Jahresbericht 2019

Liebe Freunde und Gönner der Teranga Projekte,

da ich Anfang Januar wieder im Senegal war, kommt mein Jahresbericht 2019 etwas verspätet. Dieses Mal bin ich wieder „normal“ gereist, also mit dem Flugzeug. Ich hatte mir vorgenommen, dass ich bei meinem Besuch nur die Projekte im Norden besuchen werde, da ich in Mbettite 2019 kein Projekt hatte. So hatte ich genügend Zeit, um in aller Ruhe den Stand der Projekte zu beurteilen und mit Malick zu analysieren. Das war mir sehr wichtig, denn ich will dieses Jahr die Weichen für unser weiteres Vorgehen stellen. Es werden nur noch die Projekte unterstützt, mit denen die Zusammenarbeit gut klappt und bei denen ich auch wirklich von Zusammenarbeit reden kann. Es hat sich wirklich gelohnt, den Verlauf aller Projekte nachzuverfolgen. Das Ergebnis möchte ich euch in diesem Bericht präsentieren.

Doch zunächst zum Jahresbericht. Letztes Jahr hatten wir verhältnismässig wenig Bautätigkeit. Im letzten Bericht hatte ich von der Anfrage berichtet, die wir für das Erneuern eines Fussbodens von der Schule in Ndioum/Walo erhalten haben. Da es wirklich sehr notwendig war, haben wir das gleich im Februar durchgeführt. Auch die Anfrage für ein Magazin für die Schulkantine in der Grösse eines Klassenzimmers haben wir erfüllt.

Auch in Doubangué wurde auf Anfrage der Frauen und der Elternvereinigung ein Magazin für die Schulkantine gebaut. Dort gibt es nun ein weiteres Gesuch für den Bau eines überdachten, halb hoch gemauerten Kochplatzes, damit die Frauen nicht im Schilfmattenprovisorium kochen müssen. Die Schulkantine gibt es im Moment jeden Tag, da eine NGO den nötigen Reis, Linsen und Erbsen spendet. Für das notwendige Oel, die Gewürze und ein wenig Fisch muss die Elternvereinigung selbst aufkommen. Die Frauen wechseln sich mit dem Kochen ab. Gerne würden sie mit einer kleinen Geflügelzucht diese Ausgaben finanzieren. Ich finde die Idee grundsätzlich auch sehr gut, doch leider sprechen die Erfahrungen von mehreren Bekannten und auch mir selbst gegen so ein Projekt. Länger als 2 Jahre hat das mit der Aufzucht und dem Verkauf von Hühnern meistens nicht geklappt. Und die Grundeinrichtung für so eine Geflügelzucht ist doch sehr teuer. Also geben wir den Frauen lieber regelmässig einen Zustupf zu ihrer Schulkantine, obwohl es eigentlich gegen mein Grundprinzip Hilfe zur Selbsthilfe ist.

Für ein behindertes Mädchen in Ndioum haben wir einen Rollstuhl finanziert bekommen, dafür recht herzlichen Dank!

 Für unser Collège in Ndioum haben wir ein Klassenzimmer, sowie 4 Toiletten gebaut, die Finanzierung übernahm die Pronoia Stiftung. Dafür sagen wir ganz herzlichen Dank. Nun hat dieses Collège genügend Klassenzimmer, Toiletten und einen Bürotrakt, den die Lehrerschaft mit Einnahmen vom Schulgeld noch weiter ausgebaut hat. Was seit Jahren fehlt, ist eine Mauer um das Gelände. Im Moment können dort noch Ziegen und Kühe rumspazieren und auch Charrettes durchfahren. Das ist eine unmögliche Situation, denn der Hof der Schule ist eigentlich auch der Sportplatz! Da das Grundstück sehr gross ist (200mx165m), kommt so eine Mauer natürlich recht teuer. Wir waren immer der Meinung, dass dies Aufgabe des Staates sein sollte, nachdem wir schon die ganze Schule gebaut haben. Vor 4 Jahren war dann ein Minister auch bereit eine Mauer zu finanzieren, alles war auf gutem Weg. Dann kamen die Wahlen und der Minister wurde versetzt. Sein Nachfolger nimmt das angefangene Projekt nicht auf. Nach langen Diskussionen sind wir nun bereit diese Mauer zu bauen, damit unser Collège auch wirklich gut gesichert ist, und auch die, schon lange gewünschten Bäume, gepflanzt werden können. Der Kostenvoranschlag beträgt ca 20‘000 CHF. Ich hoffe, dass dieses Projekt, das mir sehr am Herzen liegt, auch bei meinen Gönnern Anklang findet. Obwohl ich eigentlich immer gesagt habe, dass wir für Mauern nicht zuständig sein wollen. Doch diese Schule ist wirklich unterstützenswert, denn die Lehrer engagieren sich aussergewöhnlich für ihre Schüler. Sie unterrichten auch wenn eigentlich zu Streiks aufgerufen wird, da es ihrer Meinung nach wichtiger ist, dass die Schüler ihr Klassenziel erreichen. Die Uebertrittsprüfungen ins Gymnasium waren deswegen mit 74% auch sehr erfolgreich. Mit einem herzlichen Empfang mit Musik und Tanz und Sketchen dankten mir die Schüler und Lehrer dafür, dass sie eine Schule haben.

Unsere Gesundheitsstation in Alwar habe ich natürlich auch besucht, obwohl wir dort ja nichts mehr finanzieren. Eigentlich hatte ich gehofft, dass der neue staatliche Gesundheitsposten schon eröffnet wurde, aber nein! Leider ist die Patientenzahl im Moment eher rückläufig, scheints besteht ein Vertrauensproblem mit der Krankenschwester. In einer langen Diskussion hat Malick versucht den Dorfbewohnern einen Weg aufzuzeigen wie man das Problem lösen könnte. Mal sehen ob sein Vorschlag angenommen wird. Soeben kam die Nachricht, dass der Gesundheitsposten vom Ministerium offiziell zum staatlichen Gesundheitsposten ernannt wurde. Super!

In Mbettite hat Niels Hörnö ein Klassenzimmer an der Primarschule finanziert. Den Bau hat auch Malick koordiniert, was recht aufwändig war, da die Handwerker dort einfach nicht so zuverlässig sind wie in Ndioum. Niels wird es bei seinem Besuch im März anschauen. Er und sein Team werden auch in Ndioum und Alwar schon sehnsüchtig für weitere Behandlungen erwartet.

Meinen Besuch habe ich wie immer in meinem kleinen Hotel am Meer ausklingen lassen, wo ich auch die Abrechungen mit Malick in Ruhe machen konnte. Wie schon gewohnt, hat alles gestimmt und ich kann nun mit gutem Gewissen meine Revision bei der Advisa vornehmen. Herzlichen Dank an Sascha Vogt.

Nun möchte ich euch gerne einen Ueberblick verschaffen von all unseren Projekten, die in den letzten 14 Jahren verwirklicht wurden.

Patenkinder: 2006 haben wir mit 28 Patenkindern aus Mbettite, Mbour und Ndioum unsere Projekte angefangen. Dank unseren Paten konnten wir den Kindern, die wirklich lernen wollten, eine Schulbildung ermöglichen. 3 studieren an der Uni, 3 machen eine Ausbildung an einer Privatschule und 2 werden dieses Jahr die Matura machen.  5 Patenkinder sind noch in der Realschule. Leider war nicht alles nur erfreulich, denn 4 Mädchen wurden verheiratet als sie noch zur Schule gingen und einige Kinder hatten plötzlich keine Lust mehr zur Schule zu gehen oder haben aufgehört, nachdem sie mehrere Male wiederholt hatten. Einige lernen nun bei einem Handwerker oder machen Gelegenheitsjobs. Doch auf jeden Fall sind sie keine Analphabeten mehr!

Alwar:

  • Bau eines kleinen Gesundheitspostens zusammen mit dem LED
  • 2- Zimmer Wohnhaus und Toilette und Dusche für den Leiter der Gesundheitsstation
  • Bau von 3 Klassenzimmern mit Bücherschränken an der Primarschule, Anfertigung von 50 Schulmöbeln und Kauf eines Druckers                   
  • Magazin für die Schulkantine                                                                                  Büro für das neue Collège in Alwar

Collège Ndioum (750 Schüler!)

  • Bau von 10 Klassenzimmern,
  • Anfertigung von 75 Schulmöbeln,
  • Bau eines Bürotraktes mit 4 Räumen, 7 Toiletten

Primarschule Amadou Hane Ndioum (350 Schüler)

  • Bau von 3 Klassenzimmern plus 25 Schulmöbel, 1 Drucker 
  • Magazin für die Schulkantine

 Doubangué:

  • Bau von 2 Klassenzimmern und 2 Toiletten
  • Bau eines Case de Santé zusammen mit dem LED
  • Bau eines Magazins für die Schulkantine
  • Gesundheitsposten

 

 

 

 

Mbettite:

  • Bau von 2 Klassenzimmern an der Primarschule
  • Bau von 4 Klassenzimmern für das Collège, Anfertigung von 50 Schulmöbeln (200 Schüler)
  • Bau eines Bürotraktes für das Collège mit 3 Räumen und Kauf von Schreibtischen und Stühlen
  • Kauf einer Hirseschälmaschine für die Frauengruppe auf Kreditbasis, der zurückbezahlt wurde,

 Diverse einmalige Projekte:

Kauf eines Esels für eine behinderte Frau, Bau eines Klassenzimmers in einer 2. Primarschule in Ndioum, die nur Provisorien hatte, danach hat der Staat Klassenzimmer gebaut. Kauf von 2 Booten für 1 Fischer und 1 Dorf, Bau eines Aufenthaltsraumes zum Spielen und Essen im Kindergarten Ndioum, 7 Nähmaschinen wurden an junge Frauen verschenkt, die schon eine Ausbildung als Schneiderin hatten. Unterstützung von 4 Frauengruppen mit einem Kleinkredit. 3 Gruppen haben sich inzwischen leider aufgelöst. Reparatur eines Wasserturms in Mbettite. Kauf eines Pferdes für einen Bauer

Alle diese Projekte haben wirklich dazu beigetragen die Entwicklung in Ndioum und Mbettite zu fördern. Für mich als Aussenstehende ist es manchmal schwierig das zu beurteilen, aber gerade dieses Mal wurde mir von allen Seiten aus der Bevölkerung sehr herzlicher Dank entgegengebracht und betont wie wichtig unsere Hilfe ist.

GeplanteProjekte2020:                                                                                                       Wir werden dieses Jahr als erstes den Maschendraht um den Eingangsbereich der Gesundheitsstation in Doubangué durch eine Mauer ersetzen, damit dieser gesichert ist. Es wurden dort schon Bäume gepflanzt, damit ein schattiger Hof entsteht. Auch wollen wir die «Küche» für die Frauen bauen, die Finanzierung dieser Projekte ist gesichert.

In der Schule Amadou Hane in Ndioum ist bei einem Klassenzimmer für die Vorschulkinder der Betonboden sehr brüchig. Da die Kinder nur auf Matten sitzen, werden wir dort einen Linoleumboden verlegen.

Der Hauptausgabeposten ist aber die Collège-Mauer, die noch nicht finanziert ist.

Eine weitere Anfrage haben wir für den Bau eines Computerraums für das Collège in Alwar erhalten. Sie haben 10 Computer für den Informationsunterricht geschenkt bekommen und können diese wegen fehlendem Platz nicht nutzen. Sehr gerne würden wir, wenn möglich, diesem Gesuch nachkommen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr unsere Projekte auch weiterhin unterstützenswert findet, damit wir „unseren“ Dörfern auch in diesem Jahr die Hilfe zukommen lassen können, die sie im Moment benötigen. Wir haben zusammen sehr viel erreicht, und ich bin wirklich überaus dankbar, dass ich dank eurer Hilfe Stein auf Stein setzen kann für eine hoffentlich bessere Zukunft der Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind.

Nun ich wünsche euch allen ein gutes Jahr 2020 und sage euch allen ein aufrichtiges „Vergelt’s Gott“ für eure langjährige Unterstützung,

mit herzlichen Grüssen

Ute