Reisebericht von Jana Schneeberger Januar 2017

Senegal – 6. Januar bis 20. Februar 2017

 Ich bin wieder zurück! 45 Tage Senegal liegen hinter mir und ich weiss nicht, wo ich anfangen soll zu erzählen. Am 6. Januar 2017 sind wir – Ute und ich – in Zürich gestartet mit je zwei Koffer à haargenau 23kg, je einem Handgepäckkoffer und je einem Rucksack. Nach einem Zwischenstopp von 4h in Madrid kamen wir abends um 22 Uhr in Dakar an. Auf dem Flughafen in Dakar gings sehr lebhaft zu und her und nach Polizeikontrolle (Blick «was-um-alles-in-der-Welt-machst-du-6-Wochen-alleine-hier?!»), Geld wechseln (500 Euro sind 325’000 CFA, also ein Riesenstapel Banknoten), nach einem klapprigen Wagen fürs Gepäck suchen und schlussendlich das Gepäck abwarten mit gefühlt allen Menschen dieser Welt machten wir uns auf die Suche nach einem Taxi. Ich war froh darum, mich fürs Erste um nichts kümmern zu müssen und einfach hinterherlaufen zu können. Angekommen im Hotel fielen wir dann ziemlich schnell ins Bett. Am ersten Tag in Senegal lernte ich Malick, Ute’s Projektpartner kennen und wir besuchten eine Familie in Dakar, deren Sohn (Cheikh) mit seiner Familie in Liechtenstein wohnt. Mein erstes senegalesisches Essen war Cee bu Jen, das Nationalgericht bestehend aus Reis, Gemüse und grilliertem Fisch, und so unglaublich lecker, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu essen. Das Essen wird in riesigen Schüsseln auf dem Boden serviert und dann nehmen sich alle, worauf sie gerade Lust haben ins eigene Eckchen. Manche essen mit den Händen, ich hab’s einmal ausprobiert und mich dann für den Löffel entschieden. Als ich mich in den «Salon» gerollt habe gabs Attaya, Tee mit dem Geschmack von Pfefferminzbonbons (ich behaupte immer noch, dass er mehr Zucker als Wasser beinhaltet) und Ndeye, meine Gastschwester erklärte mir die ganze Familie und wie sie alle zusammenhängen. Ich lernte sehr schnell, dass senegalesische Familien typischerweise bereits durch die eigenen Kindern zahlreich sind und dann meistens aber auch noch die Cousins und Cousinen mit in einem Haus wohnen oder zumindest häufig (sehr häufig) zu Besuch sind. Der ganze Trubel war mir von Anfang an sympathisch und auch, dass wir zu keiner Sekunde als Fremde oder als «Gäste» wahrgenommen wurden, sondern sofort zur Familie dazugehörten. Wird man in Senegal zum Mittagessen eingeladen, bedeutet das, dass man den ganzen Tag bleibt und so verflog der erste Tag!

Am nächsten Morgen um 4 Uhr gings weiter mit dem «sept-place» nach Ndioum, einer kleiner Stadt im Norden. Wie der Name schon sagt, sind diese Sammeltaxis umgebaute alte Klapperkisten, in denen mit dem Fahrer acht Leute Platz haben (Platz ist dabei vielleicht etwas übertrieben ausgedrückt) und das Gepäck auf dem Dach mittransportiert wird. Angekommen in Ndioum lernte ich meine Gastfamilie – Yaye Sy und Amadou Ndiaye mit ihren fünf Kindern kennen. Sie wohnen in der grössten und pompösesten Villa der ganzen Stadt und ich konnte mich zum Eingewöhnen in Senegal über den Luxus eines grossen Zimmers mit eigenem Bad und damit ein bisschen Privatsphäre freuen. Zum Essen gabs – ÜBERRASCHUNG – Reis! Reis und Zwiebel- Gewürz-Sauce gab es grundsätzlich jeden Tag mittags und abends. Malick organisierte mir gleich eine senegalesische Handynummer. Ich wurde auf den Namen Madina Ndiaye getauft, welches dann sozusagen mein afrikanischer Name wurde. Mit dem Einleben hatte ich – auf mich alleine gestellt in Ndioum – meine Mühe; es gab drei Hausmädchen und einige arme Kinder, die sich ihr Essen damit verdienten, täglich für Ordnung rund ums Haus zu sorgen, meine Gasteltern arbeiteten den ganzen Tag und alles, was ich machte, wurde genau beobachtet und schien sehr amüsant zu sein. Ich merkte schnell, dass dieses Lachen alles andere als böse gemeint war und meine Kultur und Lebensweise für sie genauso fremd war wie ihre für mich. Im Nachhinein gesehen war diese Zeit der perfekte Einstieg ins senegalesische Leben: die Menschen machen aus Gastfreundlichkeit alle möglichen Angebote und Anfragen über Essen («il faut bien manger» war ein Satz, der mich zum Schluss fast in den Traum verfolgt hat), Geschenke, Geld, Kontaktdaten, Beziehungs- oder Hochzeitsideen etc. Ich musste demnach sehr schnell lernen, Nein zu sagen und mich nicht dafür zu rechtfertigen. Andererseits profitierte ich auch sehr davon, da ich mir keine Gedanken um Kost und Logis machen musste und viel Zeit mit einheimischen Familien anstatt in Hotels und Restaurants verbringen konnte. Es dauerte jedoch eine Weile, bis ich einen entspannten Umgang mit dieser mir bisher noch unbekannten Art fand und nicht mehr alles so ernst nahm. Ich denke, gelassen zu sein und alles mit viel Humor war der Schlüssel zu den ganzen freundlichen Begegnungen, interessanten Gespräche und positiven Erlebnissen. Immer wieder war ich dankbar dafür, mir für alles genügend Zeit nehmen zu können und die Chance zu haben, einfach ungebremst und ohne konkrete Aufgabe vollkommen in die Kultur eintauchen und mich mitziehen lassen zu können. Dazu kam auch, dass ich mich schnell daran gewöhnte, als Weisse immer besonders behandelt zu werden, was mir anfangs sehr unangenehm war.

Zurück zur ersten Woche: Ute zeigte mir ihre verschiedenen Projekte und stellte mich überall vor. Wir besuchten ein Collège in Ndioum, bei dem mit dem Bau von Klassenzimmern und einem Lehrerzimmer gute – für mich bisher selbstverständliche – Grundlagen für einen gelingenden Unterricht geschaffen wurden. Kommt jemand zu Besuch ist es von den Primarschülern bis zu den Gymnasiasten üblich, dass die ganze Klasse zur Begrüssung aufsteht und im Chor «bonjour madame / monsieur» schreit und sich mit einem «merci madame / monsieur» wieder setzt. Ich wurde auch in den Lehrerteams sehr herzlich willkommen geheissen und alle schienen mich sofort einbinden zu wollen. Mein Ziel war es, mit den Schülern ein kleines kreatives Projekt zu machen, ich wollte aber offen sein für ihre Ideen. So ging ich in den darauffolgenden Tagen wieder zum Collège und besuchte einzelne Unterrichtsstunden, um Eindrücke zu gewinnen und mich in den Ablauf einzugewöhnen. Zum Teil sind um die 60 Schüler in nur einer Klasse! Die anfängliche Euphorie verflachte zu meiner Verwunderung (wie sich später herausstellte ganz typisch für Senegal) sehr schnell. Ute erklärte mir mehrmals, dass oftmals in Tönen geredet wird, als ob sie jeden Tag die Welt retten würden und schlussendlich (ich denke, dass Schweizer dazu neigen, eher zurückhaltend und bescheiden von den eigenen Möglichkeiten und Visionen zu berichten) war dann eher das Gegenteil der Fall war. Meine späteren Erfahrungen bestätigten dann dieses «Schwärmen von sich selbst und den eigenen tollen Ideen», dem leider nur selten Folge geleistet wurde. Sehr viel wurde diese Haltung dann damit gerechtfertigt, dass sie darauf warten würden, bis Gott ihnen den richtigen Weg zeige. Mehr «Schein als Sein» also. Möglicherweise etwas komische Parallelen, aber dies fiel mir immer wieder in verschiedensten Sachen auf: Senegalesinnen legen sehr viel wert darauf, gepflegt und hübsch gekleidet aus dem Haus zu gehen (auch wenn sie nur kurz zum Markt gehen); «mein Palast» hatte nur an der vorderen Seite eine schöne Fassade, hinten wars ganz einfach verputzt und im Haus funktionierten etliche Einrichtungen wie beispielsweise die Toilettenspülung nicht; überall lief der «Cup Africain» im TV und es war extrem wichtig, dass die Männer zu dieser Zeit ungestört Fussball schauen konnten, während den Spielen haben sie dann aber die ganze Zeit miteinander diskutiert; Höflichkeiten sind sehr wichtig und oftmals bestehen stundenlange Gespräche einfach nur daraus, sich nach der Familie zu erkunden; in der Schule wird alles nur auswendig gelernt, was man spätestens bei genauerem Nachfragen herausfindet etc.

In der Woche bis zu Utes Abreise wurden wir einige Male zur Familie von Malicks Bruder zum Essen eingeladen, was in Senegal – wie bereits erwähnt – «on passe la journée» bedeutet. Besonders die Kinder der Familie wuchsen mir sehr ans Herz und ich versuchte auch später immer wieder, ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen oder mit ihnen im Hof etwas Kreatives zu unternehmen – die einzigen Mittel dafür waren Holzkohlereste, jede Menge Sand und ein paar Steinchen. Mich schockierte immer wieder, wie wenig Ideen und Neugier die Kinder hier allgemein hatten. Hausaufgabenhilfe sah demnach so aus, dass wir mit Holzkohleresten Matheübungen oder Diktate auf eine Mauer schrieben. Zum ersten Mal habe ich gesehen, dass es nicht selbstverständlich ist, Papier und Kulli zu haben. Eine andere Familie lernte ich kennen, da sie mich mit «Toubab» (bedeutet «Weisse») zu sich riefen und wir dann einen ganzen Nachmittag erzählten und viele Fotos machten. Aminata, die älteste der Schwestern machte mir dann meine ersten eng geflochtenen (und ich behaupte die weltweit schönsten) Zöpfe. Ich lernte übrigens beinahe alle Leute auf diese Weise kennen und da ich keinen Stress hatte, oftmals gerade zum Tee zu bleiben dauerte es nicht lange, bis das ganze Dorf mich mit «Bonjour Madina, comment vas-tu?» Und «Viens-là, Madina!» ansprach. Trotz den vielen Bekanntschaften blieben meine Gastfamilie, die Nachbarn und diese zwei Familien über die ganze Zeit etwas ganz Besonders für mich und wir blieben auch nach meiner Weiterreise stets in Kontakt – telefonisch über «Merci de me rapeler»-Nachrichten, da niemand ausser mir einen Kredit auf dem Handy zu haben schien.

Ein anderes Projekt war die Verbesserung der Infrastrukturen der Primarschule und des Collège sowie der Aufbau einer Gesundheitsstation in Alwar, einem kleinen Dorf unweit von Ndioum. Zu Oumou, der Krankenschwester (sie war von der Pflege von Verletzungen über Gesundheitsprävention bis hin zu Geburten für ALLES zuständig) hatte ich sehr schnell einen guten Draht und ich besuchte sie und die anderen Dorfbewohner mehrmals während der ersten drei Wochen. Das Leben in Alwar erinnerte mich an ein Klassenlager in den Bergen; die Dusche bestand aus einem Kübel Wasser und die Toilette aus einem Loch im Boden. Man ass gemeinsam und sass abends vor einem kleinen alten TV, um senegalesische Serien à la «Rosamunde Pilcher» zu sehen. Fernsehen in Alwar war ein bisschen wie Reisen in eine andere Welt, da viele der Bewohner das Dorf das ganze Leben nie verliessen. Eines Abends wurde für eine Pizzeria Werbung gemacht und eine junge Frau fragte mich, ob ich das kennen würde und ob das ein Kuchen wäre. Trotz oder wahrscheinlich gerade wegen der Abgeschiedenheit dieses Ortes war es sehr gemütlich und ruhig und der Umgang unter den Menschen unbeschreiblich wohlwollend. Oftmals dachte ich mir, dass ich hier noch einiges lernen kann…

Die weitere Zeit in Ndioum konnte ich dann im Englischunterricht assistieren. Obwohl ich das gerne machte, war es nicht das Ziel meiner Reise und ausserdem fühlte ich mich unterqualifiziert (Unterrichten ist nicht Teil von meinem Sozialarbeitsstudium). Einerseits um für mich persönlich viel von der Reise mitnehmen zu können und andererseits weil mich allgemein das Reisefieber packte, entschied ich mich für die Weiterreise nach Saint Louis.

Abschiede werden für mich wohl immer eine grosse Herausforderung bleiben… Zum Glück wurde dieses Nostalgiegefühl von der Vorfreude meiner nächsten Destination etwas abgeschwächt. Ich konnte es kaum erwarten, mal etwas Ruhe, ein bisschen Hotelkomfort und allem voran nach 3 Wochen endlich mal wieder WIFI zu haben! Den gesamten ersten Tag verbrachte ich abgekapselt in meinem Zimmer; Cola trinkend habe ich die 332 Whatsapp-Nachrichten beantwortet und meine Haare von den eng geflochtenen Zöpfen befreit. Für den nächsten Tag verabredete ich mich mit Cheikh, Oumous Bruder, weil mich seine Familie zum Mittagessen eingeladen hat. Wir verstanden uns auf Anhieb super und die Tage in Saint Louis vergingen sehr schnell, sodass ich noch eine Nacht im Haus seines Cousins anhängte. Die ganze Familie war sehr offen und mit Cheikh konnte ich endlich alle bei mir angestauten Fragen diskutieren und bekam dadurch weitere, völlig neue Eindrücke der senegalesischen Kultur. Wir nutzten die gute Internetverbindung, um für Carla zum 18 Geburtstag «bés bu dellusi moo neex» (Happy Birthday in Wolof) zu singen und verbrachten sonst viel Zeit mit Tee trinken, im Salon rumzuhängen und zu plaudern. Saint Louis fand ich eine grossartige Stadt! Sie war typisch senegalesisch lebhaft und chaotisch. Das Leben der Menschen schien sich auf den Strassen und in den Gassen abzuspielen, wo herumrennende Kinder, Tischfussball angefressene Jungs, Mädchen in Schuluniformen, Tee trinkende oder betende ältere Männer, Ziegen, Schafe, Pferde, ein Pelikan (er hielt sich selbst für ein Schaf, weil er von klein auf mit ihnen gehalten wurde), Autos, Motorräder, Busse und Charettes aufeinandertrafen. Am Strassenrand wurde Wäsche aufgehängt, Beignets oder Fataya neben einem Riesensortiment an Früchten und Gemüse verkauft, Fischernetze repariert und vor allem viel geplaudert. Die Stadt liegt zwischen Fluss und Meer und hat durch den Einfluss des Kolonialismus sehr viel französischen Charme.

 Cheikh und sein Cousin brachten mich zum «Gare routière», einem wieder einmal lustigen Platz. Die Parkplätze sind mit den jeweiligen Destinationen gekennzeichnet und die Autos fahren ab, sobald alle Plätze besetzt. Der Abschied fiel mir dann viel schwerer als erwartet – wahrscheinlich unter anderem auch, weil ich nicht wusste, wie meine weitere Reise aussehen würde. Ich sagte demnach nicht viel im Auto und hatte beim letzten Stopp in Dakar keine Ahnung, wo ich mich befand geschweige denn kannte ich die anderen Leute. Glücklicherweise traf ich auf einen netten, französisch sprechenden jungen Zivilpolizisten, wie sich später herausstellte, der in die gleiche Richtung musste. Er organisierte ein Taxi zu einem angemessenen Preis (ohne Zuschlag für Weisse) und telefonierte mit meinem Handy, um in Wolof zwischen Ndeye und dem Taxi-Chauffeur einen Treffpunkt abzumachen. Da stand ich dann also mit meinen zwei Koffern, völlig erschlagen und irgendwo mitten in Dakar in der Hoffnung, Ndeye würde mich finden. Der Empfang in der Familie war wieder sehr freundlich und im Salon sassen zahlreiche unbekannte Gesichter, die alle auf irgendeinem Weg zur Familie gehörten und ich aber noch nie gesehen habe. Ich konnte bei Ndeye im Zimmer schlafen und hatte somit ein bisschen Privatsphäre. Sie kümmerte sich die ganze Zeit sehr gut um mich und am nächsten Tag besuchten wir die «Île de Gorrée». Das erste Mal, dass ich mit Korruption in Verbindung kam, da ich blöderweise meinen Pass vergessen hatte und «es doch eigentlich selbstverständlich ist, dass man sich bei einer Bootsfahrt ausweisen muss». Nach längerer Diskussion steckte ihm Ndeye’s      
Freund 1000 CFA zu und es war plötzlich nicht mehr von Interesse, wer ich war. Die Sklaveninsel gefiel mir sehr gut mit den vielen alten Gebäuden, dem wunderschönen Strand, klarem Wasser und der alternativen, künstlerischen Atmosphäre. Am Sonntag wollten wir eigentlich noch eine weitere Touristenattraktion besuchen, dann dauerte das Zöpfe flechten aber länger wie erwartet. Gut, spielt Zeit keine Rolle und so verblieben wir dann den ganzen Tag im Wohnzimmer und ich wurde von 10 Uhr morgens bis 18 Uhr nachmittags gequält!

Mit neuer Frisur reiste ich dann am nächsten Tag nach Mbour, wo ich eine Woche Freiwilligenarbeit im Pouponnière, einem sehr interessanten Projekt geplant habe. Da angekommen, fühlte sich niemand wirklich verantwortlich für mich und ich suchte nach einer Person, die mir wenigstens die Räumlichkeiten und meine Unterkunft zeigt. Das Pouponnière wurde von einer französischen Organisation gegründet und kümmert sich um Kinder von 0 bis 12 Jahren. Aus verschiedenen Gründen können sie nicht mehr zuhause wohnen, in vielen Fällen weil die Mutter die Geburt nicht überlebt hat. Am ersten Tag hatte ich den Eindruck, ich würde mich in einer Sammlung von Kindern befinden, wie in einem Zoo oder Museum. Das traurige Schicksal dieser unschuldigen Wesen und wie verantwortungslos mit ihren Bindungsgefühlen umgegangen wurde machte mich sprachlos. Die Organisation wusste ausser meinem Namen nichts über mich und trotzdem durfte ich eine Woche unbeaufsichtigt Kinder füttern, wickeln, mit ihnen spazieren oder etwas spielen gehen. Das Projekt interessierte mich für Recherchen für eine Studienarbeit zum Thema «Volontourismus» und ich war von Anfang an sehr kritisch eingestellt. Dass es «geleitete Touristentouren» gab, bei denen Interessierte durch die Zimmer schlenderten und Kinder aus den Betten zogen, um sie 5 Minuten später wieder schreiend zurückzulegen, übertraf aber meine Erwartungen. Und trotz allem wusste ich, dass die Kinder durch die Organisation davor gerettet wurden, auf der Strasse aufwachsen zu müssen. Am letzten Wochenende verabredete ich mich mit den «Tatas», den Pflegerinnen, für den Nachtdienst. Es ging darum, kleinen neugeborenen Babys Milch zu geben, wenn sie nicht schlafen konnten und sie so lange hin- und herzuwiegen, bis sie wieder einschliefen. Ich war die ganze Nacht den Tränen nahe beim Anblick der kleinen Babys, die niemals von den gleichen Personen getröstet werden, geschweige denn von den eigenen Eltern.

In Mbour lebte ich für 10 Euro die Woche gemeinsam mit 15 französischen Freiwilligen in einem grossen Haus. Ich fühlte mich nicht wirklich wohl und verbrachte neben der Arbeit viel Zeit mit Familien, denen ich auf der Strasse begegnet bin. Auch hier war ich wieder begeistert von der Gastfreundschaft der Senegalesen! Ich war viel mit Babacar unterwegs, den ich durch seine Tante kennenlernte, die mich in Pular ansprach und überrascht war, als ich – ebenfalls in Pular – antworten konnte.  Ich war froh um seine Begleitung, da Mbour etwas speziell, wenn nicht sehr versaut war im Umgang mit Weissen. Da Saly (eine Feriendestination gerade neben Mbour) bekannt ist für Sextourismus war ich darüber auch nicht überrascht. Für mich bleibt diese gegenseitige Beeinflussung einfach sehr fragwürdig, da die Europäer das «wahre Leben» in Senegal nicht kennenlernen können und die Senegalesen sich ein völlig falsches Bild Europas zusammenspinnen.

Die gesamte Woche brachte mir bereichernde wenn auch herzzerreissende Erfahrungen und schlussendlich war ich froh, dass meine Reise weiterging. Die Zeit zusammen mit den Kindern ging mir zu nahe …

Mein nächster Aufenthaltsort fand ich über die Seite «workaway», die mich letzten Sommer schon nach Frankreich brachte. Laut Beschrieb handelte es sich um eine junge italienische Künstlerin, die versucht, nachhaltigen Tourismus aufzubauen. Per Mail informierte sie mich bereits, dass die workaway-Stelle besetzt ist und so entschied ich mich, als «Gast» und «Touristin» das Fischerdorf Toubab Dialaw zu besuchen. Und der erste Eindruck war überwältigend! Ich befand mich im Paradies; dass mir das Hausmädchen zum Frühstück eine frisch gepflückte Passionsfrucht brachte und ich danach 2h an einem weissen Sandstrand am wilden und klaren Atlantik entlang spazieren konnte vergrösserte mein Glücksgefühl ins Unendliche!
Das Städtchen war sehr sympathisch, alles voller Farben von überall her konnte man Leute Tamtam spielen hören. Hier sah ich auch zum ersten Mal Kinder auf der Strasse, die miteinander tanzten und in den Sand zeichneten. Von Toubab Dialaw aus plante ich einige Ausflüge und war dankbar für meine bereits gemachten Reiseerfahrungen, weil das Dorf wirklich äusserst abgelegen war und ich beispielsweise für den «Lac Rose» viermal das Sammeltaxi wechseln musste. Ich wusste dabei weder, wo ich mich befand, wo ich aussteigen musste und wer die anderen Menschen im Taxi waren, noch wieviel es kosten oder wie lange die Fahrt dauern würde. «Eine Fahrt ins Blaue» beschrieb meine Situation noch nie so gut! Schlussendlich wurde ich damit belohnt, dass ich nur 2’500 anstatt 10’000 CFA ausgeben musste und viele nette Menschen kennenlernte. Und ziemlich stolz war ich
auch! Ein anderer Ausflug brachte mich nach Popenguine, sozusagen der Hochburg der Christen, wo ich das erste und einzige Mal während meiner Reise im Meer badete. Und obwohl ich diese paar touristischen Tage für mich alleine genoss, freute ich mich schon sehr darauf, die Familie in Dakar zu sehen und für die letzten Tage vor der Abreise nochmal ins senegalesische Leben einzutauchen.

Mit meinem Riesenkoffer geladen mit künstlerischen Souvenirs für Zuhause kam ich zurück nach Dakar, wo wieder einmal ein Haus voller mir unbekannter Gesichter wartete. Ndeye organisierte für die nächsten Tage Ausflüge zum «Monument de la Renaissance» und «Place du Souvenir». Ich bin kein grosser Fan dieser für Touristen gemachten Sehenswürdigkeiten, allerdings lernte ich dadurch noch andere Teile der Stadt kennen. Ansonsten kochte ich gemeinsam mit den Frauen in der Hoffnung von «learning by doing» und hängte viel mit den Jungs – u.a. meinem «Ehemann» – rum. Und wir machten, wie hier so üblich, NICHTS. Am letzten Tag vor meiner Abreise besuchten wir auf meinen Wunsch hin den «Marché de Sandaga», um die Marktatmosphäre noch ein letztes Mal zu erleben und vieeele Kleider für Ndeye zu kaufen. Die Suche nach einer Poststelle, die weiss, dass man Postkarten verschicken kann («Bei euch gibt es Postadressen? Und dann kommen diese Karten wirklich bei diesen Leuten an?!») blieb erfolglos und so musste ich diese nach meiner Rückreise in Liechtenstein aufgeben.

Nachdem ich alle meine Sachen verteilt, die Koffer mit exotischen Früchten wieder gefüllt habe, fuhren wir zum Flughafen und verabschiedeten uns. Einerseits fiel es mir schwer, andererseits freute ich mich auf zuhause, auf meine Familie und Freunde, auf das Trinkwasser, eine warme Dusche und eine Waschmaschine. Mein Herz strahlt vor Glück in Erinnerung an die zahlreichen Erlebnisse, Begegnungen, Eindrücke dieses grossartigen Landes! Jeden Tag wusste ich, dass ich genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und ich konnte durch die Menschen und das Leben in Senegal sehr viel lernen und persönlich wachsen.
ADJARAMA – JEREJEF – MERCI, dank den wundervollen Menschen in Senegal konnte ich während sechs Wochen alleine reisen, ohne mich jemals einsam zu fühlen!

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei Ute Wild (www.teranga.li) bedanken, für die tolle Vorbereitung und Unterstützung während der Reise. Und natürlich für unsere langen wertvollen Gespräche, für dein Vertrauen und dafür, dass alles so unkompliziert war!

Ausserdem ein herzliches Dankeschön an alle Freunde, die mit Sachspenden sehr viele Menschen glücklich gemacht haben.

An Malick, Yaye Sy, Sahla, Aminata, Mariam, Oumou, Cheikh, Ndeye, Baye, Modou und Babacar, die mir in ganz besonderer Erinnerung bleiben werden.

Ich danke meiner Familie, dass ihr mich trotz all meiner möglichen und unmöglichen Ideen immer unterstützt; Vertrauen habt, mich bestärkt und (mehr oder weniger!) entspannt bleibt.

Als kleine Zugabe, für alle noch nicht «Lesemüden», möchte ich eine Liste (unverändert) aus meinem Reisetagebuch anfügen. Es sind Sachen, die mir besonders aufgefallen sind während meiner Reise und ich als «typisch senegalesisch» nennen würde.

Sachen, die mir in Senegal auffallen:

  •  wenn es in einem Haus eine Uhr gibt, funktioniert sie nicht!
  • Inschallah; Pläne werden hier keine gemacht, man lebt von einem Tag in den anderen und träumt grosse Träume
  • auf Fotos muss man aussehen wie ein Straffälliger (Lachen immer erlaubt ausser auf Fotos)
  • auch Armbanduhren funktionieren nicht
  • il faut bien manger!
  • Zwiebeln werden grundsätzlich in 10kg-Säcken verkauft
  • alle säubern vor dem Haus aber niemand kommt auf die Idee, Mülleimer aufzustellen
  • nicht mal die Uhren auf den Handys sind richtig eingestellt!
  • «strahlst du in die Welt, strahlt sie zurück!»
  • Eure Madina      Ndiaye (in Ndioum), Tall (in Alwar), Niass (in Saint Louis), Gueye (in Dakar), Diop (in Mbour)

 

 

 

 

Halbjahresbericht und Reisebericht Januar 2017

Liebe Gönner und Freunde unserer Projekte,

Dieses Jahr war ich im Januar schon wieder im Senegal und möchte euch nun gerne von meiner Reise berichten und was sich im ersten Halbjahr 2017 alles bewegt hat.

Die Reise im Januar stand ganz im Zeichen des Besuchs der Studentin Jana Schneeberger, die ja sechs Wochen in Ndioum in unseren Projekten arbeiten wollte. Ich hatte ansonsten nur noch 2 wichtige Treffen auf dem Programm und habe mich gefreut, dass ich wieder einmal richtig Zeit hatte Senegal zu geniessen. Unsere Reise verlief problemlos, doch leider mussten wir eine gefühlte Ewigkeit auf unser Gepäck warten, und so war es sehr spät bis wir endlich im Hotel angekommen sind. Doch wir hatten ja kein Programm, deswegen nahmen wir alles sehr locker. Um Jana das Ankommen in Senegal zu erleichtern, blieben wir 2 Tage in Dakar und haben dort die Familie von Cheikh Gueye besucht, der hier in FL lebt und seit langem ein Freund von uns ist. Dort wollte Jana auch noch 1 Woche vor ihrer Heimreise verbringen. So lernte sie gleich am ersten Tag eine typische senegalesische Grossfamilie kennen und lieben.

Unsere Fahrt nach Norden wollten wir auch typisch senegalesisch in einem Buschtaxi machen, es war für Jana ein guter Einstieg, um die Art und Weise kennenzulernen wie im Senegal gereist wird und wie die sozialen Netze funktionieren. Die Reise dauerte zwar 9 Stunden, da viel auf das Dach auf- und abgeladen werden musste und verschiedene Botendienste vom Chauffeur erledigt wurden, aber es war spannend zu erleben wie niemand reklamiert hat oder ungeduldig wurde. Jana hat sich gleich sehr wohl gefühlt! In Ndioum wurde Jana in der Familie von Malicks Freund, wo sie wohnen sollte,  mit offenen Armen empfangen. Teranga Senegal – willkommen in Senegal – du gehörst jetzt zur Familie!

In der Woche, die ich in Ndioum verbrachte, haben wir alle Schulen und auch die Krankenstation besucht und Jana hat überlegt was sie am liebsten machen würde. Alle waren sehr nett und aufgeschlossen, aber da sie keine Lehrerin ist, war es nicht einfach eine passende Aufgabe zu finden. Ausserdem standen gerade die ersten Prüfungen an und alle waren ein wenig angespannt. So war Jana in jeder Schule ein paar Tage und hat sich einen Eindruck verschafft über das Schulleben in Senegal. Das war dann für sie ein mittelschwerer Schock, denn hier herrscht noch voll das Frontalsystem, grosse Klassen und ein sehr autoritärer Führungsstil = Schläge sind erlaubt. Eltern und Lehrer glauben, dass sie nur so ihre Autorität festigen können. Doch nach einem Gespräch hier mit Cheikh Gueye habe ich gelernt, dass in den Städten in Senegal, wo doch mehr Intellektuelle leben, schon ein Umdenken stattfindet. So braucht halt alles seine Zeit. Jana hat dann im Collège mit dem Englischlehrer ein paar Stunden gestaltet, aber mehr lag nicht drin. Auch in der Krankenstation in Alwar konnte sie ein paar Tage die aufopfernde Arbeit der Leiterin Oumou erleben, mit der sie sich gleich angefreundet hat. Doch nach 3 Wochen fand Jana, dass sie doch noch ein anderes Senegal kennenlernen möchte und ist dann auf eigene Faust herumgereist.

Dank unseren intensiven Gesprächen über die Art und Weise wie die Gesellschaft im Senegal funktioniert und auch dank ihrer liebenswerten Art,  hat sie nur positive Erfahrungen mit den Senegalesen gemacht. Sie konnte sich voll und ganz auf die Menschen einlassen, auch wenn es manchmal sehr schwierig für uns ist, ihr Verhalten und ihre Reaktionen zu verstehen. Ich bin dankbar für die vielen guten Gespräche mit Jana und habe die Woche mit ihr in Ndioum sehr genossen. Ich denke, der Senegalvirus hat auch sie erwischt!!!

In dieser Woche habe ich aber auch die Projekte für dieses Jahr vorbereitet, besonders lag mir natürlich der Bau des Case de Santé in Doubangué am Herzen, das der LED mitfinanzieren wollte. Beim Besuch im November gab es  dort noch einige Unklarheiten, die ich mit den zuständigen Personen besprechen wollte mit dem Ziel, dass der Bau so schnell wie möglich angefangen werden kann. Mit dem Dorfchef und dem Leiter der Gesundheitskommission habe ich mich zweimal getroffen und sehr  gute Gespräche geführt. Die beiden Männer sind sehr daran interessiert, dass sich ihr Dorf weiterentwickelt und beide sprechen Französisch, was die Unterhaltung sehr erleichtert. Alle fehlenden Papiere wurden mir wie versprochen ausgehändigt und so konnte ich nach meiner Rückkehr gleich beim LED einen Termin vereinbaren, da unser Antrag nun komplett war. Der Antrag wurde gut geheissen und Mitte März erhielten wir schon den Anteil vom LED ausbezahlt, sodass wir sofort mit dem Bau beginnen konnten. Leider war es dann in Ndioum schon sehr heiss (über 40 Grad) und die Bauarbeiter konnten nur in den frühen Morgenstunden und am Abend arbeiten. Trotzdem wurde der Bau Mitte Mai fertig und Malick konnte die nötigen Einrichtungsgegenstände in Dakar besorgen. Wir hoffen nun, dass Anfang Juni die bestellten Medikamente eintreffen und die Station in Betrieb genommen werden kann. Es hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass es doch sehr sinnvoll wäre vor dem Eingang noch eine kleine Ueberdachung zu machen wie es sich bei unseren Klassenzimmern seit 2 Jahren bewährt hat. Dies werden wir dann nach dem Ramadan Ende Juni in Angriff nehmen.

Natürlich war ich auch in Alwar und habe dort unsere Gesundheitsstation besucht. Wir hatten beim letzten Besuch eine Bestandsaufnahme des Materials gemacht und festgestellt, dass nach 8 Jahren doch wieder einiges ersetzt werden muss, was wir in die Wege geleitet haben.  Alles ist nun wieder komplett und die Leiterin Oumou war sehr zufrieden! Sie setzt sich sehr für die Patienten ein, und  ich habe nur Lob von allen Seiten gehört. Das sind immer wieder Aufsteller für mich.

In der Schule in Alwar hat sich wieder viel getan! Im November habe ich gesehen, dass die angefangenen Klassenzimmer immer noch nicht fertig sind und hatte beschlossen, dass unser Verein wenn möglich diese Räume fertig baut. Dank vieler Spenden vor Weihnachten war ich Anfang Januar glücklich, dass wir für den Weiterbau grünes Licht geben konnten. Da rief mich Malick an und sagte, dass die Dorfbewohner nun doch mit Unterstützung ihrer Verwandten die Klassenzimmer fertig bauen werden. Spontan beschlossen wir, dass wir das zur Verfügung stehende Geld für den Bau eines 3. Klassenzimmers für das Collège in Alwar nehmen wollen. Als wir dann nach Alwar kamen, stellte sich heraus, dass Studenten aus Grossbritannien, die einen Dozenten aus Senegal haben, zwei Klassenzimmer finanzieren werden und eine Woche lang in Alwar beim Bau mithelfen wollen. Sie kamen schon 2 Tage später an und haben das Dorfleben ganz schön durcheinander gebracht! Das waren natürlich tolle Neuigkeiten und mit vier Klassenzimmern ist das Collège dann komplett.

Also besprachen wir uns nochmal mit dem Direktor und dem Leiter der Elternvereinigung und beschlossen mit unserem Geld ein Lehrerzimmer zu bauen. Es ist sofort gebaut worden und die Lehrer sind sehr zufrieden, dass sie nun ein eigenes Lehrerzimmer haben.

Im Jahresbericht habe ich geschrieben, dass die Frauen von der Primarschule in Ndioum dringend einen Raum für ihre Schulkantine benötigen. Ich konnte einige Gönner, die gerne Frauenprojekte unterstützen,  für diese Idee gewinnen, und Anfang Mai konnten wir mit dem Bau eines kleinen Raumes beginnen. Die Frauen sind überglücklich, denn Anfang Juni ist dieser schon bezugsbereit.

Da ich wusste, dass Niels Hörnö im März wieder eine Woche Zahnbehandlungen, dieses Mal in Mbettite, machen wollte, habe ich die Gelegenheit benutzt und von Mbour aus alles Nötige mit dem Krankenpfleger in Mbettite besprochen und organisiert. So konnte Niels mit 2 Kollegen/innen gleich vom ersten Tag an speditiv arbeiten, d.h. wieder Zähne ziehen! Der Gesundheitsposten in Mbettite ist für ihn sehr gut geeignet und die Mithilfe der Angestellten war super, wie mir Niels berichtete. Sie konnten in 2 Räumen arbeiten und die Einteilung der Patienten verlief nicht so chaotisch wie in Ndioum/Alwar. Zufrieden kehrte die kleine Gruppe nach Hause zurück, und sie wollen auch 2018 wieder nach Senegal kommen und mit mehr Zahnprophylaxe und richtigen Behandlungen ihre Tätigkeit noch ausbauen.

Für die Geburtsabteilung in Mbettite haben wir dank einer Spenderin noch eine Wärmebox für die Neugeborenen anfertigen lassen. Die Hebamme hatte mir beim letzten Besuch erzählt wie wichtig das für sie ist. Danke!

Eine Enttäuschung war es für mich, dass es nun definitiv nicht geklappt hat mit der Eröffnung des Collège inMbettite. Das Schulministerium ist total unflexibel. Nun wurde der Antrag noch einmal neu gestellt und dieses Mal schon für 3 Klassenzimmer. Der für diesen Bezirk zuständige Minister war vor kurzem persönlich vor Ort und nun hoffe ich wirklich, dass die Schule im Schuljahr 2017/18 eröffnet werden kann. Wir haben nach meinem Vortrag beim Martin-Luther-Bund in Zürich schon eine erste Tranche der  Kollektengelder erhalten und konnten mit den Ziegeln und dem Fundament für das 3. Klassenzimmer anfangen. Nun hoffe ich so bald wie möglich die 2. Tranche zu erhalten, damit wir den Bau fertigstellen können. Und für das 4. Klassenzimmer haben wir die gerade eben die Zusage zur Finanzierung, samt Schulmöbeln, von der Stiftung PRONOIA erhalten, vielen herzlichen Dank!

Wieder zu Hause angekommen, wartete die Buchhaltung darauf, dass das Jahr 2016 abgeschlossen wird und der Advisa Treuhand zur Revision vorgelegt werden kann. Das ist jedes Jahr eine Herausforderung für mich, da 3 Währungen berücksichtigt werden müssen und die Kurse in Senegal sehr schwanken. Aber es ist alles in Ordnung und wer Interesse hat den Revisionsbericht einzusehen, kann sich gerne bei mir melden. Ein herzlicher Dank geht an die Advisa Treuhand Anstalt für die kostenlose Revision und jedes Jahr wieder für die Geduld von Sascha Vogt bezüglich meiner vielen Fragen!

Ein bedeutsamer Schritt für alle in FL humanitär tätigen Vereine war die Gründung des  Netzwerksfür Entwicklungszusammenarbeit am 24. Januar 2017. Zu einem kleinen Festakt waren neben den Gründungsmitgliedern auch das Auswärtige Amt, der LED und der Verein liechtensteinischer gemeinnütziger Stiftungen (VlgS) eingeladen. Bei der Podiumsdiskussion wurde ganz klar von allen Seiten betont wie wichtig unser Zusammenschluss ist. Inzwischen haben schon mehrere interessante Gespräche und Weiterbildungen stattgefunden. Eine gemeinsame Homepage ist in Arbeit und unser nächstes Treffen findet Ende Juni statt, bei dem wir unter anderem auch einen kürzeren Namen für uns suchen! Inzwischen sind 28 Mitglieder unserem Netzwerk beigetreten, ein Beweis, dass viele das Bedürfnis nach Vernetzung haben.

Leider habe ich für dieses Jahr noch keine weiteren Aktivitäten = Spendenaktionen mit Schulen oder anderen Vereinen organisieren können. Wenn jemand von euch eine Idee hat wen ich ansprechen könnte, bin ich sehr dankbar dafür. Es geht mir dabei auch um das Thema Migration. Ich denke, dass wir mit unseren Projekten wesentlich dazu beitragen können, dass die Menschen in Zukunft in ihrer Heimat bleiben. Wir schaffen  mit dem Bau von Schulen die Grundlage für ein Basiswissen, das vielen Kindern die Möglichkeit gibt einen Beruf zu erlernen. Der Staat sollte dann die nötige Infrastruktur für Ausbildungsplätze und vor allem auch Arbeitsstellen schaffen. Das ist noch ein langer Weg, aber wir haben gemeinsam einen wesentlichen Teil zur Entwicklung dieses besonderen, friedlichen Landes beigetragen. Dafür möchte ich allen meinen treuen Gönnern und Spendern ganz herzlich danken. Ohne eure Unterstützung, in jeder Beziehung, hätte ich nicht 10 Jahre lang so viel Hilfe vor Ort leisten können. Natürlich möchte ich an dieser Stelle auch wieder einmal Malick für seine wertvolle und korrekte Mitarbeit danken. Auf ihn kann ich mich voll und ganz verlassen, was meine organisatorische Arbeit wesentlich erleichtert.

Nun bin ich gespannt was dieses Jahr noch alles bringen wird. Ich plane nicht mehr zu lange im Voraus, sondern treffe meine Entscheidungen den Bedürfnissen entsprechend. So wie es jetzt aussieht werde ich wieder im November nach Senegal reisen. Dann wartet auch eine neue Anfrage auf mich, die ich prüfen will. In Ndioum gibt es einen staatlichen Kindergarten mit 4 Räumen und 2 provisorischen Klassenzimmern. 2 Räume sind an den Verein für Behinderte vermietet, die auch zu wenig Platz haben. Ich habe die Anfrage für den Bau von Klassenzimmern im Januar im letzten Moment erhalten und konnte den Kindergarten deshalb noch nicht besuchen. Doch der Kindergarten interessiert mich, und das ist bestimmt ein Programmpunkt im November. Kindergärten sind im Senegal noch nicht sehr häufig, viele werden von Privatpersonen geführt und die Frauen erhalten kein fixes Gehalt, leisten aber sehr wertvolle Arbeit. Der erwähnte Kindergarten ist staatlich und wird von ausgebildeten Kindergärtnerinnen geführt, was natürlich eine gewisse Kontinuität gewährleistet.

Mit den besten Wünschen für einen genussvollen Sommer verabschiede ich mich mit lieben Grüssen von euch bis zum nächsten Brief!

Jahresbericht 2016 und Reisebericht vom November 2016

Für unseren Verein geht ein  ereignisreiches Jahr zu Ende. Deswegen ist es mir ein Bedürfnis, mit diesem Jahresbericht alle meine lieben Spender an unseren Aktivitäten teilhaben zu lassen. Ich war Anfang November 2016 noch einmal im Senegal und so wird dieser Bericht auch gleichzeitig der Reisebericht sein.

Ende Oktober war es wieder soweit, ich konnte mit 2 vollgepackten Koffern nach Senegal reisen. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken, von denen ich immer wieder schöne Sportbekleidung, Laptops, Handys, T’Shirts etc. erhalte. Diese Dinge werden sehr geschätzt. Malick verteilt sie im Laufe der Zeit gezielt an Bedürftige und Leute, die uns immer wieder helfen. Ich wusste, dass es dieses Mal sicher sehr heiss sein wird (39°) und habe mein Programm dementsprechend angepasst. Viele Gespräche im klimatisierten Hotel und Verabredungen am Vormittag oder frühen Abend. So habe ich ohne grössere Probleme alles, was ich mir vorgenommen hatte, geschafft. Aber ich habe auch bemerkt, dass die Hitze schon ein grosses Hemmnis ist für eine effiziente Arbeit. Alles ist sehr verlangsamt und mehr als 2 Treffen kann man an einem Tag nicht organisieren. Und alle lassen sich Zeit! Geduld war gefragt.

Wir hatten dieses Jahr wieder eine sehr erfreuliche Bautätigkeit. Angefangen mit den 2 Klassenzimmern in Doubangué, von denen ich im März schon berichtet habe. Nun erzählten mir die Lehrer, dass sie dank der verbesserten Infrastruktur wesentlich bessere Ergebnisse mit den Schülern erzielt haben als in den vergangenen Jahren. Dies ist ein grosser Erfolg! Bei meinem Besuch im März habe ich vom Dorf unter anderem die Anfrage bekommen eine Krankenstation zu bauen. Nach gründlicher Ueberlegung haben wir uns entschlossen, beim LED einen Kleinprojektantrag zu stellen, damit wir dieses Bauprojekt finanzieren können. Denn ich habe erfahren, dass ein wirklich grosses Bedürfnis dafür vorhanden ist. Vom Dorfchef und vom Leiter des nächstgelegenen Gesundheitspostens Cheikh Sow kamen im Laufe des Jahres gezielte Anfragen und Erklärungen für die geplante Verwaltung. Von Peter Ritter vom LED hatte ich grundsätzlich schon die Zusage für eine Unterstützung, nun mussten „nur“ noch bestimmte organisatorische Details abgeklärt werden. Wir hätten das mit einer Sitzung erledigt, aber nicht so im Senegal! Zuerst gab es wieder einen grossen Empfang im Dorf mit allen Schulkindern und vielen Danksagungen, dann Besichtigung des Grundstücks und gemeinsames Essen auf dem Boden, danach konnte ich endlich noch meine Listen und abzuklärenden Fragen anbringen. Es war schon viel Vorarbeit geleistet worden, aber wichtige Details fehlten noch. 2 Tage später hatte ich alles in Händen! Cheikh Sow war mit seinen Kosten für die Einrichtung aber sehr tief geblieben, um ja unser Budget nicht zu überschreiten. Damit hätten wir keine gute Einrichtung finanzieren können! Also musste diese Liste nach meiner Abreise nachgeliefert werden. Leider hat er sich damit nun sehr viel Zeit gelassen. Ich bin sehr beeindruckt von diesem Dorf und seinen Bewohnern. Der Dorfchef will wirklich, dass sich sein Dorf entwickelt. Gerne gebe ich euch noch einige interessante Informationen weiter. Das 1944 gegründete Dorf zählt 1‘571 Einwohner und 5 umliegende Dörfer mit 3‘350 Einwohnern würden auch von dem Case de Santé profitieren. Besonders prekär ist die momentane Situation ohne Gesundheitsversorgung natürlich für die ca. 2‘000 Frauen und 500 Kinder. Der nächste Posten ist 6 – 10 km entfernt und wenn man mit einer Charrette unterwegs ist, ist das sehr weit, besonders bei Geburten. Im Laufe des Jahres haben die Bewohner beschlossen, dass sie 4 Jugendlichen aus dem Dorf die Gelegenheit geben wollen, eine Ausbildung zum Krankenpfleger  zu machen, die dann im neuen Posten arbeiten können. So wird nun Geld für die Ausbildung gesammelt, das eine Frauengruppe verwaltet. Denn sie wollen, im Gegensatz zu Alwar, selbst für die Unterhaltskosten des Case de Santé aufkommen. So können wir sicher 2017 das neue Projekt in Angriff nehmen!

Ein weiteres Bauprojekt war der Bau von 2 Klassenzimmern für das Collège in Mbettite. Wir hatten das Glück, dass uns die Stiftung PRONOIA im August 10‘000.- für diesen Bau zukommen liess. Dafür sage ich recht herzlichen Dank. So konnten wir das 2. Klassenzimmer bauen und noch 30 Schulmöbel anfertigen lassen. Da die Ziegel für den Bau zu 80% von den Dorfbewohnern schon gemacht waren, wurden die Klassenzimmer einiges billiger, trotz hoher Transportkosten. Die Dorfbewohner hatten ausserdem zugesagt, dass sie die Toiletten bauen werden, die aber noch nicht ganz fertig waren bei meinem Besuch. Leider ist nun auf dem bürokratischen Weg irgendetwas schief gelaufen und der Schulbetrieb konnte, obwohl von Seiten des Ministeriums bewilligt, nicht aufgenommen werden. Mir wurde gesagt, dass im ganzen Bezirk Fatick, zu dem Mbettite gehört, kein Collège eröffnet wurde, obwohl die Voraussetzungen erfüllt waren. Das habe ich in den 10 Jahren meiner Tätigkeit noch nie erlebt. An Lehrermangel kann es nicht liegen, denn es wurde mir bestätigt, dass es genügend Lehrer im Senegal gibt. Die Enttäuschung war natürlich besonders für die Schüler sehr gross. Aber trotzdem wurde wie immer ein kleines Fest organisiert, bei dem die Bevölkerung ihren Dank ausgesprochen hat und besonders Malick und Mathias für ihren tollen Einsatz gedankt wurde. Nun hoffen alle, dass die Schule ihre Türen so bald als möglich öffnen kann, Geduld ist wieder einmal gefragt! Wir haben jetzt beschlossen, dass wir mit dem Bau des 3. Klassenzimmers, der so wie es aussieht mit Kollekten vom Martin-Luther-Bund der Schweiz finanziert werden wird, warten bis der Schulbetrieb läuft. Ausserdem ist unsere Bedingung, dass bis dahin auch die Toiletten fertig sein müssen. Neben den Bauarbeiten gab es noch ein kleines Projekt am Rande, aber mit grosser Wirkung! Der Wasserturm in einem benachbarten Dorf, von dem wir das Wasser für die Bauarbeiten nehmen sollten, war kaputt. Während dem Bau des 1. Klassenzimmers musste das Wasser aus allen möglichen Brunnen in der Umgebung geholt werden. Malick berichtete mir, dass Menschen und Tiere seit vielen Wochen sehr unter dem Wassermangel leiden. Auf meine Frage warum denn die Reparatur nicht schneller geht, hiess es, dass alle Ersatzteile da seien, aber das Geld für die Handwerksarbeiten, die mit einer Spezialmaschine gemacht werden müssen, nicht vorhanden sei. Kosten ca. 600.-. Da ich wusste, dass die Gemeinde Mauren bevorzugt Energieprojekte unterstützt, habe ich eine Anfrage an Vorsteher Freddy Kaiser gerichtet. Sehr spontan hat er mir 1‘000.- zugesagt und die Reparatur war in einer Woche gemacht! Die Dankbarkeit der Bewohner von mehreren Dörfern rund um Mbettite ist grenzenlos. Sie haben wochenlang gelitten und waren recht verzweifelt. Herzlichen Dank an die Gemeinde Mauren!

Die Frauen in Mbettite arbeiten weiterhin erfolgreich mit ihrer Hirseschälmaschine, die nach der Rückzahlung des letzten Kredits im März nun ihnen gehört.

In Alwar hatte ich zwei wichtige Dinge zu erledigen. Als erstes wollte ich natürlich die neue Krankenschwester unseres Gesundheitspostens kennenlernen, die seit Juni dort arbeitet. Ich war angenehm überrascht wie gut sie sich eingearbeitet hat und wie sehr sie geschätzt wird von der Bevölkerung. Eine wirklich sympathische junge Frau, die besonders die gute Zusammenarbeit mit der Geburtshelferin hervorhob und wie viel sie von ihr lernen kann.Die staatliche Anerkennung läuft senegalesisch langsam, ist aber nach wie vor auf gutem Weg, wurde mir versichert. Der LED und auch die Dorfbewohner  haben nochmals einen Brief ans Gesundheitsministerium geschrieben,  mehr kann man nicht machen. Alle fragten nach Zahnarzt Niels, niemand hatte irgendwelche Probleme nach seiner Behandlung im März. Sie freuen sich schon auf seinen nächsten Besuch! Doch das wird noch eine Weile dauern, da er im März 2017 nach Mbettite in die Krankenstation gehen wird. Dort habe ich mit den zuständigen Personen alles für seinen Besuch vorbereitet. Dieses Mal wird er einen Kollegen und dessen Tochter und eine Kollegin mitbringen, so können sie in 2 Räumen behandeln. Der Leiter der Station und das ganze Personal sowie der Leiter der Gesundheitskommission heissen ihn herzlich willkommen, denn auch hier ist der Bedarf an einem Zahnarzt enorm hoch.

Im letzten Reisebericht habe ich vom neuen Collège in Alwar berichtet. Meine letzte Information war, dass die Dorfbewohner die Fertigstellung der angefangenen 2 Klassenzimmer mit Hilfe von Spenden ihrer Verwandten in Dakar und Europa selbst finanzieren wollen. Es wurde schon weitergebaut, doch die Klassenzimmer sind immer noch nicht fertig. Deswegen muss der Unterricht nach wie vor in den einsturzgefährdeten Räumen der Primarschule stattfinden. Da es inzwischen eine weitere Klasse gibt, muss in Schichtbetrieb unterrichtet werden. Im Sommer haben wir einen Brief mit der Anfrage für die Fertigstellung der angefangenen Räume und den Bau von weiteren 2 Klassenzimmern erhalten. Da wir aber vom Collège Ndioum schon vor 1 Jahr die Anfrage für ein Lehrerzimmer erhalten hatten, haben wir beschlossen, dieses als nächstes Projekt zu finanzieren. Das Collège Alwar ist nun auf unserer Liste für 2017. Wir haben für die Schule in Alwar einen Drucker/Kopierer gekauft, der für die Benutzung von beiden Schulen gedacht war, da sie auf dem gleichen Gelände sind. Leider ist die Zusammenarbeit der beiden Schulen nicht optimal. Ich habe sie gebeten, dafür eine Lösung zu finden. Die Frauengruppe in Alwar trifft sich nach wie vor regelmässig und arbeitet mit dem erhaltenen Kredit zuverlässig.

In Ndioum konnten wir für das Collège dank grosszügiger Spenden, unter anderem von der LGT Group Foundation 1’000.-, das lang ersehnte Lehrerzimmer bauen. Auf Wunsch der Lehrer wurde daraus ein kleiner Bürotrakt mit 4 Räumen mit nur wenig grösseren Dimensionen als ein Klassenzimmer. Ich fand  das eine gute Idee und konnte mich von der gelungenen Ausführung bei meinem Besuch überzeugen. Leider gibt es dort eine Aenderung. Der Direktor Abdoulaye, der sich so sehr für diese Schule eingesetzt hat, ist befördert und in eine andere Stadt versetzt worden. Das auch dank seiner grossen Leistungen. Denn das Collège ist unter den 100 besten Schulen im Senegal, bezogen auf die Uebertrittsprüfungen ins Gymnasium. Deswegen hat der Staat der Schule auch einen Extrazuschuss für Schulmaterial zukommen lassen. Um die Ausbildung in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern zu verbessern, wurden in ganz Senegal 17 neue Gymnasien mit dieser Fachrichtung erbaut. Und für eines dieser Gymnasien ist nun Abdoulaye zum Direktor berufen worden. Das zeigt mir, dass das Schulministerium sehr wohl an einer Verbesserung der Ausbildung interessiert ist. Doch fliesst der Grossteil des Budgets in die höhere Schulbildung. Dabei wäre gerade die Basis so wichtig, denn ohne diese gibt es auch keine höhere Schulbildung. Ich habe bei meinem Besuch den neuen Direktor  des Collège kennengelernt, der auch sehr engagiert ist. Die meisten Lehrer sind die gleichen, also wird sich am Geist der Schule hoffentlich nicht viel ändern. Auch hier gab es wieder ein kleines Fest zur Einweihung des Bürotraktes. Die Schüler beeindruckten mich wieder mit kleinen Sketchen, die sie einstudiert hatten und ihren traditionellen Trachten und Tänzen.

In der Primarschule Amadou Hane, an der wir 2015 zwei Klassenzimmer gebaut haben, traf ich den Schulleiter. Er erzählte mir voll Stolz, dass ihre Schule die einzige ist, in der jedes Jahr 100% der Schüler den Uebertritt ins Collège schaffen. Das ist eine Superleistung. Bei unserem Besuch waren die Frauen gerade mit der Zubereitung der Schulkantine beschäftigt. Sie brauchen dringend einen Raum, um ihre Gerätschaften unterzustellen und um dort bei grosser Hitze kochen zu können. Ein Raum 4x4m würde genügen. Die Anfrage habe ich mir notiert.

Unsere Patenkinder waren recht erfolgreich dieses Jahr. Alle sind in die nächste Klasse gekommen, wenn auch nicht alle mit wirklich guten Noten. Doch leider hat unsere Mariam, die immer so eine exzellente Schülerin war, die Matura nicht bestanden. Wir wissen nicht warum, aber die Hitze war extrem dieses Jahr und auch die Vorbereitung nicht optimal, denn es gab viele Streiks. Wahrscheinlich war sie auch sehr nervös. Natürlich war sie sehr niedergeschlagen, doch wir haben sie ermutigt, dass sie nicht aufgeben soll und sie nächstes Jahr eine neue Chance hat zu zeigen, was sie kann. Ausserdem machen 2 weitere Schülerinnen in Ndioum die Matura und 2 Schüler in Mbour. Wir wünschen ihnen viel Erfolg und Durchhaltevermögen.

Ausserdem habe ich mich mit den Präsidentinnen der 2 Frauengruppen in Ndioum, die leider nicht mehr aktiv sind, getroffen. Es gab interne Unstimmigkeiten, einige Frauen haben sich nicht an die Abmachungen gehalten. Das Geld wurde, wie in so Gruppen üblich, an die Mitglieder vergeben, dann aber leider nicht korrekt zurückbezahlt. Eine Frauengruppe hat sich ganz aufgelöst. Sie war im ärmsten Quartier in Ndioum aktiv.Während 6 Jahren hat unser Kredit gute Dienste getan und zur Verbesserung des Lebensunterhalts geführt. Aber die Langzeitwirkung ist leider nicht erreicht worden. Den Schritt in eine neue Investition konnten sie nicht machen, wahrscheinlich hätten sie dafür mehr mentale Unterstützung gebraucht. Die andere Frauengruppe will eigentlich gerne wieder aktiv werden, aber die Präsidentin hat im Moment sehr grosse private Probleme. Ihr Sohn braucht eine neue Herzklappe und bis die Operation vorgenommen werden kann, sehr viel Medikamente. Auch ihr Mann muss operiert werden, sie wissen nicht wie es weitergehen wird. So lasse ich die Sache im Moment auf sich beruhen, denn eine andere Frau kann oder will die Rolle der Präsidentin nicht übernehmen. Auch von ihnen wurde die Idee des Kredits leider nicht richtig verstanden und umgesetzt. Malick hat mir nun erklärt, dass wahrscheinlich mit ein Grund dafür ist, dass speziell im Norden Frauengruppen immer wieder von Organisationen Geld bekommen um ihren Kleinhandel auszubauen. Und da müssen sie nichts zurückbezahlen. Ich habe wieder etwas gelernt!

Aber nicht nur in Senegal ist einiges gelaufen. Ich habe in der lutherischen Kirche in Vaduz und in Hittisau/Vlbg. Vorträge über unsere Projekte gehalten, so wurde mir bewusst, dass  wir inzwischen  21 Klassenzimmer gebaut! Ausserdem habe ich noch einmal die Primarschule in Lauterach besucht und Fotos und Filme gezeigt. Die Kinder haben mit grosser Begeisterung im Laufe des Jahres mehrere Aktionen für uns durchgeführt. Auch ihnen danke ich ganz herzlich für ihren Einsatz!

Und im Januar ist es dann soweit, dass die Studentin Jana Schneeberger mit mir nach Senegal reist und 6 Wochen in Ndioum wohnen wird. Dort kann sie in all unsere Projekte hineinschnuppern und mit den Kindern kleine Projekte machen. Ihr ist es jedoch das Wichtigste, das Leben in einem Entwicklungsland kennenzulernen. Deswegen will sie auch in einer Familie wohnen und sich ganz auf den dortigen Lebensrhythmus einstellen. Ich freue mich sehr auf ihr Kommen und wünsche ihr natürlich viele eindrückliche Erlebnisse. Die Lehrer, die Krankenschwester und auch die Familie werden sie herzlich willkommen heissen, sie freuen sich auch schon auf ihren Besuch.

In Liechtenstein wird im Januar 2017 ein Netzwerk für Entwicklungszusammenarbeit gegründet werden. Darin vereinigen sich bestehende private Organisationen, die sich in Ländern auf der ganzen Welt für deren Entwicklung einsetzen. Es dient zum gegenseitigen Austausch, der Sichtbarmachung des zivilgesellschaftlichen Engagements sowie der Verankerung der Entwicklungszusammenarbeit in Bevölkerung, Wirtschaft und Politik. Da ich dieses Netzwerk sehr wichtig finde, habe ich mich dort für die Mitarbeit zur Gründung eingetragen. Es wurden Leitlinien erarbeitet und einige Treffen mit interessierten Organisationen durchgeführt. Es sind im Moment 25, die am 24. Januar 2017 bei der Gründung des Netzwerks dabei sein werden. In FL gibt es jedoch mehr als 40 private Organisationen, die wie TERANGA Senegal arbeiten. Ich finde das eine ganz erstaunliche und auch ermutigende Zahl! Und alle sind auf Spenden angewiesen, um ihre Hilfe leisten zu können. Ohne unsere treuen Spender, die Vertrauen in unsere Arbeit haben, wäre das nicht möglich.                                         An dieser Stelle sage ich wieder ein aufrichtiges „Vergelt’s Gott“ an alle, die mit ihren regelmässigen Spenden unsere Projekte unterstützen. Wir tragen damit wirklich zur Verbesserung der Lebensqualität von vielen Menschen in Ndioum und Umgebung sowie in Mbettite bei. Das wird mir bei jedem Besuch bestätigt. Auch wenn die Früchte der Schulbildung nicht sofort sichtbar sind, weil es noch an vielem anderen mangelt, so ist auf jeden Fall der Grundstein für eine stete Entwicklung gelegt.

Zum Ausklang des Jahres wünsche ich euch allen eine friedvolle Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes  Jahr 2017 mit guter Gesundheit und Liebe und Wertschätzung und Frieden für alle Menschen!

Herzliche Grüsse

Ute

Manchmal geschieht es, dass Menschen gut zu anderen sind                                      und füreinander sorgen

Dann ist Weihnacht

Manchmal geschieht es, dass Menschen einen Streit beenden und sich wieder vertragen

Dann ist Weihnacht

Manchmal geschieht es, dass Menschen sich einsetzen für Schwächere, denen Unrecht geschieht

Dann ist  Weihnacht

Warte nicht auf Weihnachten!  Weihnachten kommt nicht dann  wann Weihnacht werden soll

                      Weihnachten wird durch dich, durch mich, durch uns

Vielleicht durch unser Reden, eher durch unser Tun, am ehesten durch unser Sein.

Neues Vereinskonto auf der Landesbank: LI91 0880 0550 6483 62001

 

 

 

 

Reisebericht März 2016

Reisebericht März 2016

Nach einer langen Pause von 1 Jahr war es am 12. Februar 2016 wieder so weit, dass ich nach Senegal  reisen konnte. Ich hatte mir vorgenommen meine Kräfte einzuteilen, denn meine Gesundheit war in letzter Zeit etwas angeschlagen. Das ist mir auch gelungen, trotz der vielfältigen Aufgaben, die es zu erledigen gab. So bin ich nach 3 Wochen gut erholt und mit vielen eindrücklichen Erlebnissen wieder zu Hause angekommen.

Doch nun von Anfang an: am 12. Februar war es soweit, dass ich zusammen mit Zahnarzt Niels Hörnö und 6 vollgepackten Koffern Richtung Senegal abfliegen konnte. Ich hatte sehr viel Sportbekleidung, T‘Shirts und Kulis für die Kinder eingepackt. Niels mit Uebergepäck, darin war alles was er für seine Behandlungen brauchte. In Paris ist noch die Schwester von Niels aus Dänemark, die auch Zahnärztin ist, zu uns gestossen und wir kamen ohne grössere Schwierigkeiten in Dakar durch die Zollkontrolle und alles Gepäck war da! Leider hatte ich in Dakar ein Hotel in der Nähe des Flughafens gebucht, sodass unser Wunsch nach einer ruhigen, erholsamen Nacht nicht in Erfüllung ging. Das nächste Mal weiss ich es besser! Am nächsten Tag dann die lange Fahrt in den Norden, dieses Mal mit einem grossen bequemen Auto und gutem Chauffeur.

Voll Tatendrang haben wir uns am nächsten Tag zur Krankenstation in Ndioum begeben, dort hat Niels die ersten 2 Tage behandelt. Schon von weitem sahen wir, dass eine grosse Menschenmenge vor der Station versammelt war – sicher weit über 100 Leute! 2 Tage zuvor hatte der Leiter im Radio eine Durchsage gemacht, dass am Sonntag ein Zahnarzt kommt und die Behandlungen gratis sind. Das hatten wir nicht erwartet! Und es war dann auch nicht einfach in dieser Hektik alles herzurichten, vor allem, da der leitende Arzt fand, dass alles viel schneller gehen müsse – und das in Senegal! Alle waren ein wenig überfordert, aber Gott sei Dank haben Niels und Malene die Ruhe bewahrt, denn nach 1 1/2 Stunden war alles fertig für den ersten Patienten. Und dann hat Niels stundenlang Zähne gezogen…….die beiden haben wie Roboter gearbeitet, und das unter wirklich prekären Bedingungen – heiss, staubig, ein kleiner Raum ohne Klimaanlage – ich habe sie sehr bewundert. Am zweiten Tag war es dann etwas besser organisiert, wenn es auch nicht möglich war die wirklich akuten Fälle herauszufinden. Wenn Niels sagte, dass er in erster Linie die Patienten behandeln wolle, die Schmerzen haben, hielten sich die Leute plötzlich ein Tuch vor den Mund und klagten über starke Schmerzen!!! Ueber Mittag wurde es dann schon recht heiss und viele Wartende konnten von dem überdachten Unterstand profitieren, den wir letztes Jahr für die Mütter mit unterernährten Kindern gebaut hatten. Am 3. Tag machten wir uns auf den Weg nach Alwar zu unserer Krankenstation, dort bot sich uns das gleiche Bild wie in Ndioum – über hundert Menschen warteten auch hier auf den Doktor! Inzwischen hatte Niels schon Routine mit dem Aufbauen seiner Praxis. Auch hier waren leider keine wirklichen Behandlungen gefragt, sondern nur Zähne ziehen. Unser Stationsleiter hat übersetzt und Medikamente verteilt, Malene hat assistiert. Niels war z.T. schon recht gefordert, denn die Zähne waren oft in einem sehr schlechten Zustand und was er zu sehen bekam war recht unappetitlich! Am 2. Tag wurden wir sehr herzlich mit singenden Schulkindern empfangen, die besonders Malene die traditionellen Kleider und Schmuck zeigen wollten. Danach waren die Kinder mit den Untersuchungen an der Reihe, auch bei ihnen leider sehr schlechte Zähne. Sie essen zu viele Süssigkeiten und putzen die Zähne nicht regelmässig oder gar nicht. Ein Lehrer war bei den Behandlungen dabei, denn die Kinder waren doch sehr aufgeregt. Nach dem 3. Tag in Alwar musste Niels dann leider aufhören, da er nicht genügend Spritzen mitgenommen hatte. Er hatte inzwischen ca. 200 Zähne gezogen, und er und Malene waren doch recht müde nach diesen anstrengenden Tagen. Die Menschen, die nicht behandelt werden konnten, freuen sich schon auf das nächste Mal wenn Niels kommt! Eine Behandlung, die nicht weh tut und nichts kostet gibt es nicht so oft.

Während Niels Zähne gezogen hat, habe ich an 3 Tagen mein Programm erledigt. In Alwar hatten wir eine lange Sitzung mit allen wichtigen Personen wegen der staatlichen Anerkennung unserer Station, die immer noch auf sich warten lässt. Ich habe etwas Druck gemacht und gesagt, dass wir nicht bereit sind noch jahrelang für alle Kosten aufzukommen. Daraufhin wurde ein Plan ausgearbeitet wie die Dorfbewohner noch einmal über das Fernsehen und Radio die Ministerin sensibilisieren wollen. Auch Leute von Alwar, die auf Regierungsebene Einfluss nehmen können, sollen miteinbezogen werden. Der LED wird ebenfalls einen weiteren Brief ans Gesundheitsministerium schicken. Erfreulicherweise fängt im April wieder eine staatlich geprüfte Krankenschwester in Alwar an, sodass eine geregelte Krankenversorgung gewährleistet ist. Im letzten Jahr gab es leider recht viel Wechsel. Die letzten Monate hat Omar Sall interimistisch wieder die Station geleitet, leider hat er seine Prüfungen zum staatlich geprüften Krankenpfleger auch letztes Jahr nicht bestanden und kommt für uns deshalb nicht als Leiter in Frage.

Von der Schule in Alwar gibt es auch etwas Neues zu berichten. Im letzten Jahr wurde ein Collège bewilligt, und der Unterricht für die ersten 2 Klassen hat schon begonnen. Die Dorfbewohner haben mit dem Bau von 2 Klassenzimmern angefangen, die aber wegen Geldmangel noch nicht fertig gestellt werden konnten. So gibt es leider wieder Provisorien. Da wir schon letztes Jahr beschlossen haben, dass unser nächstes Projekt in Mbettite sein wird, können wir dort nicht weiterhelfen. Doch wir erhielten eine Anfrage für die Anschaffung eines Druckers. Auch hier wird inzwischen sehr viel mit Arbeitsblättern gearbeitet und es müssen Listen und Erhebungen erstellt werden – ich konnte es gar nicht glauben! Den Drucker können wir sicher anschaffen, bei der nächsten Sitzung unseres Vereins wird darüber abgestimmt werden. Im Schulgarten wurde schon das erste Gemüse gepflanzt, dank einer Wasserleitung ist das Bewässern nun kein Problem.

In Ndioum habe ich alle Abrechnungen für die Patenkinder kontrolliert und auch einige getroffen. Es war kein günstiger Moment für Besuche, da gerade die ersten Prüfungen durchgeführt wurden und so kein geregelter Unterricht stattfand. Alle Patenkinder haben das Klassenziel erreicht und alle sind gute Schüler/innen. Ein Mädchen macht dieses Jahr Abitur, eine ausgezeichnete Schülerin. An allen von uns ausgebauten Schulen habe ich viele Kulis verteilt und mich mit den Lehrern unterhalten. Mir ist der persönliche Kontakt weiterhin wichtig. Ein ganz besonderer Termin war natürlich der Besuch der Schule in Doubangué. Dort haben wir letztes Jahr 2 Klassenzimmer und 2 Toiletten gebaut. Das Dorf habe ich letztes Jahr besucht und war sehr beeindruckt (siehe Bericht vom letzten Jahr). Da ich immer nicht ganz zufrieden war mit der optischen Erscheinung unserer Klassenzimmer, hatten wir  beschlossen die neuen Klassenzimmer etwas schöner zu gestalten. Ich hatte von Malick schon Fotos  bekommen und war nun sehr gespannt sie selbst zu sehen – und wurde positiv überrascht! Die neuen Klassenzimmer sind zwar ein wenig teurer, sehen aber viel einladender aus und sind auch zweckmässiger mit der kleinen Veranda. Die Schüler, Lehrer und Dorfbewohner haben uns einen überaus herzlichen Empfang bereitet mit selbstgebastelten Fähnlein und Singen und die Dankbarkeit war offensichtlich. Die Frauen haben mir wieder ein neues „Kleid“ aus einem schönen Batikstoff geschenkt und mich sofort als Afrikanerin angezogen! Am Schluss der vielen Dankesreden kamen natürlich noch die weiteren Bitten um Unterstützung. Unter anderem für eine Krankenstation. Und die Frauen benötigen dringend eine Mauer um ihren Gemüsegarten, da die Ziegen über den Zaun springen und alles wegfressen.

Am letzten Tag in Ndioum mussten wir die ganze Ausrüstung von Niels staubsicher verpacken, denn er hat für einen weiteren Besuch alles bei Malick gelassen. Ausserdem waren wir noch einmal zu einem kleinen Fest  ins Collège eingeladen, das sich nachher doch als recht gross herausgestellt hat. Niels meinte auch, dass wir ja letztes Mal schon genug gefeiert worden sind, doch nun war Malene dabei und das war ein guter Grund, um nochmals mit vielen Ansprachen und Geschenken und lustigen Sketchen der Schüler danke zu sagen. Jedes Mal sind dann offizielle Vertreter des Ministeriums dabei und zeigen sich sehr beeindruckt, aber sie bauen nicht an der Schule weiter. Inzwischen hat das Collège fast 1000 Schüler und es fehlen weitere 2 Klassenzimmer und vor allem ein grosses Lehrerzimmer. Im Moment steht nur ein Provisorium unter einem Baum, das gerade mal vor der Sonne schützt. Ich frage mich was sie bei den heftigen Sandstürmen machen, die jetzt bald anfangen. Das sind schon sehr extreme Bedingungen um einen guten Unterricht halten zu können. Sehr beeindruckt von allem Erlebten sind wir dann am nächsten Tag nach Mbour gefahren, wo sich Niels und Malene noch 3 Tage ein wenig am Meer erholt haben.

Für mich gab es dann nach ihrer Abreise noch einiges zu tun. Mit Mathias habe ich die Abrechnungen für die Patenkinder von Mbour und Mbettite gemacht. Es geht ihm wieder ganz gut und ich war sehr zufrieden. Leider sind die Schüler nicht so gut wie in Ndioum. Auch hier konnte ich nur einige Kinder treffen, aber Mathias hatte mir die Zeugnisse besorgt, sodass ich mir ein Bild machen konnte.

Dann habe ich auch Frau Nyatte besucht, der wir letztes Jahr € 100 geschenkt haben, damit sie mehr Kleinhandel betreiben kann. Es ist unglaublich was diese Frau mit dem wenigen Geld alles erreicht hat. Ich kann es in diesem Brief nicht alles aufzählen, weil das ganze Vorgehen so anders ist wie bei uns – aber ich war zutiefst beeindruckt. Vor allem auch wie wohlüberlegt sie investiert und wieder verkauft hat, bis zum heutigen Tag. Deswegen habe ich ihr mit gutem Gewissen noch einmal CHF 200.- geschenkt – eine Spende von jemand, die gerne wollte, dass eine Frau damit unterstützt wird. Ich bin sicher, dass auch dieses Geld viel Gutes bewirkt.

Doch das Wichtigste war dieses Mal mein Besuch in Mbettite. Ich hatte dort 3 Dinge auf dem Programm: Niels hatte mich gebeten in der neu erbauten Krankenstation herauszufinden ob es für ihn dort auch eine Möglichkeit gäbe für Zahnbehandlungen. Leider war der Leiter der Station genau an diesem Tag an einer Weiterbildung, so konnte ich nur mit dem Praktikanten reden. Die Räume sind gut geeignet, doch gibt es dort noch keinen Strom und mit der Wasserversorgung hapert es öfter. Dafür könnten wir aber Lösungen finden. Ein Bedarf an zahnärztlichen Behandlungen ist auch hier auf jeden Fall vorhanden, und so könnte Niels an zwei verschiedenen Orten seine Hilfe leisten. Der zweite Programmpunkt war der Besuch bei der Frauengruppe, die mir die letzte Rate ihres Kredites für die Hirseschälmaschine zurückzahlen wollten. Wie immer nahmen sich die Frauen alle Zeit der Welt um nach und nach zu erscheinen, und meine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, denn es wurde schon sehr heiss und mein Kreislauf reklamierte heftig. Da tat ein Schluck Cola ganz gut und durch ein interessantes Gespräch mit Pfarrer Ndeb wurde ich etwas abgelenkt. Doch schliesslich waren dann einige Frauen parat und nach herzlichen Dankesworten wurde mir die letzte Rate zurückbezahlt. Die Frauen haben mit einem Teil ihres Verdienstes eine Wasserleitung zum Grundstück des Collège legen lassen, damit Wasser für die Bauarbeiten vorhanden ist und auch nachher für den Schulbetrieb. Das fand ich eine sehr schöne Geste. Die Verwaltung der Maschine klappt nach wie vor reibungslos, auch dank der regelmässigen Unterstützung von Pfarrer Ndeb. Und dann ging es endlich zum Grundstück, wo das Collège gebaut werden soll! Es war schon sehr heiss, und ich habe darum gebeten nicht zu viele Reden zu halten und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Als wir ankamen sah ich schon von weitem einen grossen Sonnenschutz aufgebaut und unter dem Baum die Tommler zum Empfang – also gab es doch wieder eine grössere Zeremonie! Von allen Seiten kamen Leute mit Stühlen und allmählich füllte sich der Platz, auch „meine“ Frauen kamen nun in schönen Kleidern an, und die Lehrer und der Dorfchef und Delegationen der umliegenden Dörfer waren von offizieller Seite anwesend. Die Ansprachen wurden dann wirklich verhältnismässig kurz gefasst und die üblichen Wiederholungen von allen Seiten fielen weg, wofür ich sehr dankbar war. Es ist nun wirklich so, dass die Regierung die Auflage gemacht hat, dass sie nur Lehrer für eine neu bewilligte Schule schicken wenn mindestens 2 Klassenzimmer gebaut sind und wenn möglich noch ein Lehrerzimmer. Es soll nicht mit Schilfmattenprovisorien angefangen werden. Seit 2 Jahren nun sammeln die Dorfbewohner der betroffenen 5 Dörfer Geld, um mit dem Bau anfangen zu können. Doch die Leute sind arm, sie leben vom Erdnuss- und Hirseanbau, da gibt es nicht viel Erspartes. Doch sie haben es geschafft 5 Tonnen Zement zu kaufen und haben davon nun Ziegel für das erste Klassenzimmer gemacht. Damit sind ihre Möglichkeiten erschöpft. Die Schule ist grundsätzlich genehmigt, doch die Räume fehlen. Dank grosszügiger Spenden von Privatpersonen ist es uns nun möglich wenigstens 1 Klassenzimmer zu bauen. Eventuell erhalten wir von der Stiftung PRONOIA noch weitere Unterstützung für den Bau eines 2. Klassenzimmers im Laufe des Jahres. Von ihr hatten wir 2015 schon einen Beitrag für den Bau des 2. Klassenzimmers in Doubangué erhalten. So könnte der Schulbetrieb im nächsten Schuljahr aufgenommen werden. Ich habe mit eigenen Augen gesehen wie die Schüler z.T. 10 km zu Fuss zur Schule gehen müssen, sie stehen um 5 Uhr auf und hoffen jeden Tag, dass sie vielleicht ein Fahrzeug wenigstens ein paar Kilometer mitnehmen kann. Ich sah sie nach Hause kommen, total müde, und jeden Tag wird es nun heisser (bis zu 40°). Leider haben nicht alle Familien die Möglichkeit ihre Kinder in Familien am Schulort unterzubringen. Dieses Collège ist wirklich ein grosses Bedürfnis, und ich bin froh, dass wir hier erste Hilfe leisten können. Alle eingehenden Spenden werden nun für dieses Projekt verwendet, danke für eure Unterstützung! Auch haben wir die Zusage vom Martin-Luther-Bund, dass im zweiten Halbjahr 2016 in der ganzen Schweiz eine Kollekte in allen lutherischen Kirchen für dieses Projekt durchgeführt wird, dafür danken wir jetzt schon herzlich.

Nachdem ich dann mit Malick alle Abrechnungen vom letzten Jahr durchgegangen war, er hat alles sehr gewissenhaft und korrekt gemacht, konnte ich noch 1 Woche Ferien in meinem kleinen Hotel am Meer geniessen und kam gut erholt und zufrieden wieder nach Hause.

Rückblickend kann ich sagen, dass ich bemerkt habe, dass sich in Senegal etwas bewegt, sehr langsam zwar, aber es geht ein wenig aufwärts. Es werden durch neue Landvermessungen und Grundbucheintragungen bessere Rahmenbedingungen für die Bauern geschaffen, das habe ich besonders in Ndioum gehört. Und in Alwar hat sich, auch dank unseres Engagements, die Einwohnerzahl in den letzten 4 Jahren verdoppelt! Die jungen Leute kehren zu ihren Wurzeln zurück. Ueber die Flüsse gibt es nun Brücken, anstatt der Fähren, und eine recht gute Strasse. Leider fehlt im Schulwesen noch sehr viel, deswegen gibt es auch immer wieder Streiks, sowohl in Schulen als auch an der Universität. Es freut mich aber, dass in „unseren“ Schulen meistens gearbeitet wird wenn die anderen streiken, da die Lehrer davon überzeugt sind, dass sie eine Verpflichtung gegenüber den Schülern haben. Und sie sagen: ach, Dakar ist weit weg!

Nun bin ich gespannt was uns dieses Jahr alles bringen wird, ich werde mich weiterhin mit allen Kräften für unsere Projekte einsetzen. Es würde mich freuen wenn ihr auch dieses Jahr die Projekte von „TERANGA Senegal“ unterstützen wollt, hierfür lege ich einen Einzahlungsschein bei. Auch steht unser Spendenkonto am Ende des Briefes. Unser Schwerpunkt bleibt die Förderung der Schulbildung, denn dies ist die nachhaltigste Hilfe, die wir erbringen können. Wir haben zusammen schon sehr viel erreicht, dafür danke ich euch allen immer wieder aufs herzlichste.

Im November werde ich, wenn alles gut geht, wieder nach Senegal reisen. Dann kann ich hoffentlich die neuen Klassenzimmer in Mbettite einweihen.

Mit den besten Wünschen für einen schönen Sommer bei guter Gesundheit und vielen schönen Erlebnissen grüsse ich euch herzlich

Spendenkonto: LLB Vaduz,TERANGA Senegal e.V.

CHF:  LI91 0880 0550 6484 6200 1

Euro: LI21 0880 0000 0224 0313 1, BIC: LILALI2XXXX

Reisebericht März 2015

Liebe Freunde der TERANGA Projekte

Seit meinem letzten Brief an euch sind erst 3 Monate vergangen, aber es hat sich schon wieder so viel ereignet, dass es bestimmt wieder ein langer Brief wird! Es ist mir wichtig, dass ich meine lieben Gönner immer auf dem Laufenden halte über den Verlauf der Projekte, denn nur so ist auch die Transparenz gegeben, die uns so wichtig ist. Und natürlich möchte ich euch auch teilhaben lassen an der Freude und Dankbarkeit der lieben Menschen im Senegal, die mir inzwischen so ans Herz gewachsen sind. Es kommen durch den Bau von neuen Klassenzimmern immer mehr Kinder in den Genuss eines geregelten, stressfreien Unterrichts, die erste Grundlage für eine bessere Bildung. Ich habe dieses Mal am eigenen Leib erlebt was es heisst bei Sandsturm unterwegs zu sein und in einem Schilfmattenprovisorium unterrichtet zu werden. Der Wind kommt wie bei uns der Föhn in Böen und mit unglaublicher Heftigkeit. Und er bringt Tonnen von Sand mit, man sieht keine 50 m weit, und der Sand ist überall! Die feinen Sandkörner sind wie Nadelstiche und sogar in den Häusern ist alles dick mit einer Sandschicht überzogen. So extrem habe ich das zum ersten Mal erlebt. Aber mir wurde gesagt, dass es besonders in der heissen Zeit viele solcher Stürme gibt. Wie gut geht es uns doch mit unserem gemässigten Klima!

Ehe ich mit dem Bericht der Projekte anfange, möchte ich der Gruppe „Garndrang“, die am Vaduzer Weihnachtsmarkt Mützen für den Bau eines Klassenzimmers verkauft haben, ganz herzlich danken für ihren grossartigen Einsatz. Es ist unglaublich, dass man mit dem Verkauf von Mützen CHF 14‘600 verdienen kann! Das Ergebnis hat alle unsere Erwartungen übertroffen, und wir konnten mit diesem Geld 2 Klassenzimmer bauen und 25 Schulmöbel anfertigen lassen. Bei meinem Besuch waren 2 Klassenzimmer bis auf den Verputz fertig und Lehrer und Schüler konnten ihr Glück kaum fassen. Ein Klassenzimmer wurde an der Primarschule gebaut, von der ich im Jahresbericht geschrieben habe. Es war fertig, konnte aber nicht benutzt werden, da nicht genügend Schulmöbel vorhanden waren. Aus diesem Grund liessen wir mit dem Restgeld die Schulmöbel anfertigen, sie sind jetzt schon ausgeliefert. Ich hatte geschrieben, dass in zwei Klassenzimmern noch die Fussböden fehlen. Auch die sind wie verabredet in den Weihnachtsferien gemacht worden. Nun ist die Schule fertig, wir haben sie bei Sandsturm besucht, an ein Fest war gar nicht zu denken. Aber wir haben uns lange mit den Lehrern unterhalten und den Kindern Kulis verteilt.

Das zweite Klassenzimmer, das von „Garndrang“ finanziert wurde, haben wir nun doch an der Primarschule von der kleinen Olel gebaut. Die Leute, die den Bau von 3 Klassenzimmern versprochen hatten, sind abgereist ohne zu sagen wie es nun weitergeht. Die Lehrer und Schüler waren total demoralisiert. So hat es uns gefreut, dass wir ihnen in ihrer Notlage 1 Klassenzimmer bauen konnten. Wir waren auch dort bei Sandsturm in den Provisorien und haben Kulis verteilt, wahre Schätze für die Kinder. Bei Windböen weht es einem fast die Hefte vom Tisch, das war eine ganz wichtige Erfahrung für mich! So versteht man die Bedürfnisse der Menschen noch besser. Nach meiner Rückkehr bekam ich dann von Malick mitgeteilt, dass die Leute, die der Schule 3 Klassenzimmer  versprochen hatten, zurückgekommen sind und mit dem Fundament angefangen haben! Im ersten Moment war ich etwas schockiert, denn das war ja nun unser Projekt. Aber nun freue ich mich für die Schule, dass alle provisorischen Klassenzimmer ganz schnell ersetzt werden können.

Natürlich haben wir auch unser abgeschlossenes Projekt, das Collège, besucht. Inzwischen haben sich die Schülerzahlen nochmals erhöht auf 800 Schüler mit 15 Klassen und 21 Lehrern. Somit sind die gebauten Klassenzimmer schon nicht mehr ausreichend. Auch bei diesem Besuch herrschte ein enormer Sandsturm, ich konnte so die einzelnen Klassen nicht besuchen. Doch mit dem Lehrerkollegium hatten wir ein sehr informatives Treffen und gaben dem Direktor T’Shirts für die 2 besten Schüler aus jeder Klasse als Belohnung. Der Geist der Schule ist nach wie vor sehr gut. Doch leider wird von den Gewerkschaften im Moment wieder sehr oft zum Streik aufgerufen. Die Arbeitsbedingungen für Lehrer sind einfach sehr schlecht, nicht genügend Klassenzimmer, zu wenig Schulmaterial, unregelmässige Entlöhnung. Hoffentlich kommt der Staat seiner Verpflichtung nach, sonst gibt es bald auch zu wenig Lehrer und der Unterricht kommt zu kurz. Am Ende des Schuljahres finden immer die staatlichen Prüfungen statt und dann sind die Schüler noch nicht so weit mit ihrem Stoff. Also müssen sie noch 4 Wochen länger zur Schule gehen, bei der grössten Hitze, um Nachprüfungen zu machen.

Unser nächstes Projekt wird  der Ausbau der Dorfschule von Doubangué, 12 km von Ndioum entfernt, sein. Der Direktor kam Ende letzten Jahres zu Malick und hat um Hilfe gebeten. Die Schule hat im Moment 2 Klassenzimmer, benötigt aber fünf! Sie haben keine Provisorien, sondern dürfen zeitweise die Räume von der Koranschule, die nicht weit entfernt ist, benutzen. An einen geregelten Unterricht ist so nicht zu denken. Ich habe im März dieses Dorf besucht, die Schule angeschaut und mit dem Präsidenten der Elternvereinigung geredet. Doubangué ist ein kleines, sehr armes Dorf und macht einen sehr sympathischen Eindruck. Die Frauen haben Gemeinschaftsgärten, dort habe ich sie besucht und gesehen wie sie jeden Abend ihre Beete bewässern. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr noch mit dem Bau eines Klassenzimmers beginnen können. Doch natürlich brauchen wir dafür Geld. Deswegen möchte ich in diesem Brief alle ansprechen, die Beziehungen zu Vereinen haben oder jemand wissen, der gerne Schulprojekte unterstützt. Gerne würden wir Aktionen für die Schule von Doubangué durchführen und über die Aktivitäten unseres Vereins berichten.

Sehr eindrucksvoll war auch dieses Mal wieder unser Besuch in Alwar. Die Dorfbewohner empfangen uns jedes Mal mit einem kleinen Spalier und die Schulkinder singen. Sie lassen es sich nicht nehmen immer wieder auf die Bedeutung unserer Hilfe hinzuweisen. Dieses Mal haben sie besonders die gute Zusammenarbeit mit Malick betont, der ihre Anliegen immer ernst nimmt und an mich weiterleitet. Alwar ist nun nicht mehr so ganz von der Welt abgeschnitten, da es über beide Flüsse inzwischen Brücken gibt und die holprige Sandstrasse wurde gerade asphaltiert als ich dort hinfuhr. Das ist ein grosser Fortschritt für die Bewohner und erleichtert das Leben enorm. An der Schule sind jetzt 2 weitere Lehrer angestellt, ein gutes Team! Auch hier haben wir Kulis und Farbstifte verteilt.

Unser kleiner Gesundheitsposten hat nun die staatliche Anerkennung, aber bis er dann endgültig ein Poste de Santé d’Etat wird, das kann noch dauern – wie ich ja schon im letzten Brief geschrieben habe. Seit 6 Jahren funktioniert dieser Posten nun sehr gut, und so war es mir sehr wichtig, mit den Verantwortlichen eine kleine Evaluation zu machen. Der Posten wurde gebaut, um die Säuglings – und Müttersterblichkeit bei Geburten zu reduzieren und eine generelle medizinische Grundversorgung für 6 Dörfer zu gewährleisten. Seit dem Bau des Postens gab es keine gravierenden Probleme mehr bei Geburten. Die Zahl der Patienten ist konstant steigend, was heisst, dass der Posten gut angenommen wird. Die Frauen kommen viel regelmässiger zu den Vorsorgeuntersuchungen und gebären in der Station. Wir haben als Belohnung und Anreiz ein Geschenkpaket für die Mütter zusammengestellt. Wenn sie vor und nach der Geburt regelmässig zu den Kontrollen kommen, erhalten sie 1 Moskitonetz, 1 Handtuch und eine Seife. Wir haben 40 solche Pakete deponiert, die Frauen waren sehr zufrieden! Für mich war es interessant, dass die Malariafälle sehr rückläufig sind. Bestimmt ist das auf den Gebrauch von Moskitonetzen zurückzuführen. Die meisten Erkrankungen sind Durchfälle, Fieber und Erschöpfung. Auch gibt es doch recht viele unterernährte Kinder, die dann in ein Hilfsprogramm einer französischen Organisation im Gesundheitsposten in Ndioum aufgenommen werden. Für eine Untersuchung müssen die Leute 50 Cent bezahlen und die Medikamente kosten fast nichts. Malariamedikamente und auch die „Pille“ sind gratis. In regelmässigen Abständen werden die Grundimpfungen an allen Kindern durchgeführt, sie sind auch gratis. Doch was wirklich bedenklich ist, ist die Tatsache, dass das Medikamentenbudget für einen kleinen Posten wie Alwar nur € 100/Jahr beträgt! Das reicht bei weitem nicht für eine gute Versorgung, deswegen sind sie auf Hilfe von aussen angewiesen. Als staatlicher Posten ist das Budget bei € 1‘500. Mit dieser Summe können die Patienten dann wesentlich besser versorgt werden.

Unsere neue Leiterin wird sehr geschätzt bei der Bevölkerung und sie sagte mir auch, dass sie sich sehr wohl fühlt in Alwar, da die Zusammenarbeit mit dem Dorfchef und der Gesundheitskommission sehr gut sei. Sehr erstaunt war ich dann, als mir nach meiner Rückkehr gesagt wurde, dass sie den Posten per sofort verlassen wird, da sie ein Angebot von einem staatlichen Posten bekommen hat. Wir haben interveniert und der Chefmediziner des Departements hat ihr nahegelegt, wieder nach Alwar zurückzukehren. Malick und Saidou, ihr direkter Chef vom Posten in Ndioum, haben ihr klar gemacht, dass so ein Verhalten nicht akzeptabel ist. Sie versprach, dass sie in Alwar bleiben wird. Aber im Senegal kann man auf so Aussagen nicht vertrauen und Verträge nützen da gar nichts, da es fraglich ist ob man sich an sie hält. Mein Vertrauen in sie ist etwas erschüttert! Schade.

Nach meiner Rückkehr habe ich von Saidou Sall, dem Leiter des Gesundheitspostens in Ndioum, eine Anfrage erhalten. In seiner Station gibt es ein Programm für unterernährte Kinder, das ich oben erwähnt habe. Die Mütter und Kinder sind den ganzen Tag dort und erhalten Essen und auch Aufklärung über gesundeErnährung. In der heissen Jahreszeit benötigen sie eine offene Hütte als Schattenspender. Nun ist die alte Hütte baufällig gewesen und es war für uns klar, dass wir gerne eine neue finanzieren. Sie ist bereits fertig, denn nun hat es schon wieder zwischen 40 und 45°.

Und dann habe ich noch eine gute Nachricht im Voraus. Zahnarzt Niels Hörnö wird im Februar 2016 mit seiner Schwester, die auch Zahnärztin ist, nach Alwar und Ndioum kommen, um Zahnbehandlungen zu machen. Die Leute erwarten ihn schon sehnsüchtig! Beim letzten Besuch beschränkte er sich ja auf die Prophylaxe bei den Schulkindern und hat Zahnbürsten verteilt, doch bis zu einer regelmässigen Zahnhygiene ist noch ein weiter Weg.

Die Bewohner von Kopé, die angefragt hatten wegen eines Gesundheitspostens, haben sich nicht mehr bei mir gemeldet. Der Krankenpfleger, der wieder zurück ins Dorf kommen wollte, hat es sich anders überlegt. Ich habe ihnen angeboten, dass unser Verein gerne einen kleinen Gesundheitsposten in Kopé bauen würde. Aber nur wenn sie einen Leiter finden und wir das Gehalt nicht bezahlen müssen. Wahrscheinlich braucht das noch ein wenig Zeit.

Die Patenkinder in Ndioum sind nach wie vor eine grosse Freude. Ich habe sie alle getroffen und ihnen Kulis und T’Shirts geschenkt. Da noch keine Resultate der ersten Prüfungen vorlagen, wussten sie nicht genau wie gut sie sind. Doch wiederholen muss sicher niemand, 3 machen dieses Jahr die Prüfungen für’s Gymansium. In Mbour sieht es wieder einmal nicht so gut aus mit unseren Patenkindern. Wie schon vermutet, hat eine Schülerin nach nicht bestandener Prüfung aufgehört. Und die Tochter von Mathias, die in der privaten Nähschule war, hat mitten im Schuljahr aufgehört und ist nun in Dakar in einem Haushalt. Mathias ist sehr unglücklich darüber und hat sich sehr entschuldigt. Die Mutter hat die Tochter unterstützt, und so hatte er keine Chance sie zum Bleiben zu überreden. Mathias geht es Gott sei Dank wieder sehr viel besser und er verwaltet die Patenschaften wie immer sehr gewissenhaft. Ich habe ihm auch Kulis und T’Shirtes für die Patenkinder gegeben.

Zum Schluss habe ich zusammen mit Pfarrer Ndeb wieder das Dorf Mbettite besucht. Dieses Mal haben uns die Lehrerschaft und die Mütter einen ganz besonderen Empfang in der Schule bereitet. Sie zeigten uns traditionelle Tänze mit Trommelbegleitung und betonten wie wichtig unsere Hilfe für sie ist. Ich war sehr gerührt, denn es war das erste Mal, dass ich von dieser Schule mit einem Fest empfangen wurde. Ich verteilte Kulis und T’Shirts als Dank. Natürlich wiederholten sie auch ihre Anfrage für eine Mauer um das Schulgelände, und die Frauen klagten, dass ihre Hirsemühle kaputt ist. Ich muss erklären, dass das nicht die Frauen sind, die von uns die Hirseschälmaschine bekommen haben. Mbettite hat  verschiedene Dorfteile und die Schule liegt etwas ausserhalb. Dies war die Frauengruppe im Dorfteil wo die Schule ist. Doch natürlich besuchte ich auch die Frauen mit der Hirseschälmaschine. Und das war wieder sehr erfreulich. Die Maschine ist seit Januar wieder jeden Tag im Einsatz und war gerade in einem Dorf, das ca. 10 km entfernt ist. Pfarrer Ndeb berichtete mir, dass die Verwaltung gut klappt und die Maschine regelmässig gewartet wird. In den Monaten nach der Hirseernte verdienen die Frauen mit der Maschine bis zu 450 € im Monat! Das wird dann nach und nach weniger und im Juni vor der Regenzeit wird sie gründlich gereinigt und untergestellt. Die Frauen betonten wieder wie sehr sich das Leben im Dorf positiv verändert hat mit dieser Maschine. Nach einem guten Mittagessen sind wir zufrieden nach Mbour zurückgekehrt.

In Mbour habe ich nochmals die Frau besucht, der wir mir Pfarrer Ndeb eine Toilette/Dusche gebaut haben. Sie hatte angefragt ob sie nicht ein kleines Startgeld bekommen könnte, um Kleinhandel betreiben zu können. Diesen Wunsch habe ich ihr gerne erfüllt, sie erhielt € 100 als Geschenk von TERANGA. Wieder war ich beeindruckt von dieser Frau und freue mich schon auf den nächsten Besuch.

Am Schluss meines Berichtes möchte ich nun all denen von ganzem Herzen danken, die mich bei der Durchführung meiner Projekte unterstützen. Und zwar nicht ausschliesslich für die finanzielle Hilfe, sondern auch für viele gute Gespräche und die vielen Sachspenden. Malick verteilt alles gezielt an die Menschen, die es nötig haben oder als Belohnung für einen Gefallen.

Ganz besonderes bedanke ich mich nochmals bei „Garndrang“, natürlich auch im Namen der Kinder und Lehrer von den 2 Schulen. Ich habe wieder gesehen wie nötig Hilfe von aussen ist, um das Ziel zu erreichen, dass möglichst alle Kinder zur Schule gehen können. Die Eltern bemühen sich sehr das Schulgeld und die laufenden Kosten zu bezahlen. Sie wollen unbedingt, dass es ihren Kindern einmal besser geht als ihnen. Ich erlebe die tiefe Dankbarkeit für unsere Hilfe bei jedem Besuch und bin davon überzeugt, dass wir auf gutem Weg sind, wenigstens in dieser Region einen Grundstein für eine bessere Zukunft zu legen. Die Regierung von Senegal bemüht sich sehr bessere Strukturen in vielen Bereichen zu schaffen. Leider ist das Bildungswesen noch nicht auf so gutem Weg wie geplant. So bleiben wir bei unserer Zielsetzung, weiterhin in der Region Ndioum Schulen auszubauen. Es würde mich freuen wenn ich durch diesen Brief Impulse geben könnte wie und wo wir wieder Aktionen durchführen könnten, um neue Klassenzimmer zu finanzieren.

Nun wünsche ich allen einen schönen Sommer bei guter Gesundheit und freue mich mit euch auf ein spannendes Projektjahr!

Reisebericht April 2014

Liebe TERANGA Freunde

Gerne möchte ich euch heute von meiner Reise nach Senegal im Februar berichten. Dieses Mal hatte ich kein Mammut- Programm zu erledigen und konnte mir für vieles andere wieder einmal Zeit nehmen, was sonst dem Zeitdruck zum Opfer fällt. Gespräche mit vielen Menschen, denen es ein Bedürfnis ist, mir zu danken – neue Menschen kennen lernen – Eindrücke verarbeiten – über vieles nachdenken und so weiter. Dementsprechend war meine Reise sehr bereichernd, was mir wieder viel Kraft gibt für die neuen Aufgaben, die auf mich warten. Aber es war dieses Mal kalt im Senegal, speziell in Ndioum, und ich habe nachts sehr gefroren!!!

Ein wichtiger Programmpunkt meine Reise war der Besuch bei den Frauen in Mbettite, die im November die Hirseschälmaschine angeschafft haben. Ich wollte sehen wie sie funktioniert, wie die Verwaltung der Maschine organisiert ist, und es war auch schon die erste Rückzahlung des Kredits fällig. Als wir im Dorf eintrafen, konnte ich meinen Augen kaum trauen – von weitem hörten wir schon die Trommeln, die Frauen hatten ein Spalier gebildet und klatschen den Rhythmus, die jungen auf einer Seite in rosa, die älteren auf der anderen Seite in blau – es war sehr berührend. Ich kam in den Genuss, die typischen Tänze der Einwohner zu erleben, die nur an hohen Festen getanzt werden, das war ihr Dank an mich (uns). Als ich dann bei den Ansprachen hörte was für ein Einschnitt diese Maschine für das Leben der Frauen bedeutet, war ich sehr froh, dass wir die Anschaffung gewagt hatten. Die Frauen sind vorher nach der Hirseernte wochenlang um 3 Uhr nachts aufgestanden, um die Hirse zu stampfen (zum schälen), haben dann ab 9 Uhr ihre Familien versorgt und am nächsten Tag dasselbe. Nach einigen Wochen waren sie total entkräftet, doch das Leben musste ja weitergehen. Nun macht diese Arbeit die Maschine und sie verdienen noch etwas dabei, denn jedes Kilo, das geschält wird, muss bezahlt werden. Keine grossen Beträge, aber bei Tonnen von Hirse summiert sich das. Wenn das Dorf fertig ist mit dem Schälen, wird die Maschine an andere Dörfer vermietet. So verdienen die Frauen während mehrerer Monate recht gut. Fünf Männer halten die Maschine am Laufen, sie bekommen dann ein Gehalt und können bei ihren Familien im Dorf bleiben. Drei Personen sind für die korrekte Verwaltung der Einnahmen verantwortlich, sie kontrollieren sich gegenseitig. Ich war wirklich beeindruckt und habe dem Pfarrer, der die „Oberaufsicht“ hat, ein Kompliment gemacht. So hoffe ich, dass unser Geld gut eingesetzt ist. Die Frauen haben mir voll Stolz die erste Rate zurückbezahlt und immer wieder betont wie sehr sich ihr Leben nun verbessert hat. Als Geschenk bekam ich einen gewobenen Stoff, den nur diese Ethnie herstellt. Und beim nächsten Besuch werde ich erfahren was sie mit dem Verdienst der Maschine weiter investieren wollen.

Maschine in Aktion

Ich hatte mir vorgenommen, dass ich dieses Mal die Patenkinder, besonders die von Mathias, in ihren Schulen besuchen werde, um zu erfahren wie sie in der Schule sind. Sie sind auf 6 verschiedenen Schulen verteilt, 4 in Mbour und 2 etwa eine Stunde entfernt, und die Lehrer sind zum Teil sehr kompliziert ( erst zum Direktor, dann zum
Stellvertreter, dann zum Klassenlehrer), manche wollten vor Ende der letzten Prüfungen gar keine Auskunft geben! Drei Schüler sind in der letzten Klasse der Realschule und wir müssen überlegen wer weiter zur Schule gehen kann oder wer besser eine praktische Ausbildung machen will. Leider gibt es im Senegal keine Lehre wie bei uns. Malick klärt im Moment ab, was es für Möglichkeiten, besonders in Mbour, gibt. Leider musste ich feststellen, dass nur 2 Schüler wirklich gut sind, die anderen brauchen Nachhilfe, um überhaupt das Klassenziel zu erreichen. Das sah letztes Jahr noch besser aus, doch auch im Senegal wird der Schulstoff jedes Jahr anspruchsvoller. In Ndioum haben wir das Glück, dass wir dort fast ausschliesslich sehr gute Schülerinnen haben, die ich gerne alle bis zur Matura gehen lassen möchte. Nur ein Schüler braucht Nachhilfe, er hat aber auch noch ein Jahr Zeit zum Aufholen. Dort ist die Kontrolle für mich sehr viel einfacher. Alle Kinder sind im gleichen Ort und Samba, der die Patenschaften verwaltet, ist Lehrer.

Von den drei Mädchen, die letztes Jahr auf der privaten Nähschule in Mbour angefangen haben, ist leider eine so krank geworden, dass die nicht zur Schule gehen konnte. Wir haben nun einen guten Arzt ausfindig gemacht und ich hoffe, dass der ihr helfen kann. Der Vater hatte schon viel Geld ausgegeben, aber viele Aezte im Senegal sind leider nicht seriös, sie wollen nur Geld verdienen. Ich hoffe, dass sie nächstes Schuljahr weitermachen kann, sie wünscht es sich so sehr.

Mathias ist in ärztlicher Behandlung wegen seiner Augen, die definitiv geschädigt sind. Doch er behauptet, dass es ihm viel besser geht, was ich mir nicht so recht erklären kann. Da sieht man was der psychologische Faktor ausmacht. Er will die Patenschaften unbedingt weiter verwalten. Den Wunsch erfülle ich ihm, dann sehen wir nächstes Jahr weiter.

In Halwar war ich verhältnismässig kurz, denn es wehte ein so heftiger Sandsturm, dass ich nach kurzer Zeit das Gefühl hatte den Sand überall zu spüren und trotz Brille konnte ich kaum mehr was sehen. Also Programm durchziehen und nach Ndioum zurück! Die Lehrer waren überglücklich, dass sie nun für alle Schüler Schulbücher kaufen konnten und bedanken sich ganz herzlich bei dem Spenderehepaar.

Mit der Führung der Gesundheitsstation bin ich nach wie vor sehr zufrieden. Die Bücher sind gut geführt und die Konsultationen nehmen zu, verglichen mit dem letzten Jahr. Ich
hoffe nun, dass wir auch einen guten Nachfolger finden, der vom jetzigen Leiter eingearbeitet werden sollte. Leider ist der Behördenweg zur staatlichen Anerkennung nicht so schnell zu nehmen. Die Anerkennung ist erst auf regionaler Ebene erfolgt, jetzt muss das Gesuch zum MInisterium nach Dakar – da heisst es Geduld haben. Also werden wir auch den neuen Leiter bezahlen müssen. Das ist aber kein grosses Problem, die Hauptsache ist, dass er gut ist und von den Patienten angenommen wird. Im Moment schaue ich positiv in die Zukunft. Und im November wird unser jetziger Leiter nochmal die Schulbank drücken und versuchen, sein Diplom nachzuholen.

In Ndioum war ich natürlich gespannt wie beim Collège unsere zwei neu gebauten Klassenzimmer aussehen, nachdem ich letztes Mal ja nicht so zufrieden war mit der Ausführung. Wir haben den Maurer gewechselt und das Ergebnis war zufriedenstellend. Die Schüler hatten sogar auf dem Schulhof den Abfall weitgehend beseitigt, damit ich ja einen guten Eindruck bekomme! Es fehlen nun noch diverse kleine Details, damit wirklich alles gut aussieht, aber das kriegen wir schon hin. Malick weiss nun worauf es mir ankommt und bis November wird alles gerichtet sein – inschallah! Ich hatte wieder Gelegenheit mit dem Minister und dem Bürgermeister zu sprechen, beide danken für unser Engagement, das sie nicht als selbstverständlich nehmen. Ich bin zuversichtlich, dass der Staat eines Tages an dieser Schule weitere
Klassenzimmer bauen wird. Beeindruckt hat mich auch dieses Mal wieder die Dynamik der Lehrer und Schüler wenn es um ihre Schule geht – sie wollen bei den Prüfungen besser sein als das schon lang bestehende Collège!

Die kleine kranke Olel bekommt nun eine eigene Toilette und Dusche, dank mehrerer Spenden ist dies finanziert. Der Bau ist schon fast fertig! Beim Besuch der Familie war ich wieder sehr berührt. Sie schlafen zu siebt in einem Raum, gekocht und gelebt wird im Freien. Olel geht es dank der Medikamente recht gut, sie sieht richtig glücklich aus. Nun kann sie in eine Schule ganz in der Nähe gehen, die letztes Jahr angefangen hat, aber nur aus provisorischen Klassenzimmern besteht. Die Kleinen leiden sehr unter der Hitze. Dort möchte ich gerne weiterbauen wenn unser Collège fertig ist.

Eine weitere Bitte um Unterstützung kam dieses Mal aus einem Dorf, das sehr weit von Ndioum entfernt ist. Ich dachte immer, dass Alwar schwer zu erreichen ist, aber dieses Dorf Kopé ist doppelt so weit entfernt von Ndioum und auch nur über 2 Flüsse zu erreichen. Es liegt direkt am Senegalfluss, am anderen Ufer ist Mauretanien. Ich wollte das Dorf kennen lernen, um mir ein Bild machen zu können warum ein Boot für das Dorf so wichtig ist. Schon die Reise dorthin war abenteuerlich! 1 1/2 Stunden Sandpiste im Nirgendwo, auf dem ganzen Weg 2 Dörfer! Und dann ein recht grosses Dorf, sehr sauber, hat mich an Alwar erinnert. Man kann nur die Dinge kaufen, die man jeden Tag zum Kochen braucht, alles andere nur auf dem Markt in Ndioum, dort fahren sie jeden Montag hin. Wenn sie aber nach Mauretanien gehen, haben sie in 4 km Entfernung ein grosses Dorf, in dem sie alles kaufen können, und sehr viel billiger. Das ermöglicht ihnen auch Handel zu treiben und so etwas Geld zu verdienen. Eine grosse Delegation von Dorfbewohnern hat mich empfangen, einen Rundgang durch’s Dorf mit mir gemacht und mir sehr eindrücklich ihre Situation erklärt. Vor 5 Jahren ist ihr altes Boot kaputt gegangen und sie finden keine Geldgeber für ein neues Boot. Die Situation ist echt sehr schwierig. Wir haben nun beschlossen, dass sie ein Boot bekommen, am besten vor der Regenzeit, denn dann kommen sie manchmal nicht mal mehr nach Ndioum.

Während dieses Aufenthaltes habe ich die Dankbarkeit der Bevölkerung im Norden und auch in Mbettite sehr stark gespürt. Wo ich auch hinkam, ich hörte überall: “Merci, Madame Ute, das was Sie für unsere Kinder und für uns tun wird niemals vergessen werden! Wir beten für Sie und alle, die Ihnen helfen!“

Diesem Dank möchte ich mich heute anschliessen und an euch alle weiter geben. Wir sind auf einem guten Weg und haben in den letzten Jahren zusammen viel erreicht – eure Unterstützung macht mich stark. Und das kann ich auch im Namen von Malick sagen. Vielleicht bekommt er ein Visum für August, dann könntet ihr ihn kennen lernen!

Einen schönen Sommer wünsche ich euch allen mit einem herzlichen Vergelt’s Gott und danke für euer Vertrauen

Ute Wild

Reisebericht März 2013

Liebe „Teranga“ Freunde,
heute möchte ich an erster Stelle all meinen lieben Freunden und Gönnern für die vielen kleinen und grossen Spenden danken, die es ermöglicht haben, dass wir in diesem Jahr schon ein drittes Klassenzimmer für das Collège (Sekundarschule) in Ndioum bauen konnten.
Ich habe mir für 2013 zum Ziel gesetzt, dass ich mindestens 2 weitere Klassenzimmer für dieses Collège bauen kann, und ich werde mein Ziel sicher erreichen, das kann ich heute schon sagen. Bei unserem Besuch haben uns die Lehrer und Schüler wieder klar gezeigt wie wichtig der Ausbau dieser Schule ist, von den nötigen 9 Klassenzimmern haben wir nun schon 3 gebaut! Die Dankbarkeit ist sehr gross und die Schüler und Lehrer sind top motiviert gute Leistungen zu bringen. Besonders dank des engagierten Direktors, der jeden Schüler mit Namen kennt und weiss in welcher Klasse er ist. Seine Schule ist sein Lebensinhalt und er hat mir versprochen, dass er dort sein Bestes geben wird solange er lebt, auch aus Dankbarkeit uns gegenüber, die wir so viel für diese Schule getan haben. Er war vorletztes Jahr in einer tiefen Sinnkrise, da er sich vom Ministerium verraten gefühlt hat, die ihm und seinen Schülern keine Schule bauen konnten. Er war gerade dabei sich um eine neue Stelle zu bemühen, als er mit seinem ehemaligen Schulkamerad Malick ins Gespräch kam und der ihm versprochen hat mit mir über eine Hilfe zu reden. Daraus ist diese fruchtbare Zusammenarbeit entstanden.
Dieses Mal wurde ich von zwei lieben Bekannten begleitet, die sich auf das „Abenteuer“ Senegal eingelassen haben! Sie wurden nicht enttäuscht, denn allen Beteiligten war es eine grosse Freude zu zeigen, was in den letzten Jahren alles entstanden ist. Wir konnten uns z.B. bei 35° ein Bild davon machen wie der Schulalltag in dieser Schule aussieht. Neben den drei fertigen Klassenzimmern gibt es vier weitere provisorische Klassenzimmer aus Strohmatten, zwei andere Klassen sind in einem anderen Gebäude 500 m entfernt eingemietet.
Bei einer der vielen Ansprachen hat es ein Dorfältester auf den Punkt gebracht:“ Wir sind stolz sie hier empfangen zu dürfen und wir müssen uns nicht verstecken. Denn alles Geld, das uns für einen bestimmten Zweck anvertraut wurde, ist auch genau dafür verwendet worden.“ Das ist die Vertrauensbasis, die für meine Arbeit so wichtig ist, und das war auch für meine beiden Begleiterinnen ersichtlich.
Nachdem wir alle Klassen des Collège in Ndioum besucht hatten, haben sich uns die Lehrer, die Elternvereinigung und das Schülerparlament näher vorgestellt. Es ist beeindruckend wie gut die Schüler durch diese Strukturen auf eine gut funktionierende Demokratie vorbereitet werden. Das Schülerparlament hat genau die Strukturen eines Staates mit diversen Ministerien. Es werden Sitzungen abgehalten, Pläne für Aktivitäten geschmiedet, Sorgen und Reklamationen angehört und vor allem wird auch gelernt Verantwortung zu übernehmen. Wir waren sehr beeindruckt. Der Direktor meinte dann: „Jetzt sind sie Präsidenten und Minister im Schülerparlament, vielleicht sind sie morgen Staatsminister!“

Ich habe so ausführlich von dieser Schule erzählt, damit ihr euch so ein Bild machen könnt warum ich diesen Schülern und Lehrern helfen möchte. Wie schon im letzten Brief erwähnt gehen dort 512 Kinder zur Schule und sie erhalten dank unserer Hilfe einen geregelten Unterricht, der Topqualität hat. Unsere Hilfe trägt dort sichtbare Früchte.

Aber ich möchte alle meine anderen Projekte, die wir besuchen konnten, nicht unerwähnt lassen. Auch die anderen von uns unterstützten Schulen haben uns ihre Dankbarkeit gezeigt, und wir haben den Kindern Kulis geschenkt. In Mbettite haben die
Lehrer gesagt ob wir es gespürt hätten, dass im Moment ein grosser Mangel an Kulis herrscht. Das Strahlen der Kinder war Belohnung genug für uns!
Sie dankten uns aber auch mit Liedern und spontanem Tanzen – Freude pur!

In der Schule in Alwar klären wir nun ab ob es möglich ist eine Bibliothek einzurichten. Die Schüler wollen so gerne lesen und haben keinen Zugang zu Büchern. Ich rechne fest damit, dass ein Lehrer die Organisation übernehmen wird und hoffe, dass die Kosten nicht zu hoch sind. Das wird sich bei meinem nächsten Besuch im November klären.

In Alwar ist es auch jedes Mal eine grosse Freude wenn ich die Gesundheitsstation besuchen komme. Wir wurden wieder mit grossem Spalier und Singen und Klatschen empfangen, fast das ganze Dorf war anwesend.
Die Gesundheitsstation ist nach wie vor leider noch keine staatliche Station, trotz aller Bemühungen seitens der Dorfbewohner. Kurz vor meinem Besuch hatten sie das regionale Fernsehen und das Radio eingeladen um mit Kundgebungen auf ihre desolate Situation aufmerksam zu machen. Sie betonten, dass es ihnen nur dank Hilfe von aussen (sprich uns) etwas besser geht. Aber wenn ich morgen aufhören würde diese Station zu unterstützen, dann ständen sie vor dem Aus. Das darf einfach nicht passieren! Der Staat muss endlich die Verantwortung auch oder besonders in abgelegenen Regionen übernehmen. 10 Tage nach der Ausstrahlung dieser Demonstration war schon ein Regierungsvertreter da, um sich persönlich ein Bild von der Lage zu machen. Er war sehr beeindruckt was alles entstanden ist und hat versprochen, sich für die Bewohner von Alwar einzusetzen. Wieder einmal schöne Worte, hoffen wir, dass diesen auch Taten folgen.
Ansonsten bin ich mit der Führung der Station nach wie vor sehr zufrieden. Der Leiter engagiert sich sehr mit der Aufklärung der Frauen und geniesst das Vertrauen der Bevölkerung.

Bei den Patenkindern ist immer etwas in Bewegung, es können jetzt schon die ersten Schüler ihre Aufnahmeprüfungen ins Gymnasium machen und das ist natürlich eine Grundsatzentscheidung. Ist es dann wirklich möglich zu studieren, was nochmal eine grosse finanzielle Belastung für die Familien ist oder was für einen Beruf können die Kinder sonst lernen? Bei den Mädchen, die aus wirklich armen Familien kommen neige ich eher dazu ihnen eine gute Ausbildung zu ermöglichen, damit sie möglichst bald mithelfen können ihre Familien zu ernähren. Denn es ist immer noch so, dass die Mädchen ziemlich rasch heiraten sollen und auch wollen. Wenn sie dann nähen können oder Krankenschwester sind oder im Büro angelernt wurden, können sie auch als Mutter Teilzeit arbeiten. In Mbour gibt es die sogenannten Polytechnischen Schulen, die während 2-3 Jahren eine praktische Ausbildung, kombiniert mit Schule anbieten. Ein Mädchen wird ab nächstem Schuljahr dort nähen lernen. In Ndioum stehen da leider sehr viel weniger Möglichkeiten zur Verfügung, aber wir werden uns sicher um eine gute Lösung für alle Schüler bemühen.
Die Frauengruppen haben uns auch dieses Mal wieder herzlich empfangen und so ihre Dankbarkeit über den erhaltenen Kredit gezeigt. Wir waren als erstes in Mbettite, dem Dorf, das weitab im Busch liegt. Die Frauen müssen dort extrem hart arbeiten, es gibt keinen Strom und kein fliessendes Wasser. Von diesen Frauen kam schon vor 2 Jahren die Anfrage ob ich sie nicht unterstützen könnte beim Kauf einer Hirseschälmaschine. Jetzt haben sie ihre Anfrage wiederholt und ich habe mich intensiv mit diesem Thema auseinander gesetzt. Die Anschaffung einer Maschine ist schnell gemacht, aber es müssen viele Fragen geklärt werden bezüglich Standort, Verwaltung, Unterhalt, wie lange kann die Maschine über’s Jahr in Betrieb sein etc. Ich habe nun einen zuverlässigen Ansprechpartner gefunden, der aus dem Dorf ist und kurz vor der Pensionierung als Pfarrer steht. Ihm ist es ein grosses Anliegen, dass die Frauen in Mbettite sich weiter entwickeln können und entlastet werden. Er ist bereit die Frauen an der Hand zu nehmen und sie zu unterstützen wo sie Hilfe brauchen.
Daraufhin habe ich mich entschlossen den Frauen diese Hirseschälmaschine zu kaufen, die so teuer ist wie der Bau eines Klassenzimmers! Ich werde mit dem Pfarrer die Bedingungen festlegen, dass nur ein Teil der Summe geschenkt ist. Ein bestimmter Teil der Kaufsumme wird von mir als Kredit gegeben, der zurückbezahlt werden muss. Die Verhandlungen laufen und ich freue mich, dass ich neben dem Schulen bauen doch noch ein weiteres Frauenprojekt durchführen kann. Vielen Dank allen Spendern!
Während dieses Aufenthaltes wurden wieder sehr viele kleine Anfragen um Unterstützung an mich herangetragen. Letztes Jahr habe ich geschrieben, dass ich so einmalige Aktionen nicht mehr machen möchte, da ich mich sonst zu sehr verzettle. Doch ich merke, dass ich das so rigoros nicht durchhalten kann.
In Ndioum lebt ein Mädchen von 12 Jahren, das gesund geboren wurde, dann mit ein paar Monaten Hirnhautentzündung bekommen hat. Sie kann nicht gehen, krabbelt auf dem Boden, ihre Hände sind verkrüppelt und sie ist auch leicht geistig behindert. Ihre Eltern haben mich nun gebeten ob ich ihr nicht einen Rollstuhl kaufen könnte, denn demnächst ist es möglich, dass sie ihre Regel bekommt und dann sollte sie vom Boden weg sein. Wir haben die Familie besucht und meine Bekannten haben sich spontan entschlossen diesem Mädchen einen Rollstuhl zu kaufen. Er ist nun schon vor Ort, und die Kleine sitzt darin wie eine Königin! Das sind wunderbare Momente.
Eine weitere Anfrage, der ich gerne nachgehen möchte, ist die Anschaffung eines Fischerbootes für einen Berufsfischer in einem Nachbardorf von Alwar. Ich kenne den Fischer schon seit vielen Jahren, er verwöhnt mich immer mit guten Fischen aus dem Fluss wenn ich zu Besuch bin. Alle seine Vorfahren waren Fischer und er sagt, dass Fischerblut in seinen Adern fliesst. Jetzt ist sein Boot am Auseinanderbrechen und seine Existenz ist bedroht wenn er nicht mehr fischen kann. Er baut auch noch ein wenig Reis und Hirse an, aber nur zum Eigenbedarf. Da ich diesen Mann schätzen gelernt habe, möchte ich ihm gerne ein Boot kaufen. Ein gebrauchtes Boot kostet ca. EUR 550.- Manchmal erhalte ich Spenden, die ausdrücklich nicht in den allgemeinen „Topf“ Schulbauten fliessen sollen und ich denke, dass ich es im Laufe des Jahres schaffen werde dem Fischer sein Boot zu kaufen. So ist die Existenz einer ganzen Familie gesichert und sein Sohn kann auch wieder Fischer werden!

Alle anderen Anfragen lege ich im Moment beiseite und konzentriere mich auf meine Hauptaufgabe – das Collège in Ndioum weiter zu bauen!
Zum Abschluss meines Reiseberichtes möchte ich einen besonders herzlichen Dank an meine lieben Begleiterinnen aussprechen. Sie waren unkompliziert und haben Senegal so genommen wie es ist. Das Hotel war sehr einfach, senegalesisch geführt, dafür wunderschön gelegen, natürlich darf man da nicht heikel sein. Mit Humor und unserem Standardsatz: „es isch wie’s isch“ konnten wir alles recht locker nehmen.
Auch unsere vielen Fahrten in Autos, die wirklich nicht unserem Standard entsprechen, haben sie gut verkraftet, da die Chauffeure gut und sicher fahren – trotz z.T. chaotischen Strassenverhältnissen hatten wir unterwegs keine einzige kritische Situation.
Es hat mich besonders gefreut, dass auch sie die Menschen in „meinen“ Dörfern ins Herz geschlossen und gespürt haben was für eine gute Basis der Zusammenarbeit da ist. Die Herzlichkeit und Gastfreundschaft und Dankbarkeit ist überwältigend. Ich habe auch bemerkt wie wichtig es war, dass ich zeigen konnte, dass hinter mir Menschen stehen, die mich unterstützen, denen ich aber auch Rechenschaft ablegen muss über die Verwendung der Spendengelder.
Meine nächste Reise in den Senegal ist für Anfang November geplant, und dann kann ich sicher das 4. Klassenzimmer für das Collège in Ndioum einweihen und schauen wie die Hirseschälmaschine arbeitet.

Bis dahin habe ich noch viel vor, denn ich habe mir vorgenommen endlich einen Verein zu gründen, damit meine lieben Gönner auch steuerliche Vergünstigungen erhalten können.
An dieser Stelle möchte ich mich wieder bei der Gemeinde Sulzberg bedanken, die auch dieses Jahr ihre Suppentagkollekte für die Teranga Projekte gespendet hat (EUR 2‘800.-). Ebenfalls in Sulzberg hat Anfang Februar eine Mini-Playback-Show mit den Volksschülern stattgefunden. Ich war dort als Gast und habe vom Reingewinn EUR 500.- ebenfalls für die Teranga Projekte erhalten. DANKE!
Jetzt Anfang April findet im Gemeindesaal Eschen eine Ausstellung von Hermy Geissmann statt und der Erlös der verkauften Bilder kommt 3 humanitären Vereinen zugute. Unter anderem auch meinen Teranga Projekten. Dafür möchte ich Hermy ein herzliches Dankeschön sagen. Es war eine grosse Freude für uns diese Ausstellung zu organisieren. So kommt ein Stein zum anderen für eine bessere Zukunft vieler Kinder, auch im Senegal.

Ab jetzt könnt ihr gerne meine Homepage www.teranga.li besuchen, mit vielen Berichten und Bildern! Und nun hoffe ich, dass bald der Frühling Einzug hält und uns von aussen und innen erwärmt.
In diesem Sinne grüsse ich alle, die mit mir durch die Teranga Projekte verbunden sind ganz herzlich und wünsche allen einen schönen Sommer!

Ute Wild

Reisebericht Februar 2012

Liebe Freunde Senegals

Gerade bin ich wieder von einer interessanten Reise aus Senegal zurückgekehrt, die zum Ziel hatte, nach einem Jahr wieder alle meine Projekte zu besuchen.

Nach ein paar „Eingewöhnungstagen“ im Hotel in Mbour ging es mit dem Buschtaxi wieder 8 Stunden hoch in den Norden nach Ndioum.

Fahrt im Buschtaxi Für mich hatte die gute Verwaltung des Gesundheitspostens in Alwar erste Priorität. Letztes Jahr hatten wir beschlossen, dass wir alles tun wollen, damit die Station möglichst bald vom Staat anerkannt und verwaltet wird. Die Voraussetzung hierfür war die Zuleitung von Wasser und Strom in die Station, sowie ein Wohnhaus mit 2 Zimmern und einer Veranda für den neuen Leiter Oumar Sall.
Haus für den Leiter der Station Es steht im Areal der Station und hat Stromanschluss, den wir auch noch in eine Lehrerwohnung im Nebenareal gelegt haben. Das ist ein Komfort, den man lange suchen muss in den bestehenden Gesundheitsposten im Busch. Alle Bedingungen haben wir nun erfüllt, dank vieler Spendengelder und dem engagierten Einsatz meines Projektleiters Malick. Die Gesundheitskommission hat vor 10 Monaten einen Antrag ans Gesundheitsministerium geschickt, der bis heute leider unbeantwortet blieb. Wir hoffen nun auf eine neue Regierung und mehr Unterstützung vom Staat. Dank der Station hat sich die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung (7 Dörfer mit ca. 8000 Einwohnern) wesentlich verbessert. Alle Kinder sind geimpft und immer mehr Frauen kommen zu den Kontrollen während der Schwangerschaft. Jeden Monat werden von Oumar Sall und der Hebamme Treffen mit den Frauen organisiert, um mit ihnen über Hygiene,  Familienplanung und alltägliche Probleme zu reden. So wird ohne Druck eine gewisse Vertrauensbasis geschaffen. Auch werden Hausgeburten ab diesem Jahr nicht mehr zugelassen. Im weiten Umkreis findet sich keine vergleichbar gut eingerichtete Station hat
mir der Chefarzt versichert. Für die Hausbesuche in die im Umkreis von 12 km liegenden Dörfern habe ich nun die Anschaffung eines Mopeds beschlossen. Fau mit Zwillingen Eine junge Frau aus Alwar, die die Geburtshelfer-Ausbildung gemacht hat, möchte sich gerne zur  Krankenpflegerin weiterbilden. Grundsätzlich finde ich das eine gute Idee. Aber nach Rücksprache mit dem Chef in Ndioum, bei dem sie vor der Schule ein 6monatiges Praktikum machen muss, haben wir beschlossen, dass sie erst nächstes Jahr mit der Weiterbildung anfangen wird. Die Schule dauert dann noch weitere 2 Jahre. Auf dem Weg von Ndioum nach Alwar trafen wir an der zweiten Fähre eine hochschwangere Frau, die schon Wehen hatte, in Begleitung der Geburtshelferin von Alwar. Sie waren unterwegs nach Ndioum ins Krankenhaus (mit einem Pferdepritschenwagen!), da die Wehen seit Stunden nicht stark genug waren, und der Leiter der Station die Verantwortung nicht mehr
übernehmen konnte. Wir gaben ihr das Geld für die Krankenhausaufnahme, Gott sei Dank haben wir dann 4 Stunden später erfahren, dass sie Zwillinge geboren hat, alle wohlauf.

neue Schulmöbel In Alwar habe ich auch die Schüler in ihren neuen Klassenzimmern besucht, jedem Kind einen Kuli geschenkt und ein vielstimmiges „Merci Madame Ute“ als Dank erhalten. Die Lehrer sind dankbar für den Strom in ihrer Wohnung, so können sie auch abends arbeiten.

In Ndioum habe ich die für die provisorische Sekundarschule angefertigten Schultische und -bänke gesehen. Es konnten nun leider statt der geplanten 80 nur 75 gemacht werden, da das Material teurer geworden ist. Aber der Staat hat wenigstens 20 Möbel geliefert und so kann der Unterricht im März in den Provisorien beginnen. Die Schüler und der Direktor haben sich überschwänglich bei mir bedankt, ich sei die erste Wohltäterin ihrer zukünftigen Schule!

neues klassenzimmer Die 2 Klassenzimmer in Mbettite, die letztes Jahr noch nicht ganz fertig waren, sind nun bezogen und es sind schöne, helle Räume geworden.  Besonders eine Lehrerin war sehr glücklich, da sie in den Provisorien immer wieder Schlangen und anderes Ungeziefer hatten. Sie hat eine Klasse von 64 Schülern!

Natürlich habe ich auch dieses Mal wieder alle unsere Patenkinder besucht. Als Geschenk gab es Vitamine, Wurmkur, Kulis, Pflaster in einer Box und ein T’Shirt. Die Freude war gross. Die meisten von ihnen sind gute Schüler dank Förderunterricht und haben auch schon den Schritt in die Sekundarschule geschafft. Leider mussten 2 Kinder mit der Schule aufhören, da sie zu schlechte Schüler waren und schon mehrmals wiederholt haben. Im  Jahresbericht habe ich von der kleinen Fatima aus Ndioum berichtet. Es geht ihr im Moment wieder besser, sie musste Gott sei Dank nicht operiert werden. Ich habe ihre Laborwerte und Diagnose und Rezepte gesehen, sie muss laufend unter Kontrolle bleiben. Malick verwaltet das für sie bestimmte Geld für die Arztbesuche.

Fatima, unser Sorgenkind Die 5 Frauengruppen haben mich auch dieses Mal wieder herzlich empfangen und mir voll Stolz berichtet, dass sie den Kredit schon mehr als verdoppelt haben! Es ist schon erstaunlich wie das so klappt unter den Frauen. Ich bin sehr zufrieden mit dem was ich gesehen habe und danke an dieser Stelle allen, die mich so treu unterstützen und natürlich besonders meinem Projektleiter im Senegal, der gewissenhaft sein Bestes gibt.

Der einzige Wermutstropfen während meines Aufenthaltes und besonders jetzt aktuell sind die Unruhen im Senegal, von denen wir hier nur wenig hören. Ich hatte noch das Glück, dass nur diskutiert wurde, und die Unzufriedenheit mit der Politik war fast erdrückend wahrnehmbar. Aber jetzt sind Unruhen in allen grösseren Städten und es hat auch schon viele Tote und Verletzte gegeben. Hoffen und beten wir für einen Regierungswechsel Ende Februar, sonst könnte die Situation wirklich eskalieren. Senegal war bis anhin ein friedlich regiertes demokratisches Land, doch der amtierende Präsident (87 J. alt und senil) treibt mit seiner Machtpolitik und Korruption sein Volk in den Abgrund. Und seine Partei stellt ihn noch ein 3. Mal auf, obwohl das laut Verfassung nicht zulässig ist. Nun wehrt sich das Volk, verständlicherweise.

Mein Elan für meine Projekte im Senegal ist nach diesem Besuch bestärkt worden, und gerne würde ich noch weitere Klassenzimmer an Schulen anbauen, wie ich es schon im Jahresbericht erwähnt habe. Die Investition ins  Bildungswesen ist sicher das Wertvollste was wir zur Entwicklung eines so unterentwickelten Landes beitragen können. Auch heute möchte ich euch ganz besonders für eure treue Unterstützung danken, für die vielen guten Gedanken, Gebete, Gespräche und grosszügigen ,Spenden. Nur miteinander können wir auf diese Art und Weise ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Ich grüsse euch ganz herzlich bis zum nächsten Brief und wünsche euch vor allem viel Zufriedenheit

Ute Wild

Für mehr Eindrücke besuchen Sie unsere Galerie

Reisebericht Februar 2011

Reisebericht vom Februar 2011 über meine „Teranga-Projekte“ im Senegal

Liebe Freunde Senegals,

Anfang Februar 2011 war ich das erste Mal zusammen mit meinem Mann im Senegal, um meine Projekte zu besuchen. Zweck dieser Reise war es im Besonderen, ihm zu zeigen, was in den letzten Jahren alles entstanden ist. Ausserdem warteten natürlich alle meine Freunde im Senegal schon lange darauf, meinen Mann endlich kennen zu lernen. So wurden wir dementsprechend herzlich von allen empfangen und die Dankadressen nahmen kein Ende, was auf der einen Seite sehr berührend, aber auch ermüdend ist!

Aber nun der Reihe nach. Unser erster Besuch galt dem aktuellen Projekt Bau von 2 Klassenzimmern in Mbettite. Ich wusste schon, dass die Handwerker alles tun wollten, um uns das fertige Gebäude zu präsentieren. Die Klassenzimmer waren fertig gebaut, aber es fehlten noch die Betonierung des Bodens und der Anstrich. Wegen eines Engpass’ bei den Zementlieferungen konnte nicht weitergearbeitet werden. rohbau vorderansicht

Die wichtigsten Persönlichkeiten des Dorfes und das Lehrerkollegium hatten sich in der Schule versammelt und drückten ihre Dankbarkeit sehr wortreich aus! Der Bau dieser Klassenzimmer ist ein wichtiger Schritt hin zur Entwicklung des Dorfes und seiner Umgebung, denn nun können immer mehr Kinder zur Schule gehen und einen regelmässigen Unterricht geniessen. Den Lehrern war es vorher mit den provisorischen Räumen oft unmöglich zu unterrichten. provisorisches klassenzimmer Alle betonten wie wichtig es ist, dass ihre Kinder eine gute Schulbildung erhalten, denn nur so kann sich mit der Zeit auch etwas verändern in der Gesellschaft. Deswegen will ich mich auch weiterhin stark machen, dass immer mehr Kinder zur Schule gehen können. Das ist einerseits mit den 40 Patenschaften gewährleistet, andrerseits möchte ich vermehrt neue Klassenzimmer in bestehenden Schulen  bauen. So habe ich die Gewissheit, dass die nötigen Infrastrukturen da sind und ich mich als Einzelperson nicht auch noch um die Organisation einer Schule kümmern muss. Das würde den Rahmen meiner Möglichkeiten sprengen.

Und hiermit habe ich „natürlich“ schon wieder ein neues Projekt im Hinterkopf. Ich möchte gerne in Ndioum, dem Heimatort von Malick, in einer bestehenden Primarschule 2 weitere Klassenzimmer bauen. Die sind derzeit in Provisorien aus Schilfmatten untergebracht, die deshalb nur ein paar Monate im Jahr benutzbar sind. So wird momentan im Schichtbetrieb unterrichtet, ein Teil der Schüler kommt morgens, die anderen gegen Abend. Und natürlich müssen sehr viele interessierte Schüler auch vertröstet werden, da einfach zu wenig Platz ist. Zum Teil hat 1 Klasse schon 50 – 60 Schüler![Bild nicht gefunden]

Die Handwerker von Ndioum haben den Bau der Mutter-Kind-Station und der Schule in Alwar durchgeführt. Mit ihnen habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht und der Fleiss der Bevölkerung hat mich immer wieder beeindruckt. So möchte ich mit dem Bau dieser 2 Klassenzimmer auch ein Dankeschön ausdrücken und hoffe, dass ich es eines Tages auch verwirklichen kann.

Nun habe ich gedanklich schon den Sprung in den Norden Senegals gemacht und wir gehen weiter nach Alwar. Dort wollte ich letztes Jahr im Oktober die Schule einweihen, musste dann aber aus verschiedenen Gründen darauf verzichten. Dieses Mal hat es geklappt und wir wurden mit einem Spalier von Schülern und Frauen und den Noblen des Dorfes empfangen, die gesungen und geklatscht haben – ein farbenfrohes, fröhliches Willkommen! empfang der schüler Beim offiziellen Teil war es allen ein Bedürfnis ihren ganz besonderen Dank auszudrücken, und auch ich habe sie im Namen von uns allen herzlich gegrüsst. Die Klassenzimmer sind sehr schön geworden, es gibt genügend Tische und Bänke und die Wände schmücken die Zeichnungen der Primarschüler aus Mauren! Rundrum blickte ich in zufriedene Gesichter. Danke euch allen! neues klassenzimmer zeichnungen der schüler aus mauren

Die Mutter-Kind-Station hat einen neuen Leiter, und zwar einen staatl. geprüften Krankenpfleger, der seine Aufgabe sehr ernst nimmt und gute Arbeit leistet, davon konnten wir uns überzeugen. Unser Ziel ist es nun, so schnell wie möglich aus dieser Station einen staatlich anerkannten Gesundheitsposten zu machen. Dann bezahlt der Staat die Gehälter und alle Medikamente, was Konstanz für  die Gesundheitsversorgung garantiert. Dafür müssen noch einige Bedingungen erfüllt werden. Erstens Wasser im Haus (nicht auf dem Hof), zweitens Stromanschluss (Solarstrom als Notaggregat) für die garantierte Kühlung der Impfstoffe, drittens eine Wohnmöglichkeit für den Leiter. Für die ersten 2 Punkte habe ich schon die Mittel zur Verfügung, und für den Bau eines kleinen Hauses mit 2 Zimmern bitte ich alle meine Freunde um Hilfe (Kosten ca. 8000.- Euro). Gemeinsam schaffen wir es sicher, diesen so wichtigen Schritt machen zu können. So wäre auch ein Ziel erreicht, das mir vom LED nahegelegt worden ist. Dieses Projekt hat absolute Priorität für 2011. neues team der gesundheitsstation

Berührend waren auch dieses Mal die Besuche bei den Patenkindern, die dieses Jahr wieder Moskitonetze erhalten haben. Das ist immer noch die beste Prophylaxe gegen Malaria. So konnte mein Mann auch in den Familien-Alltag von Senegal Einblick erhalten. Wir haben inzwischen mehr Sekundarschüler als Primarschüler, und das Geld der Paten reicht aus, um diese Kosten zu decken, danke. Moskitonetze für die Patenkinder

Die Frauengruppen arbeiten nach wie vor zufrieden mit ihren Kleinkrediten und haben uns mit selbstgemachten senegalesischen Kleidern beschenkt. Für meinen Mann eine eher ungewohnte Bekleidungsart, aber ein Geschenk muss auch getragen werden!

Grosse Freude hat mir dieses Mal die Schenkung von 4 weiteren Nähmaschinen an junge Frauen bereitet. Wir haben Familien gefunden, die durch Todesfall oder Krankheit der Eltern in Not geraten sind. Die Frauen können mit dem Nähen von Kleidern nun einen Teil der täglichen Lebenshaltungskosten mit finanzieren. Obwohl mir gerade diese Aktion sehr viel bedeutet hat, habe ich mich entschlossen, keine Einmalprojekte wie Esel/Pferdkauf etc. mehr durchzuführen. Es geht mir nicht nur darum, etwas zu verschenken, ich möchte die Kleinprojekte auch weiterhin begleiten. Das ist sehr zeitaufwändig, da auch immer wieder neue Probleme auftauchen und ich laufe Gefahr, mich zu verzetteln. grosse Freude über die Nähmaschine

Meine Schwerpunkte sind weiterhin Gesundheit und Bildung (Schulen), ich werde aber keine weiteren Patenkinder mehr mit ins Programm aufnehmen. Ich muss mit meinen Kräften haushalten, damit ich noch lange nach Senegal reisen kann.

Diese Reise war ganz besonders reich an schönen Erlebnissen, nicht zuletzt wegen der Begleitung meines Mannes, aber auch reich an Diskussionen und Entscheidungen.

Es war für ihn sicher nicht immer einfach, sich auf die andere Lebensart, Kultur und Denkweise im Senegal einzulassen. Es wurde ihm bewusst wie schwierig es ist dutunudutu.net Projekte durchzuführen und umso mehr war er vom Erreichten beeindruckt, auch dank des enormen Einsatzes von Malick Gueye. Die Basis ist geschaffen und ich hoffe, dass ich noch einige Zeit die Möglichkeit haben werde nach Senegal zu reisen, um dort einigen Menschen zu zeigen, dass wir sie nicht vergessen haben.

Und wieder einmal möchte ich betonen, dass das alles ohne eure Hilfe nicht möglich wäre und ich sage euch aus tiefstem Herzen  „Vergelt’s Gott“ für alle Spenden, guten Gespräche, guten Gedanken und Gebete.

Bis zum nächsten Brief grüsse ich euch herzlich

Ute Wild

Für mehr Eindrücke besuchen Sie unsere Galerie

Reisebericht März 2010

Liebe Freunde Senegals,

nach 4seohunt.com/www/teranga.li ein er längeren Pause war ich im Februar wieder ein paar Wochen im Senegal.

Wie die meisten von euch wissen war es dieses Mal mein Ziel, 2 Klassenzimmer für die Schule in Alwar zu bauen, da der alte Bau einsturzgefährdet ist. Ich wollte während der Bauarbeiten vor Ort sein, und habe mit meinem Projektleiter in Senegal, Malick Gueye, besprochen, dass vor meiner Ankunft das Fundament und die Ziegel gemacht werden. Das erwies sich aber gar nicht als so einfach, da die Hirseernte gerade in vollem Gang war und die Bewohner von Alwar, die beim Aushub mithelfen sollten, alle auf den Feldern waren. Grosse Scharen von Vögeln sind über die reifen Aehren hergefallen, und die Bauern mussten auf den Feldern übernachten und die Vögel vertreiben (Vogelscheuchen reichen da nicht mehr aus).

Aber als ich ankam, war alles gut vorbereitet, und die Maurer konnten mit dem Hochmauern der Wände anfangen. bau der schule In Alwar wurde uns wieder ein herzlicher Empfang bereitet. Die Schüler standen Spalier mit den Dorfältesten, dem Präsident der Elternvereinigung und den Lehrern. In ihren Ansprachen wurden sie nicht müde Malick und mir für unsere Hilfe zu danken. Mir wurde die Dringlichkeit dieses Neubaus besonders bewusst, da ich gerade erfahren hatte, dass in einem anderen Dorf, in dem ich auch Patenkinder habe, ein Klassenzimmer eingestürzt ist und dabei ein Kind getötet wurde. eingestürztes Dach

Die Bauarbeiten gingen zügig voran und ehe ich aus Senegal abreiste, habe ich erfahren, dass die Kinder ab 1. März im Neubau unterrichtet werden können. Dank geschickter Preisverhandlungen von Malick und weiteren Spenden ist es uns nun möglich das 3. Zimmer auch noch anfangen. Dies ist umso erfreulicher, da generell ein Klassenzimmer fehlt und dies in einem Provisorium aus Matten untergebracht ist, das jedes Jahr nach der Regenzeit neu gebaut werden muss. Ausserdem werden wir die 3 Toiletten renovieren, von denen nur noch eine benutzbar ist. Dafür wäre ich noch sehr dankbar für finanzielle Unterstützung. provisorisches klassenzimmer innen

Gleich neben der Schule liegt die im letzten Jahr erbaute Mutter-Kind-Station, die inzwischen eingezäunt ist, und im Hof wurden ein paar Bäume gepflanzt. Dort erwartete mich die freudige Nachricht, dass in der Nacht ein Mädchen geboren wurde. Alles in der Station läuft sehr zufrieden stellend, ich habe alle Bücher eingesehen (20 Geburten und 400 Konsultationen in 9 Mon.) und mit den Verantwortlichen eingehende Gespräche geführt. Inzwischen sind alle Kinder, auch der umliegenden Dörfer, im Impfprogramm (Impfplan wie bei uns). Impftermin Die unterernährten Kinder sind mit ihren Müttern in einen Ernährungsplan eingebunden und erhalten Lebensmittel, die die Organisation „US-aid“ zur Verfügung stellt. Auch wurden in einer Sonderaktion 260 Moskitonetze an Neugeborene und Kinder unter 5 Jahren verteilt. Dank der guten Organisation und Einrichtung wird die Station vom Gesundheitsministerium anerkannt und die Bedürfnisse an Hilfsorganisationen weitergegeben. Ich bin wirklich sehr dankbar, dass alles so gut verwaltet wird. Auch die Solaranlage arbeitet einwandfrei, ich werde nun noch einen Konverter anschaffen, um 220V Strom erzeugen zu können und einen kleinen Kühlschrank kaufen, in dem die empfindlichen Medikamente gelagert werden können.

Die Frauengruppe von Alwar erhielt von mir einen Kleinkredit von CHF 1000.- (für 30 Frauen!), den sie mir in 1 Jahr wieder zurückzahlen müssen. Wenn das klappt, erhalten sie ihn wieder. Die Frauen wussten nichts von meiner Ueberraschung, und die Freude war dementsprechend riesengross. Ich bin sicher, dass sie gewissenhaft mit dem Geld arbeiten werden. neue gruppe  in alwar

In Alwar habe ich eigentlich nur eine Enttäuschung erlebt, nämlich mit der  Jugendgruppe. Sie hatten ja versprochen die Neuanpflanzung der Bäume im letzten Jahr weiter zu verwalten, besonders das Bewässern. Leider musste ich feststellen, dass sie nur leere Western union locations Versprechungen gemacht haben. Die Bäume, die nicht in der direkten Nähe von Häusern gepflanzt worden sind, sind alle vertrocknet. Ich wusste schon, dass es sicher nicht einfach sein wird mit der Bewässerung, aber sie wollten das ja organisieren. Da sie so „wichtig“  getan haben, hat die Bevölkerung sich auch nicht verantwortlich gefühlt was zu tun…….auch hier Probleme Jung und Alt. Und niemand hat Malick darüber informiert.

Auch dieses Mal habe ich unsere Patenkinder nicht vergessen und alle besucht und Hefte und Kulis verteilt. Sie hatten gerade die ersten Prüfungen hinter sich, und so konnte ich beurteilen wie ihre Leistungen sind. Einige Kinder sind nun schon in die Sekundarschule übergetreten, und ich musste entscheiden wie ich mit diesen Kindern weiter mache, da das Schuljahr in den weiterführenden Schulen wesentlich mehr kostet. Im Moment habe ich es so organisiert, dass wir diesen Kindern die Einschreibegebühr und Hefte und Bücher  wie in der Grundschule bezahlen, den Rest zahlen die Eltern selbst. Wenn sie damit Schwierigkeiten haben, dann können sie sich an mich wenden.

Meine Frauengruppen machen mir immer wieder grosse Freude, auch dieses Mal habe ich als Dank neue senegalesische Kleider bekommen, die ich dann immer sofort tragen muss, was ich natürlich auch gerne tue. Die Gruppe in Mbettite möchte gerne ein kleines Gewerbe mit Nähen oder Stoffe färben anfangen und hat mich um Unterstützung gebeten. Eine Frau aus dem Dorf, die Nähen und Färben kann und auch Französisch spricht, erstellt mir eine Liste der Kosten, um anfangen zu können. Die Frauen bezahlen einen Teil mit dem bis jetzt verdienten Geld und ich lege den Rest drauf. Diese Frau ist auch bereit die Frauen der Gruppe anzulernen, die nach langer Diskussion entschieden haben, es mit dem Stoffe färben zu versuchen. Das wird im Laufe dieses Jahres organisiert.

Ein trauriges Ereignis war für mich der Tod der behinderten Frau, der wir einen Esel gekauft haben. Sie starb kurz vor meiner Ankunft, man weiss nicht genau woran. Wir besuchten ihren Mann und die Kinder und haben erfahren, dass sie mit einem Teil des Geldes, das mit dem Esel erarbeit wurde, ein Pferd kaufen konnten. Den Esel mussten dann sie verkaufen, um die Krankenhauskosten zu bezahlen. Das ist Senegal.

Mit einer weiteren Spende konnten wir eine Nähmaschine für eine junge Frau kaufen, die Schneiderin gelernt hat und sich nun selbständig machen kann. Sie darf im Atelier ihres Chefs bleiben, der ihr anfangs auch noch fachlich beratend zur Seite steht. Fatou arbeitet begeistert mit ihrer neuen Maschine

Ich bin sehr dankbar, dass ich dank Eurer Unterstützung so viel Gutes im Senegal tun kann. Wir bringen so viel Hoffnung in das Leben von vielen Menschen und werden mit ihrer Dankbarkeit reich beschenkt.

Nun habe ich noch 2 weitere Anfragen um Unterstützung erhalten. Der Gesundheitsposten in Ndioum, dem die Station in Alwar unterstellt ist, dient auch als Ausbildungszentrum für Krankenpfleger und Hebammen eines grossen Bezirks. Auch werden dort immer wieder Schulungen für neue Tests und Behandlungen durchgeführt, die das Gesundheitsministerium in Auftrag gibt.  Dafür wurde nun ein Raum erstellt, in dem es jetzt noch an Tischen, Stühlen, Flip-Chart etc. fehlt. Die Kosten hierfür betragen ca. EUR 1600.-.

Eine weitere Anfrage kommt von einer Frauengruppe, die 6 ha Land, das ihnen gehört, urbar machen wollen. Es liegt in der Nähe des Flusses und ist sehr fruchtbarer Boden unter dem Sand. Eine Wasserpumpe zum Bewässern haben sie schon vom eigenen Geld gekauft. Nun muss das Grundstück eingezäunt, die Bäume entfernt, der Boden umgepflügt und Bewässerungsgräben gelegt  werden. Für das erste Jahr brauchen sie auch Diesel für die Pumpe. Das alles kostet ca. EUR 9000.-. Sie wollen dieses Geld als Kredit, um starten zu können. Mit einem Finanzierungsplan würde nach der ersten Ernte mit der Rückzahlung begonnen werden. Gerne würde ich so ein Projekt unterstützen, da könnte für 20 Familien wirklich Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden. Um Hinweise, wen ich um Mithilfe und (oder) finanzielle Unterstützung anfragen könnte, wäre ich sehr dankbar.

Dies wurde nun ein sehr langer Bericht. Ich hoffe, dass ihr damit einen Eindruck von der Vielfalt der Projekte erhalten habt, ich aber auch die Freude an meiner Arbeit wiedergeben konnte.

Zum Schluss ein ganz herzliches „Vergelt’s Gott“ an alle meine Spender, ohne die das alles nicht möglich wäre. Ihr seid ein Teil all dieser Projekte, danke!

Bis zum nächsten Brief grüsse ich euch herzlich

Ute Wild

Für mehr Impressionen schauen Sie in unsere Galerie