Reisebericht März 2010

Liebe Freunde Senegals,

nach 4seohunt.com/www/teranga.li ein er längeren Pause war ich im Februar wieder ein paar Wochen im Senegal.

Wie die meisten von euch wissen war es dieses Mal mein Ziel, 2 Klassenzimmer für die Schule in Alwar zu bauen, da der alte Bau einsturzgefährdet ist. Ich wollte während der Bauarbeiten vor Ort sein, und habe mit meinem Projektleiter in Senegal, Malick Gueye, besprochen, dass vor meiner Ankunft das Fundament und die Ziegel gemacht werden. Das erwies sich aber gar nicht als so einfach, da die Hirseernte gerade in vollem Gang war und die Bewohner von Alwar, die beim Aushub mithelfen sollten, alle auf den Feldern waren. Grosse Scharen von Vögeln sind über die reifen Aehren hergefallen, und die Bauern mussten auf den Feldern übernachten und die Vögel vertreiben (Vogelscheuchen reichen da nicht mehr aus).

Aber als ich ankam, war alles gut vorbereitet, und die Maurer konnten mit dem Hochmauern der Wände anfangen. bau der schule In Alwar wurde uns wieder ein herzlicher Empfang bereitet. Die Schüler standen Spalier mit den Dorfältesten, dem Präsident der Elternvereinigung und den Lehrern. In ihren Ansprachen wurden sie nicht müde Malick und mir für unsere Hilfe zu danken. Mir wurde die Dringlichkeit dieses Neubaus besonders bewusst, da ich gerade erfahren hatte, dass in einem anderen Dorf, in dem ich auch Patenkinder habe, ein Klassenzimmer eingestürzt ist und dabei ein Kind getötet wurde. eingestürztes Dach

Die Bauarbeiten gingen zügig voran und ehe ich aus Senegal abreiste, habe ich erfahren, dass die Kinder ab 1. März im Neubau unterrichtet werden können. Dank geschickter Preisverhandlungen von Malick und weiteren Spenden ist es uns nun möglich das 3. Zimmer auch noch anfangen. Dies ist umso erfreulicher, da generell ein Klassenzimmer fehlt und dies in einem Provisorium aus Matten untergebracht ist, das jedes Jahr nach der Regenzeit neu gebaut werden muss. Ausserdem werden wir die 3 Toiletten renovieren, von denen nur noch eine benutzbar ist. Dafür wäre ich noch sehr dankbar für finanzielle Unterstützung. provisorisches klassenzimmer innen

Gleich neben der Schule liegt die im letzten Jahr erbaute Mutter-Kind-Station, die inzwischen eingezäunt ist, und im Hof wurden ein paar Bäume gepflanzt. Dort erwartete mich die freudige Nachricht, dass in der Nacht ein Mädchen geboren wurde. Alles in der Station läuft sehr zufrieden stellend, ich habe alle Bücher eingesehen (20 Geburten und 400 Konsultationen in 9 Mon.) und mit den Verantwortlichen eingehende Gespräche geführt. Inzwischen sind alle Kinder, auch der umliegenden Dörfer, im Impfprogramm (Impfplan wie bei uns). Impftermin Die unterernährten Kinder sind mit ihren Müttern in einen Ernährungsplan eingebunden und erhalten Lebensmittel, die die Organisation „US-aid“ zur Verfügung stellt. Auch wurden in einer Sonderaktion 260 Moskitonetze an Neugeborene und Kinder unter 5 Jahren verteilt. Dank der guten Organisation und Einrichtung wird die Station vom Gesundheitsministerium anerkannt und die Bedürfnisse an Hilfsorganisationen weitergegeben. Ich bin wirklich sehr dankbar, dass alles so gut verwaltet wird. Auch die Solaranlage arbeitet einwandfrei, ich werde nun noch einen Konverter anschaffen, um 220V Strom erzeugen zu können und einen kleinen Kühlschrank kaufen, in dem die empfindlichen Medikamente gelagert werden können.

Die Frauengruppe von Alwar erhielt von mir einen Kleinkredit von CHF 1000.- (für 30 Frauen!), den sie mir in 1 Jahr wieder zurückzahlen müssen. Wenn das klappt, erhalten sie ihn wieder. Die Frauen wussten nichts von meiner Ueberraschung, und die Freude war dementsprechend riesengross. Ich bin sicher, dass sie gewissenhaft mit dem Geld arbeiten werden. neue gruppe  in alwar

In Alwar habe ich eigentlich nur eine Enttäuschung erlebt, nämlich mit der  Jugendgruppe. Sie hatten ja versprochen die Neuanpflanzung der Bäume im letzten Jahr weiter zu verwalten, besonders das Bewässern. Leider musste ich feststellen, dass sie nur leere Western union locations Versprechungen gemacht haben. Die Bäume, die nicht in der direkten Nähe von Häusern gepflanzt worden sind, sind alle vertrocknet. Ich wusste schon, dass es sicher nicht einfach sein wird mit der Bewässerung, aber sie wollten das ja organisieren. Da sie so „wichtig“  getan haben, hat die Bevölkerung sich auch nicht verantwortlich gefühlt was zu tun…….auch hier Probleme Jung und Alt. Und niemand hat Malick darüber informiert.

Auch dieses Mal habe ich unsere Patenkinder nicht vergessen und alle besucht und Hefte und Kulis verteilt. Sie hatten gerade die ersten Prüfungen hinter sich, und so konnte ich beurteilen wie ihre Leistungen sind. Einige Kinder sind nun schon in die Sekundarschule übergetreten, und ich musste entscheiden wie ich mit diesen Kindern weiter mache, da das Schuljahr in den weiterführenden Schulen wesentlich mehr kostet. Im Moment habe ich es so organisiert, dass wir diesen Kindern die Einschreibegebühr und Hefte und Bücher  wie in der Grundschule bezahlen, den Rest zahlen die Eltern selbst. Wenn sie damit Schwierigkeiten haben, dann können sie sich an mich wenden.

Meine Frauengruppen machen mir immer wieder grosse Freude, auch dieses Mal habe ich als Dank neue senegalesische Kleider bekommen, die ich dann immer sofort tragen muss, was ich natürlich auch gerne tue. Die Gruppe in Mbettite möchte gerne ein kleines Gewerbe mit Nähen oder Stoffe färben anfangen und hat mich um Unterstützung gebeten. Eine Frau aus dem Dorf, die Nähen und Färben kann und auch Französisch spricht, erstellt mir eine Liste der Kosten, um anfangen zu können. Die Frauen bezahlen einen Teil mit dem bis jetzt verdienten Geld und ich lege den Rest drauf. Diese Frau ist auch bereit die Frauen der Gruppe anzulernen, die nach langer Diskussion entschieden haben, es mit dem Stoffe färben zu versuchen. Das wird im Laufe dieses Jahres organisiert.

Ein trauriges Ereignis war für mich der Tod der behinderten Frau, der wir einen Esel gekauft haben. Sie starb kurz vor meiner Ankunft, man weiss nicht genau woran. Wir besuchten ihren Mann und die Kinder und haben erfahren, dass sie mit einem Teil des Geldes, das mit dem Esel erarbeit wurde, ein Pferd kaufen konnten. Den Esel mussten dann sie verkaufen, um die Krankenhauskosten zu bezahlen. Das ist Senegal.

Mit einer weiteren Spende konnten wir eine Nähmaschine für eine junge Frau kaufen, die Schneiderin gelernt hat und sich nun selbständig machen kann. Sie darf im Atelier ihres Chefs bleiben, der ihr anfangs auch noch fachlich beratend zur Seite steht. Fatou arbeitet begeistert mit ihrer neuen Maschine

Ich bin sehr dankbar, dass ich dank Eurer Unterstützung so viel Gutes im Senegal tun kann. Wir bringen so viel Hoffnung in das Leben von vielen Menschen und werden mit ihrer Dankbarkeit reich beschenkt.

Nun habe ich noch 2 weitere Anfragen um Unterstützung erhalten. Der Gesundheitsposten in Ndioum, dem die Station in Alwar unterstellt ist, dient auch als Ausbildungszentrum für Krankenpfleger und Hebammen eines grossen Bezirks. Auch werden dort immer wieder Schulungen für neue Tests und Behandlungen durchgeführt, die das Gesundheitsministerium in Auftrag gibt.  Dafür wurde nun ein Raum erstellt, in dem es jetzt noch an Tischen, Stühlen, Flip-Chart etc. fehlt. Die Kosten hierfür betragen ca. EUR 1600.-.

Eine weitere Anfrage kommt von einer Frauengruppe, die 6 ha Land, das ihnen gehört, urbar machen wollen. Es liegt in der Nähe des Flusses und ist sehr fruchtbarer Boden unter dem Sand. Eine Wasserpumpe zum Bewässern haben sie schon vom eigenen Geld gekauft. Nun muss das Grundstück eingezäunt, die Bäume entfernt, der Boden umgepflügt und Bewässerungsgräben gelegt  werden. Für das erste Jahr brauchen sie auch Diesel für die Pumpe. Das alles kostet ca. EUR 9000.-. Sie wollen dieses Geld als Kredit, um starten zu können. Mit einem Finanzierungsplan würde nach der ersten Ernte mit der Rückzahlung begonnen werden. Gerne würde ich so ein Projekt unterstützen, da könnte für 20 Familien wirklich Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden. Um Hinweise, wen ich um Mithilfe und (oder) finanzielle Unterstützung anfragen könnte, wäre ich sehr dankbar.

Dies wurde nun ein sehr langer Bericht. Ich hoffe, dass ihr damit einen Eindruck von der Vielfalt der Projekte erhalten habt, ich aber auch die Freude an meiner Arbeit wiedergeben konnte.

Zum Schluss ein ganz herzliches „Vergelt’s Gott“ an alle meine Spender, ohne die das alles nicht möglich wäre. Ihr seid ein Teil all dieser Projekte, danke!

Bis zum nächsten Brief grüsse ich euch herzlich

Ute Wild

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