Reisebericht April 2014

Liebe TERANGA Freunde

Gerne möchte ich euch heute von meiner Reise nach Senegal im Februar berichten. Dieses Mal hatte ich kein Mammut- Programm zu erledigen und konnte mir für vieles andere wieder einmal Zeit nehmen, was sonst dem Zeitdruck zum Opfer fällt. Gespräche mit vielen Menschen, denen es ein Bedürfnis ist, mir zu danken – neue Menschen kennen lernen – Eindrücke verarbeiten – über vieles nachdenken und so weiter. Dementsprechend war meine Reise sehr bereichernd, was mir wieder viel Kraft gibt für die neuen Aufgaben, die auf mich warten. Aber es war dieses Mal kalt im Senegal, speziell in Ndioum, und ich habe nachts sehr gefroren!!!

Ein wichtiger Programmpunkt meine Reise war der Besuch bei den Frauen in Mbettite, die im November die Hirseschälmaschine angeschafft haben. Ich wollte sehen wie sie funktioniert, wie die Verwaltung der Maschine organisiert ist, und es war auch schon die erste Rückzahlung des Kredits fällig. Als wir im Dorf eintrafen, konnte ich meinen Augen kaum trauen – von weitem hörten wir schon die Trommeln, die Frauen hatten ein Spalier gebildet und klatschen den Rhythmus, die jungen auf einer Seite in rosa, die älteren auf der anderen Seite in blau – es war sehr berührend. Ich kam in den Genuss, die typischen Tänze der Einwohner zu erleben, die nur an hohen Festen getanzt werden, das war ihr Dank an mich (uns). Als ich dann bei den Ansprachen hörte was für ein Einschnitt diese Maschine für das Leben der Frauen bedeutet, war ich sehr froh, dass wir die Anschaffung gewagt hatten. Die Frauen sind vorher nach der Hirseernte wochenlang um 3 Uhr nachts aufgestanden, um die Hirse zu stampfen (zum schälen), haben dann ab 9 Uhr ihre Familien versorgt und am nächsten Tag dasselbe. Nach einigen Wochen waren sie total entkräftet, doch das Leben musste ja weitergehen. Nun macht diese Arbeit die Maschine und sie verdienen noch etwas dabei, denn jedes Kilo, das geschält wird, muss bezahlt werden. Keine grossen Beträge, aber bei Tonnen von Hirse summiert sich das. Wenn das Dorf fertig ist mit dem Schälen, wird die Maschine an andere Dörfer vermietet. So verdienen die Frauen während mehrerer Monate recht gut. Fünf Männer halten die Maschine am Laufen, sie bekommen dann ein Gehalt und können bei ihren Familien im Dorf bleiben. Drei Personen sind für die korrekte Verwaltung der Einnahmen verantwortlich, sie kontrollieren sich gegenseitig. Ich war wirklich beeindruckt und habe dem Pfarrer, der die „Oberaufsicht“ hat, ein Kompliment gemacht. So hoffe ich, dass unser Geld gut eingesetzt ist. Die Frauen haben mir voll Stolz die erste Rate zurückbezahlt und immer wieder betont wie sehr sich ihr Leben nun verbessert hat. Als Geschenk bekam ich einen gewobenen Stoff, den nur diese Ethnie herstellt. Und beim nächsten Besuch werde ich erfahren was sie mit dem Verdienst der Maschine weiter investieren wollen.

Maschine in Aktion

Ich hatte mir vorgenommen, dass ich dieses Mal die Patenkinder, besonders die von Mathias, in ihren Schulen besuchen werde, um zu erfahren wie sie in der Schule sind. Sie sind auf 6 verschiedenen Schulen verteilt, 4 in Mbour und 2 etwa eine Stunde entfernt, und die Lehrer sind zum Teil sehr kompliziert ( erst zum Direktor, dann zum
Stellvertreter, dann zum Klassenlehrer), manche wollten vor Ende der letzten Prüfungen gar keine Auskunft geben! Drei Schüler sind in der letzten Klasse der Realschule und wir müssen überlegen wer weiter zur Schule gehen kann oder wer besser eine praktische Ausbildung machen will. Leider gibt es im Senegal keine Lehre wie bei uns. Malick klärt im Moment ab, was es für Möglichkeiten, besonders in Mbour, gibt. Leider musste ich feststellen, dass nur 2 Schüler wirklich gut sind, die anderen brauchen Nachhilfe, um überhaupt das Klassenziel zu erreichen. Das sah letztes Jahr noch besser aus, doch auch im Senegal wird der Schulstoff jedes Jahr anspruchsvoller. In Ndioum haben wir das Glück, dass wir dort fast ausschliesslich sehr gute Schülerinnen haben, die ich gerne alle bis zur Matura gehen lassen möchte. Nur ein Schüler braucht Nachhilfe, er hat aber auch noch ein Jahr Zeit zum Aufholen. Dort ist die Kontrolle für mich sehr viel einfacher. Alle Kinder sind im gleichen Ort und Samba, der die Patenschaften verwaltet, ist Lehrer.

Von den drei Mädchen, die letztes Jahr auf der privaten Nähschule in Mbour angefangen haben, ist leider eine so krank geworden, dass die nicht zur Schule gehen konnte. Wir haben nun einen guten Arzt ausfindig gemacht und ich hoffe, dass der ihr helfen kann. Der Vater hatte schon viel Geld ausgegeben, aber viele Aezte im Senegal sind leider nicht seriös, sie wollen nur Geld verdienen. Ich hoffe, dass sie nächstes Schuljahr weitermachen kann, sie wünscht es sich so sehr.

Mathias ist in ärztlicher Behandlung wegen seiner Augen, die definitiv geschädigt sind. Doch er behauptet, dass es ihm viel besser geht, was ich mir nicht so recht erklären kann. Da sieht man was der psychologische Faktor ausmacht. Er will die Patenschaften unbedingt weiter verwalten. Den Wunsch erfülle ich ihm, dann sehen wir nächstes Jahr weiter.

In Halwar war ich verhältnismässig kurz, denn es wehte ein so heftiger Sandsturm, dass ich nach kurzer Zeit das Gefühl hatte den Sand überall zu spüren und trotz Brille konnte ich kaum mehr was sehen. Also Programm durchziehen und nach Ndioum zurück! Die Lehrer waren überglücklich, dass sie nun für alle Schüler Schulbücher kaufen konnten und bedanken sich ganz herzlich bei dem Spenderehepaar.

Mit der Führung der Gesundheitsstation bin ich nach wie vor sehr zufrieden. Die Bücher sind gut geführt und die Konsultationen nehmen zu, verglichen mit dem letzten Jahr. Ich
hoffe nun, dass wir auch einen guten Nachfolger finden, der vom jetzigen Leiter eingearbeitet werden sollte. Leider ist der Behördenweg zur staatlichen Anerkennung nicht so schnell zu nehmen. Die Anerkennung ist erst auf regionaler Ebene erfolgt, jetzt muss das Gesuch zum MInisterium nach Dakar – da heisst es Geduld haben. Also werden wir auch den neuen Leiter bezahlen müssen. Das ist aber kein grosses Problem, die Hauptsache ist, dass er gut ist und von den Patienten angenommen wird. Im Moment schaue ich positiv in die Zukunft. Und im November wird unser jetziger Leiter nochmal die Schulbank drücken und versuchen, sein Diplom nachzuholen.

In Ndioum war ich natürlich gespannt wie beim Collège unsere zwei neu gebauten Klassenzimmer aussehen, nachdem ich letztes Mal ja nicht so zufrieden war mit der Ausführung. Wir haben den Maurer gewechselt und das Ergebnis war zufriedenstellend. Die Schüler hatten sogar auf dem Schulhof den Abfall weitgehend beseitigt, damit ich ja einen guten Eindruck bekomme! Es fehlen nun noch diverse kleine Details, damit wirklich alles gut aussieht, aber das kriegen wir schon hin. Malick weiss nun worauf es mir ankommt und bis November wird alles gerichtet sein – inschallah! Ich hatte wieder Gelegenheit mit dem Minister und dem Bürgermeister zu sprechen, beide danken für unser Engagement, das sie nicht als selbstverständlich nehmen. Ich bin zuversichtlich, dass der Staat eines Tages an dieser Schule weitere
Klassenzimmer bauen wird. Beeindruckt hat mich auch dieses Mal wieder die Dynamik der Lehrer und Schüler wenn es um ihre Schule geht – sie wollen bei den Prüfungen besser sein als das schon lang bestehende Collège!

Die kleine kranke Olel bekommt nun eine eigene Toilette und Dusche, dank mehrerer Spenden ist dies finanziert. Der Bau ist schon fast fertig! Beim Besuch der Familie war ich wieder sehr berührt. Sie schlafen zu siebt in einem Raum, gekocht und gelebt wird im Freien. Olel geht es dank der Medikamente recht gut, sie sieht richtig glücklich aus. Nun kann sie in eine Schule ganz in der Nähe gehen, die letztes Jahr angefangen hat, aber nur aus provisorischen Klassenzimmern besteht. Die Kleinen leiden sehr unter der Hitze. Dort möchte ich gerne weiterbauen wenn unser Collège fertig ist.

Eine weitere Bitte um Unterstützung kam dieses Mal aus einem Dorf, das sehr weit von Ndioum entfernt ist. Ich dachte immer, dass Alwar schwer zu erreichen ist, aber dieses Dorf Kopé ist doppelt so weit entfernt von Ndioum und auch nur über 2 Flüsse zu erreichen. Es liegt direkt am Senegalfluss, am anderen Ufer ist Mauretanien. Ich wollte das Dorf kennen lernen, um mir ein Bild machen zu können warum ein Boot für das Dorf so wichtig ist. Schon die Reise dorthin war abenteuerlich! 1 1/2 Stunden Sandpiste im Nirgendwo, auf dem ganzen Weg 2 Dörfer! Und dann ein recht grosses Dorf, sehr sauber, hat mich an Alwar erinnert. Man kann nur die Dinge kaufen, die man jeden Tag zum Kochen braucht, alles andere nur auf dem Markt in Ndioum, dort fahren sie jeden Montag hin. Wenn sie aber nach Mauretanien gehen, haben sie in 4 km Entfernung ein grosses Dorf, in dem sie alles kaufen können, und sehr viel billiger. Das ermöglicht ihnen auch Handel zu treiben und so etwas Geld zu verdienen. Eine grosse Delegation von Dorfbewohnern hat mich empfangen, einen Rundgang durch’s Dorf mit mir gemacht und mir sehr eindrücklich ihre Situation erklärt. Vor 5 Jahren ist ihr altes Boot kaputt gegangen und sie finden keine Geldgeber für ein neues Boot. Die Situation ist echt sehr schwierig. Wir haben nun beschlossen, dass sie ein Boot bekommen, am besten vor der Regenzeit, denn dann kommen sie manchmal nicht mal mehr nach Ndioum.

Während dieses Aufenthaltes habe ich die Dankbarkeit der Bevölkerung im Norden und auch in Mbettite sehr stark gespürt. Wo ich auch hinkam, ich hörte überall: “Merci, Madame Ute, das was Sie für unsere Kinder und für uns tun wird niemals vergessen werden! Wir beten für Sie und alle, die Ihnen helfen!“

Diesem Dank möchte ich mich heute anschliessen und an euch alle weiter geben. Wir sind auf einem guten Weg und haben in den letzten Jahren zusammen viel erreicht – eure Unterstützung macht mich stark. Und das kann ich auch im Namen von Malick sagen. Vielleicht bekommt er ein Visum für August, dann könntet ihr ihn kennen lernen!

Einen schönen Sommer wünsche ich euch allen mit einem herzlichen Vergelt’s Gott und danke für euer Vertrauen

Ute Wild