Reisebericht März 2013

Liebe „Teranga“ Freunde,
heute möchte ich an erster Stelle all meinen lieben Freunden und Gönnern für die vielen kleinen und grossen Spenden danken, die es ermöglicht haben, dass wir in diesem Jahr schon ein drittes Klassenzimmer für das Collège (Sekundarschule) in Ndioum bauen konnten.
Ich habe mir für 2013 zum Ziel gesetzt, dass ich mindestens 2 weitere Klassenzimmer für dieses Collège bauen kann, und ich werde mein Ziel sicher erreichen, das kann ich heute schon sagen. Bei unserem Besuch haben uns die Lehrer und Schüler wieder klar gezeigt wie wichtig der Ausbau dieser Schule ist, von den nötigen 9 Klassenzimmern haben wir nun schon 3 gebaut! Die Dankbarkeit ist sehr gross und die Schüler und Lehrer sind top motiviert gute Leistungen zu bringen. Besonders dank des engagierten Direktors, der jeden Schüler mit Namen kennt und weiss in welcher Klasse er ist. Seine Schule ist sein Lebensinhalt und er hat mir versprochen, dass er dort sein Bestes geben wird solange er lebt, auch aus Dankbarkeit uns gegenüber, die wir so viel für diese Schule getan haben. Er war vorletztes Jahr in einer tiefen Sinnkrise, da er sich vom Ministerium verraten gefühlt hat, die ihm und seinen Schülern keine Schule bauen konnten. Er war gerade dabei sich um eine neue Stelle zu bemühen, als er mit seinem ehemaligen Schulkamerad Malick ins Gespräch kam und der ihm versprochen hat mit mir über eine Hilfe zu reden. Daraus ist diese fruchtbare Zusammenarbeit entstanden.
Dieses Mal wurde ich von zwei lieben Bekannten begleitet, die sich auf das „Abenteuer“ Senegal eingelassen haben! Sie wurden nicht enttäuscht, denn allen Beteiligten war es eine grosse Freude zu zeigen, was in den letzten Jahren alles entstanden ist. Wir konnten uns z.B. bei 35° ein Bild davon machen wie der Schulalltag in dieser Schule aussieht. Neben den drei fertigen Klassenzimmern gibt es vier weitere provisorische Klassenzimmer aus Strohmatten, zwei andere Klassen sind in einem anderen Gebäude 500 m entfernt eingemietet.
Bei einer der vielen Ansprachen hat es ein Dorfältester auf den Punkt gebracht:“ Wir sind stolz sie hier empfangen zu dürfen und wir müssen uns nicht verstecken. Denn alles Geld, das uns für einen bestimmten Zweck anvertraut wurde, ist auch genau dafür verwendet worden.“ Das ist die Vertrauensbasis, die für meine Arbeit so wichtig ist, und das war auch für meine beiden Begleiterinnen ersichtlich.
Nachdem wir alle Klassen des Collège in Ndioum besucht hatten, haben sich uns die Lehrer, die Elternvereinigung und das Schülerparlament näher vorgestellt. Es ist beeindruckend wie gut die Schüler durch diese Strukturen auf eine gut funktionierende Demokratie vorbereitet werden. Das Schülerparlament hat genau die Strukturen eines Staates mit diversen Ministerien. Es werden Sitzungen abgehalten, Pläne für Aktivitäten geschmiedet, Sorgen und Reklamationen angehört und vor allem wird auch gelernt Verantwortung zu übernehmen. Wir waren sehr beeindruckt. Der Direktor meinte dann: „Jetzt sind sie Präsidenten und Minister im Schülerparlament, vielleicht sind sie morgen Staatsminister!“

Ich habe so ausführlich von dieser Schule erzählt, damit ihr euch so ein Bild machen könnt warum ich diesen Schülern und Lehrern helfen möchte. Wie schon im letzten Brief erwähnt gehen dort 512 Kinder zur Schule und sie erhalten dank unserer Hilfe einen geregelten Unterricht, der Topqualität hat. Unsere Hilfe trägt dort sichtbare Früchte.

Aber ich möchte alle meine anderen Projekte, die wir besuchen konnten, nicht unerwähnt lassen. Auch die anderen von uns unterstützten Schulen haben uns ihre Dankbarkeit gezeigt, und wir haben den Kindern Kulis geschenkt. In Mbettite haben die
Lehrer gesagt ob wir es gespürt hätten, dass im Moment ein grosser Mangel an Kulis herrscht. Das Strahlen der Kinder war Belohnung genug für uns!
Sie dankten uns aber auch mit Liedern und spontanem Tanzen – Freude pur!

In der Schule in Alwar klären wir nun ab ob es möglich ist eine Bibliothek einzurichten. Die Schüler wollen so gerne lesen und haben keinen Zugang zu Büchern. Ich rechne fest damit, dass ein Lehrer die Organisation übernehmen wird und hoffe, dass die Kosten nicht zu hoch sind. Das wird sich bei meinem nächsten Besuch im November klären.

In Alwar ist es auch jedes Mal eine grosse Freude wenn ich die Gesundheitsstation besuchen komme. Wir wurden wieder mit grossem Spalier und Singen und Klatschen empfangen, fast das ganze Dorf war anwesend.
Die Gesundheitsstation ist nach wie vor leider noch keine staatliche Station, trotz aller Bemühungen seitens der Dorfbewohner. Kurz vor meinem Besuch hatten sie das regionale Fernsehen und das Radio eingeladen um mit Kundgebungen auf ihre desolate Situation aufmerksam zu machen. Sie betonten, dass es ihnen nur dank Hilfe von aussen (sprich uns) etwas besser geht. Aber wenn ich morgen aufhören würde diese Station zu unterstützen, dann ständen sie vor dem Aus. Das darf einfach nicht passieren! Der Staat muss endlich die Verantwortung auch oder besonders in abgelegenen Regionen übernehmen. 10 Tage nach der Ausstrahlung dieser Demonstration war schon ein Regierungsvertreter da, um sich persönlich ein Bild von der Lage zu machen. Er war sehr beeindruckt was alles entstanden ist und hat versprochen, sich für die Bewohner von Alwar einzusetzen. Wieder einmal schöne Worte, hoffen wir, dass diesen auch Taten folgen.
Ansonsten bin ich mit der Führung der Station nach wie vor sehr zufrieden. Der Leiter engagiert sich sehr mit der Aufklärung der Frauen und geniesst das Vertrauen der Bevölkerung.

Bei den Patenkindern ist immer etwas in Bewegung, es können jetzt schon die ersten Schüler ihre Aufnahmeprüfungen ins Gymnasium machen und das ist natürlich eine Grundsatzentscheidung. Ist es dann wirklich möglich zu studieren, was nochmal eine grosse finanzielle Belastung für die Familien ist oder was für einen Beruf können die Kinder sonst lernen? Bei den Mädchen, die aus wirklich armen Familien kommen neige ich eher dazu ihnen eine gute Ausbildung zu ermöglichen, damit sie möglichst bald mithelfen können ihre Familien zu ernähren. Denn es ist immer noch so, dass die Mädchen ziemlich rasch heiraten sollen und auch wollen. Wenn sie dann nähen können oder Krankenschwester sind oder im Büro angelernt wurden, können sie auch als Mutter Teilzeit arbeiten. In Mbour gibt es die sogenannten Polytechnischen Schulen, die während 2-3 Jahren eine praktische Ausbildung, kombiniert mit Schule anbieten. Ein Mädchen wird ab nächstem Schuljahr dort nähen lernen. In Ndioum stehen da leider sehr viel weniger Möglichkeiten zur Verfügung, aber wir werden uns sicher um eine gute Lösung für alle Schüler bemühen.
Die Frauengruppen haben uns auch dieses Mal wieder herzlich empfangen und so ihre Dankbarkeit über den erhaltenen Kredit gezeigt. Wir waren als erstes in Mbettite, dem Dorf, das weitab im Busch liegt. Die Frauen müssen dort extrem hart arbeiten, es gibt keinen Strom und kein fliessendes Wasser. Von diesen Frauen kam schon vor 2 Jahren die Anfrage ob ich sie nicht unterstützen könnte beim Kauf einer Hirseschälmaschine. Jetzt haben sie ihre Anfrage wiederholt und ich habe mich intensiv mit diesem Thema auseinander gesetzt. Die Anschaffung einer Maschine ist schnell gemacht, aber es müssen viele Fragen geklärt werden bezüglich Standort, Verwaltung, Unterhalt, wie lange kann die Maschine über’s Jahr in Betrieb sein etc. Ich habe nun einen zuverlässigen Ansprechpartner gefunden, der aus dem Dorf ist und kurz vor der Pensionierung als Pfarrer steht. Ihm ist es ein grosses Anliegen, dass die Frauen in Mbettite sich weiter entwickeln können und entlastet werden. Er ist bereit die Frauen an der Hand zu nehmen und sie zu unterstützen wo sie Hilfe brauchen.
Daraufhin habe ich mich entschlossen den Frauen diese Hirseschälmaschine zu kaufen, die so teuer ist wie der Bau eines Klassenzimmers! Ich werde mit dem Pfarrer die Bedingungen festlegen, dass nur ein Teil der Summe geschenkt ist. Ein bestimmter Teil der Kaufsumme wird von mir als Kredit gegeben, der zurückbezahlt werden muss. Die Verhandlungen laufen und ich freue mich, dass ich neben dem Schulen bauen doch noch ein weiteres Frauenprojekt durchführen kann. Vielen Dank allen Spendern!
Während dieses Aufenthaltes wurden wieder sehr viele kleine Anfragen um Unterstützung an mich herangetragen. Letztes Jahr habe ich geschrieben, dass ich so einmalige Aktionen nicht mehr machen möchte, da ich mich sonst zu sehr verzettle. Doch ich merke, dass ich das so rigoros nicht durchhalten kann.
In Ndioum lebt ein Mädchen von 12 Jahren, das gesund geboren wurde, dann mit ein paar Monaten Hirnhautentzündung bekommen hat. Sie kann nicht gehen, krabbelt auf dem Boden, ihre Hände sind verkrüppelt und sie ist auch leicht geistig behindert. Ihre Eltern haben mich nun gebeten ob ich ihr nicht einen Rollstuhl kaufen könnte, denn demnächst ist es möglich, dass sie ihre Regel bekommt und dann sollte sie vom Boden weg sein. Wir haben die Familie besucht und meine Bekannten haben sich spontan entschlossen diesem Mädchen einen Rollstuhl zu kaufen. Er ist nun schon vor Ort, und die Kleine sitzt darin wie eine Königin! Das sind wunderbare Momente.
Eine weitere Anfrage, der ich gerne nachgehen möchte, ist die Anschaffung eines Fischerbootes für einen Berufsfischer in einem Nachbardorf von Alwar. Ich kenne den Fischer schon seit vielen Jahren, er verwöhnt mich immer mit guten Fischen aus dem Fluss wenn ich zu Besuch bin. Alle seine Vorfahren waren Fischer und er sagt, dass Fischerblut in seinen Adern fliesst. Jetzt ist sein Boot am Auseinanderbrechen und seine Existenz ist bedroht wenn er nicht mehr fischen kann. Er baut auch noch ein wenig Reis und Hirse an, aber nur zum Eigenbedarf. Da ich diesen Mann schätzen gelernt habe, möchte ich ihm gerne ein Boot kaufen. Ein gebrauchtes Boot kostet ca. EUR 550.- Manchmal erhalte ich Spenden, die ausdrücklich nicht in den allgemeinen „Topf“ Schulbauten fliessen sollen und ich denke, dass ich es im Laufe des Jahres schaffen werde dem Fischer sein Boot zu kaufen. So ist die Existenz einer ganzen Familie gesichert und sein Sohn kann auch wieder Fischer werden!

Alle anderen Anfragen lege ich im Moment beiseite und konzentriere mich auf meine Hauptaufgabe – das Collège in Ndioum weiter zu bauen!
Zum Abschluss meines Reiseberichtes möchte ich einen besonders herzlichen Dank an meine lieben Begleiterinnen aussprechen. Sie waren unkompliziert und haben Senegal so genommen wie es ist. Das Hotel war sehr einfach, senegalesisch geführt, dafür wunderschön gelegen, natürlich darf man da nicht heikel sein. Mit Humor und unserem Standardsatz: „es isch wie’s isch“ konnten wir alles recht locker nehmen.
Auch unsere vielen Fahrten in Autos, die wirklich nicht unserem Standard entsprechen, haben sie gut verkraftet, da die Chauffeure gut und sicher fahren – trotz z.T. chaotischen Strassenverhältnissen hatten wir unterwegs keine einzige kritische Situation.
Es hat mich besonders gefreut, dass auch sie die Menschen in „meinen“ Dörfern ins Herz geschlossen und gespürt haben was für eine gute Basis der Zusammenarbeit da ist. Die Herzlichkeit und Gastfreundschaft und Dankbarkeit ist überwältigend. Ich habe auch bemerkt wie wichtig es war, dass ich zeigen konnte, dass hinter mir Menschen stehen, die mich unterstützen, denen ich aber auch Rechenschaft ablegen muss über die Verwendung der Spendengelder.
Meine nächste Reise in den Senegal ist für Anfang November geplant, und dann kann ich sicher das 4. Klassenzimmer für das Collège in Ndioum einweihen und schauen wie die Hirseschälmaschine arbeitet.

Bis dahin habe ich noch viel vor, denn ich habe mir vorgenommen endlich einen Verein zu gründen, damit meine lieben Gönner auch steuerliche Vergünstigungen erhalten können.
An dieser Stelle möchte ich mich wieder bei der Gemeinde Sulzberg bedanken, die auch dieses Jahr ihre Suppentagkollekte für die Teranga Projekte gespendet hat (EUR 2‘800.-). Ebenfalls in Sulzberg hat Anfang Februar eine Mini-Playback-Show mit den Volksschülern stattgefunden. Ich war dort als Gast und habe vom Reingewinn EUR 500.- ebenfalls für die Teranga Projekte erhalten. DANKE!
Jetzt Anfang April findet im Gemeindesaal Eschen eine Ausstellung von Hermy Geissmann statt und der Erlös der verkauften Bilder kommt 3 humanitären Vereinen zugute. Unter anderem auch meinen Teranga Projekten. Dafür möchte ich Hermy ein herzliches Dankeschön sagen. Es war eine grosse Freude für uns diese Ausstellung zu organisieren. So kommt ein Stein zum anderen für eine bessere Zukunft vieler Kinder, auch im Senegal.

Ab jetzt könnt ihr gerne meine Homepage www.teranga.li besuchen, mit vielen Berichten und Bildern! Und nun hoffe ich, dass bald der Frühling Einzug hält und uns von aussen und innen erwärmt.
In diesem Sinne grüsse ich alle, die mit mir durch die Teranga Projekte verbunden sind ganz herzlich und wünsche allen einen schönen Sommer!

Ute Wild