die sind sehr teuer und deswegen werde ich auch die meisten Spenden dafür verwenden. Eine Anfrage für den Ausbau eines Kindergartens in Ndioum-Walo, dem alten Teil des Ortes, der auf der anderen Seite des Flusses liegt, möchte ich noch prüfen. Ich kenne dort einige Leute und gerne würde ich 2019 dort noch etwas bauen. Ich werde mich mit den Verantwortlichen bei meinem nächsten Besuch treffen. Alle anderen Anfragen lege ich im Moment auf die Seite. Ich möchte aber auf keinen Fall, dass der Eindruck entsteht, dass mir die Teranga Projekte nun nicht mehr wichtig sind. Wir haben den Vorteil, dass unsere Projekte sich selbst verwalten und deswegen nachhaltig sind. Unser Tempo wird ein wenig langsamer werden, aber das Engagement wird nicht aufhören. Und es wird weiterhin jede Spende 1:1 für die Projekte verwendet werden. Dank unserer Hilfe können nun  ca. 2‘000 Kinder  regelmässig in geschützten Räumen zur Schule gehen und eine gute Grundausbildung erhalten.  Das trifft besonders auf unser Collège in Ndioum zu, denn ohne unsere Hilfe würde es dieses Collège mit 1‘000 Schülern nicht geben. Das gleiche gilt für das Collège in Mbettite. In 2 Dörfern haben wir ausserdem die medizinische Grundversorgung für ca. 7’000 Menschen gewährleistet, und nun werden wir in Zukunft einigen Studenten ein Studium finanzieren können. All das wäre ohne die vielen Spenden von euch nicht möglich gewesen – dafür sage ich immer wieder ganz herzlichen Dank! Das ist für mich eine grosse Motivation noch so lange wie möglich Projekte zu verwirklichen. Was mir an Dankbarkeit und Freude und Hoffnung von den Menschen im Senegal entgegengebracht wird, ist nicht zu beschreiben. Es bewahrheitet sich immer wieder das afrikanische Sprichwort:

„Viele Menschen, die an vielen Orten viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

In diesem Sinn wünsche ich allen noch einen schönen Sommer mit vielen schönen Begegnungen, viel Freude an kleinen Dingen und dem Bewusstsein wie gut es uns hier geht!

Ich grüsse euch sehr herzlich bis zum Jahresbericht

Ute Wild

 

 

Information an Spender November 2015

Liebe Gönner und Freunde der TERANGA Projekte

Dieses Jahr konnte ich leider nicht wie gewohnt im November nach Senegal reisen. Ich hatte im Juni eine grosse Knieoperation (neues Kniegelenk) und habe deswegen beschlossen mich ganz auf meine Gesundheit zu konzentrieren. Doch trotz meiner Pause hatten wir das Glück, dass diverse Spenden eingegangen sind und wir so unser geplantes Projekt, den Bau von 2 Klassenzimmern in Doubangué, durchführen konnten. Die Klassenzimmer konnten bis zum Schuljahresbeginn Mitte Oktober fertiggestellt werden und das ganze Dorf ist sehr dankbar, dass die Kinder nun regelmässig zur Schule gehen können. Um das Projekt sauber abzuschliessen, werden wir demnächst noch 2 Toiletten für die Schule bauen, denn die alten sind in einem miserablen Zustand, wie mir unser Projektleiter erzählt hat.

Dieses Jahr hatte Ndioum im Gegensatz zu letztem Jahr eine sehr gute Regenzeit. Doch der Regen war teilweise so extrem, dass das halbe Dorf überschwemmt war und viele alte Lehmhäuser eingestürzt sind. Es gab sogar Tote und Verletzte. Bei einem heftigen Gewitter hat es das Dach von 2 Klassenzimmern im neu gebauten Collège weggerissen. Auch das haben wir bis zum Schulanfang wieder repariert.

Unsere Patenkinder in Ndioum sind alle in die nächste Klasse gekommen und 2 werden nächstes Jahr ihre Matura machen. Die Patenkinder von Mathias sind leider nicht so gute Schüler. 3 müssen wiederholen, und ich bin gespannt was für einen Abschluss sie eines Tages machen können. Es fehlt ihnen halt auch die Unterstützung von zu Hause, da die meisten von ihnen ja in Gastfamilien wohnen müssen (siehe unser neues Projekt). Niemand kontrolliert ob sie lernen oder nicht. Und leider sind die Lehrer auch nicht so motiviert wie die Lehrer in Ndioum.

Unser neues Projekt ist nun der Bau eines Collège in Mbettite, dem Dorf, in dem wir mit der Frauengruppe die Hirseschälmaschine gekauft haben. Pfarrer Ndeb hat mir die Notwendigkeit für diese Schule erklärt. Das nächste Collège ist über 10 km entfernt und diesen Weg können die Kinder nicht jeden Tag machen. Also wohnen sie in Gastfamilien, was eine grosse finanzielle Belastung für die Eltern ist, und die Kinder werden sehr früh dem Dorf entfremdet. Mehrere Gemeinden haben deswegen beschlossen, dass ein Collège in Mbettite gebaut werden soll. Das Schulministerium ist damit einverstanden, verlangt aber von den Dorfbewohnern, dass sie selbst ein Grundstück beschaffen und mit dem Bau der Klassenzimmer beginnen sollen. Die Lehrer werden dann für diese „Schule im Bau“ vom Ministerium angestellt. Das erinnert mich sehr an das Collège in Ndioum und ist leider im Senegal die Regel. Die Dorfbewohner haben sich aber nicht entmutigen lassen. Sie haben ein Grundstück gefunden und bei allen Familien um Unterstützung angefragt. Jeder, der konnte, hat etwas gegeben und so konnten schon die Ziegel für ein Klassenzimmer angefertigt werden. Doch nun sind die Reserven erschöpft und so wurde „TERANGA Senegal“ um Hilfe gebeten. Wir verstehen die Problematik und ich bewundere die Dorfbewohner sehr für ihre Initiative. Deswegen werden wir jede Spende, die ab jetzt eingeht für den Bau dieser Schule verwenden.

Ich werde im Februar 2016 mit dem Zahnarzt Niels Hörnö und seiner Schwester, die auch Zahnärztin ist, nach Senegal reisen. Wir werden dort schon sehnsüchtig erwartet und freuen uns schon möglichst vielen Menschen auch zahnmedizinisch helfen zu können.

Mit den besten Wünschen für eine friedvolle Adventszeit und einem grossen Dankeschön für eure Unterstützung grüsse ich euch herzlich