Reisebericht Februar 2011

Reisebericht vom Februar 2011 über meine „Teranga-Projekte“ im Senegal

Liebe Freunde Senegals,

Anfang Februar 2011 war ich das erste Mal zusammen mit meinem Mann im Senegal, um meine Projekte zu besuchen. Zweck dieser Reise war es im Besonderen, ihm zu zeigen, was in den letzten Jahren alles entstanden ist. Ausserdem warteten natürlich alle meine Freunde im Senegal schon lange darauf, meinen Mann endlich kennen zu lernen. So wurden wir dementsprechend herzlich von allen empfangen und die Dankadressen nahmen kein Ende, was auf der einen Seite sehr berührend, aber auch ermüdend ist!

Aber nun der Reihe nach. Unser erster Besuch galt dem aktuellen Projekt Bau von 2 Klassenzimmern in Mbettite. Ich wusste schon, dass die Handwerker alles tun wollten, um uns das fertige Gebäude zu präsentieren. Die Klassenzimmer waren fertig gebaut, aber es fehlten noch die Betonierung des Bodens und der Anstrich. Wegen eines Engpass’ bei den Zementlieferungen konnte nicht weitergearbeitet werden. rohbau vorderansicht

Die wichtigsten Persönlichkeiten des Dorfes und das Lehrerkollegium hatten sich in der Schule versammelt und drückten ihre Dankbarkeit sehr wortreich aus! Der Bau dieser Klassenzimmer ist ein wichtiger Schritt hin zur Entwicklung des Dorfes und seiner Umgebung, denn nun können immer mehr Kinder zur Schule gehen und einen regelmässigen Unterricht geniessen. Den Lehrern war es vorher mit den provisorischen Räumen oft unmöglich zu unterrichten. provisorisches klassenzimmer Alle betonten wie wichtig es ist, dass ihre Kinder eine gute Schulbildung erhalten, denn nur so kann sich mit der Zeit auch etwas verändern in der Gesellschaft. Deswegen will ich mich auch weiterhin stark machen, dass immer mehr Kinder zur Schule gehen können. Das ist einerseits mit den 40 Patenschaften gewährleistet, andrerseits möchte ich vermehrt neue Klassenzimmer in bestehenden Schulen  bauen. So habe ich die Gewissheit, dass die nötigen Infrastrukturen da sind und ich mich als Einzelperson nicht auch noch um die Organisation einer Schule kümmern muss. Das würde den Rahmen meiner Möglichkeiten sprengen.

Und hiermit habe ich „natürlich“ schon wieder ein neues Projekt im Hinterkopf. Ich möchte gerne in Ndioum, dem Heimatort von Malick, in einer bestehenden Primarschule 2 weitere Klassenzimmer bauen. Die sind derzeit in Provisorien aus Schilfmatten untergebracht, die deshalb nur ein paar Monate im Jahr benutzbar sind. So wird momentan im Schichtbetrieb unterrichtet, ein Teil der Schüler kommt morgens, die anderen gegen Abend. Und natürlich müssen sehr viele interessierte Schüler auch vertröstet werden, da einfach zu wenig Platz ist. Zum Teil hat 1 Klasse schon 50 – 60 Schüler![Bild nicht gefunden]

Die Handwerker von Ndioum haben den Bau der Mutter-Kind-Station und der Schule in Alwar durchgeführt. Mit ihnen habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht und der Fleiss der Bevölkerung hat mich immer wieder beeindruckt. So möchte ich mit dem Bau dieser 2 Klassenzimmer auch ein Dankeschön ausdrücken und hoffe, dass ich es eines Tages auch verwirklichen kann.

Nun habe ich gedanklich schon den Sprung in den Norden Senegals gemacht und wir gehen weiter nach Alwar. Dort wollte ich letztes Jahr im Oktober die Schule einweihen, musste dann aber aus verschiedenen Gründen darauf verzichten. Dieses Mal hat es geklappt und wir wurden mit einem Spalier von Schülern und Frauen und den Noblen des Dorfes empfangen, die gesungen und geklatscht haben – ein farbenfrohes, fröhliches Willkommen! empfang der schüler Beim offiziellen Teil war es allen ein Bedürfnis ihren ganz besonderen Dank auszudrücken, und auch ich habe sie im Namen von uns allen herzlich gegrüsst. Die Klassenzimmer sind sehr schön geworden, es gibt genügend Tische und Bänke und die Wände schmücken die Zeichnungen der Primarschüler aus Mauren! Rundrum blickte ich in zufriedene Gesichter. Danke euch allen! neues klassenzimmer zeichnungen der schüler aus mauren

Die Mutter-Kind-Station hat einen neuen Leiter, und zwar einen staatl. geprüften Krankenpfleger, der seine Aufgabe sehr ernst nimmt und gute Arbeit leistet, davon konnten wir uns überzeugen. Unser Ziel ist es nun, so schnell wie möglich aus dieser Station einen staatlich anerkannten Gesundheitsposten zu machen. Dann bezahlt der Staat die Gehälter und alle Medikamente, was Konstanz für  die Gesundheitsversorgung garantiert. Dafür müssen noch einige Bedingungen erfüllt werden. Erstens Wasser im Haus (nicht auf dem Hof), zweitens Stromanschluss (Solarstrom als Notaggregat) für die garantierte Kühlung der Impfstoffe, drittens eine Wohnmöglichkeit für den Leiter. Für die ersten 2 Punkte habe ich schon die Mittel zur Verfügung, und für den Bau eines kleinen Hauses mit 2 Zimmern bitte ich alle meine Freunde um Hilfe (Kosten ca. 8000.- Euro). Gemeinsam schaffen wir es sicher, diesen so wichtigen Schritt machen zu können. So wäre auch ein Ziel erreicht, das mir vom LED nahegelegt worden ist. Dieses Projekt hat absolute Priorität für 2011. neues team der gesundheitsstation

Berührend waren auch dieses Mal die Besuche bei den Patenkindern, die dieses Jahr wieder Moskitonetze erhalten haben. Das ist immer noch die beste Prophylaxe gegen Malaria. So konnte mein Mann auch in den Familien-Alltag von Senegal Einblick erhalten. Wir haben inzwischen mehr Sekundarschüler als Primarschüler, und das Geld der Paten reicht aus, um diese Kosten zu decken, danke. Moskitonetze für die Patenkinder

Die Frauengruppen arbeiten nach wie vor zufrieden mit ihren Kleinkrediten und haben uns mit selbstgemachten senegalesischen Kleidern beschenkt. Für meinen Mann eine eher ungewohnte Bekleidungsart, aber ein Geschenk muss auch getragen werden!

Grosse Freude hat mir dieses Mal die Schenkung von 4 weiteren Nähmaschinen an junge Frauen bereitet. Wir haben Familien gefunden, die durch Todesfall oder Krankheit der Eltern in Not geraten sind. Die Frauen können mit dem Nähen von Kleidern nun einen Teil der täglichen Lebenshaltungskosten mit finanzieren. Obwohl mir gerade diese Aktion sehr viel bedeutet hat, habe ich mich entschlossen, keine Einmalprojekte wie Esel/Pferdkauf etc. mehr durchzuführen. Es geht mir nicht nur darum, etwas zu verschenken, ich möchte die Kleinprojekte auch weiterhin begleiten. Das ist sehr zeitaufwändig, da auch immer wieder neue Probleme auftauchen und ich laufe Gefahr, mich zu verzetteln. grosse Freude über die Nähmaschine

Meine Schwerpunkte sind weiterhin Gesundheit und Bildung (Schulen), ich werde aber keine weiteren Patenkinder mehr mit ins Programm aufnehmen. Ich muss mit meinen Kräften haushalten, damit ich noch lange nach Senegal reisen kann.

Diese Reise war ganz besonders reich an schönen Erlebnissen, nicht zuletzt wegen der Begleitung meines Mannes, aber auch reich an Diskussionen und Entscheidungen.

Es war für ihn sicher nicht immer einfach, sich auf die andere Lebensart, Kultur und Denkweise im Senegal einzulassen. Es wurde ihm bewusst wie schwierig es ist dutunudutu.net Projekte durchzuführen und umso mehr war er vom Erreichten beeindruckt, auch dank des enormen Einsatzes von Malick Gueye. Die Basis ist geschaffen und ich hoffe, dass ich noch einige Zeit die Möglichkeit haben werde nach Senegal zu reisen, um dort einigen Menschen zu zeigen, dass wir sie nicht vergessen haben.

Und wieder einmal möchte ich betonen, dass das alles ohne eure Hilfe nicht möglich wäre und ich sage euch aus tiefstem Herzen  „Vergelt’s Gott“ für alle Spenden, guten Gespräche, guten Gedanken und Gebete.

Bis zum nächsten Brief grüsse ich euch herzlich

Ute Wild

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