Halbjahresbericht und Reisebericht Januar 2017

Liebe Gönner und Freunde unserer Projekte,

Dieses Jahr war ich im Januar schon wieder im Senegal und möchte euch nun gerne von meiner Reise berichten und was sich im ersten Halbjahr 2017 alles bewegt hat.

Die Reise im Januar stand ganz im Zeichen des Besuchs der Studentin Jana Schneeberger, die ja sechs Wochen in Ndioum in unseren Projekten arbeiten wollte. Ich hatte ansonsten nur noch 2 wichtige Treffen auf dem Programm und habe mich gefreut, dass ich wieder einmal richtig Zeit hatte Senegal zu geniessen. Unsere Reise verlief problemlos, doch leider mussten wir eine gefühlte Ewigkeit auf unser Gepäck warten, und so war es sehr spät bis wir endlich im Hotel angekommen sind. Doch wir hatten ja kein Programm, deswegen nahmen wir alles sehr locker. Um Jana das Ankommen in Senegal zu erleichtern, blieben wir 2 Tage in Dakar und haben dort die Familie von Cheikh Gueye besucht, der hier in FL lebt und seit langem ein Freund von uns ist. Dort wollte Jana auch noch 1 Woche vor ihrer Heimreise verbringen. So lernte sie gleich am ersten Tag eine typische senegalesische Grossfamilie kennen und lieben.

Unsere Fahrt nach Norden wollten wir auch typisch senegalesisch in einem Buschtaxi machen, es war für Jana ein guter Einstieg, um die Art und Weise kennenzulernen wie im Senegal gereist wird und wie die sozialen Netze funktionieren. Die Reise dauerte zwar 9 Stunden, da viel auf das Dach auf- und abgeladen werden musste und verschiedene Botendienste vom Chauffeur erledigt wurden, aber es war spannend zu erleben wie niemand reklamiert hat oder ungeduldig wurde. Jana hat sich gleich sehr wohl gefühlt! In Ndioum wurde Jana in der Familie von Malicks Freund, wo sie wohnen sollte,  mit offenen Armen empfangen. Teranga Senegal – willkommen in Senegal – du gehörst jetzt zur Familie!

In der Woche, die ich in Ndioum verbrachte, haben wir alle Schulen und auch die Krankenstation besucht und Jana hat überlegt was sie am liebsten machen würde. Alle waren sehr nett und aufgeschlossen, aber da sie keine Lehrerin ist, war es nicht einfach eine passende Aufgabe zu finden. Ausserdem standen gerade die ersten Prüfungen an und alle waren ein wenig angespannt. So war Jana in jeder Schule ein paar Tage und hat sich einen Eindruck verschafft über das Schulleben in Senegal. Das war dann für sie ein mittelschwerer Schock, denn hier herrscht noch voll das Frontalsystem, grosse Klassen und ein sehr autoritärer Führungsstil = Schläge sind erlaubt. Eltern und Lehrer glauben, dass sie nur so ihre Autorität festigen können. Doch nach einem Gespräch hier mit Cheikh Gueye habe ich gelernt, dass in den Städten in Senegal, wo doch mehr Intellektuelle leben, schon ein Umdenken stattfindet. So braucht halt alles seine Zeit. Jana hat dann im Collège mit dem Englischlehrer ein paar Stunden gestaltet, aber mehr lag nicht drin. Auch in der Krankenstation in Alwar konnte sie ein paar Tage die aufopfernde Arbeit der Leiterin Oumou erleben, mit der sie sich gleich angefreundet hat. Doch nach 3 Wochen fand Jana, dass sie doch noch ein anderes Senegal kennenlernen möchte und ist dann auf eigene Faust herumgereist.

Dank unseren intensiven Gesprächen über die Art und Weise wie die Gesellschaft im Senegal funktioniert und auch dank ihrer liebenswerten Art,  hat sie nur positive Erfahrungen mit den Senegalesen gemacht. Sie konnte sich voll und ganz auf die Menschen einlassen, auch wenn es manchmal sehr schwierig für uns ist, ihr Verhalten und ihre Reaktionen zu verstehen. Ich bin dankbar für die vielen guten Gespräche mit Jana und habe die Woche mit ihr in Ndioum sehr genossen. Ich denke, der Senegalvirus hat auch sie erwischt!!!

In dieser Woche habe ich aber auch die Projekte für dieses Jahr vorbereitet, besonders lag mir natürlich der Bau des Case de Santé in Doubangué am Herzen, das der LED mitfinanzieren wollte. Beim Besuch im November gab es  dort noch einige Unklarheiten, die ich mit den zuständigen Personen besprechen wollte mit dem Ziel, dass der Bau so schnell wie möglich angefangen werden kann. Mit dem Dorfchef und dem Leiter der Gesundheitskommission habe ich mich zweimal getroffen und sehr  gute Gespräche geführt. Die beiden Männer sind sehr daran interessiert, dass sich ihr Dorf weiterentwickelt und beide sprechen Französisch, was die Unterhaltung sehr erleichtert. Alle fehlenden Papiere wurden mir wie versprochen ausgehändigt und so konnte ich nach meiner Rückkehr gleich beim LED einen Termin vereinbaren, da unser Antrag nun komplett war. Der Antrag wurde gut geheissen und Mitte März erhielten wir schon den Anteil vom LED ausbezahlt, sodass wir sofort mit dem Bau beginnen konnten. Leider war es dann in Ndioum schon sehr heiss (über 40 Grad) und die Bauarbeiter konnten nur in den frühen Morgenstunden und am Abend arbeiten. Trotzdem wurde der Bau Mitte Mai fertig und Malick konnte die nötigen Einrichtungsgegenstände in Dakar besorgen. Wir hoffen nun, dass Anfang Juni die bestellten Medikamente eintreffen und die Station in Betrieb genommen werden kann. Es hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass es doch sehr sinnvoll wäre vor dem Eingang noch eine kleine Ueberdachung zu machen wie es sich bei unseren Klassenzimmern seit 2 Jahren bewährt hat. Dies werden wir dann nach dem Ramadan Ende Juni in Angriff nehmen.

Natürlich war ich auch in Alwar und habe dort unsere Gesundheitsstation besucht. Wir hatten beim letzten Besuch eine Bestandsaufnahme des Materials gemacht und festgestellt, dass nach 8 Jahren doch wieder einiges ersetzt werden muss, was wir in die Wege geleitet haben.  Alles ist nun wieder komplett und die Leiterin Oumou war sehr zufrieden! Sie setzt sich sehr für die Patienten ein, und  ich habe nur Lob von allen Seiten gehört. Das sind immer wieder Aufsteller für mich.

In der Schule in Alwar hat sich wieder viel getan! Im November habe ich gesehen, dass die angefangenen Klassenzimmer immer noch nicht fertig sind und hatte beschlossen, dass unser Verein wenn möglich diese Räume fertig baut. Dank vieler Spenden vor Weihnachten war ich Anfang Januar glücklich, dass wir für den Weiterbau grünes Licht geben konnten. Da rief mich Malick an und sagte, dass die Dorfbewohner nun doch mit Unterstützung ihrer Verwandten die Klassenzimmer fertig bauen werden. Spontan beschlossen wir, dass wir das zur Verfügung stehende Geld für den Bau eines 3. Klassenzimmers für das Collège in Alwar nehmen wollen. Als wir dann nach Alwar kamen, stellte sich heraus, dass Studenten aus Grossbritannien, die einen Dozenten aus Senegal haben, zwei Klassenzimmer finanzieren werden und eine Woche lang in Alwar beim Bau mithelfen wollen. Sie kamen schon 2 Tage später an und haben das Dorfleben ganz schön durcheinander gebracht! Das waren natürlich tolle Neuigkeiten und mit vier Klassenzimmern ist das Collège dann komplett.

Also besprachen wir uns nochmal mit dem Direktor und dem Leiter der Elternvereinigung und beschlossen mit unserem Geld ein Lehrerzimmer zu bauen. Es ist sofort gebaut worden und die Lehrer sind sehr zufrieden, dass sie nun ein eigenes Lehrerzimmer haben.

Im Jahresbericht habe ich geschrieben, dass die Frauen von der Primarschule in Ndioum dringend einen Raum für ihre Schulkantine benötigen. Ich konnte einige Gönner, die gerne Frauenprojekte unterstützen,  für diese Idee gewinnen, und Anfang Mai konnten wir mit dem Bau eines kleinen Raumes beginnen. Die Frauen sind überglücklich, denn Anfang Juni ist dieser schon bezugsbereit.

Da ich wusste, dass Niels Hörnö im März wieder eine Woche Zahnbehandlungen, dieses Mal in Mbettite, machen wollte, habe ich die Gelegenheit benutzt und von Mbour aus alles Nötige mit dem Krankenpfleger in Mbettite besprochen und organisiert. So konnte Niels mit 2 Kollegen/innen gleich vom ersten Tag an speditiv arbeiten, d.h. wieder Zähne ziehen! Der Gesundheitsposten in Mbettite ist für ihn sehr gut geeignet und die Mithilfe der Angestellten war super, wie mir Niels berichtete. Sie konnten in 2 Räumen arbeiten und die Einteilung der Patienten verlief nicht so chaotisch wie in Ndioum/Alwar. Zufrieden kehrte die kleine Gruppe nach Hause zurück, und sie wollen auch 2018 wieder nach Senegal kommen und mit mehr Zahnprophylaxe und richtigen Behandlungen ihre Tätigkeit noch ausbauen.

Für die Geburtsabteilung in Mbettite haben wir dank einer Spenderin noch eine Wärmebox für die Neugeborenen anfertigen lassen. Die Hebamme hatte mir beim letzten Besuch erzählt wie wichtig das für sie ist. Danke!

Eine Enttäuschung war es für mich, dass es nun definitiv nicht geklappt hat mit der Eröffnung des Collège inMbettite. Das Schulministerium ist total unflexibel. Nun wurde der Antrag noch einmal neu gestellt und dieses Mal schon für 3 Klassenzimmer. Der für diesen Bezirk zuständige Minister war vor kurzem persönlich vor Ort und nun hoffe ich wirklich, dass die Schule im Schuljahr 2017/18 eröffnet werden kann. Wir haben nach meinem Vortrag beim Martin-Luther-Bund in Zürich schon eine erste Tranche der  Kollektengelder erhalten und konnten mit den Ziegeln und dem Fundament für das 3. Klassenzimmer anfangen. Nun hoffe ich so bald wie möglich die 2. Tranche zu erhalten, damit wir den Bau fertigstellen können. Und für das 4. Klassenzimmer haben wir die gerade eben die Zusage zur Finanzierung, samt Schulmöbeln, von der Stiftung PRONOIA erhalten, vielen herzlichen Dank!

Wieder zu Hause angekommen, wartete die Buchhaltung darauf, dass das Jahr 2016 abgeschlossen wird und der Advisa Treuhand zur Revision vorgelegt werden kann. Das ist jedes Jahr eine Herausforderung für mich, da 3 Währungen berücksichtigt werden müssen und die Kurse in Senegal sehr schwanken. Aber es ist alles in Ordnung und wer Interesse hat den Revisionsbericht einzusehen, kann sich gerne bei mir melden. Ein herzlicher Dank geht an die Advisa Treuhand Anstalt für die kostenlose Revision und jedes Jahr wieder für die Geduld von Sascha Vogt bezüglich meiner vielen Fragen!

Ein bedeutsamer Schritt für alle in FL humanitär tätigen Vereine war die Gründung des  Netzwerksfür Entwicklungszusammenarbeit am 24. Januar 2017. Zu einem kleinen Festakt waren neben den Gründungsmitgliedern auch das Auswärtige Amt, der LED und der Verein liechtensteinischer gemeinnütziger Stiftungen (VlgS) eingeladen. Bei der Podiumsdiskussion wurde ganz klar von allen Seiten betont wie wichtig unser Zusammenschluss ist. Inzwischen haben schon mehrere interessante Gespräche und Weiterbildungen stattgefunden. Eine gemeinsame Homepage ist in Arbeit und unser nächstes Treffen findet Ende Juni statt, bei dem wir unter anderem auch einen kürzeren Namen für uns suchen! Inzwischen sind 28 Mitglieder unserem Netzwerk beigetreten, ein Beweis, dass viele das Bedürfnis nach Vernetzung haben.

Leider habe ich für dieses Jahr noch keine weiteren Aktivitäten = Spendenaktionen mit Schulen oder anderen Vereinen organisieren können. Wenn jemand von euch eine Idee hat wen ich ansprechen könnte, bin ich sehr dankbar dafür. Es geht mir dabei auch um das Thema Migration. Ich denke, dass wir mit unseren Projekten wesentlich dazu beitragen können, dass die Menschen in Zukunft in ihrer Heimat bleiben. Wir schaffen  mit dem Bau von Schulen die Grundlage für ein Basiswissen, das vielen Kindern die Möglichkeit gibt einen Beruf zu erlernen. Der Staat sollte dann die nötige Infrastruktur für Ausbildungsplätze und vor allem auch Arbeitsstellen schaffen. Das ist noch ein langer Weg, aber wir haben gemeinsam einen wesentlichen Teil zur Entwicklung dieses besonderen, friedlichen Landes beigetragen. Dafür möchte ich allen meinen treuen Gönnern und Spendern ganz herzlich danken. Ohne eure Unterstützung, in jeder Beziehung, hätte ich nicht 10 Jahre lang so viel Hilfe vor Ort leisten können. Natürlich möchte ich an dieser Stelle auch wieder einmal Malick für seine wertvolle und korrekte Mitarbeit danken. Auf ihn kann ich mich voll und ganz verlassen, was meine organisatorische Arbeit wesentlich erleichtert.

Nun bin ich gespannt was dieses Jahr noch alles bringen wird. Ich plane nicht mehr zu lange im Voraus, sondern treffe meine Entscheidungen den Bedürfnissen entsprechend. So wie es jetzt aussieht werde ich wieder im November nach Senegal reisen. Dann wartet auch eine neue Anfrage auf mich, die ich prüfen will. In Ndioum gibt es einen staatlichen Kindergarten mit 4 Räumen und 2 provisorischen Klassenzimmern. 2 Räume sind an den Verein für Behinderte vermietet, die auch zu wenig Platz haben. Ich habe die Anfrage für den Bau von Klassenzimmern im Januar im letzten Moment erhalten und konnte den Kindergarten deshalb noch nicht besuchen. Doch der Kindergarten interessiert mich, und das ist bestimmt ein Programmpunkt im November. Kindergärten sind im Senegal noch nicht sehr häufig, viele werden von Privatpersonen geführt und die Frauen erhalten kein fixes Gehalt, leisten aber sehr wertvolle Arbeit. Der erwähnte Kindergarten ist staatlich und wird von ausgebildeten Kindergärtnerinnen geführt, was natürlich eine gewisse Kontinuität gewährleistet.

Mit den besten Wünschen für einen genussvollen Sommer verabschiede ich mich mit lieben Grüssen von euch bis zum nächsten Brief!