Reisebericht März 2015

Liebe Freunde der TERANGA Projekte

Seit meinem letzten Brief an euch sind erst 3 Monate vergangen, aber es hat sich schon wieder so viel ereignet, dass es bestimmt wieder ein langer Brief wird! Es ist mir wichtig, dass ich meine lieben Gönner immer auf dem Laufenden halte über den Verlauf der Projekte, denn nur so ist auch die Transparenz gegeben, die uns so wichtig ist. Und natürlich möchte ich euch auch teilhaben lassen an der Freude und Dankbarkeit der lieben Menschen im Senegal, die mir inzwischen so ans Herz gewachsen sind. Es kommen durch den Bau von neuen Klassenzimmern immer mehr Kinder in den Genuss eines geregelten, stressfreien Unterrichts, die erste Grundlage für eine bessere Bildung. Ich habe dieses Mal am eigenen Leib erlebt was es heisst bei Sandsturm unterwegs zu sein und in einem Schilfmattenprovisorium unterrichtet zu werden. Der Wind kommt wie bei uns der Föhn in Böen und mit unglaublicher Heftigkeit. Und er bringt Tonnen von Sand mit, man sieht keine 50 m weit, und der Sand ist überall! Die feinen Sandkörner sind wie Nadelstiche und sogar in den Häusern ist alles dick mit einer Sandschicht überzogen. So extrem habe ich das zum ersten Mal erlebt. Aber mir wurde gesagt, dass es besonders in der heissen Zeit viele solcher Stürme gibt. Wie gut geht es uns doch mit unserem gemässigten Klima!

Ehe ich mit dem Bericht der Projekte anfange, möchte ich der Gruppe „Garndrang“, die am Vaduzer Weihnachtsmarkt Mützen für den Bau eines Klassenzimmers verkauft haben, ganz herzlich danken für ihren grossartigen Einsatz. Es ist unglaublich, dass man mit dem Verkauf von Mützen CHF 14‘600 verdienen kann! Das Ergebnis hat alle unsere Erwartungen übertroffen, und wir konnten mit diesem Geld 2 Klassenzimmer bauen und 25 Schulmöbel anfertigen lassen. Bei meinem Besuch waren 2 Klassenzimmer bis auf den Verputz fertig und Lehrer und Schüler konnten ihr Glück kaum fassen. Ein Klassenzimmer wurde an der Primarschule gebaut, von der ich im Jahresbericht geschrieben habe. Es war fertig, konnte aber nicht benutzt werden, da nicht genügend Schulmöbel vorhanden waren. Aus diesem Grund liessen wir mit dem Restgeld die Schulmöbel anfertigen, sie sind jetzt schon ausgeliefert. Ich hatte geschrieben, dass in zwei Klassenzimmern noch die Fussböden fehlen. Auch die sind wie verabredet in den Weihnachtsferien gemacht worden. Nun ist die Schule fertig, wir haben sie bei Sandsturm besucht, an ein Fest war gar nicht zu denken. Aber wir haben uns lange mit den Lehrern unterhalten und den Kindern Kulis verteilt.

Das zweite Klassenzimmer, das von „Garndrang“ finanziert wurde, haben wir nun doch an der Primarschule von der kleinen Olel gebaut. Die Leute, die den Bau von 3 Klassenzimmern versprochen hatten, sind abgereist ohne zu sagen wie es nun weitergeht. Die Lehrer und Schüler waren total demoralisiert. So hat es uns gefreut, dass wir ihnen in ihrer Notlage 1 Klassenzimmer bauen konnten. Wir waren auch dort bei Sandsturm in den Provisorien und haben Kulis verteilt, wahre Schätze für die Kinder. Bei Windböen weht es einem fast die Hefte vom Tisch, das war eine ganz wichtige Erfahrung für mich! So versteht man die Bedürfnisse der Menschen noch besser. Nach meiner Rückkehr bekam ich dann von Malick mitgeteilt, dass die Leute, die der Schule 3 Klassenzimmer  versprochen hatten, zurückgekommen sind und mit dem Fundament angefangen haben! Im ersten Moment war ich etwas schockiert, denn das war ja nun unser Projekt. Aber nun freue ich mich für die Schule, dass alle provisorischen Klassenzimmer ganz schnell ersetzt werden können.

Natürlich haben wir auch unser abgeschlossenes Projekt, das Collège, besucht. Inzwischen haben sich die Schülerzahlen nochmals erhöht auf 800 Schüler mit 15 Klassen und 21 Lehrern. Somit sind die gebauten Klassenzimmer schon nicht mehr ausreichend. Auch bei diesem Besuch herrschte ein enormer Sandsturm, ich konnte so die einzelnen Klassen nicht besuchen. Doch mit dem Lehrerkollegium hatten wir ein sehr informatives Treffen und gaben dem Direktor T’Shirts für die 2 besten Schüler aus jeder Klasse als Belohnung. Der Geist der Schule ist nach wie vor sehr gut. Doch leider wird von den Gewerkschaften im Moment wieder sehr oft zum Streik aufgerufen. Die Arbeitsbedingungen für Lehrer sind einfach sehr schlecht, nicht genügend Klassenzimmer, zu wenig Schulmaterial, unregelmässige Entlöhnung. Hoffentlich kommt der Staat seiner Verpflichtung nach, sonst gibt es bald auch zu wenig Lehrer und der Unterricht kommt zu kurz. Am Ende des Schuljahres finden immer die staatlichen Prüfungen statt und dann sind die Schüler noch nicht so weit mit ihrem Stoff. Also müssen sie noch 4 Wochen länger zur Schule gehen, bei der grössten Hitze, um Nachprüfungen zu machen.

Unser nächstes Projekt wird  der Ausbau der Dorfschule von Doubangué, 12 km von Ndioum entfernt, sein. Der Direktor kam Ende letzten Jahres zu Malick und hat um Hilfe gebeten. Die Schule hat im Moment 2 Klassenzimmer, benötigt aber fünf! Sie haben keine Provisorien, sondern dürfen zeitweise die Räume von der Koranschule, die nicht weit entfernt ist, benutzen. An einen geregelten Unterricht ist so nicht zu denken. Ich habe im März dieses Dorf besucht, die Schule angeschaut und mit dem Präsidenten der Elternvereinigung geredet. Doubangué ist ein kleines, sehr armes Dorf und macht einen sehr sympathischen Eindruck. Die Frauen haben Gemeinschaftsgärten, dort habe ich sie besucht und gesehen wie sie jeden Abend ihre Beete bewässern. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr noch mit dem Bau eines Klassenzimmers beginnen können. Doch natürlich brauchen wir dafür Geld. Deswegen möchte ich in diesem Brief alle ansprechen, die Beziehungen zu Vereinen haben oder jemand wissen, der gerne Schulprojekte unterstützt. Gerne würden wir Aktionen für die Schule von Doubangué durchführen und über die Aktivitäten unseres Vereins berichten.

Sehr eindrucksvoll war auch dieses Mal wieder unser Besuch in Alwar. Die Dorfbewohner empfangen uns jedes Mal mit einem kleinen Spalier und die Schulkinder singen. Sie lassen es sich nicht nehmen immer wieder auf die Bedeutung unserer Hilfe hinzuweisen. Dieses Mal haben sie besonders die gute Zusammenarbeit mit Malick betont, der ihre Anliegen immer ernst nimmt und an mich weiterleitet. Alwar ist nun nicht mehr so ganz von der Welt abgeschnitten, da es über beide Flüsse inzwischen Brücken gibt und die holprige Sandstrasse wurde gerade asphaltiert als ich dort hinfuhr. Das ist ein grosser Fortschritt für die Bewohner und erleichtert das Leben enorm. An der Schule sind jetzt 2 weitere Lehrer angestellt, ein gutes Team! Auch hier haben wir Kulis und Farbstifte verteilt.

Unser kleiner Gesundheitsposten hat nun die staatliche Anerkennung, aber bis er dann endgültig ein Poste de Santé d’Etat wird, das kann noch dauern – wie ich ja schon im letzten Brief geschrieben habe. Seit 6 Jahren funktioniert dieser Posten nun sehr gut, und so war es mir sehr wichtig, mit den Verantwortlichen eine kleine Evaluation zu machen. Der Posten wurde gebaut, um die Säuglings – und Müttersterblichkeit bei Geburten zu reduzieren und eine generelle medizinische Grundversorgung für 6 Dörfer zu gewährleisten. Seit dem Bau des Postens gab es keine gravierenden Probleme mehr bei Geburten. Die Zahl der Patienten ist konstant steigend, was heisst, dass der Posten gut angenommen wird. Die Frauen kommen viel regelmässiger zu den Vorsorgeuntersuchungen und gebären in der Station. Wir haben als Belohnung und Anreiz ein Geschenkpaket für die Mütter zusammengestellt. Wenn sie vor und nach der Geburt regelmässig zu den Kontrollen kommen, erhalten sie 1 Moskitonetz, 1 Handtuch und eine Seife. Wir haben 40 solche Pakete deponiert, die Frauen waren sehr zufrieden! Für mich war es interessant, dass die Malariafälle sehr rückläufig sind. Bestimmt ist das auf den Gebrauch von Moskitonetzen zurückzuführen. Die meisten Erkrankungen sind Durchfälle, Fieber und Erschöpfung. Auch gibt es doch recht viele unterernährte Kinder, die dann in ein Hilfsprogramm einer französischen Organisation im Gesundheitsposten in Ndioum aufgenommen werden. Für eine Untersuchung müssen die Leute 50 Cent bezahlen und die Medikamente kosten fast nichts. Malariamedikamente und auch die „Pille“ sind gratis. In regelmässigen Abständen werden die Grundimpfungen an allen Kindern durchgeführt, sie sind auch gratis. Doch was wirklich bedenklich ist, ist die Tatsache, dass das Medikamentenbudget für einen kleinen Posten wie Alwar nur € 100/Jahr beträgt! Das reicht bei weitem nicht für eine gute Versorgung, deswegen sind sie auf Hilfe von aussen angewiesen. Als staatlicher Posten ist das Budget bei € 1‘500. Mit dieser Summe können die Patienten dann wesentlich besser versorgt werden.

Unsere neue Leiterin wird sehr geschätzt bei der Bevölkerung und sie sagte mir auch, dass sie sich sehr wohl fühlt in Alwar, da die Zusammenarbeit mit dem Dorfchef und der Gesundheitskommission sehr gut sei. Sehr erstaunt war ich dann, als mir nach meiner Rückkehr gesagt wurde, dass sie den Posten per sofort verlassen wird, da sie ein Angebot von einem staatlichen Posten bekommen hat. Wir haben interveniert und der Chefmediziner des Departements hat ihr nahegelegt, wieder nach Alwar zurückzukehren. Malick und Saidou, ihr direkter Chef vom Posten in Ndioum, haben ihr klar gemacht, dass so ein Verhalten nicht akzeptabel ist. Sie versprach, dass sie in Alwar bleiben wird. Aber im Senegal kann man auf so Aussagen nicht vertrauen und Verträge nützen da gar nichts, da es fraglich ist ob man sich an sie hält. Mein Vertrauen in sie ist etwas erschüttert! Schade.

Nach meiner Rückkehr habe ich von Saidou Sall, dem Leiter des Gesundheitspostens in Ndioum, eine Anfrage erhalten. In seiner Station gibt es ein Programm für unterernährte Kinder, das ich oben erwähnt habe. Die Mütter und Kinder sind den ganzen Tag dort und erhalten Essen und auch Aufklärung über gesundeErnährung. In der heissen Jahreszeit benötigen sie eine offene Hütte als Schattenspender. Nun ist die alte Hütte baufällig gewesen und es war für uns klar, dass wir gerne eine neue finanzieren. Sie ist bereits fertig, denn nun hat es schon wieder zwischen 40 und 45°.

Und dann habe ich noch eine gute Nachricht im Voraus. Zahnarzt Niels Hörnö wird im Februar 2016 mit seiner Schwester, die auch Zahnärztin ist, nach Alwar und Ndioum kommen, um Zahnbehandlungen zu machen. Die Leute erwarten ihn schon sehnsüchtig! Beim letzten Besuch beschränkte er sich ja auf die Prophylaxe bei den Schulkindern und hat Zahnbürsten verteilt, doch bis zu einer regelmässigen Zahnhygiene ist noch ein weiter Weg.

Die Bewohner von Kopé, die angefragt hatten wegen eines Gesundheitspostens, haben sich nicht mehr bei mir gemeldet. Der Krankenpfleger, der wieder zurück ins Dorf kommen wollte, hat es sich anders überlegt. Ich habe ihnen angeboten, dass unser Verein gerne einen kleinen Gesundheitsposten in Kopé bauen würde. Aber nur wenn sie einen Leiter finden und wir das Gehalt nicht bezahlen müssen. Wahrscheinlich braucht das noch ein wenig Zeit.

Die Patenkinder in Ndioum sind nach wie vor eine grosse Freude. Ich habe sie alle getroffen und ihnen Kulis und T’Shirts geschenkt. Da noch keine Resultate der ersten Prüfungen vorlagen, wussten sie nicht genau wie gut sie sind. Doch wiederholen muss sicher niemand, 3 machen dieses Jahr die Prüfungen für’s Gymansium. In Mbour sieht es wieder einmal nicht so gut aus mit unseren Patenkindern. Wie schon vermutet, hat eine Schülerin nach nicht bestandener Prüfung aufgehört. Und die Tochter von Mathias, die in der privaten Nähschule war, hat mitten im Schuljahr aufgehört und ist nun in Dakar in einem Haushalt. Mathias ist sehr unglücklich darüber und hat sich sehr entschuldigt. Die Mutter hat die Tochter unterstützt, und so hatte er keine Chance sie zum Bleiben zu überreden. Mathias geht es Gott sei Dank wieder sehr viel besser und er verwaltet die Patenschaften wie immer sehr gewissenhaft. Ich habe ihm auch Kulis und T’Shirtes für die Patenkinder gegeben.

Zum Schluss habe ich zusammen mit Pfarrer Ndeb wieder das Dorf Mbettite besucht. Dieses Mal haben uns die Lehrerschaft und die Mütter einen ganz besonderen Empfang in der Schule bereitet. Sie zeigten uns traditionelle Tänze mit Trommelbegleitung und betonten wie wichtig unsere Hilfe für sie ist. Ich war sehr gerührt, denn es war das erste Mal, dass ich von dieser Schule mit einem Fest empfangen wurde. Ich verteilte Kulis und T’Shirts als Dank. Natürlich wiederholten sie auch ihre Anfrage für eine Mauer um das Schulgelände, und die Frauen klagten, dass ihre Hirsemühle kaputt ist. Ich muss erklären, dass das nicht die Frauen sind, die von uns die Hirseschälmaschine bekommen haben. Mbettite hat  verschiedene Dorfteile und die Schule liegt etwas ausserhalb. Dies war die Frauengruppe im Dorfteil wo die Schule ist. Doch natürlich besuchte ich auch die Frauen mit der Hirseschälmaschine. Und das war wieder sehr erfreulich. Die Maschine ist seit Januar wieder jeden Tag im Einsatz und war gerade in einem Dorf, das ca. 10 km entfernt ist. Pfarrer Ndeb berichtete mir, dass die Verwaltung gut klappt und die Maschine regelmässig gewartet wird. In den Monaten nach der Hirseernte verdienen die Frauen mit der Maschine bis zu 450 € im Monat! Das wird dann nach und nach weniger und im Juni vor der Regenzeit wird sie gründlich gereinigt und untergestellt. Die Frauen betonten wieder wie sehr sich das Leben im Dorf positiv verändert hat mit dieser Maschine. Nach einem guten Mittagessen sind wir zufrieden nach Mbour zurückgekehrt.

In Mbour habe ich nochmals die Frau besucht, der wir mir Pfarrer Ndeb eine Toilette/Dusche gebaut haben. Sie hatte angefragt ob sie nicht ein kleines Startgeld bekommen könnte, um Kleinhandel betreiben zu können. Diesen Wunsch habe ich ihr gerne erfüllt, sie erhielt € 100 als Geschenk von TERANGA. Wieder war ich beeindruckt von dieser Frau und freue mich schon auf den nächsten Besuch.

Am Schluss meines Berichtes möchte ich nun all denen von ganzem Herzen danken, die mich bei der Durchführung meiner Projekte unterstützen. Und zwar nicht ausschliesslich für die finanzielle Hilfe, sondern auch für viele gute Gespräche und die vielen Sachspenden. Malick verteilt alles gezielt an die Menschen, die es nötig haben oder als Belohnung für einen Gefallen.

Ganz besonderes bedanke ich mich nochmals bei „Garndrang“, natürlich auch im Namen der Kinder und Lehrer von den 2 Schulen. Ich habe wieder gesehen wie nötig Hilfe von aussen ist, um das Ziel zu erreichen, dass möglichst alle Kinder zur Schule gehen können. Die Eltern bemühen sich sehr das Schulgeld und die laufenden Kosten zu bezahlen. Sie wollen unbedingt, dass es ihren Kindern einmal besser geht als ihnen. Ich erlebe die tiefe Dankbarkeit für unsere Hilfe bei jedem Besuch und bin davon überzeugt, dass wir auf gutem Weg sind, wenigstens in dieser Region einen Grundstein für eine bessere Zukunft zu legen. Die Regierung von Senegal bemüht sich sehr bessere Strukturen in vielen Bereichen zu schaffen. Leider ist das Bildungswesen noch nicht auf so gutem Weg wie geplant. So bleiben wir bei unserer Zielsetzung, weiterhin in der Region Ndioum Schulen auszubauen. Es würde mich freuen wenn ich durch diesen Brief Impulse geben könnte wie und wo wir wieder Aktionen durchführen könnten, um neue Klassenzimmer zu finanzieren.

Nun wünsche ich allen einen schönen Sommer bei guter Gesundheit und freue mich mit euch auf ein spannendes Projektjahr!