Reisebericht April 2014

Liebe TERANGA Freunde

Gerne möchte ich euch heute von meiner Reise nach Senegal im Februar berichten. Dieses Mal hatte ich kein Mammut- Programm zu erledigen und konnte mir für vieles andere wieder einmal Zeit nehmen, was sonst dem Zeitdruck zum Opfer fällt. Gespräche mit vielen Menschen, denen es ein Bedürfnis ist, mir zu danken – neue Menschen kennen lernen – Eindrücke verarbeiten – über vieles nachdenken und so weiter. Dementsprechend war meine Reise sehr bereichernd, was mir wieder viel Kraft gibt für die neuen Aufgaben, die auf mich warten. Aber es war dieses Mal kalt im Senegal, speziell in Ndioum, und ich habe nachts sehr gefroren!!!

Ein wichtiger Programmpunkt meine Reise war der Besuch bei den Frauen in Mbettite, die im November die Hirseschälmaschine angeschafft haben. Ich wollte sehen wie sie funktioniert, wie die Verwaltung der Maschine organisiert ist, und es war auch schon die erste Rückzahlung des Kredits fällig. Als wir im Dorf eintrafen, konnte ich meinen Augen kaum trauen – von weitem hörten wir schon die Trommeln, die Frauen hatten ein Spalier gebildet und klatschen den Rhythmus, die jungen auf einer Seite in rosa, die älteren auf der anderen Seite in blau – es war sehr berührend. Ich kam in den Genuss, die typischen Tänze der Einwohner zu erleben, die nur an hohen Festen getanzt werden, das war ihr Dank an mich (uns). Als ich dann bei den Ansprachen hörte was für ein Einschnitt diese Maschine für das Leben der Frauen bedeutet, war ich sehr froh, dass wir die Anschaffung gewagt hatten. Die Frauen sind vorher nach der Hirseernte wochenlang um 3 Uhr nachts aufgestanden, um die Hirse zu stampfen (zum schälen), haben dann ab 9 Uhr ihre Familien versorgt und am nächsten Tag dasselbe. Nach einigen Wochen waren sie total entkräftet, doch das Leben musste ja weitergehen. Nun macht diese Arbeit die Maschine und sie verdienen noch etwas dabei, denn jedes Kilo, das geschält wird, muss bezahlt werden. Keine grossen Beträge, aber bei Tonnen von Hirse summiert sich das. Wenn das Dorf fertig ist mit dem Schälen, wird die Maschine an andere Dörfer vermietet. So verdienen die Frauen während mehrerer Monate recht gut. Fünf Männer halten die Maschine am Laufen, sie bekommen dann ein Gehalt und können bei ihren Familien im Dorf bleiben. Drei Personen sind für die korrekte Verwaltung der Einnahmen verantwortlich, sie kontrollieren sich gegenseitig. Ich war wirklich beeindruckt und habe dem Pfarrer, der die „Oberaufsicht“ hat, ein Kompliment gemacht. So hoffe ich, dass unser Geld gut eingesetzt ist. Die Frauen haben mir voll Stolz die erste Rate zurückbezahlt und immer wieder betont wie sehr sich ihr Leben nun verbessert hat. Als Geschenk bekam ich einen gewobenen Stoff, den nur diese Ethnie herstellt. Und beim nächsten Besuch werde ich erfahren was sie mit dem Verdienst der Maschine weiter investieren wollen.

Maschine in Aktion

Ich hatte mir vorgenommen, dass ich dieses Mal die Patenkinder, besonders die von Mathias, in ihren Schulen besuchen werde, um zu erfahren wie sie in der Schule sind. Sie sind auf 6 verschiedenen Schulen verteilt, 4 in Mbour und 2 etwa eine Stunde entfernt, und die Lehrer sind zum Teil sehr kompliziert ( erst zum Direktor, dann zum
Stellvertreter, dann zum Klassenlehrer), manche wollten vor Ende der letzten Prüfungen gar keine Auskunft geben! Drei Schüler sind in der letzten Klasse der Realschule und wir müssen überlegen wer weiter zur Schule gehen kann oder wer besser eine praktische Ausbildung machen will. Leider gibt es im Senegal keine Lehre wie bei uns. Malick klärt im Moment ab, was es für Möglichkeiten, besonders in Mbour, gibt. Leider musste ich feststellen, dass nur 2 Schüler wirklich gut sind, die anderen brauchen Nachhilfe, um überhaupt das Klassenziel zu erreichen. Das sah letztes Jahr noch besser aus, doch auch im Senegal wird der Schulstoff jedes Jahr anspruchsvoller. In Ndioum haben wir das Glück, dass wir dort fast ausschliesslich sehr gute Schülerinnen haben, die ich gerne alle bis zur Matura gehen lassen möchte. Nur ein Schüler braucht Nachhilfe, er hat aber auch noch ein Jahr Zeit zum Aufholen. Dort ist die Kontrolle für mich sehr viel einfacher. Alle Kinder sind im gleichen Ort und Samba, der die Patenschaften verwaltet, ist Lehrer.

Von den drei Mädchen, die letztes Jahr auf der privaten Nähschule in Mbour angefangen haben, ist leider eine so krank geworden, dass die nicht zur Schule gehen konnte. Wir haben nun einen guten Arzt ausfindig gemacht und ich hoffe, dass der ihr helfen kann. Der Vater hatte schon viel Geld ausgegeben, aber viele Aezte im Senegal sind leider nicht seriös, sie wollen nur Geld verdienen. Ich hoffe, dass sie nächstes Schuljahr weitermachen kann, sie wünscht es sich so sehr.

Mathias ist in ärztlicher Behandlung wegen seiner Augen, die definitiv geschädigt sind. Doch er behauptet, dass es ihm viel besser geht, was ich mir nicht so recht erklären kann. Da sieht man was der psychologische Faktor ausmacht. Er will die Patenschaften unbedingt weiter verwalten. Den Wunsch erfülle ich ihm, dann sehen wir nächstes Jahr weiter.

In Halwar war ich verhältnismässig kurz, denn es wehte ein so heftiger Sandsturm, dass ich nach kurzer Zeit das Gefühl hatte den Sand überall zu spüren und trotz Brille konnte ich kaum mehr was sehen. Also Programm durchziehen und nach Ndioum zurück! Die Lehrer waren überglücklich, dass sie nun für alle Schüler Schulbücher kaufen konnten und bedanken sich ganz herzlich bei dem Spenderehepaar.

Mit der Führung der Gesundheitsstation bin ich nach wie vor sehr zufrieden. Die Bücher sind gut geführt und die Konsultationen nehmen zu, verglichen mit dem letzten Jahr. Ich
hoffe nun, dass wir auch einen guten Nachfolger finden, der vom jetzigen Leiter eingearbeitet werden sollte. Leider ist der Behördenweg zur staatlichen Anerkennung nicht so schnell zu nehmen. Die Anerkennung ist erst auf regionaler Ebene erfolgt, jetzt muss das Gesuch zum MInisterium nach Dakar – da heisst es Geduld haben. Also werden wir auch den neuen Leiter bezahlen müssen. Das ist aber kein grosses Problem, die Hauptsache ist, dass er gut ist und von den Patienten angenommen wird. Im Moment schaue ich positiv in die Zukunft. Und im November wird unser jetziger Leiter nochmal die Schulbank drücken und versuchen, sein Diplom nachzuholen.

In Ndioum war ich natürlich gespannt wie beim Collège unsere zwei neu gebauten Klassenzimmer aussehen, nachdem ich letztes Mal ja nicht so zufrieden war mit der Ausführung. Wir haben den Maurer gewechselt und das Ergebnis war zufriedenstellend. Die Schüler hatten sogar auf dem Schulhof den Abfall weitgehend beseitigt, damit ich ja einen guten Eindruck bekomme! Es fehlen nun noch diverse kleine Details, damit wirklich alles gut aussieht, aber das kriegen wir schon hin. Malick weiss nun worauf es mir ankommt und bis November wird alles gerichtet sein – inschallah! Ich hatte wieder Gelegenheit mit dem Minister und dem Bürgermeister zu sprechen, beide danken für unser Engagement, das sie nicht als selbstverständlich nehmen. Ich bin zuversichtlich, dass der Staat eines Tages an dieser Schule weitere
Klassenzimmer bauen wird. Beeindruckt hat mich auch dieses Mal wieder die Dynamik der Lehrer und Schüler wenn es um ihre Schule geht – sie wollen bei den Prüfungen besser sein als das schon lang bestehende Collège!

Die kleine kranke Olel bekommt nun eine eigene Toilette und Dusche, dank mehrerer Spenden ist dies finanziert. Der Bau ist schon fast fertig! Beim Besuch der Familie war ich wieder sehr berührt. Sie schlafen zu siebt in einem Raum, gekocht und gelebt wird im Freien. Olel geht es dank der Medikamente recht gut, sie sieht richtig glücklich aus. Nun kann sie in eine Schule ganz in der Nähe gehen, die letztes Jahr angefangen hat, aber nur aus provisorischen Klassenzimmern besteht. Die Kleinen leiden sehr unter der Hitze. Dort möchte ich gerne weiterbauen wenn unser Collège fertig ist.

Eine weitere Bitte um Unterstützung kam dieses Mal aus einem Dorf, das sehr weit von Ndioum entfernt ist. Ich dachte immer, dass Alwar schwer zu erreichen ist, aber dieses Dorf Kopé ist doppelt so weit entfernt von Ndioum und auch nur über 2 Flüsse zu erreichen. Es liegt direkt am Senegalfluss, am anderen Ufer ist Mauretanien. Ich wollte das Dorf kennen lernen, um mir ein Bild machen zu können warum ein Boot für das Dorf so wichtig ist. Schon die Reise dorthin war abenteuerlich! 1 1/2 Stunden Sandpiste im Nirgendwo, auf dem ganzen Weg 2 Dörfer! Und dann ein recht grosses Dorf, sehr sauber, hat mich an Alwar erinnert. Man kann nur die Dinge kaufen, die man jeden Tag zum Kochen braucht, alles andere nur auf dem Markt in Ndioum, dort fahren sie jeden Montag hin. Wenn sie aber nach Mauretanien gehen, haben sie in 4 km Entfernung ein grosses Dorf, in dem sie alles kaufen können, und sehr viel billiger. Das ermöglicht ihnen auch Handel zu treiben und so etwas Geld zu verdienen. Eine grosse Delegation von Dorfbewohnern hat mich empfangen, einen Rundgang durch’s Dorf mit mir gemacht und mir sehr eindrücklich ihre Situation erklärt. Vor 5 Jahren ist ihr altes Boot kaputt gegangen und sie finden keine Geldgeber für ein neues Boot. Die Situation ist echt sehr schwierig. Wir haben nun beschlossen, dass sie ein Boot bekommen, am besten vor der Regenzeit, denn dann kommen sie manchmal nicht mal mehr nach Ndioum.

Während dieses Aufenthaltes habe ich die Dankbarkeit der Bevölkerung im Norden und auch in Mbettite sehr stark gespürt. Wo ich auch hinkam, ich hörte überall: “Merci, Madame Ute, das was Sie für unsere Kinder und für uns tun wird niemals vergessen werden! Wir beten für Sie und alle, die Ihnen helfen!“

Diesem Dank möchte ich mich heute anschliessen und an euch alle weiter geben. Wir sind auf einem guten Weg und haben in den letzten Jahren zusammen viel erreicht – eure Unterstützung macht mich stark. Und das kann ich auch im Namen von Malick sagen. Vielleicht bekommt er ein Visum für August, dann könntet ihr ihn kennen lernen!

Einen schönen Sommer wünsche ich euch allen mit einem herzlichen Vergelt’s Gott und danke für euer Vertrauen

Ute Wild

Jahresbericht 2013

Liebe Freunde und Gönner von TERANGA Senegal

Es freut mich ganz besonders, dass ich euch heute mitteilen kann, dass wir seit dem 14. Juni 2013 ein eingetragener Verein sind und nun auch Spendenbestätigungen ausstellen. Dies ist mein Dankeschön an alle meine treuen Gönner, ohne die unsere Projekte nicht möglich wären.

Unser Vorstand setzt sich aus 5 Mitgliedern zusammen: Präsidentin Ute Wild und die Vorstandsmitglieder Rainer Wild, Margot Gritsch, Rita Willinger und unser Mitarbeiter im Senegal Malick Gueye. Ihnen sage ich auf diesem Weg auch herzlichen Dank, dass sie sich zur Verfügung gestellt haben und mir mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Auf das Jahr 2013 blicke ich mit viel Dankbarkeit und Freude zurück. Ich durfte so viel Schönes erleben, und meine gesteckten Ziele sind sogar übertroffen worden. Im letzten Bericht habe ich schon von den Spendenaktionen der Schule Mauren und Sulzberg berichtet, dann kam im April die wunderbare Ausstellung von Hermy Geissmann in Eschen, die ein sensationelles Ergebnis erzielte. So etwas ist wirklich einmalig und ich danke Hermy von ganzem Herzen für ihre Grosszügigkeit. Jetzt im November hat das SZU Eschen an der EWA selbstgemachte Sachen für TERANGA  Senegal verkauft, und auch da kam eine stattliche Summe  zusammen. Bei den fleissigen Schülern und auch den Lehrern bedanke ich mich ganz herzlich für ihr Engagement! Ausserdem hatte ich das grosse Glück, dass ich von einigen privaten Gönnern grosszügig unterstützt wurde. Allen sage ich an dieser Stelle herzlich DANKE – es wurde mit eurer Hilfe sehr viel  erreicht für die Schüler in Ndioum.

Wir konnten dieses Jahr für das Collège in Ndioum 3 neue Klassenzimmer bauen, ein Lehrerzimmer und 3 neue Toiletten. Jetzt haben wir total 5 neue Klassenzimmer. Das ist weit mehr als wir uns erhofft hatten und die Freude und Dankbarkeit im Lehrerkollegium und den Eltern und Schülern ist grenzenlos. Leider kann ich euch in diesem Brief nicht wirklich vermitteln was ich bei meinem letzten Besuch in Ndioum erlebt habe. Die Eltern, Lehrer und Schüler haben mir zu Ehren ein Fest organisiert, um mir zu zeigen wie wichtig unsere Hilfe für sie ist. Ohne uns gäbe es diese Schule so nicht. Wie immer waren auch Vertreter des Ministeriums und der Bürgermeister da und es gab viele Dankesreden. Doch das Eindrücklichste für mich war der Inhalt dieser Ansprachen. Es wurde immer  wieder darauf hingewiesen wie wichtig es ist, dass man mit guter Schulbildung etwas aus seinem Leben macht. Und zwar nicht nur in Bezug auf ein Studium, sondern auch für Handwerker und Bauern sei es wichtig  eine gute Wissensbasis zu haben, um erfolgreich wirtschaften zu können. Die Schüler werden so immer wieder motiviert ihre Stärken zu erkennen und darauf aufzubauen. Ich konnte spüren was für ein guter Geist  in dieser Schule herrscht. Alle wollten mir zeigen, dass sie es wert sind unterstützt zu werden. Doch das allergrösste „Geschenk“ war für mich, dass das Lehrerkollegium und die Eltern beschlossen haben mit ihren Mitteln (z.B. Einschreibegebühr der Schüler und Spenden) 3 Klassenzimmer zu bauen! Dieses Jahr haben sie das Fundament und die Wände gemauert, nächstes Jahr reichen die Mittel dann für das Dach und die Zementierung des Bodens. Bis dahin muss ein Strohdach genügen und der Sandboden, aber das ist immer besser als die 4 Schilfmattenprovisorien, die weiterhin nötig sind, damit  alle 700 Schüler am gleichen Ort unterrichtet werden können. 12 Klassen haben eigene Klassenzimmer und 2 Klassen sind sogenannte „Springer“, die immer wieder das Klassenzimmer wechseln müssen. Eine Klasse hat im Durchschnitt 55 Schüler. Unser Ziel ist es nach und nach die Schilfmattenprovisorien zu ersetzen. Das Ministerium hat auch ein Budget für diese Schule und stellt im Moment Lehrer, Schulbänke und Schulmaterial, wenn auch nicht immer genügend.  Im 5- Jahresplan ist der Bau von weiteren Klassenzimmern für dieses Collège geplant, was sehr wichtig wäre, da die Schülerzahlen sich ständig erhöhen und die Klassen zu gross sind. Zum Abschluss begleiteten mich die Schüler, Lehrer und viele Eltern nach Hause, quer durch das ganze Dorf, singend und klatschend. Der Direktor meinte, da sei sein „Protestmarsch“. Er wolle so darauf aufmerksam machen, dass diese Schule nur dank unserer Hilfe  existiert. Wir werden Anfang 2014 noch ein 6.Klassenzimmer bauen können dank der EWA  und einer grosszügigen privaten Spende.

Ich habe diesem Projekt so viel Raum gegeben, da wir beschlossen haben auch in Zukunft unsere Spenden für den Bau dieser Realschule zu verwenden. Sie ist hoffentlich  ein kleines Mosaik für eine bessere Zukunft im Senegal.

Doch auch in meinen anderen Projekten bewegt sich sehr viel. Die Gesundheitsstation in Alwar wird vom Staat übernommen, sobald wir dort einen staatlich geprüften Leiter haben. Unser jetziger Leiter hat vor 3 Jahren die praktische Prüfung nicht bestanden und seine Idee, dass er per Fernstudium das Schuljahr und die Prüfung nachholen kann, ist wegen der hohen Anforderungen nicht durchführbar. Nun müssen wir eine andere Lösung finden, denn den Dorfbewohnern und mir ist es wichtig, dass dieser Gesundheitsposten endlich ein  Poste de Santé d’Etat wird. Dafür haben sie sich ja Anfang des Jahres stark gemacht. Wir haben einige Ideen miteinander besprochen, im Februar werde ich Genaueres berichten können. Grundsätzlich ist die Station sehr gut geführt und ich habe mit Freude gesehen, dass im Oktober 132 Konsultationen waren, 15 Geburten und 10 stationäre Behandlungen. Das ist weit mehr als in den vergangenen Jahren, die Station ist nun von allen sehr gut angenommen. Schon jetzt  bekommt die Gesundheitsstation die  Medikamente vom Staat (nicht optimal, aber sie sind zufrieden), doch leider haben sie immer zu wenig Verbandsmaterial. Wenn jemand übrige Pflaster, Mullbinden und Elastikbinden hat, ich nehme sie gerne mit.

Im März habe ich geschrieben, dass die Lehrer von Alwar sich eine Bibliothek wünschen. Dank diesem Aufruf war ein Ehepaar bereit mit seiner Spende den Grundstock für diese Bibliothek zu legen. Doch als ich jetzt in Alwar war und die Details der Anschaffung mit den Lehrern besprach, stellte sich heraus, dass sie von Schulbüchern sprachen, nicht von Belletristik! Sie haben sage und schreibe für 2 Klassen gar keine Schulbücher und für die anderen Klassen zu wenig. Ich war total schockiert. Leider ist es so, dass die Volksschulen auf den Dörfern nicht so viel Lehrmittel bekommen wie die höheren Schulen oder die Universität. Jetzt schaffen wir erst mal die nötigen Schulbücher an, die in einem abschliessbaren Schrank versorgt werden. Die Kinder erhalten sie nur zum Unterricht und zum Hausaufgaben machen in der Schule.  Das war eins von meinen weniger schönen Erlebnissen, aber natürlich ist auch das Senegal.

Eine grosse Anschaffung war die Hirseschälmaschine für die Frauengruppe in Mbettite. Sie wurde leider etwas verspätet geliefert, so konnte ich sie dieses Mal noch nicht anschauen. Doch ich habe ein langes Gespräch mit dem Pfarrer geführt, der alles organisiert hat. Theoretisch ist alles auf gutem Wege mit der Verwaltung der Maschine, ich bin sehr zufrieden wie sie das alles in die Hand nehmen.

Im Februar bei meinem nächsten Besuch in Mbettite kann ich mir dann selbst ein Bild machen ob die Durchführung auch so gut klappt! Sehr beeindruckt war ich von den Frauen, als sie mir  wie  verabredet ihren ganzen Kredit plus ihren gesamten Gewinn der letzten Jahre überreicht haben. Wir hatten verabredet, dass sie einen Teil der Maschine selbst finanzieren und dies in Raten abbezahlen. Ein  Anfang ist gemacht! Nun hoffe ich, dass sich durch diese Anschaffung die Lebensqualität der Frauen im Dorf  wesentlich verbessern wird. Mit dieser Maschine haben sie regelmässige Einnahmen, besonders da sie diese auch an andere Dörfer vermieten können, die noch keine Maschine besitzen.

Die Patenkinder  werden immer grösser und einige sind nun schon ins Gymnasium übergetreten, da sie gute Schüler sind. Nächstes Jahr werden es noch mehr sein und ich muss mich im Februar in den Schulen informieren ob ein Uebertritt ins Gymnasium Sinn macht, besonders bei den Kindern in Mbettite. Mathias ist sehr angeschlagen, er sieht kaum noch was und eine OP oder Brille ist keine Lösung. Ich war mit ihm in der Augenklinik und war sehr erschüttert als ich das hörte. Bei uns würde man auf Kosten der Krankenkasse viele Analysen machen und vielleicht doch einen Weg finden, aber in Senegal? Ich werde ihn mehr entlasten müssen, vielleicht hilft mir sein Bruder dabei. Mathias war während der ganzen Jahre korrekt, wenn auch immer etwas umständlich und in letzter Zeit habe ich bemerkt, dass er sehr belastet ist mit seiner Aufgabe als Verwalter der Finanzen für die Patenkinder in Mbettite und Mbour. Sicher werden wir im Februar eine gute Lösung für alle finden.

Meine einmaligen Projekte waren auch diese Mal wieder reine Freude und ich werde weiterhin Anfragen, die an mich herangetragen werden, gut prüfen und gerne an euch weitergeben. Ich habe das behinderte Mädchen mit Rollstuhl besucht und selbst gesehen wie sie strahlend darin sitzt, und die ganze Familie strahlt mit! Das sind Momente, die man nie vergisst.

Auch den Fischer in Lahel habe ich besucht und das schöne Boot gesehen, das er von unseren Spendengeldern mit Malick gekauft hat. Er wohnt direkt am Senegalfluss, am anderen Flussufer ist Mauretanien, weit weg von einem grösseren Ort und es ist dort extrem heiss! Die Grossfamilie  hat uns herzlich empfangen, und als Dank bekam ich drei riesengrosse Fische aus dem Fluss geschenkt.

Bei der Fähre nach Alwar ist das Seil gerissen und wir haben ganz kurz entschlossen ein neues gekauft, denn ohne diese Fähre ist Alwar nur auf einem Umweg von 40 km zu erreichen.

Im August haben wir  noch eine weitere Nähmaschine für  eine junge Frau gekauft, damit sie den Sprung in die Selbstständigkeit wagen kann. Alle diese einmaligen Projekte wurden dank sachbezogenen Spenden von lieben Freunden möglich.

Auch heute habe ich eine weitere Anfrage, die ich an euch weitergeben möchte. Die 12-jährige Tochter eines guten Bekannten in Ndioum hat die sogenannte Sichelzellenanämie, die nur Schwarze bekommen und die auf einen Gendefekt zurückzuführen ist. Diese Krankheit ist nicht heilbar. Der Verlauf ist sehr verschieden, auf jeden Fall ist sie sehr schmerzhaft. Ich kann hier nicht Details beschreiben. Die Kleine kann gar nicht richtig laufen, da sie grosse Schmerzen im Hüftgelenk hat, und sie kann auch nicht in die Hocke gehen, was im Senegal unbedingt nötig ist um auf’s Klo zu gehen. Ich  habe gesehen wie die Familie wohnt, in traditionellen Hütten, zusammen mit 4 anderen Familien haben sie einen Abtritt (Klo kann man da nicht sagen) und eine Dusche! Gern würde ich der Familie ein eigenes Klosett zum Sitzen und eine Dusche bauen. So könnte das Mädchen wenigstens einigermassen beschwerdefrei auf’s Klo gehen. Gerne nehme ich sachbezogene Spenden für dieses Mädchen entgegen. Ich selbst sorge dafür, dass sie bei Bedarf die nötigen Schmerzmittel bekommt.

Immer  wieder werde ich gefragt wie die allgemeine politische Lage jetzt im Senegal ist. Sie ist stabil und die neue Regierung räumt mit den alten korrupten Abläufen auf. Das ist ein langwieriger Prozess, da jetzt erst das ganze Ausmass zum Vorschein kommt. Der  gute Wille der Regierung, wirklich etwas für die Bevölkerung zu verbessern, ist da. Ich hoffe nur, dass sie auch einen langen Atem hat und mit der Zeit nicht selbst wieder in die alten Muster zurückfällt. Doch der Landbevölkerung geht es leider noch nicht gut. Besonders vor der Regenzeit wurde mir erzählt, dass es viele Familien gibt, die nicht genug zu essen haben. Und dieses Jahr kam der Regen im Norden sehr spät und die Situation war recht dramatisch. Es wächst dann nichts mehr, und besonders die Bauern haben dann kein Geld, um die doch sehr teuren Grundnahrungsmittel zu kaufen.

Aber bei  jedem Besuch wird mir von allen Seiten gesagt, dass sich dank unserer Unterstützung die Lebensqualität in der Region um Ndioum verbessert hat. Und auch im Dorf Mbettite ist ein Aufschwung zu spüren. Die Bewohner können ihre Freude nur nicht so zeigen wie die Menschen im Norden, aber ich höre oft ein aufrichtiges „danke, Madame“.

Zum Schluss möchte ich mich noch einmal bei allen meinen lieben Gönnern bedanken, die es mit  ihren Spenden und ihrem Interesse an der humanitären Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen, dass wir ein wenig Licht und Hoffnung in den schweren Alltag von so vielen lieben Menschen bringen können.

Die Projektarbeit ist nicht immer leicht, für beide Seiten, denn die Art und Weise etwas anzupacken und durchzuführen ist zu verschieden! Es sind viele Diskussionen und Kompromisse nötig und viel Toleranz  damit  mit dem Endergebnis beide Teile zufrieden sind. Im Senegal reicht es wenn etwas einigermassen funktioniert, ob es dann auch gut aussieht, spielt keine Rolle. Das ist ein Dauerthema mit meinem lieben Mitarbeiter Malick Gueye. Er gibt sich redlich Mühe, aber da er Senegalese ist, versteht er nicht immer wirklich was ich meine (auch wenn er es behauptet). Doch er ist loyal und identifiziert sich sehr mit unseren Projekten und ist dadurch eine grosse Hilfe für mich.

Ich wünsche euch allen ein gesegnetes, friedvolles Weihnachtsfest und alles Gute für das Neue Jahr!

Mit einem aufrichtigen DANKE für die grosse Unterstützung, die mir Kraft und Mut gibt und herzlichen Grüssen

Ute Wild