Jahresbericht 2014

Liebe Freunde der TERANGA Projekte im Senegal,

schon wieder liegt ein ereignisreiches Jahr hinter uns. Wie jedes Jahr  ist es mir besonders wichtig, dass ich allen meinen lieben Gönnern mit dieser Zusammenfassung unserer Aktivitäten DANKE sagen kann für das Vertrauen und die regelmässige Unterstützung unserer Projekte. Es ist immer wieder eindrücklich wie viele Menschen es gibt, die ein offenes Herz haben und sich berühren lassen von der Not anderer Menschen. Es gibt so viel Armut und Not auf dieser Welt und viele Menschen, die sich rund um den Erdball für bessere Lebensbedingungen engagieren und dabei viel Unterstützung erhalten. Mein Platz ist nun seit 8 Jahren im Senegal und ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass sich die Lebensbedingungen der Menschen in der Region Ndioum und Mbettite wesentlich verbessert haben dank unserer Hilfe.  Wir können die grundlegenden Probleme in Senegal nicht verbessern, das müssen die Menschen selbst tun. Aber wir können ihnen Hoffnung bringen, ihnen bessere Infrastrukturen zur Verfügung stellen und sie ermutigen ihre Kinder zur Schule zu schicken. Unsere Idee, dass wir uns stark machen für Gesundheit, Bildung und Frauenförderung, hat sich bewährt. Die Menschen sind mir ans Herz gewachsen, und dank unserem Projektleiter Malick Gueye erhalte ich immer Einblick in die aktuellen Probleme der Bevölkerung und wo unsere Hilfe besonders nötig ist.

Das Jahr 2014 war so ereignisreich, dass es mir schwerfällt  alles in Worte zu fassen.  Zuerst möchte ich euch gerne den aktuellen Stand aller Projekte mitteilen wie wir sie bei unserem Besuch im November angetroffen haben. Dieser Aufenthalt  war für mich etwas ganz Besonderes, denn ich wurde von vier Personen begleitet. Meinem Mann, den zwei Frauen, die letztes Jahr schon mit im Senegal waren, und dem Zahnarzt Niels Hörnö, der mich seit vielen Jahren unterstützt. In Zukunft möchte er gerne in Alwar und Ndioum  zahnmedizinische Hilfe anbieten, denn der Bedarf hierfür ist sehr gross. Die Menschen haben ihn sofort ins Herz geschlossen (und er sie auch) und hoffen, dass er bald wieder kommt. Es gibt zwar einen Zahnarzt in Ndioum, aber sonst im Umkreis von 100 km keinen.

Patenkinder: Die Patenkinder in Ndioum sind eine grosse Freude für mich. Alle haben die Prüfungen in die nächsten Klassen bestanden und 2 weitere Mädchen sind nun im Gymnasium und werden in 3 Jahren die Matura machen. Alle sind gute Schülerinnen, was mich natürlich sehr freut.

Die Kinder in Mbour und Mbettite sind leider nicht so erfolgreich. 2 Kinder haben mit der Schule aufgehört (eine wegen Krankheit und die andere weil sie schon 2x wiederholt hat) und 2 andere müssen wiederholen, um wenigstens einen Realschulabschluss zu haben. Mit den Ausbildungsplätzen sieht es  leider nicht gut aus für diese Kinder. Sie wissen nicht was sie wollen und die Eltern sind überfordert. So müssen wir uns damit zufrieden geben, dass wir diesen Kindern ermöglicht haben, dass sie 8 Jahre zur Schule gehen konnten. Sie werden ihren Weg auf senegalesische Art gehen, wahrscheinlich als Bauern oder bei einem Handwerker angelernt werden. Doch sie sind keine Analphabeten mehr und  durch den Schulbesuch wurde ihr Horizont wesentlich erweitert. Die guten Schüler werden wir sicher weiter fördern. Mathias hat einen kleinen Schlaganfall erlitten kurz vor meiner Ankunft, zu hoher Blutdruck. Er hat Mühe mit dem Gehen und ist nun in Therapie. Aber er ist ganz optimistisch und hat die Verwaltung der Patenkinder für dieses Schuljahr gut angefangen.

Frauengruppe Mbettite: Anfang November war die nächste Rate zur Rückzahlung ihres Kredites für die Hirseschälmaschine fällig. Mit meinen Freunden waren wir in Mbettite und wurden wieder  herzlich mit Trommeln empfangen. Wir haben die Maschine gesehen, die schon ein wenig gelitten hat im ersten Jahr ihres Einsatzes, aber doch gut gewartet wird von den verantwortlichen Männern. Die Frauen verwalten das Geld gewissenhaft und haben guten Gewinn gemacht. Aus diesem Grund haben sie mir doppelt so viel zurückbezahlt wie geplant. Ihre Begründung war, dass die diesjährige Hirseernte nicht so gut war und sie nicht wissen wie gut sie mit der Maschine verdienen werden. Im nächsten Jahr ist dann nur noch eine kleine Rate fällig. Dann gehört die Maschine ihnen. Wir waren beeindruckt von den Frauen! Ihr Leben hat sich sehr verbessert seit sie die Maschine haben, denn sie habe nun ein Einkommen, mit dem sie den Schulbesuch ihrer Kinder bezahlen und zur Ernährung der Familie beitragen können.  Auch ist immer etwas Geld auf der Seite wenn jemand krank wird. Das sind oft ganz schlimme Geschichten, denn ein Arzt will zuerst Geld sehen ehe er behandelt. Gerne gehe ich nächstes Jahr im November wieder zu den Frauen!

Gesundheitsstation Halwar: Seit September haben wir eine neue staatlich geprüfte Leiterin für unsere Station. Sie kommt aus der Gegend und es ist ihre erste Stelle. Der  Vorgänger hat sie gut eingearbeitet und sie will die Station im gleichen Sinn weiterführen. Von allen Seiten habe ich gehört, dass sie gut angenommen wird von den Patienten. Wenn ich im Februar wieder dort bin werde ich mir noch ein genaueres Bild machen können. Im Laufe des nächsten Jahres hoffe ich dann, dass die Station ganz vom Staat übernommen wird. Wir haben mit dem LED ein Gesuch um staatliche Anerkennung an die Gesundheitsministerin geschrieben, und die Dorfbewohner ebenfalls. Die Ministerin hat daraufhin sofort bei unserem med. Leiter angerufen und ihm mitgeteilt, dass sie diesen Antrag unterstützen wird und die Anerkennung bestätigt. Doch bis dann der bürokratische Ablauf abgeschlossen ist, kann es noch dauern! Aber der erste Schritt ist getan. Ich bin dankbar für die Unterstützung des LED, der den Bau finanziert hat, und für die Mithilfe der Dorfbewohner.

Collège Ndioum: Unser Projekt der letzten 2 Jahre ist nun abgeschlossen! Wir konnten 9 Klassenzimmer für 750 Schüler bauen sowie 5 Toiletten und ein Büro. 3 Klassenzimmer sind noch im Bau, finanziert von den Eltern und der Gemeinde. Wir waren im November zu der offiziellen Einweihung eingeladen, zu der mehrere offizielle Vertreter des Departements und den Schulen eingeladen waren, sowie Elternvertreter und natürlich viele Schüler! Das Fest hat nicht im Schulgelände stattgefunden, sondern am Ufer des Flusses. Dort wurden wir von Reitern begrüsst und feierlich zum Festplatz geleitet. Gerade als wir anfangen wollten, gab es einen Stromausfall (kein Lautsprecher, kein Mikrophon), was im Senegal an der Tagesordnung ist, deswegen hat sich das ganze Programm in die Länge gezogen. Aber wir wurden dann entschädigt mit vielen traditionellen Darbietungen, z.B. einem „Tanz der Fischerboote“ auf dem Fluss, tanzenden Pferden und viele traditionellen Gesängen und den alten Musikinstrumenten. Wie immer wurden viele Ansprachen gehalten, in denen vom Samenkorn gesprochen wurde, das wir gepflanzt haben und wir nun schon sehen können wie die Pflanze wächst. Alle Beteiligten werden sich bemühen, dass diese Pflanzen dann auch Früchte tragen. Unser Engagement wurde als sehr aussergewöhnlich bezeichnet und die Dankbarkeit ist unbeschreiblich gross, das habe ich ja schon im letzten Reisebericht geschrieben. Reich beschenkt und mit vielen Eindrücken ging dieser Tag mit fröhlichem Tanzen zu Ende.

Dorf Kopé: Ueber dieses Dorf habe ich im letzten Bericht Näheres geschrieben. Die Bewohner brauchten unbedingt ein neues Boot, das wir dieses Jahr gekauft haben. Es wurde von der Gemeinde Mauren finanziert – DANKE. Natürlich wollten wir dieses Boot sehen, und ich wollte auch eine kleine Ausfahrt auf dem Senegal-Fluss darin machen. Zunächst war ich enttäuscht wie klein es ist, aber die Bewohner haben es gekauft und sind sehr zufrieden und dankbar. Auch ihr Leben hat sich wesentlich verbessert durch diese Anschaffung. Der Empfang im Dorf war überaus herzlich, mit Trommeln auf umgestülpten Blechschüsseln und Tanzen und Singen. Als Geschenk bekam ich von der Präsidentin der Frauengruppe ein selbst besticktes Tuch – ein wahres Kunstwerk! Die Bewohner von Kopé haben nun an uns eine offizielle Bitte um Unterstützung für den Bau einer kleinen Gesundheitsstation vorgebracht. Wir haben gesehen, dass es im Dorf nur ein kleines Lehmhaus mit einem Raum gibt, ohne Inventar, in dem die Impfungen durchgeführt werden. Eine junge Hebamme hilft den Frauen bei den Entbindungen, die zu Hause stattfinden. Für eine medizinische Behandlung müssen die Leute nach Ndioum gebracht werden. Gerne würden wir dort helfen, vor allem nachdem ich gehört habe, dass es einen staatlich geprüften Krankenpfleger gibt, der gerne in sein Dorf Kopé zurückkehren würde. Es fehlt im Moment „nur“ das Haus, in dem er arbeiten kann. Ich bin dabei verschiedene Dinge abzuklären und würde mich freuen, wenn wir dieses Projekt durchführen könnten.

Kind Olel: Der kleinen Olel haben wir eine Toilette/Dusche gebaut und die ganze Familie ist glücklich darüber und sehr dankbar. Die Familie ist sehr arm, aber bei unserem Besuch waren wir beeindruckt wie sauber alles ist. Wir konnten ihnen schöne T’Shirts und Sweatshirts schenken, die der Switcher Shop in Schaan gesponsert hat. Dank unseren Medikamenten ist die kleine Olel meistens schmerzfrei und kann nach wie vor zur Schule gehen.

Neues Projekt: Im letzten Brief habe ich geschrieben, dass wir als neues Projekt die Schule von Olel ausbauen wollen. Inzwischen hat sich für diese Schule ein anderer Sponsor gefunden. Wir bauen nun im Quartier, in dem unser Projektleiter wohnt, 2 neue Klassenzimmer für die aus 10 Klassen bestehende Primarschule. Dort gibt es seit 3 Jahren zwei  provisorische Klassenzimmer. 2011 habe ich schon eine Anfrage deswegen erhalten, doch zu dem Zeitpunkt war der Bau des Collège wichtiger.  Wir haben im September mit dem Bau eines Klassenzimmers angefangen, das bei unserem Besuch gerade verputzt wurde. Am Vaduzer Weihnachtsmarkt verkauft „Garndrang“ selbstgestrickte Mützen für den Bau des 2. Klassenzimmers. Der Direktor der Schule und ein paar Lehrer haben uns ihre Schule gezeigt und dabei auch erwähnt, dass diese Schule zu den besten Primarschulen des Departements gehört. Sie haben erreicht, dass meistens 100% der Schüler den Uebertritt in die Realschule schaffen. Das ist im Senegal aussergewöhnlich und nur dank einem engagierten Lehrerteam  möglich. Diese Schule hat es verdient, dass wir den Kindern bessere Bedingungen für einen geregelten Unterricht ermöglichen. Beim Rundgang haben wir zwei Klassenzimmer gesehen, die zwar seit 3 Jahren gebaut sind, aber noch keinen Betonboden haben. Sie wurden von den Eltern finanziert und in Eigenleistung gebaut. Die Kinder leiden sehr unter dem Staub und die Lehrerin ist viel krank deswegen. Wir werden in den Weihnachtsferien den Boden betonieren.

Doch neben den erfolgreichen Projekten im Senegal gibt es auch noch sehr Erfreuliches aus Liechtenstein zu berichten. Dank der Vereinsgründung konnten wir am LGT Award mitmachen, der dieses Jahr ausgeschrieben war. Der ganze Ablauf war recht aufwändig, denn es mussten Fragebögen beantwortet werden, eine Dokumentationsmappe präsentiert werden und nach einem Ausschlussverfahren durften wir unsere Projekte am Schluss noch persönlich vorstellen. Der LGT Award wurde dann ans Hilfswerk Liechtenstein vergeben, die Frauen haben diese Anerkennung wirklich verdient. Doch TERANGA Senegal gehörte zu den 3 Vereinen, die sich persönlich vorstellen durften, und wir haben als Anerkennung für unser Engagement im Senegal ein Klassenzimmer von der LGT finanziert bekommen – dafür sagen wir herzlichen Dank!

Ein weiterer Höhepunkt war dieses Jahr der Besuch von unserem Projektleiter Malick Gueye in Liechtenstein. Es war nicht einfach das Visum zu bekommen, aber der Aufwand hat sich gelohnt. Malick war es wichtig hier möglichst vielen treuen Spendern zu danken. Und für uns war es wichtig, dass die Spender den wichtigsten Mann für unsere Projekte persönlich kennenlernen konnten, dafür haben wir einen kleinen Apéro im Pfadiheim in Mauren organisiert, waren im SZU, in der Primarschule Mauren und auch im Sulzberg. Alle Begegnungen waren sehr eindrücklich und klingen noch heute bei Malick nach. Er war natürlich sehr beeindruckt von unserm Standard und es wurde ihm sehr bewusst wieviel Senegal aufholen muss. In den Schulen hat er gemeint, dass ein Schüler, der so viel geboten bekommt, doch einfach erfolgreich sein muss im Leben. Wir wissen, dass es nicht unbedingt so ist. Neben vielen kleinen Ausflügen in unsere schöne Bergwelt konnten wir auch das Fürstenfest geniessen und sogar ein paar Worte mit I.K.H. Sophie von Liechtenstein wechseln. Von allen Seiten reich beschenkt ist er nach 3 Wochen mit vielen Eindrücken von einer anderen Welt wieder nach Hause gereist.

Kurz nach der Abreise von Malick haben mich die jungen Leute von „Garndrang „ kontaktiert (sie haben in der Zeitung von uns gelesen) ob wir ein Projekt für nächstes Jahr haben. Sie würden gerne ihre selbstgestrickten und gehäkelten Mützen am Vaduzer Weihnachtsmarkt für ein gezieltes Projekt verkaufen. Da wir gerade die Primarschule in Ndioum ausbauen wollen, hat das natürlich wunderbar gepasst. Wir haben uns getroffen und waren uns sympathisch – jetzt ist jede verkaufte Mütze ein Stein für ein Klassenzimmer! Sicher werdet ihr nach Weihnachten in den Zeitungen lesen können ob wir ein Klassenzimmer finanzieren konnten. Herzlichen Dank an „Garndrang“!

So wird dieses Jahr sehr erfreulich abgeschlossen. Ich bin voll Dankbarkeit für alle wunderbaren Begegnungen, alle Geld- und Sachspenden und blicke voll Zuversicht ins Neue Jahr. Am 21. Februar geht es schon wieder nach Senegal, die Jahresabrechnung muss gemacht werden und vielleicht können wir schon das neue Klassenzimmer einweihen.

Euch allen wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für das Neue Jahr,  verbunden mit meinem aufrichtigen Dank für eure Unterstützung, ohne die gar nichts möglich wäre. Euer Vertrauen gibt mir Kraft und ist ein grosses Geschenk für mich.

Mit herzlichen Grüssen

Ute Wild

  Wir können keine grossen Dinge tun – nur kleine, aber die mit grosser Liebe

                                                                                                                 (Mutter Theresa)