Reisebericht von Jana Schneeberger Januar 2017

Senegal – 6. Januar bis 20. Februar 2017

 Ich bin wieder zurück! 45 Tage Senegal liegen hinter mir und ich weiss nicht, wo ich anfangen soll zu erzählen. Am 6. Januar 2017 sind wir – Ute und ich – in Zürich gestartet mit je zwei Koffer à haargenau 23kg, je einem Handgepäckkoffer und je einem Rucksack. Nach einem Zwischenstopp von 4h in Madrid kamen wir abends um 22 Uhr in Dakar an. Auf dem Flughafen in Dakar gings sehr lebhaft zu und her und nach Polizeikontrolle (Blick «was-um-alles-in-der-Welt-machst-du-6-Wochen-alleine-hier?!»), Geld wechseln (500 Euro sind 325’000 CFA, also ein Riesenstapel Banknoten), nach einem klapprigen Wagen fürs Gepäck suchen und schlussendlich das Gepäck abwarten mit gefühlt allen Menschen dieser Welt machten wir uns auf die Suche nach einem Taxi. Ich war froh darum, mich fürs Erste um nichts kümmern zu müssen und einfach hinterherlaufen zu können. Angekommen im Hotel fielen wir dann ziemlich schnell ins Bett. Am ersten Tag in Senegal lernte ich Malick, Ute’s Projektpartner kennen und wir besuchten eine Familie in Dakar, deren Sohn (Cheikh) mit seiner Familie in Liechtenstein wohnt. Mein erstes senegalesisches Essen war Cee bu Jen, das Nationalgericht bestehend aus Reis, Gemüse und grilliertem Fisch, und so unglaublich lecker, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu essen. Das Essen wird in riesigen Schüsseln auf dem Boden serviert und dann nehmen sich alle, worauf sie gerade Lust haben ins eigene Eckchen. Manche essen mit den Händen, ich hab’s einmal ausprobiert und mich dann für den Löffel entschieden. Als ich mich in den «Salon» gerollt habe gabs Attaya, Tee mit dem Geschmack von Pfefferminzbonbons (ich behaupte immer noch, dass er mehr Zucker als Wasser beinhaltet) und Ndeye, meine Gastschwester erklärte mir die ganze Familie und wie sie alle zusammenhängen. Ich lernte sehr schnell, dass senegalesische Familien typischerweise bereits durch die eigenen Kindern zahlreich sind und dann meistens aber auch noch die Cousins und Cousinen mit in einem Haus wohnen oder zumindest häufig (sehr häufig) zu Besuch sind. Der ganze Trubel war mir von Anfang an sympathisch und auch, dass wir zu keiner Sekunde als Fremde oder als «Gäste» wahrgenommen wurden, sondern sofort zur Familie dazugehörten. Wird man in Senegal zum Mittagessen eingeladen, bedeutet das, dass man den ganzen Tag bleibt und so verflog der erste Tag!

Am nächsten Morgen um 4 Uhr gings weiter mit dem «sept-place» nach Ndioum, einer kleiner Stadt im Norden. Wie der Name schon sagt, sind diese Sammeltaxis umgebaute alte Klapperkisten, in denen mit dem Fahrer acht Leute Platz haben (Platz ist dabei vielleicht etwas übertrieben ausgedrückt) und das Gepäck auf dem Dach mittransportiert wird. Angekommen in Ndioum lernte ich meine Gastfamilie – Yaye Sy und Amadou Ndiaye mit ihren fünf Kindern kennen. Sie wohnen in der grössten und pompösesten Villa der ganzen Stadt und ich konnte mich zum Eingewöhnen in Senegal über den Luxus eines grossen Zimmers mit eigenem Bad und damit ein bisschen Privatsphäre freuen. Zum Essen gabs – ÜBERRASCHUNG – Reis! Reis und Zwiebel- Gewürz-Sauce gab es grundsätzlich jeden Tag mittags und abends. Malick organisierte mir gleich eine senegalesische Handynummer. Ich wurde auf den Namen Madina Ndiaye getauft, welches dann sozusagen mein afrikanischer Name wurde. Mit dem Einleben hatte ich – auf mich alleine gestellt in Ndioum – meine Mühe; es gab drei Hausmädchen und einige arme Kinder, die sich ihr Essen damit verdienten, täglich für Ordnung rund ums Haus zu sorgen, meine Gasteltern arbeiteten den ganzen Tag und alles, was ich machte, wurde genau beobachtet und schien sehr amüsant zu sein. Ich merkte schnell, dass dieses Lachen alles andere als böse gemeint war und meine Kultur und Lebensweise für sie genauso fremd war wie ihre für mich. Im Nachhinein gesehen war diese Zeit der perfekte Einstieg ins senegalesische Leben: die Menschen machen aus Gastfreundlichkeit alle möglichen Angebote und Anfragen über Essen («il faut bien manger» war ein Satz, der mich zum Schluss fast in den Traum verfolgt hat), Geschenke, Geld, Kontaktdaten, Beziehungs- oder Hochzeitsideen etc. Ich musste demnach sehr schnell lernen, Nein zu sagen und mich nicht dafür zu rechtfertigen. Andererseits profitierte ich auch sehr davon, da ich mir keine Gedanken um Kost und Logis machen musste und viel Zeit mit einheimischen Familien anstatt in Hotels und Restaurants verbringen konnte. Es dauerte jedoch eine Weile, bis ich einen entspannten Umgang mit dieser mir bisher noch unbekannten Art fand und nicht mehr alles so ernst nahm. Ich denke, gelassen zu sein und alles mit viel Humor war der Schlüssel zu den ganzen freundlichen Begegnungen, interessanten Gespräche und positiven Erlebnissen. Immer wieder war ich dankbar dafür, mir für alles genügend Zeit nehmen zu können und die Chance zu haben, einfach ungebremst und ohne konkrete Aufgabe vollkommen in die Kultur eintauchen und mich mitziehen lassen zu können. Dazu kam auch, dass ich mich schnell daran gewöhnte, als Weisse immer besonders behandelt zu werden, was mir anfangs sehr unangenehm war.

Zurück zur ersten Woche: Ute zeigte mir ihre verschiedenen Projekte und stellte mich überall vor. Wir besuchten ein Collège in Ndioum, bei dem mit dem Bau von Klassenzimmern und einem Lehrerzimmer gute – für mich bisher selbstverständliche – Grundlagen für einen gelingenden Unterricht geschaffen wurden. Kommt jemand zu Besuch ist es von den Primarschülern bis zu den Gymnasiasten üblich, dass die ganze Klasse zur Begrüssung aufsteht und im Chor «bonjour madame / monsieur» schreit und sich mit einem «merci madame / monsieur» wieder setzt. Ich wurde auch in den Lehrerteams sehr herzlich willkommen geheissen und alle schienen mich sofort einbinden zu wollen. Mein Ziel war es, mit den Schülern ein kleines kreatives Projekt zu machen, ich wollte aber offen sein für ihre Ideen. So ging ich in den darauffolgenden Tagen wieder zum Collège und besuchte einzelne Unterrichtsstunden, um Eindrücke zu gewinnen und mich in den Ablauf einzugewöhnen. Zum Teil sind um die 60 Schüler in nur einer Klasse! Die anfängliche Euphorie verflachte zu meiner Verwunderung (wie sich später herausstellte ganz typisch für Senegal) sehr schnell. Ute erklärte mir mehrmals, dass oftmals in Tönen geredet wird, als ob sie jeden Tag die Welt retten würden und schlussendlich (ich denke, dass Schweizer dazu neigen, eher zurückhaltend und bescheiden von den eigenen Möglichkeiten und Visionen zu berichten) war dann eher das Gegenteil der Fall war. Meine späteren Erfahrungen bestätigten dann dieses «Schwärmen von sich selbst und den eigenen tollen Ideen», dem leider nur selten Folge geleistet wurde. Sehr viel wurde diese Haltung dann damit gerechtfertigt, dass sie darauf warten würden, bis Gott ihnen den richtigen Weg zeige. Mehr «Schein als Sein» also. Möglicherweise etwas komische Parallelen, aber dies fiel mir immer wieder in verschiedensten Sachen auf: Senegalesinnen legen sehr viel wert darauf, gepflegt und hübsch gekleidet aus dem Haus zu gehen (auch wenn sie nur kurz zum Markt gehen); «mein Palast» hatte nur an der vorderen Seite eine schöne Fassade, hinten wars ganz einfach verputzt und im Haus funktionierten etliche Einrichtungen wie beispielsweise die Toilettenspülung nicht; überall lief der «Cup Africain» im TV und es war extrem wichtig, dass die Männer zu dieser Zeit ungestört Fussball schauen konnten, während den Spielen haben sie dann aber die ganze Zeit miteinander diskutiert; Höflichkeiten sind sehr wichtig und oftmals bestehen stundenlange Gespräche einfach nur daraus, sich nach der Familie zu erkunden; in der Schule wird alles nur auswendig gelernt, was man spätestens bei genauerem Nachfragen herausfindet etc.

In der Woche bis zu Utes Abreise wurden wir einige Male zur Familie von Malicks Bruder zum Essen eingeladen, was in Senegal – wie bereits erwähnt – «on passe la journée» bedeutet. Besonders die Kinder der Familie wuchsen mir sehr ans Herz und ich versuchte auch später immer wieder, ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen oder mit ihnen im Hof etwas Kreatives zu unternehmen – die einzigen Mittel dafür waren Holzkohlereste, jede Menge Sand und ein paar Steinchen. Mich schockierte immer wieder, wie wenig Ideen und Neugier die Kinder hier allgemein hatten. Hausaufgabenhilfe sah demnach so aus, dass wir mit Holzkohleresten Matheübungen oder Diktate auf eine Mauer schrieben. Zum ersten Mal habe ich gesehen, dass es nicht selbstverständlich ist, Papier und Kulli zu haben. Eine andere Familie lernte ich kennen, da sie mich mit «Toubab» (bedeutet «Weisse») zu sich riefen und wir dann einen ganzen Nachmittag erzählten und viele Fotos machten. Aminata, die älteste der Schwestern machte mir dann meine ersten eng geflochtenen (und ich behaupte die weltweit schönsten) Zöpfe. Ich lernte übrigens beinahe alle Leute auf diese Weise kennen und da ich keinen Stress hatte, oftmals gerade zum Tee zu bleiben dauerte es nicht lange, bis das ganze Dorf mich mit «Bonjour Madina, comment vas-tu?» Und «Viens-là, Madina!» ansprach. Trotz den vielen Bekanntschaften blieben meine Gastfamilie, die Nachbarn und diese zwei Familien über die ganze Zeit etwas ganz Besonders für mich und wir blieben auch nach meiner Weiterreise stets in Kontakt – telefonisch über «Merci de me rapeler»-Nachrichten, da niemand ausser mir einen Kredit auf dem Handy zu haben schien.

Ein anderes Projekt war die Verbesserung der Infrastrukturen der Primarschule und des Collège sowie der Aufbau einer Gesundheitsstation in Alwar, einem kleinen Dorf unweit von Ndioum. Zu Oumou, der Krankenschwester (sie war von der Pflege von Verletzungen über Gesundheitsprävention bis hin zu Geburten für ALLES zuständig) hatte ich sehr schnell einen guten Draht und ich besuchte sie und die anderen Dorfbewohner mehrmals während der ersten drei Wochen. Das Leben in Alwar erinnerte mich an ein Klassenlager in den Bergen; die Dusche bestand aus einem Kübel Wasser und die Toilette aus einem Loch im Boden. Man ass gemeinsam und sass abends vor einem kleinen alten TV, um senegalesische Serien à la «Rosamunde Pilcher» zu sehen. Fernsehen in Alwar war ein bisschen wie Reisen in eine andere Welt, da viele der Bewohner das Dorf das ganze Leben nie verliessen. Eines Abends wurde für eine Pizzeria Werbung gemacht und eine junge Frau fragte mich, ob ich das kennen würde und ob das ein Kuchen wäre. Trotz oder wahrscheinlich gerade wegen der Abgeschiedenheit dieses Ortes war es sehr gemütlich und ruhig und der Umgang unter den Menschen unbeschreiblich wohlwollend. Oftmals dachte ich mir, dass ich hier noch einiges lernen kann…

Die weitere Zeit in Ndioum konnte ich dann im Englischunterricht assistieren. Obwohl ich das gerne machte, war es nicht das Ziel meiner Reise und ausserdem fühlte ich mich unterqualifiziert (Unterrichten ist nicht Teil von meinem Sozialarbeitsstudium). Einerseits um für mich persönlich viel von der Reise mitnehmen zu können und andererseits weil mich allgemein das Reisefieber packte, entschied ich mich für die Weiterreise nach Saint Louis.

Abschiede werden für mich wohl immer eine grosse Herausforderung bleiben… Zum Glück wurde dieses Nostalgiegefühl von der Vorfreude meiner nächsten Destination etwas abgeschwächt. Ich konnte es kaum erwarten, mal etwas Ruhe, ein bisschen Hotelkomfort und allem voran nach 3 Wochen endlich mal wieder WIFI zu haben! Den gesamten ersten Tag verbrachte ich abgekapselt in meinem Zimmer; Cola trinkend habe ich die 332 Whatsapp-Nachrichten beantwortet und meine Haare von den eng geflochtenen Zöpfen befreit. Für den nächsten Tag verabredete ich mich mit Cheikh, Oumous Bruder, weil mich seine Familie zum Mittagessen eingeladen hat. Wir verstanden uns auf Anhieb super und die Tage in Saint Louis vergingen sehr schnell, sodass ich noch eine Nacht im Haus seines Cousins anhängte. Die ganze Familie war sehr offen und mit Cheikh konnte ich endlich alle bei mir angestauten Fragen diskutieren und bekam dadurch weitere, völlig neue Eindrücke der senegalesischen Kultur. Wir nutzten die gute Internetverbindung, um für Carla zum 18 Geburtstag «bés bu dellusi moo neex» (Happy Birthday in Wolof) zu singen und verbrachten sonst viel Zeit mit Tee trinken, im Salon rumzuhängen und zu plaudern. Saint Louis fand ich eine grossartige Stadt! Sie war typisch senegalesisch lebhaft und chaotisch. Das Leben der Menschen schien sich auf den Strassen und in den Gassen abzuspielen, wo herumrennende Kinder, Tischfussball angefressene Jungs, Mädchen in Schuluniformen, Tee trinkende oder betende ältere Männer, Ziegen, Schafe, Pferde, ein Pelikan (er hielt sich selbst für ein Schaf, weil er von klein auf mit ihnen gehalten wurde), Autos, Motorräder, Busse und Charettes aufeinandertrafen. Am Strassenrand wurde Wäsche aufgehängt, Beignets oder Fataya neben einem Riesensortiment an Früchten und Gemüse verkauft, Fischernetze repariert und vor allem viel geplaudert. Die Stadt liegt zwischen Fluss und Meer und hat durch den Einfluss des Kolonialismus sehr viel französischen Charme.

 Cheikh und sein Cousin brachten mich zum «Gare routière», einem wieder einmal lustigen Platz. Die Parkplätze sind mit den jeweiligen Destinationen gekennzeichnet und die Autos fahren ab, sobald alle Plätze besetzt. Der Abschied fiel mir dann viel schwerer als erwartet – wahrscheinlich unter anderem auch, weil ich nicht wusste, wie meine weitere Reise aussehen würde. Ich sagte demnach nicht viel im Auto und hatte beim letzten Stopp in Dakar keine Ahnung, wo ich mich befand geschweige denn kannte ich die anderen Leute. Glücklicherweise traf ich auf einen netten, französisch sprechenden jungen Zivilpolizisten, wie sich später herausstellte, der in die gleiche Richtung musste. Er organisierte ein Taxi zu einem angemessenen Preis (ohne Zuschlag für Weisse) und telefonierte mit meinem Handy, um in Wolof zwischen Ndeye und dem Taxi-Chauffeur einen Treffpunkt abzumachen. Da stand ich dann also mit meinen zwei Koffern, völlig erschlagen und irgendwo mitten in Dakar in der Hoffnung, Ndeye würde mich finden. Der Empfang in der Familie war wieder sehr freundlich und im Salon sassen zahlreiche unbekannte Gesichter, die alle auf irgendeinem Weg zur Familie gehörten und ich aber noch nie gesehen habe. Ich konnte bei Ndeye im Zimmer schlafen und hatte somit ein bisschen Privatsphäre. Sie kümmerte sich die ganze Zeit sehr gut um mich und am nächsten Tag besuchten wir die «Île de Gorrée». Das erste Mal, dass ich mit Korruption in Verbindung kam, da ich blöderweise meinen Pass vergessen hatte und «es doch eigentlich selbstverständlich ist, dass man sich bei einer Bootsfahrt ausweisen muss». Nach längerer Diskussion steckte ihm Ndeye’s      
Freund 1000 CFA zu und es war plötzlich nicht mehr von Interesse, wer ich war. Die Sklaveninsel gefiel mir sehr gut mit den vielen alten Gebäuden, dem wunderschönen Strand, klarem Wasser und der alternativen, künstlerischen Atmosphäre. Am Sonntag wollten wir eigentlich noch eine weitere Touristenattraktion besuchen, dann dauerte das Zöpfe flechten aber länger wie erwartet. Gut, spielt Zeit keine Rolle und so verblieben wir dann den ganzen Tag im Wohnzimmer und ich wurde von 10 Uhr morgens bis 18 Uhr nachmittags gequält!

Mit neuer Frisur reiste ich dann am nächsten Tag nach Mbour, wo ich eine Woche Freiwilligenarbeit im Pouponnière, einem sehr interessanten Projekt geplant habe. Da angekommen, fühlte sich niemand wirklich verantwortlich für mich und ich suchte nach einer Person, die mir wenigstens die Räumlichkeiten und meine Unterkunft zeigt. Das Pouponnière wurde von einer französischen Organisation gegründet und kümmert sich um Kinder von 0 bis 12 Jahren. Aus verschiedenen Gründen können sie nicht mehr zuhause wohnen, in vielen Fällen weil die Mutter die Geburt nicht überlebt hat. Am ersten Tag hatte ich den Eindruck, ich würde mich in einer Sammlung von Kindern befinden, wie in einem Zoo oder Museum. Das traurige Schicksal dieser unschuldigen Wesen und wie verantwortungslos mit ihren Bindungsgefühlen umgegangen wurde machte mich sprachlos. Die Organisation wusste ausser meinem Namen nichts über mich und trotzdem durfte ich eine Woche unbeaufsichtigt Kinder füttern, wickeln, mit ihnen spazieren oder etwas spielen gehen. Das Projekt interessierte mich für Recherchen für eine Studienarbeit zum Thema «Volontourismus» und ich war von Anfang an sehr kritisch eingestellt. Dass es «geleitete Touristentouren» gab, bei denen Interessierte durch die Zimmer schlenderten und Kinder aus den Betten zogen, um sie 5 Minuten später wieder schreiend zurückzulegen, übertraf aber meine Erwartungen. Und trotz allem wusste ich, dass die Kinder durch die Organisation davor gerettet wurden, auf der Strasse aufwachsen zu müssen. Am letzten Wochenende verabredete ich mich mit den «Tatas», den Pflegerinnen, für den Nachtdienst. Es ging darum, kleinen neugeborenen Babys Milch zu geben, wenn sie nicht schlafen konnten und sie so lange hin- und herzuwiegen, bis sie wieder einschliefen. Ich war die ganze Nacht den Tränen nahe beim Anblick der kleinen Babys, die niemals von den gleichen Personen getröstet werden, geschweige denn von den eigenen Eltern.

In Mbour lebte ich für 10 Euro die Woche gemeinsam mit 15 französischen Freiwilligen in einem grossen Haus. Ich fühlte mich nicht wirklich wohl und verbrachte neben der Arbeit viel Zeit mit Familien, denen ich auf der Strasse begegnet bin. Auch hier war ich wieder begeistert von der Gastfreundschaft der Senegalesen! Ich war viel mit Babacar unterwegs, den ich durch seine Tante kennenlernte, die mich in Pular ansprach und überrascht war, als ich – ebenfalls in Pular – antworten konnte.  Ich war froh um seine Begleitung, da Mbour etwas speziell, wenn nicht sehr versaut war im Umgang mit Weissen. Da Saly (eine Feriendestination gerade neben Mbour) bekannt ist für Sextourismus war ich darüber auch nicht überrascht. Für mich bleibt diese gegenseitige Beeinflussung einfach sehr fragwürdig, da die Europäer das «wahre Leben» in Senegal nicht kennenlernen können und die Senegalesen sich ein völlig falsches Bild Europas zusammenspinnen.

Die gesamte Woche brachte mir bereichernde wenn auch herzzerreissende Erfahrungen und schlussendlich war ich froh, dass meine Reise weiterging. Die Zeit zusammen mit den Kindern ging mir zu nahe …

Mein nächster Aufenthaltsort fand ich über die Seite «workaway», die mich letzten Sommer schon nach Frankreich brachte. Laut Beschrieb handelte es sich um eine junge italienische Künstlerin, die versucht, nachhaltigen Tourismus aufzubauen. Per Mail informierte sie mich bereits, dass die workaway-Stelle besetzt ist und so entschied ich mich, als «Gast» und «Touristin» das Fischerdorf Toubab Dialaw zu besuchen. Und der erste Eindruck war überwältigend! Ich befand mich im Paradies; dass mir das Hausmädchen zum Frühstück eine frisch gepflückte Passionsfrucht brachte und ich danach 2h an einem weissen Sandstrand am wilden und klaren Atlantik entlang spazieren konnte vergrösserte mein Glücksgefühl ins Unendliche!
Das Städtchen war sehr sympathisch, alles voller Farben von überall her konnte man Leute Tamtam spielen hören. Hier sah ich auch zum ersten Mal Kinder auf der Strasse, die miteinander tanzten und in den Sand zeichneten. Von Toubab Dialaw aus plante ich einige Ausflüge und war dankbar für meine bereits gemachten Reiseerfahrungen, weil das Dorf wirklich äusserst abgelegen war und ich beispielsweise für den «Lac Rose» viermal das Sammeltaxi wechseln musste. Ich wusste dabei weder, wo ich mich befand, wo ich aussteigen musste und wer die anderen Menschen im Taxi waren, noch wieviel es kosten oder wie lange die Fahrt dauern würde. «Eine Fahrt ins Blaue» beschrieb meine Situation noch nie so gut! Schlussendlich wurde ich damit belohnt, dass ich nur 2’500 anstatt 10’000 CFA ausgeben musste und viele nette Menschen kennenlernte. Und ziemlich stolz war ich
auch! Ein anderer Ausflug brachte mich nach Popenguine, sozusagen der Hochburg der Christen, wo ich das erste und einzige Mal während meiner Reise im Meer badete. Und obwohl ich diese paar touristischen Tage für mich alleine genoss, freute ich mich schon sehr darauf, die Familie in Dakar zu sehen und für die letzten Tage vor der Abreise nochmal ins senegalesische Leben einzutauchen.

Mit meinem Riesenkoffer geladen mit künstlerischen Souvenirs für Zuhause kam ich zurück nach Dakar, wo wieder einmal ein Haus voller mir unbekannter Gesichter wartete. Ndeye organisierte für die nächsten Tage Ausflüge zum «Monument de la Renaissance» und «Place du Souvenir». Ich bin kein grosser Fan dieser für Touristen gemachten Sehenswürdigkeiten, allerdings lernte ich dadurch noch andere Teile der Stadt kennen. Ansonsten kochte ich gemeinsam mit den Frauen in der Hoffnung von «learning by doing» und hängte viel mit den Jungs – u.a. meinem «Ehemann» – rum. Und wir machten, wie hier so üblich, NICHTS. Am letzten Tag vor meiner Abreise besuchten wir auf meinen Wunsch hin den «Marché de Sandaga», um die Marktatmosphäre noch ein letztes Mal zu erleben und vieeele Kleider für Ndeye zu kaufen. Die Suche nach einer Poststelle, die weiss, dass man Postkarten verschicken kann («Bei euch gibt es Postadressen? Und dann kommen diese Karten wirklich bei diesen Leuten an?!») blieb erfolglos und so musste ich diese nach meiner Rückreise in Liechtenstein aufgeben.

Nachdem ich alle meine Sachen verteilt, die Koffer mit exotischen Früchten wieder gefüllt habe, fuhren wir zum Flughafen und verabschiedeten uns. Einerseits fiel es mir schwer, andererseits freute ich mich auf zuhause, auf meine Familie und Freunde, auf das Trinkwasser, eine warme Dusche und eine Waschmaschine. Mein Herz strahlt vor Glück in Erinnerung an die zahlreichen Erlebnisse, Begegnungen, Eindrücke dieses grossartigen Landes! Jeden Tag wusste ich, dass ich genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und ich konnte durch die Menschen und das Leben in Senegal sehr viel lernen und persönlich wachsen.
ADJARAMA – JEREJEF – MERCI, dank den wundervollen Menschen in Senegal konnte ich während sechs Wochen alleine reisen, ohne mich jemals einsam zu fühlen!

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei Ute Wild (www.teranga.li) bedanken, für die tolle Vorbereitung und Unterstützung während der Reise. Und natürlich für unsere langen wertvollen Gespräche, für dein Vertrauen und dafür, dass alles so unkompliziert war!

Ausserdem ein herzliches Dankeschön an alle Freunde, die mit Sachspenden sehr viele Menschen glücklich gemacht haben.

An Malick, Yaye Sy, Sahla, Aminata, Mariam, Oumou, Cheikh, Ndeye, Baye, Modou und Babacar, die mir in ganz besonderer Erinnerung bleiben werden.

Ich danke meiner Familie, dass ihr mich trotz all meiner möglichen und unmöglichen Ideen immer unterstützt; Vertrauen habt, mich bestärkt und (mehr oder weniger!) entspannt bleibt.

Als kleine Zugabe, für alle noch nicht «Lesemüden», möchte ich eine Liste (unverändert) aus meinem Reisetagebuch anfügen. Es sind Sachen, die mir besonders aufgefallen sind während meiner Reise und ich als «typisch senegalesisch» nennen würde.

Sachen, die mir in Senegal auffallen:

  •  wenn es in einem Haus eine Uhr gibt, funktioniert sie nicht!
  • Inschallah; Pläne werden hier keine gemacht, man lebt von einem Tag in den anderen und träumt grosse Träume
  • auf Fotos muss man aussehen wie ein Straffälliger (Lachen immer erlaubt ausser auf Fotos)
  • auch Armbanduhren funktionieren nicht
  • il faut bien manger!
  • Zwiebeln werden grundsätzlich in 10kg-Säcken verkauft
  • alle säubern vor dem Haus aber niemand kommt auf die Idee, Mülleimer aufzustellen
  • nicht mal die Uhren auf den Handys sind richtig eingestellt!
  • «strahlst du in die Welt, strahlt sie zurück!»
  • Eure Madina      Ndiaye (in Ndioum), Tall (in Alwar), Niass (in Saint Louis), Gueye (in Dakar), Diop (in Mbour)

 

 

 

 

Halbjahresbericht und Reisebericht Januar 2017

Liebe Gönner und Freunde unserer Projekte,

Dieses Jahr war ich im Januar schon wieder im Senegal und möchte euch nun gerne von meiner Reise berichten und was sich im ersten Halbjahr 2017 alles bewegt hat.

Die Reise im Januar stand ganz im Zeichen des Besuchs der Studentin Jana Schneeberger, die ja sechs Wochen in Ndioum in unseren Projekten arbeiten wollte. Ich hatte ansonsten nur noch 2 wichtige Treffen auf dem Programm und habe mich gefreut, dass ich wieder einmal richtig Zeit hatte Senegal zu geniessen. Unsere Reise verlief problemlos, doch leider mussten wir eine gefühlte Ewigkeit auf unser Gepäck warten, und so war es sehr spät bis wir endlich im Hotel angekommen sind. Doch wir hatten ja kein Programm, deswegen nahmen wir alles sehr locker. Um Jana das Ankommen in Senegal zu erleichtern, blieben wir 2 Tage in Dakar und haben dort die Familie von Cheikh Gueye besucht, der hier in FL lebt und seit langem ein Freund von uns ist. Dort wollte Jana auch noch 1 Woche vor ihrer Heimreise verbringen. So lernte sie gleich am ersten Tag eine typische senegalesische Grossfamilie kennen und lieben.

Unsere Fahrt nach Norden wollten wir auch typisch senegalesisch in einem Buschtaxi machen, es war für Jana ein guter Einstieg, um die Art und Weise kennenzulernen wie im Senegal gereist wird und wie die sozialen Netze funktionieren. Die Reise dauerte zwar 9 Stunden, da viel auf das Dach auf- und abgeladen werden musste und verschiedene Botendienste vom Chauffeur erledigt wurden, aber es war spannend zu erleben wie niemand reklamiert hat oder ungeduldig wurde. Jana hat sich gleich sehr wohl gefühlt! In Ndioum wurde Jana in der Familie von Malicks Freund, wo sie wohnen sollte,  mit offenen Armen empfangen. Teranga Senegal – willkommen in Senegal – du gehörst jetzt zur Familie!

In der Woche, die ich in Ndioum verbrachte, haben wir alle Schulen und auch die Krankenstation besucht und Jana hat überlegt was sie am liebsten machen würde. Alle waren sehr nett und aufgeschlossen, aber da sie keine Lehrerin ist, war es nicht einfach eine passende Aufgabe zu finden. Ausserdem standen gerade die ersten Prüfungen an und alle waren ein wenig angespannt. So war Jana in jeder Schule ein paar Tage und hat sich einen Eindruck verschafft über das Schulleben in Senegal. Das war dann für sie ein mittelschwerer Schock, denn hier herrscht noch voll das Frontalsystem, grosse Klassen und ein sehr autoritärer Führungsstil = Schläge sind erlaubt. Eltern und Lehrer glauben, dass sie nur so ihre Autorität festigen können. Doch nach einem Gespräch hier mit Cheikh Gueye habe ich gelernt, dass in den Städten in Senegal, wo doch mehr Intellektuelle leben, schon ein Umdenken stattfindet. So braucht halt alles seine Zeit. Jana hat dann im Collège mit dem Englischlehrer ein paar Stunden gestaltet, aber mehr lag nicht drin. Auch in der Krankenstation in Alwar konnte sie ein paar Tage die aufopfernde Arbeit der Leiterin Oumou erleben, mit der sie sich gleich angefreundet hat. Doch nach 3 Wochen fand Jana, dass sie doch noch ein anderes Senegal kennenlernen möchte und ist dann auf eigene Faust herumgereist.

Dank unseren intensiven Gesprächen über die Art und Weise wie die Gesellschaft im Senegal funktioniert und auch dank ihrer liebenswerten Art,  hat sie nur positive Erfahrungen mit den Senegalesen gemacht. Sie konnte sich voll und ganz auf die Menschen einlassen, auch wenn es manchmal sehr schwierig für uns ist, ihr Verhalten und ihre Reaktionen zu verstehen. Ich bin dankbar für die vielen guten Gespräche mit Jana und habe die Woche mit ihr in Ndioum sehr genossen. Ich denke, der Senegalvirus hat auch sie erwischt!!!

In dieser Woche habe ich aber auch die Projekte für dieses Jahr vorbereitet, besonders lag mir natürlich der Bau des Case de Santé in Doubangué am Herzen, das der LED mitfinanzieren wollte. Beim Besuch im November gab es  dort noch einige Unklarheiten, die ich mit den zuständigen Personen besprechen wollte mit dem Ziel, dass der Bau so schnell wie möglich angefangen werden kann. Mit dem Dorfchef und dem Leiter der Gesundheitskommission habe ich mich zweimal getroffen und sehr  gute Gespräche geführt. Die beiden Männer sind sehr daran interessiert, dass sich ihr Dorf weiterentwickelt und beide sprechen Französisch, was die Unterhaltung sehr erleichtert. Alle fehlenden Papiere wurden mir wie versprochen ausgehändigt und so konnte ich nach meiner Rückkehr gleich beim LED einen Termin vereinbaren, da unser Antrag nun komplett war. Der Antrag wurde gut geheissen und Mitte März erhielten wir schon den Anteil vom LED ausbezahlt, sodass wir sofort mit dem Bau beginnen konnten. Leider war es dann in Ndioum schon sehr heiss (über 40 Grad) und die Bauarbeiter konnten nur in den frühen Morgenstunden und am Abend arbeiten. Trotzdem wurde der Bau Mitte Mai fertig und Malick konnte die nötigen Einrichtungsgegenstände in Dakar besorgen. Wir hoffen nun, dass Anfang Juni die bestellten Medikamente eintreffen und die Station in Betrieb genommen werden kann. Es hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass es doch sehr sinnvoll wäre vor dem Eingang noch eine kleine Ueberdachung zu machen wie es sich bei unseren Klassenzimmern seit 2 Jahren bewährt hat. Dies werden wir dann nach dem Ramadan Ende Juni in Angriff nehmen.

Natürlich war ich auch in Alwar und habe dort unsere Gesundheitsstation besucht. Wir hatten beim letzten Besuch eine Bestandsaufnahme des Materials gemacht und festgestellt, dass nach 8 Jahren doch wieder einiges ersetzt werden muss, was wir in die Wege geleitet haben.  Alles ist nun wieder komplett und die Leiterin Oumou war sehr zufrieden! Sie setzt sich sehr für die Patienten ein, und  ich habe nur Lob von allen Seiten gehört. Das sind immer wieder Aufsteller für mich.

In der Schule in Alwar hat sich wieder viel getan! Im November habe ich gesehen, dass die angefangenen Klassenzimmer immer noch nicht fertig sind und hatte beschlossen, dass unser Verein wenn möglich diese Räume fertig baut. Dank vieler Spenden vor Weihnachten war ich Anfang Januar glücklich, dass wir für den Weiterbau grünes Licht geben konnten. Da rief mich Malick an und sagte, dass die Dorfbewohner nun doch mit Unterstützung ihrer Verwandten die Klassenzimmer fertig bauen werden. Spontan beschlossen wir, dass wir das zur Verfügung stehende Geld für den Bau eines 3. Klassenzimmers für das Collège in Alwar nehmen wollen. Als wir dann nach Alwar kamen, stellte sich heraus, dass Studenten aus Grossbritannien, die einen Dozenten aus Senegal haben, zwei Klassenzimmer finanzieren werden und eine Woche lang in Alwar beim Bau mithelfen wollen. Sie kamen schon 2 Tage später an und haben das Dorfleben ganz schön durcheinander gebracht! Das waren natürlich tolle Neuigkeiten und mit vier Klassenzimmern ist das Collège dann komplett.

Also besprachen wir uns nochmal mit dem Direktor und dem Leiter der Elternvereinigung und beschlossen mit unserem Geld ein Lehrerzimmer zu bauen. Es ist sofort gebaut worden und die Lehrer sind sehr zufrieden, dass sie nun ein eigenes Lehrerzimmer haben.

Im Jahresbericht habe ich geschrieben, dass die Frauen von der Primarschule in Ndioum dringend einen Raum für ihre Schulkantine benötigen. Ich konnte einige Gönner, die gerne Frauenprojekte unterstützen,  für diese Idee gewinnen, und Anfang Mai konnten wir mit dem Bau eines kleinen Raumes beginnen. Die Frauen sind überglücklich, denn Anfang Juni ist dieser schon bezugsbereit.

Da ich wusste, dass Niels Hörnö im März wieder eine Woche Zahnbehandlungen, dieses Mal in Mbettite, machen wollte, habe ich die Gelegenheit benutzt und von Mbour aus alles Nötige mit dem Krankenpfleger in Mbettite besprochen und organisiert. So konnte Niels mit 2 Kollegen/innen gleich vom ersten Tag an speditiv arbeiten, d.h. wieder Zähne ziehen! Der Gesundheitsposten in Mbettite ist für ihn sehr gut geeignet und die Mithilfe der Angestellten war super, wie mir Niels berichtete. Sie konnten in 2 Räumen arbeiten und die Einteilung der Patienten verlief nicht so chaotisch wie in Ndioum/Alwar. Zufrieden kehrte die kleine Gruppe nach Hause zurück, und sie wollen auch 2018 wieder nach Senegal kommen und mit mehr Zahnprophylaxe und richtigen Behandlungen ihre Tätigkeit noch ausbauen.

Für die Geburtsabteilung in Mbettite haben wir dank einer Spenderin noch eine Wärmebox für die Neugeborenen anfertigen lassen. Die Hebamme hatte mir beim letzten Besuch erzählt wie wichtig das für sie ist. Danke!

Eine Enttäuschung war es für mich, dass es nun definitiv nicht geklappt hat mit der Eröffnung des Collège inMbettite. Das Schulministerium ist total unflexibel. Nun wurde der Antrag noch einmal neu gestellt und dieses Mal schon für 3 Klassenzimmer. Der für diesen Bezirk zuständige Minister war vor kurzem persönlich vor Ort und nun hoffe ich wirklich, dass die Schule im Schuljahr 2017/18 eröffnet werden kann. Wir haben nach meinem Vortrag beim Martin-Luther-Bund in Zürich schon eine erste Tranche der  Kollektengelder erhalten und konnten mit den Ziegeln und dem Fundament für das 3. Klassenzimmer anfangen. Nun hoffe ich so bald wie möglich die 2. Tranche zu erhalten, damit wir den Bau fertigstellen können. Und für das 4. Klassenzimmer haben wir die gerade eben die Zusage zur Finanzierung, samt Schulmöbeln, von der Stiftung PRONOIA erhalten, vielen herzlichen Dank!

Wieder zu Hause angekommen, wartete die Buchhaltung darauf, dass das Jahr 2016 abgeschlossen wird und der Advisa Treuhand zur Revision vorgelegt werden kann. Das ist jedes Jahr eine Herausforderung für mich, da 3 Währungen berücksichtigt werden müssen und die Kurse in Senegal sehr schwanken. Aber es ist alles in Ordnung und wer Interesse hat den Revisionsbericht einzusehen, kann sich gerne bei mir melden. Ein herzlicher Dank geht an die Advisa Treuhand Anstalt für die kostenlose Revision und jedes Jahr wieder für die Geduld von Sascha Vogt bezüglich meiner vielen Fragen!

Ein bedeutsamer Schritt für alle in FL humanitär tätigen Vereine war die Gründung des  Netzwerksfür Entwicklungszusammenarbeit am 24. Januar 2017. Zu einem kleinen Festakt waren neben den Gründungsmitgliedern auch das Auswärtige Amt, der LED und der Verein liechtensteinischer gemeinnütziger Stiftungen (VlgS) eingeladen. Bei der Podiumsdiskussion wurde ganz klar von allen Seiten betont wie wichtig unser Zusammenschluss ist. Inzwischen haben schon mehrere interessante Gespräche und Weiterbildungen stattgefunden. Eine gemeinsame Homepage ist in Arbeit und unser nächstes Treffen findet Ende Juni statt, bei dem wir unter anderem auch einen kürzeren Namen für uns suchen! Inzwischen sind 28 Mitglieder unserem Netzwerk beigetreten, ein Beweis, dass viele das Bedürfnis nach Vernetzung haben.

Leider habe ich für dieses Jahr noch keine weiteren Aktivitäten = Spendenaktionen mit Schulen oder anderen Vereinen organisieren können. Wenn jemand von euch eine Idee hat wen ich ansprechen könnte, bin ich sehr dankbar dafür. Es geht mir dabei auch um das Thema Migration. Ich denke, dass wir mit unseren Projekten wesentlich dazu beitragen können, dass die Menschen in Zukunft in ihrer Heimat bleiben. Wir schaffen  mit dem Bau von Schulen die Grundlage für ein Basiswissen, das vielen Kindern die Möglichkeit gibt einen Beruf zu erlernen. Der Staat sollte dann die nötige Infrastruktur für Ausbildungsplätze und vor allem auch Arbeitsstellen schaffen. Das ist noch ein langer Weg, aber wir haben gemeinsam einen wesentlichen Teil zur Entwicklung dieses besonderen, friedlichen Landes beigetragen. Dafür möchte ich allen meinen treuen Gönnern und Spendern ganz herzlich danken. Ohne eure Unterstützung, in jeder Beziehung, hätte ich nicht 10 Jahre lang so viel Hilfe vor Ort leisten können. Natürlich möchte ich an dieser Stelle auch wieder einmal Malick für seine wertvolle und korrekte Mitarbeit danken. Auf ihn kann ich mich voll und ganz verlassen, was meine organisatorische Arbeit wesentlich erleichtert.

Nun bin ich gespannt was dieses Jahr noch alles bringen wird. Ich plane nicht mehr zu lange im Voraus, sondern treffe meine Entscheidungen den Bedürfnissen entsprechend. So wie es jetzt aussieht werde ich wieder im November nach Senegal reisen. Dann wartet auch eine neue Anfrage auf mich, die ich prüfen will. In Ndioum gibt es einen staatlichen Kindergarten mit 4 Räumen und 2 provisorischen Klassenzimmern. 2 Räume sind an den Verein für Behinderte vermietet, die auch zu wenig Platz haben. Ich habe die Anfrage für den Bau von Klassenzimmern im Januar im letzten Moment erhalten und konnte den Kindergarten deshalb noch nicht besuchen. Doch der Kindergarten interessiert mich, und das ist bestimmt ein Programmpunkt im November. Kindergärten sind im Senegal noch nicht sehr häufig, viele werden von Privatpersonen geführt und die Frauen erhalten kein fixes Gehalt, leisten aber sehr wertvolle Arbeit. Der erwähnte Kindergarten ist staatlich und wird von ausgebildeten Kindergärtnerinnen geführt, was natürlich eine gewisse Kontinuität gewährleistet.

Mit den besten Wünschen für einen genussvollen Sommer verabschiede ich mich mit lieben Grüssen von euch bis zum nächsten Brief!

Jahresbericht 2016 und Reisebericht vom November 2016

Für unseren Verein geht ein  ereignisreiches Jahr zu Ende. Deswegen ist es mir ein Bedürfnis, mit diesem Jahresbericht alle meine lieben Spender an unseren Aktivitäten teilhaben zu lassen. Ich war Anfang November 2016 noch einmal im Senegal und so wird dieser Bericht auch gleichzeitig der Reisebericht sein.

Ende Oktober war es wieder soweit, ich konnte mit 2 vollgepackten Koffern nach Senegal reisen. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken, von denen ich immer wieder schöne Sportbekleidung, Laptops, Handys, T’Shirts etc. erhalte. Diese Dinge werden sehr geschätzt. Malick verteilt sie im Laufe der Zeit gezielt an Bedürftige und Leute, die uns immer wieder helfen. Ich wusste, dass es dieses Mal sicher sehr heiss sein wird (39°) und habe mein Programm dementsprechend angepasst. Viele Gespräche im klimatisierten Hotel und Verabredungen am Vormittag oder frühen Abend. So habe ich ohne grössere Probleme alles, was ich mir vorgenommen hatte, geschafft. Aber ich habe auch bemerkt, dass die Hitze schon ein grosses Hemmnis ist für eine effiziente Arbeit. Alles ist sehr verlangsamt und mehr als 2 Treffen kann man an einem Tag nicht organisieren. Und alle lassen sich Zeit! Geduld war gefragt.

Wir hatten dieses Jahr wieder eine sehr erfreuliche Bautätigkeit. Angefangen mit den 2 Klassenzimmern in Doubangué, von denen ich im März schon berichtet habe. Nun erzählten mir die Lehrer, dass sie dank der verbesserten Infrastruktur wesentlich bessere Ergebnisse mit den Schülern erzielt haben als in den vergangenen Jahren. Dies ist ein grosser Erfolg! Bei meinem Besuch im März habe ich vom Dorf unter anderem die Anfrage bekommen eine Krankenstation zu bauen. Nach gründlicher Ueberlegung haben wir uns entschlossen, beim LED einen Kleinprojektantrag zu stellen, damit wir dieses Bauprojekt finanzieren können. Denn ich habe erfahren, dass ein wirklich grosses Bedürfnis dafür vorhanden ist. Vom Dorfchef und vom Leiter des nächstgelegenen Gesundheitspostens Cheikh Sow kamen im Laufe des Jahres gezielte Anfragen und Erklärungen für die geplante Verwaltung. Von Peter Ritter vom LED hatte ich grundsätzlich schon die Zusage für eine Unterstützung, nun mussten „nur“ noch bestimmte organisatorische Details abgeklärt werden. Wir hätten das mit einer Sitzung erledigt, aber nicht so im Senegal! Zuerst gab es wieder einen grossen Empfang im Dorf mit allen Schulkindern und vielen Danksagungen, dann Besichtigung des Grundstücks und gemeinsames Essen auf dem Boden, danach konnte ich endlich noch meine Listen und abzuklärenden Fragen anbringen. Es war schon viel Vorarbeit geleistet worden, aber wichtige Details fehlten noch. 2 Tage später hatte ich alles in Händen! Cheikh Sow war mit seinen Kosten für die Einrichtung aber sehr tief geblieben, um ja unser Budget nicht zu überschreiten. Damit hätten wir keine gute Einrichtung finanzieren können! Also musste diese Liste nach meiner Abreise nachgeliefert werden. Leider hat er sich damit nun sehr viel Zeit gelassen. Ich bin sehr beeindruckt von diesem Dorf und seinen Bewohnern. Der Dorfchef will wirklich, dass sich sein Dorf entwickelt. Gerne gebe ich euch noch einige interessante Informationen weiter. Das 1944 gegründete Dorf zählt 1‘571 Einwohner und 5 umliegende Dörfer mit 3‘350 Einwohnern würden auch von dem Case de Santé profitieren. Besonders prekär ist die momentane Situation ohne Gesundheitsversorgung natürlich für die ca. 2‘000 Frauen und 500 Kinder. Der nächste Posten ist 6 – 10 km entfernt und wenn man mit einer Charrette unterwegs ist, ist das sehr weit, besonders bei Geburten. Im Laufe des Jahres haben die Bewohner beschlossen, dass sie 4 Jugendlichen aus dem Dorf die Gelegenheit geben wollen, eine Ausbildung zum Krankenpfleger  zu machen, die dann im neuen Posten arbeiten können. So wird nun Geld für die Ausbildung gesammelt, das eine Frauengruppe verwaltet. Denn sie wollen, im Gegensatz zu Alwar, selbst für die Unterhaltskosten des Case de Santé aufkommen. So können wir sicher 2017 das neue Projekt in Angriff nehmen!

Ein weiteres Bauprojekt war der Bau von 2 Klassenzimmern für das Collège in Mbettite. Wir hatten das Glück, dass uns die Stiftung PRONOIA im August 10‘000.- für diesen Bau zukommen liess. Dafür sage ich recht herzlichen Dank. So konnten wir das 2. Klassenzimmer bauen und noch 30 Schulmöbel anfertigen lassen. Da die Ziegel für den Bau zu 80% von den Dorfbewohnern schon gemacht waren, wurden die Klassenzimmer einiges billiger, trotz hoher Transportkosten. Die Dorfbewohner hatten ausserdem zugesagt, dass sie die Toiletten bauen werden, die aber noch nicht ganz fertig waren bei meinem Besuch. Leider ist nun auf dem bürokratischen Weg irgendetwas schief gelaufen und der Schulbetrieb konnte, obwohl von Seiten des Ministeriums bewilligt, nicht aufgenommen werden. Mir wurde gesagt, dass im ganzen Bezirk Fatick, zu dem Mbettite gehört, kein Collège eröffnet wurde, obwohl die Voraussetzungen erfüllt waren. Das habe ich in den 10 Jahren meiner Tätigkeit noch nie erlebt. An Lehrermangel kann es nicht liegen, denn es wurde mir bestätigt, dass es genügend Lehrer im Senegal gibt. Die Enttäuschung war natürlich besonders für die Schüler sehr gross. Aber trotzdem wurde wie immer ein kleines Fest organisiert, bei dem die Bevölkerung ihren Dank ausgesprochen hat und besonders Malick und Mathias für ihren tollen Einsatz gedankt wurde. Nun hoffen alle, dass die Schule ihre Türen so bald als möglich öffnen kann, Geduld ist wieder einmal gefragt! Wir haben jetzt beschlossen, dass wir mit dem Bau des 3. Klassenzimmers, der so wie es aussieht mit Kollekten vom Martin-Luther-Bund der Schweiz finanziert werden wird, warten bis der Schulbetrieb läuft. Ausserdem ist unsere Bedingung, dass bis dahin auch die Toiletten fertig sein müssen. Neben den Bauarbeiten gab es noch ein kleines Projekt am Rande, aber mit grosser Wirkung! Der Wasserturm in einem benachbarten Dorf, von dem wir das Wasser für die Bauarbeiten nehmen sollten, war kaputt. Während dem Bau des 1. Klassenzimmers musste das Wasser aus allen möglichen Brunnen in der Umgebung geholt werden. Malick berichtete mir, dass Menschen und Tiere seit vielen Wochen sehr unter dem Wassermangel leiden. Auf meine Frage warum denn die Reparatur nicht schneller geht, hiess es, dass alle Ersatzteile da seien, aber das Geld für die Handwerksarbeiten, die mit einer Spezialmaschine gemacht werden müssen, nicht vorhanden sei. Kosten ca. 600.-. Da ich wusste, dass die Gemeinde Mauren bevorzugt Energieprojekte unterstützt, habe ich eine Anfrage an Vorsteher Freddy Kaiser gerichtet. Sehr spontan hat er mir 1‘000.- zugesagt und die Reparatur war in einer Woche gemacht! Die Dankbarkeit der Bewohner von mehreren Dörfern rund um Mbettite ist grenzenlos. Sie haben wochenlang gelitten und waren recht verzweifelt. Herzlichen Dank an die Gemeinde Mauren!

Die Frauen in Mbettite arbeiten weiterhin erfolgreich mit ihrer Hirseschälmaschine, die nach der Rückzahlung des letzten Kredits im März nun ihnen gehört.

In Alwar hatte ich zwei wichtige Dinge zu erledigen. Als erstes wollte ich natürlich die neue Krankenschwester unseres Gesundheitspostens kennenlernen, die seit Juni dort arbeitet. Ich war angenehm überrascht wie gut sie sich eingearbeitet hat und wie sehr sie geschätzt wird von der Bevölkerung. Eine wirklich sympathische junge Frau, die besonders die gute Zusammenarbeit mit der Geburtshelferin hervorhob und wie viel sie von ihr lernen kann.Die staatliche Anerkennung läuft senegalesisch langsam, ist aber nach wie vor auf gutem Weg, wurde mir versichert. Der LED und auch die Dorfbewohner  haben nochmals einen Brief ans Gesundheitsministerium geschrieben,  mehr kann man nicht machen. Alle fragten nach Zahnarzt Niels, niemand hatte irgendwelche Probleme nach seiner Behandlung im März. Sie freuen sich schon auf seinen nächsten Besuch! Doch das wird noch eine Weile dauern, da er im März 2017 nach Mbettite in die Krankenstation gehen wird. Dort habe ich mit den zuständigen Personen alles für seinen Besuch vorbereitet. Dieses Mal wird er einen Kollegen und dessen Tochter und eine Kollegin mitbringen, so können sie in 2 Räumen behandeln. Der Leiter der Station und das ganze Personal sowie der Leiter der Gesundheitskommission heissen ihn herzlich willkommen, denn auch hier ist der Bedarf an einem Zahnarzt enorm hoch.

Im letzten Reisebericht habe ich vom neuen Collège in Alwar berichtet. Meine letzte Information war, dass die Dorfbewohner die Fertigstellung der angefangenen 2 Klassenzimmer mit Hilfe von Spenden ihrer Verwandten in Dakar und Europa selbst finanzieren wollen. Es wurde schon weitergebaut, doch die Klassenzimmer sind immer noch nicht fertig. Deswegen muss der Unterricht nach wie vor in den einsturzgefährdeten Räumen der Primarschule stattfinden. Da es inzwischen eine weitere Klasse gibt, muss in Schichtbetrieb unterrichtet werden. Im Sommer haben wir einen Brief mit der Anfrage für die Fertigstellung der angefangenen Räume und den Bau von weiteren 2 Klassenzimmern erhalten. Da wir aber vom Collège Ndioum schon vor 1 Jahr die Anfrage für ein Lehrerzimmer erhalten hatten, haben wir beschlossen, dieses als nächstes Projekt zu finanzieren. Das Collège Alwar ist nun auf unserer Liste für 2017. Wir haben für die Schule in Alwar einen Drucker/Kopierer gekauft, der für die Benutzung von beiden Schulen gedacht war, da sie auf dem gleichen Gelände sind. Leider ist die Zusammenarbeit der beiden Schulen nicht optimal. Ich habe sie gebeten, dafür eine Lösung zu finden. Die Frauengruppe in Alwar trifft sich nach wie vor regelmässig und arbeitet mit dem erhaltenen Kredit zuverlässig.

In Ndioum konnten wir für das Collège dank grosszügiger Spenden, unter anderem von der LGT Group Foundation 1’000.-, das lang ersehnte Lehrerzimmer bauen. Auf Wunsch der Lehrer wurde daraus ein kleiner Bürotrakt mit 4 Räumen mit nur wenig grösseren Dimensionen als ein Klassenzimmer. Ich fand  das eine gute Idee und konnte mich von der gelungenen Ausführung bei meinem Besuch überzeugen. Leider gibt es dort eine Aenderung. Der Direktor Abdoulaye, der sich so sehr für diese Schule eingesetzt hat, ist befördert und in eine andere Stadt versetzt worden. Das auch dank seiner grossen Leistungen. Denn das Collège ist unter den 100 besten Schulen im Senegal, bezogen auf die Uebertrittsprüfungen ins Gymnasium. Deswegen hat der Staat der Schule auch einen Extrazuschuss für Schulmaterial zukommen lassen. Um die Ausbildung in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern zu verbessern, wurden in ganz Senegal 17 neue Gymnasien mit dieser Fachrichtung erbaut. Und für eines dieser Gymnasien ist nun Abdoulaye zum Direktor berufen worden. Das zeigt mir, dass das Schulministerium sehr wohl an einer Verbesserung der Ausbildung interessiert ist. Doch fliesst der Grossteil des Budgets in die höhere Schulbildung. Dabei wäre gerade die Basis so wichtig, denn ohne diese gibt es auch keine höhere Schulbildung. Ich habe bei meinem Besuch den neuen Direktor  des Collège kennengelernt, der auch sehr engagiert ist. Die meisten Lehrer sind die gleichen, also wird sich am Geist der Schule hoffentlich nicht viel ändern. Auch hier gab es wieder ein kleines Fest zur Einweihung des Bürotraktes. Die Schüler beeindruckten mich wieder mit kleinen Sketchen, die sie einstudiert hatten und ihren traditionellen Trachten und Tänzen.

In der Primarschule Amadou Hane, an der wir 2015 zwei Klassenzimmer gebaut haben, traf ich den Schulleiter. Er erzählte mir voll Stolz, dass ihre Schule die einzige ist, in der jedes Jahr 100% der Schüler den Uebertritt ins Collège schaffen. Das ist eine Superleistung. Bei unserem Besuch waren die Frauen gerade mit der Zubereitung der Schulkantine beschäftigt. Sie brauchen dringend einen Raum, um ihre Gerätschaften unterzustellen und um dort bei grosser Hitze kochen zu können. Ein Raum 4x4m würde genügen. Die Anfrage habe ich mir notiert.

Unsere Patenkinder waren recht erfolgreich dieses Jahr. Alle sind in die nächste Klasse gekommen, wenn auch nicht alle mit wirklich guten Noten. Doch leider hat unsere Mariam, die immer so eine exzellente Schülerin war, die Matura nicht bestanden. Wir wissen nicht warum, aber die Hitze war extrem dieses Jahr und auch die Vorbereitung nicht optimal, denn es gab viele Streiks. Wahrscheinlich war sie auch sehr nervös. Natürlich war sie sehr niedergeschlagen, doch wir haben sie ermutigt, dass sie nicht aufgeben soll und sie nächstes Jahr eine neue Chance hat zu zeigen, was sie kann. Ausserdem machen 2 weitere Schülerinnen in Ndioum die Matura und 2 Schüler in Mbour. Wir wünschen ihnen viel Erfolg und Durchhaltevermögen.

Ausserdem habe ich mich mit den Präsidentinnen der 2 Frauengruppen in Ndioum, die leider nicht mehr aktiv sind, getroffen. Es gab interne Unstimmigkeiten, einige Frauen haben sich nicht an die Abmachungen gehalten. Das Geld wurde, wie in so Gruppen üblich, an die Mitglieder vergeben, dann aber leider nicht korrekt zurückbezahlt. Eine Frauengruppe hat sich ganz aufgelöst. Sie war im ärmsten Quartier in Ndioum aktiv.Während 6 Jahren hat unser Kredit gute Dienste getan und zur Verbesserung des Lebensunterhalts geführt. Aber die Langzeitwirkung ist leider nicht erreicht worden. Den Schritt in eine neue Investition konnten sie nicht machen, wahrscheinlich hätten sie dafür mehr mentale Unterstützung gebraucht. Die andere Frauengruppe will eigentlich gerne wieder aktiv werden, aber die Präsidentin hat im Moment sehr grosse private Probleme. Ihr Sohn braucht eine neue Herzklappe und bis die Operation vorgenommen werden kann, sehr viel Medikamente. Auch ihr Mann muss operiert werden, sie wissen nicht wie es weitergehen wird. So lasse ich die Sache im Moment auf sich beruhen, denn eine andere Frau kann oder will die Rolle der Präsidentin nicht übernehmen. Auch von ihnen wurde die Idee des Kredits leider nicht richtig verstanden und umgesetzt. Malick hat mir nun erklärt, dass wahrscheinlich mit ein Grund dafür ist, dass speziell im Norden Frauengruppen immer wieder von Organisationen Geld bekommen um ihren Kleinhandel auszubauen. Und da müssen sie nichts zurückbezahlen. Ich habe wieder etwas gelernt!

Aber nicht nur in Senegal ist einiges gelaufen. Ich habe in der lutherischen Kirche in Vaduz und in Hittisau/Vlbg. Vorträge über unsere Projekte gehalten, so wurde mir bewusst, dass  wir inzwischen  21 Klassenzimmer gebaut! Ausserdem habe ich noch einmal die Primarschule in Lauterach besucht und Fotos und Filme gezeigt. Die Kinder haben mit grosser Begeisterung im Laufe des Jahres mehrere Aktionen für uns durchgeführt. Auch ihnen danke ich ganz herzlich für ihren Einsatz!

Und im Januar ist es dann soweit, dass die Studentin Jana Schneeberger mit mir nach Senegal reist und 6 Wochen in Ndioum wohnen wird. Dort kann sie in all unsere Projekte hineinschnuppern und mit den Kindern kleine Projekte machen. Ihr ist es jedoch das Wichtigste, das Leben in einem Entwicklungsland kennenzulernen. Deswegen will sie auch in einer Familie wohnen und sich ganz auf den dortigen Lebensrhythmus einstellen. Ich freue mich sehr auf ihr Kommen und wünsche ihr natürlich viele eindrückliche Erlebnisse. Die Lehrer, die Krankenschwester und auch die Familie werden sie herzlich willkommen heissen, sie freuen sich auch schon auf ihren Besuch.

In Liechtenstein wird im Januar 2017 ein Netzwerk für Entwicklungszusammenarbeit gegründet werden. Darin vereinigen sich bestehende private Organisationen, die sich in Ländern auf der ganzen Welt für deren Entwicklung einsetzen. Es dient zum gegenseitigen Austausch, der Sichtbarmachung des zivilgesellschaftlichen Engagements sowie der Verankerung der Entwicklungszusammenarbeit in Bevölkerung, Wirtschaft und Politik. Da ich dieses Netzwerk sehr wichtig finde, habe ich mich dort für die Mitarbeit zur Gründung eingetragen. Es wurden Leitlinien erarbeitet und einige Treffen mit interessierten Organisationen durchgeführt. Es sind im Moment 25, die am 24. Januar 2017 bei der Gründung des Netzwerks dabei sein werden. In FL gibt es jedoch mehr als 40 private Organisationen, die wie TERANGA Senegal arbeiten. Ich finde das eine ganz erstaunliche und auch ermutigende Zahl! Und alle sind auf Spenden angewiesen, um ihre Hilfe leisten zu können. Ohne unsere treuen Spender, die Vertrauen in unsere Arbeit haben, wäre das nicht möglich.                                         An dieser Stelle sage ich wieder ein aufrichtiges „Vergelt’s Gott“ an alle, die mit ihren regelmässigen Spenden unsere Projekte unterstützen. Wir tragen damit wirklich zur Verbesserung der Lebensqualität von vielen Menschen in Ndioum und Umgebung sowie in Mbettite bei. Das wird mir bei jedem Besuch bestätigt. Auch wenn die Früchte der Schulbildung nicht sofort sichtbar sind, weil es noch an vielem anderen mangelt, so ist auf jeden Fall der Grundstein für eine stete Entwicklung gelegt.

Zum Ausklang des Jahres wünsche ich euch allen eine friedvolle Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes  Jahr 2017 mit guter Gesundheit und Liebe und Wertschätzung und Frieden für alle Menschen!

Herzliche Grüsse

Ute

Manchmal geschieht es, dass Menschen gut zu anderen sind                                      und füreinander sorgen

Dann ist Weihnacht

Manchmal geschieht es, dass Menschen einen Streit beenden und sich wieder vertragen

Dann ist Weihnacht

Manchmal geschieht es, dass Menschen sich einsetzen für Schwächere, denen Unrecht geschieht

Dann ist  Weihnacht

Warte nicht auf Weihnachten!  Weihnachten kommt nicht dann  wann Weihnacht werden soll

                      Weihnachten wird durch dich, durch mich, durch uns

Vielleicht durch unser Reden, eher durch unser Tun, am ehesten durch unser Sein.

Neues Vereinskonto auf der Landesbank: LI91 0880 0550 6483 62001