Jahresbericht 2017

Liebe Freunde von Teranga Senegal e.V.,

am Ende des Jahres ist es mir heute ein besonderes Anliegen gleich zu Beginn meines Jahresberichtes einen herzlichen Dank auszusprechen für die grosszügige Unterstützung von vielen privaten Spendern und auch von den Stiftungen PRONOIA und PAN PROTECTUM, dem LED, dem Martin-Luther-Bund und der kath. Kirchengemeinde in Zuoz. Ausserdem wurde beim Ableben von Ingrid Yrly-Negele und unserem langjährigen Freund Sam Werder in Zürich für unseren  Verein gespendet. Diese unerwarteten Spenden haben mich sehr berührt, ich sage auf diesem Weg nochmals herzlichen Dank! Wir konnten damit die Schulkantine fertigstellen und die Veranda für das Case de Santé in Doubangué finanzieren. Anfang Oktober habe ich zusammen mit Margot Gritsch am Schaaner Wochenmarkt selbstgemachte Bionudeln verkauft. Ich habe mit einer Bekannten in Sulzberg, die eine Nudelmaschine besitzt, 100 Pakete Nudeln gemacht und fast alle verkauft! Die Kundinnen waren begeistert von der Qualität der Nudeln und es ist der Wunsch, dass wir nächstes Jahr nochmal die gleiche Aktion machen sollen. Evi Moosbrugger in Sulzberg ist damit einverstanden, und so werden wir nächstes Jahr noch einmal an mehreren Tagen „nudeln“ und sie am Wochenmarkt in Schaan verkaufen. Danke an alle Beteiligten!

Im November war ich wieder im Senegal. Ich habe wieder alle unsere Projekte besucht und mit Malick die Abrechnungen gemacht. Das klappt inzwischen sehr gut, und dafür erhielt er auch ein grosses Lob von mir, da ich ja weiss, dass der „Papierkram“ gar nicht seine Welt ist.

Zwei von unseren Patenkindern in Ndioum haben die Matura bestanden und hatten mir ihre Vorstellungen für eine Ausbildung schon zugeschickt. Mariam möchte gerne an einer katholischen Universität in Dakar eine  Ausbildung im Finanzbereich machen. Sie war immer eine gute Schülerin und ich traue ihr das wirklich zu .Ausserdem hat sie das Glück, dass sie bei Verwandten in Dakar wohnen kann. Die Tante hat auch diese Uni besucht und hat mir zugesichert, dass sie Mariam unterstützen und fördern wird während ihres Studiums. Die Kosten für dieses Studium sind pro Jahr ca.1‘000.-. Unser Verein kann diese Kosten für 2018 übernehmen, doch bin ich dabei eine Stiftung zu finden, die bereit wäre für die Studenten einen Ausbildungsfond zu bezahlen. Wir haben dann noch Fatima, die eine Ausbildung als staatlich geprüfte Hebamme machen will, was auch 1’000.- kostet. Die Kosten steigen dann jedes Jahr ein wenig. Aus diesem Grund möchte ich bei einer Stiftung anfragen ob sie für unseren Verein einen Ausbildungsfond bereitstellen würden. Denn im nächsten Jahr machen wieder 3 Patenkinder die Matura und unser Ziel ist es schon, wenn irgendwie möglich diesen Jugendlichen eine Ausbildung zu ermöglichen. Natürlich muss das jedes Mal genau geprüft werden. Fatima hat an einer Fachhochschule in Saint Louis angefangen, dort ist Malick regelmässig in Kontakt mit dem Direktor der Schule, damit wir auch da wissen ob sie seriös arbeitet. Es war berührend zu erleben wie dankbar die Eltern sind, dass wir ihren Kindern diese Möglichkeit für eine Ausbildung geben.

Bei meinem Besuch in Alwar war es extrem heiss (45°) und nach 4 Stunden war ich froh wieder in mein klimatisiertes Hotelzimmer zu kommen! Aber was ich dort sah war so positiv, dass ich die Hitze gut ausgehalten habe. Unser Poste de Santé wird nun wirklich vom Staat übernommen, was ich ja schon wusste. Aber wie weit die Bauarbeiten für ein neues Gebäude und die Mauer ums Grundstück schon fortgeschritten waren, das war eine Ueberraschung! So ist der erste Schritt gemacht und das ganze Dorf ist in einer Aufbruchstimmung! Wir hatten eine informative Sitzung mit allen Verantwortlichen, bei der ich erfahren habe, dass der Staat jetzt erst mal die Bauarbeiten finanziert, aber das Gehalt für die Leiterin noch nicht zahlen wird. Also werden wir das bis auf weiteres übernehmen. Oumou ist so eine gute Fachfrau, die mir von ihren Weiterbildungen erzählt hat und wie gut die Supervision vom Leiter des nächstgrösseren Postens ist. Alle 4 Wochen macht sie einen Rapport, der dann gemeinsam besprochen wird.

Leider hat es während der Regenzeit in der Region mehrere Wirbelstürme gegeben, die an vielen Gebäuden enorme Schäden angerichtet haben. Beim Wohnhaus für Oumou wurde das Dach abgerissen, das die Dorfbewohner aber wieder einigermassen  reparieren konnten, und auch bei unserem Posten wurde das Dach beschädigt. Natürlich wäre ein neues Dach der Wunsch, aber wir warten erst mal die nächste Regenzeit ab. Wir haben beschlossen nächstes Jahr das Haus besser zu sichern mit einem Gitter  und einer abschliessbaren Tür an der Veranda.

Auch bei der Primarschule tut sich einiges. Der Staat baut 2 weitere Klassenzimmer, dann ist die Schule komplett. Bis jetzt mussten oft 2 Klassen in einem Raum unterrichtet werden, was bei einer Klassengrösse von 30 bis 40 Schülern fast nicht machbar ist. Auch haben sie nun endlich genügend Lehrer – sehr positiv! Doch damit taucht ein weiteres Problem auf. In dem kleinen Dorf gibt es wenig Wohnmöglichkeiten für die Lehrer. So wurden wir angefragt ob wir nicht ein Lehrerwohngebäude bauen könnten. Im Moment haben wir dazu keine Mittel und Malick meinte auch, dass mit etwas gutem Willen schon Zimmer gefunden werden können.

Am Collège haben wir dieses Jahr ein Büro angebaut, was von den Lehrern sehr geschätzt wird. Es fehlen aber noch Schreibtische, Stühle und Schränke, und sie haben einen konstanten Mangel an Schulbüchern. Mal sehen was wir da nächstes Jahr tun können.

Im Halbjahresbericht habe ich schon von unseren neuen Bauprojekten geschrieben, die ich aber noch nicht  alle gesehen hatte. Aus den Andeutungen von Malick konnte ich schliessen, dass nicht alles genau so läuft wie wir es geplant hatten, aber die Details kannte ich nicht. So war ich gespannt was mich erwartet. Mir lag natürlich unser Projekt Case de Santé in Doubangué, das wir zusammen mit dem LED finanzieren, besonders am Herzen. Die Veranda, die wir noch nachträglich angebaut haben, ist wirklich ein guter Sonnenschutz und wertet die Station auf. Leider musste ich erfahren, dass die Station bis heute noch nicht in  Betrieb genommen ist, trotz der Bemühungen von allen Verantwortlichen des Dorfes. Für die Inbetriebnahme  benötigt es  eine Bewilligung des Gesundheitsministeriums auf regionaler Ebene. Diese sollte vom Leiter des nächstgrösseren Postens, der auch die Kontrolle über den kleinen Posten hat, angefragt werden. Doch dieser hat scheint’s kein Interesse mehr daran, denn er wird demnächst an einen anderen Ort versetzt. Leider konnte ich mich mit ihm nicht treffen, da er auf einer Pilgerreise war. Die Bewohner von Doubangué sind natürlich sehr enttäuscht, aber da man in Senegal generell auf alles lange warten muss, haben sie sich immer wieder mit dem Satz “ich kümmere mich darum“ vertrösten lassen. Bei meinem Treffen mit dem Dorfchef und dem Chef der Gesundheitskommission haben wir nun beschlossen, dass sie selbst versuchen werden die Bewilligung zu erhalten. Ausserdem werde ich mit dem Leiter der anderen Station telefonieren und ihn auf seine schriftlichen Zusagen zur Mithilfe erinnern. Mir tun die Dorfbewohner leid, die diesen Gesundheitsposten wirklich brauchen. Aber so läuft es leider oft im Senegal.

Da komme ich auch gleich auf unser Collège in Mbettite zu sprechen. Dort musste ich ja auch die Erfahrung machen, dass man nicht allen Versprechungen glauben kann. Bei meinem Besuch in Mbettite habe ich jedoch eine gute Nachricht erhalten. Der Schulbetrieb wird dieses Schuljahr aufgenommen. Der Direktor ist 1 Woche nach meiner Abreise eingetroffen und es wird sicher mit 2 Klassen begonnen, eventuell auch mit 3 Klassen, da das 3. Klassenzimmer auch fertig ist.  Das System wie eine Schule in Betrieb genommen wird, ist in Senegal sehr kompliziert. Bis die Schule richtig funktioniert vergeht sicher nochmals 1 Monat. Und eigentlich hat das Schuljahr schon Anfang Oktober angefangen! Auf jeden Fall habe ich mich sehr mit den Dorfbewohnern gefreut und im Februar, wenn ich wieder in Mbettite bin, wollen sie mir alle mit einer grossen Einweihungsfeier danken. Wir haben nun auch geplant, dass wir Anfang des Jahres mit dem vierten Klassenzimmer anfangen, dann ist das Collège komplett. Dieser Bau war eigentlich schon für dieses Jahr geplant, wurde aber wegen des Kindergartens in Ndioum verschoben.

Von diesem Kindergarten habe ich schon im Halbjahresbericht geschrieben. Ich hatte letztes Jahr eine Anfrage zum Bau von 2 Klassenräumen bekommen. Dieses Jahr während der Regenzeit wurde auch hier von den heftigen Wirbelstürmen ein Dach abgerissen und der Direktor war der Ansicht, dass man dieses Gebäude abreissen muss. Er klagte Malick sein Leid und der bat mich um Erlaubnis doch sofort mit dem Bau eines neuen Raumes für den Kindergarten beginnen zu dürfen, damit die Kinder Anfang Schuljahr wieder ein Dach über dem Kopf haben. Ich willigte ein und Malick begann sofort mit den Vorarbeiten für den Bau. Für den Abbruch des demolierten Gebäudes ist die Gemeinde Ndioum zuständig und so vereinbarten der Direktor und Malick ein Treffen mit dem Bürgermeister. Der war aber der Ansicht, dass das Gebäude doch renoviert werden soll und es kein weiteres Klassenzimmer braucht. Was dringend gebraucht würde, sei ein sonnengeschützter Platz für die Kinder in der Pause und während des Essens im Hof des Kindergartens. Was weder Malick noch ich wussten war, dass eine französische Organisation, an die der Direktor auch eine Anfrage geschickt hatte, Anfang des Jahres 2 Klassenzimmer gebaut hat. So war der Kindergarten komplett. Die Räume sind etwas versteckt hinter dem demolierten Gebäude, sodass Malick sie bei seinem Besuch gar nicht gesehen hat. Nun haben wir unsere Pläne wieder einmal umgeändert und bauen einen schönen sonnengeschützten offenen Raum für die Kinder, was sicher eine sehr sinnvolle Sache ist.

Die schon angefertigten Fenster und Türen und die nicht gebrauchten Ziegel können wir für den Bau eines Klassenzimmers in der Primarschule in Ndioum verwenden, wo wir schon den Raum für die Schulküche gebaut haben. Bei meinem Besuch in der Schule konnten die Frauen leider nicht kochen, da der Reis ausgegangen war, die nächste Lieferung wurde erst eine Woche später erwartet. Ich besuchte aber alle Klassen und war schockiert wie gross die Klassen, besonders bei den Kleinen, sind. Zwischen 60 und 100 Kindern!!! Die Klassen müssen geteilt werden und deswegen braucht es noch ein weiteres Klassenzimmer, für das sie ein Provisorium errichtet haben. An dieser Schule haben wir schon 2 Klassenzimmer gebaut und dieses Jahr hat der Staat das grosse Grundstück eingemauert, was sehr wichtig ist wegen der Sicherheit. Der Direktor erzählte mir stolz, dass, wie jedes Jahr, fast alle Kinder den Uebertritt in die Realschule geschafft haben!

Natürlich habe ich auch „unser“ Collège in Ndioum  besucht. Dort haben wir in den letzten 5 Jahren neun Klassenzimmer gebaut und das Bürogebäude für die Lehrer. Die Lehrer stellen regelmässig Anträge an den Staat für den Bau einer Mauer und weiterer Klassenzimmer. Nun haben sie die Zusage für den Bau von 2 Klassenzimmern in diesem Schuljahr und die Mauer wird ihnen in Aussicht gestellt. Aber das kann natürlich noch einige Zeit dauern. Die Grundstücke sind riesig, da sie immer auf Zuwachs geplant sind, und so eine Mauer kostet viel Geld. Auch hier hat der Sturm grosse Schäden verursacht. Bei einem Klassenzimmer wurde das ganze Dach abgerissen und Teile des Mauerwerks beschädigt. Es ist im Moment nicht zu benutzen. Die Schule will selbst schauen, dass sie die Schäden beheben können. Dafür haben sie auch das Schulgeld erhöht, in Absprache mit der Elternvereinigung. Bei meinem Besuch hatte ich ein langes Gespräch mit einigen Lehrern, die mir wieder  versichert haben wie froh sie sind, dass wir diese Schule gebaut haben. Die Schülerzahl liegt bei ca 1000!!!! Unvorstellbar was gewesen wäre wenn wir die Klassenzimmer nicht gebaut hätten. Auch hier sind einige Klassen sehr gross mit 40 bis 50 Schülern, sie sitzen zu dritt in den kleinen  Schulbänken. Trotz aller Widrigkeiten haben doch 54% der Schüler den Uebertritt ins Gymnasium geschafft, das ist besser als der Durchschnitt im Bezirk Podor.

Zum Schluss habe ich noch mit Mathias die Patenschaften besprochen und abgerechnet. 3 Kinder sind von uns ausgeschlossen worden, da sie 2 x wiederholt haben und auch keine Motivation mehr hatten zur Schule zu gehen. Ein Mädchen hat den Realschulabschluss nicht geschafft und der Vater hat uns gebeten, dass sie dies in einer Privatschule nachholen darf, was wir bewilligt haben. Drei Jungen werden dieses Schuljahr zur Matura kommen, mal sehen ob sie das Schuljahr durchhalten. Und für ein Patenkind, das eine Lehre bei einem Schneider macht, werden wir im nächsten Jahr eine Nähmaschine kaufen, die sie im Atelier von ihrem Schneider aufstellen darf. So kann sie sich allmählich einen eigenen Kundenkreis aufbauen.

Im Februar 2018 wird Niels Hörnö wieder nach Senegal reisen und 5 Kollegen mitnehmen, um in Mbettite und in einem grösseren Ort, der  nicht weit entfernt ist, Zahnbehandlungen durchführen. Ich habe mit dem Leiter der Gesundheitsstation gesprochen und er wird alles gut vorbereiten. Das ist eine grossartige Hilfe für die Dörfer, vielen Dank Niels!

Zusammenfassend kann ich sagen, dass 2017 ein sehr aktives und erfolgreiches Jahr für uns war. Wir bauten das Büro in Alwar, das 3. Klassenzimmer in Mbettite, den kleinen Gesundheitsposten in Doubangué mit der Veranda, den Raum für die Schulkantine in Ndioum und den Unterstand im Kindergarten in Ndioum. Die bestehenden Projekte Collège Ndioum, Alwar Schulen und Gesundheitsposten, Mbettite  und die  Patenkinder  wurden weiterhin unterstützt und beratend begleitet. Dies war uns nur möglich dank der Unterstützung von unseren diversen Gönnern wie schon am Anfang des Briefes erwähnt. Malick hat vor Ort gute Arbeit geleistet. Dass nicht alles so ganz nach unseren Wünschen geklappt hat, ist schade, aber ich bin sicher, dass das im nächsten Jahr erledigt werden wird, denn alle Beteiligten sind guten Willens.

Was mich bei meinem Besuch aber sehr beunruhigt hat ist, dass dieses Jahr im Norden die Regenzeit sehr kurz war und wenig Niederschläge brachte. So ist das ganze Land jetzt schon total ausgetrocknet und man sieht weit und breit kein Gras wachsen. Der Fluss hat einen so niedrigen Wasserstand wie ich ihn noch nie gesehen habe und die Tiere finden nichts mehr zu fressen. Sie sind total abgemagert. Und ich frage mich wie das weitergehen soll bis zur nächsten Regenzeit im Juli 2018.Demnächst wird nun der Reis angepflanzt und dafür reicht die Bewässerung noch aus. Aber normalerweise konnte zweimal/ Jahr angepflanzt werden, das geht nun sicher nicht. Das Klima hat sich auch dort sehr verändert in den letzten Jahren. Die Menschen sind erschöpft von der ewigen Hitze und stumpfen dadurch auch sehr ab. Ich habe eine grosse Mutlosigkeit festgestellt, die ich so noch nie erlebt habe. In Mbettite dagegen war die Regenzeit gut und es gab eine gute Ernte. Es ist grün auf den Feldern und die Menschen sind voll Zuversicht. Was für ein Unterschied! Ich bin immer wieder dankbar, dass ich hier in unserem gemässigten Klima leben darf!

Zum Jahresausklang wünsche ich all meinen lieben Freunden und Gönnern eine gesegnete Weihnachtszeit und alles Gute und viel Freude und Zufriedenheit für das kommende Jahr. Ein herzliches Dankschön für euer Vertrauen in unsere Arbeit und eure regelmässige Unterstützung!