Reisebericht von der Einweihung der Mutter-Kind-Station in Alwar April 2009

das neue schild

Liebe Freunde Senegals

In meinem letzten Rundbrief habe ich schon angekündigt, dass ich im April zur Einweihung der Mutter-Kind-Station nach Alwar reisen werde. Das war für mich ein Erlebnis, das ich sicher nie vergessen werde. Da mich so viele von euch bei der Umsetzung dieser Projektidee unterstützt haben, möchte ich mit diesem Bericht auch etwas von der Freude der Dorfbewohner weitergeben.

Ursprünglich hatte ich an eine kleine Einweihungsfeier gedacht (doch es ist anders gekommen), und versprochen eine Kuh zu kaufen, dass es auch genug Fleisch für alle hat. Der Reis wurde von den Familien in Alwar bereitgestellt. Aber schon bei meiner Ankunft in Ndioum habe ich gemerkt, dass eine grosse Hektik in Hinblick auf das Fest besteht. Ich war gespannt….

Am Sonntag, den 19.4. war es dann soweit. Die offiziellen Gäste(der medizinische Leiter aus Ndioum, der Chefmediziner des Departements, ein Vertreter des Innenministeriums, der Pfarrer der lutherischen Mission, die Krankenschwestern und ein direkter Nachkomme vom islamischen Heiligen aus Alwar, der extra aus Dakar angereist war) wurden in 4 Autos verteilt. Malick hatte einen Lastwagen gemietet für alle Handwerker und Freunde aus Ndioum, die zur Einweihung kommen wollten. Auf der Fahrt nach Alwar müssen ja 2 Flüsse mit Fähren überquert werden. Vor dem 2. Fluss erwartete mich die  erste Ueberraschung. Am Ufer standen Frauen und klatschten und tanzten, schlugen auf ihren Blechschüsseln und riefen immer „Ute,Ute“. auf dem weg nach alwar Auf dem Fluss vollführten 10 Männer in 2 Pirogen einen wahren Tanz auf dem Wasser unter lauten „Juhu“-Rufen – Lebensfreude pur! Als wir dann auf der Fähre waren, liessen sie sich vor meinen Augen „versinken“ und tauchten lachend wieder auf!

An diesem Tag war es ganz besonders heiss und der Sandsturm wehte fast waagrecht als wir ins Dorf einfuhren. Wir wurden mit lauten Böllerschüssen aus Vorderladern begrüsst, und die Frauen und Kinder standen wieder Spalier in traditionellen Kleidern. traditionelle kleidung Eine Jugendgruppe von Alwar, die sich für die Entwicklung ihres Dorfes einsetzen, hatte ein besonderes Empfangsplakat geschrieben. Unter Bäumen dann Bänke und Tische für die offiziellen Gäste. die ehrengäste Der neu eingesetzte Bürgermeister von Ndioum kam etwas später und brachte Filmleute und Fotografen mit. Er freute sich, dass die Einweihung der Station seine erste offizielle Amtshandlung war. Auch meine Freunde aus Dakar, die die Anfrage an mich gerichtet hatten, waren natürlich anwesend.

Dann wurden viele Dankesreden gehalten, die Jugendgruppe präsentierte einen Sketch über den Segen der neu erbauten Mutter-Kind-Station, die Schulkinder trugen traditionelle Gesänge vor. Die Wichtigkeit dieser neuen Station war sehr deutlich spürbar und die Dankbarkeit aller ist grenzenlos. Für mich war es ganz wichtig zu hören, dass sich alle, die in leitenden Stellungen sind, dafür  einsetzen wollen, dass diese Station auch staatlich anerkannt werden soll. Der med. Leiter aus Ndioum versprach mir eine regelmässige Kontrolle der medizinischen Belange( was er bis jetzt auch schon gemacht hat) und der Präsident des Gesundheitskomités von Alwar wird jeden Tag nach dem Rechten sehen. Die luth. Mission unterstützt die kleine Station schon seit Jahren regelmässig, und sie wird ihre Aktivitäten in Zukunft noch ausbauen(z.B. Impfungen in den Dörfern im Busch).

Nachdem ich mit dem Bürgermeister das Band zur Station durchgeschnitten hatte, kam der grosse Besucherandrang. Ich weiss nicht wie viel hundert Menschen da waren, sehr viele auf jeden Fall, auch von den umliegenden Dörfern. Die Freude über so ein schönes Gebäude und die neue Einrichtung war riesengross. die neue gesundheitsstation

Die Station hat nun ein Krankenzimmer mit 3 Betten, ein Gebärzimmer, eine Apotheke(Medikamente für 1 Jahr) und das Büro und Untersuchungszimmer des Krankenpflegers. Medikamente und med. Einrichtung wurden zum grossen Teil von people-together gesponsert, danke! Ein grosser Gang, wie eine Veranda, dient als Warteraum. Der Bau der Station wurde mit der Unterstützung vom LED finanziert. Vielen Dank!

In der alten Station wird ein Lager für Lebensmittel für unterernährte Kinder eingerichtet werden. Wir haben in das Grundstück eine Wasserleitung gelegt, die bis zur Toilette und Dusche geht und das ganze Terrain mit einem Maschendrahtzaun eingezäunt

In der Station sind  ein Krankenpfleger, eine Geburtshelferin und eine neu angelernte junge Hebamme aus dem Dorf tätig. Sie haben keine feste Bezahlung, sondern bekommen nur das, was die Leute für die Konsultation bezahlen und die Einnahmen vom Medikamentenverkauf. Das ist auf die Dauer sicher keine gute Lösung, ich werde mich dafür einsetzen, dass sie einen minimalen Fixlohn bekommen.

Der Schulleiter machte mich erneut auf die desolate Situation seiner Schule aufmerksam (ein Gebäude ist wegen Einsturzgefahr gesperrt), und es ist mir klar, dass bei diesen klimatischen Verhältnissen an einen Unterricht im Freien nicht zu denken ist. Vielleicht kann mir von euch jemand einen Tipp geben, wen ich um Hilfe anfragen könnte…dieses Dorf ist inzwischen für mich wirklich etwas ganz besonderes, und ich würde gerne noch mehr für seine Entwicklung tun.

Der Tag endete mit einem grossen Essen (Kuh), das die Frauen zubereitet hatten und alle waren glücklich und sehr zufrieden.

In der nächsten Woche haben wir dann mit dem Elektriker und dem Maurer die Fotovoltaikplatten, die ich von hier mitgebracht hatte, installiert. Mit einer Batterie und Niedervoltlampen gibt es nun Licht in der Station. Diese Installation wurde von der Gemeinde Mauren gesponsert. Vielen Dank! anbau für solaranlage

Hier zu Hause wird mir erst bewusst was für ein grossartiges Projekt ich mit eurer Hilfe schaffen durfte und meine Dankbarkeit ist gross. Natürlich ist so ein Projekt nie abgeschlossen, und so freue ich mich 4seohunt.com/www/teranga.li weiterhin über jede Spende.

Ich wünsche allen meinen Freunden einen wunderschönen Sommer und melde mich wieder wenn es Neues zu berichten gibt.

 

Herzliche Grüsse und danke

Ute Wild

Für mehr Eindrücke besuchen Sie unsere Galerie