Halbjahresbericht 2020

Liebe Freunde von Teranga Senegal,

nun ist die „Corona-Pause“ vorbei und deswegen möchte ich euch gerne schreiben wie es mit unseren Projekten steht. Auch im Senegal war absoluter Lockdown. Die Regierung hat sehr schnell die gleichen Sicherheitsmassnahmen ergriffen wie bei uns. Die Schulen wurden geschlossen, die Märkte hatten nur stundenweise geöffnet, abends war ab 19 Uhr striktes Ausgangsverbot und es fuhren keine Buschtaxis und Kleinbusse mehr. Auch mussten alle Masken tragen. Das alles war für die Menschen im Senegal viel einschneidender als für uns. Abends nicht ausgehen zu können bedeutet für ganz viele Menschen, dass sie auch nicht ihre üblichen kleinen Handelsgeschäfte machen können, um für den nächsten Tag eine Mahlzeit zu finanzieren. Sie leben von der Hand in den Mund. So haben wir beschlossen, dass wir wenigstens ein paar ganz arme Familien, die wir kennen, ein kleines Lebensmittelpaket mit Reis und Oel und auch Seife schenken. Als die Schulen Anfang Juli wieder geöffnet wurden, mussten alle Schüler zu Beginn des Unterrichts die Hände mit verdünntem Javelwasser und Seife waschen und Masken tragen. Wir haben „unseren Schulen“ dann einen Grundstock mit Javelwasser und Seife finanziert.

So wie es jetzt aussieht, wird das Schuljahr bis Mitte August verlängert. Es wurde in den höheren Klassen zwar online Unterricht angeboten oder sogar übers Fernsehen gesendet, aber davon konnten nur diejenigen profitieren, die auch Strom haben. Wir haben 2 Kandidaten, die die Matura machen sollen und auch unsere 3 Studentinnen machen dieses Jahr ihren Abschluss. Eine Studentin, die an einer Privatuniversität studiert hat, konnte online weiter studieren und hat letzte Woche ihr Diplom erhalten als diplomierte Buchhalterin – sehr erfreulich! Im Gesundheitswesen, Hebammen und Krankenschwestern, geht das Semester noch bis September.

Allmählich normalisiert sich das Leben wieder. Gott sei Dank gab es im Senegal nicht dramatisch viele Erkrankungen oder Todesfälle wegen Corona. Natürlich wurde auch nicht so viel gemessen wie bei uns.

In diesen ruhigen letzten Monaten waren Malick und ich aber fleissig am Organisieren. Wie ich schon im Jahresbericht geschrieben habe, ist es mir eine Herzensangelegenheit, dass für das Collège in Ndioum eine Mauer gebaut werden kann. Malick hat mit einem Maurer die genauen Masse genommen, eine Skizze vom Grundstück gemacht und 2 Kostenvoranschläge eingeholt. Das Grundstück ist gross, Gesamtumfang 718 m. Da wir aber die Klassenzimmer auf die Grenzen gebaut haben und eine Seite schon eine Mauer vom Nachbargrundstück hat, reduziert sich die Länge der zu bauenden Mauer auf 453 m, die um die 25’000.-CHF  kosten wird. Da wir so eine grosse Summe nicht aufbringen können, fragte ich beim LED für die Unterstützung als Kleinprojekt an. Anfang September werde ich hoffentlich eine positive Zusage erhalten. Ein Drittel der Summe muss unser Verein selbst bezahlen, das sollte gehen.

Wir haben auch eine Zusage für eine Spende von der Stiftung Pronoia erhalten, die uns schon seit 4 Jahren unterstützt.

So können wir in Mbettite noch eins der notwendigen vier Klassenzimmer bauen. Die Anfrage hierfür habe ich schon seit 1 Jahr. In Mbettite haben wir das Problem, dass wir direkt im Dorf keinen Verantwortlichen haben, der täglich die Baustelle kontrolliert. Dadurch hat sich die Bauzeit immer sehr verlängert und es gab viel Aerger mit den Handwerkern, die nur unregelmässig kamen. Malick wohnt 1 Stunde entfernt und kann nur 1x/Woche vor Ort sein. Wir bemühen uns nun eine Vertrauensperson zu finden, damit die Klassenzimmer zügig gebaut werden können, nachdem die Mauer in Ndioum fertig ist. Wenn die Zusammenarbeit gut klappt, würde ich mir sehr wünschen, dass wir noch 3 weitere Klassenzimmer in Mbettite bauen können. Die Klassen des Collège sind viel zu gross, oft über 60 Schüler, da wird ein guter Unterricht zum Problem. Und die provisorischen Klassenzimmer kann man nur kurze Zeit im Jahr wirklich nutzen. Alle Spenden, die ab jetzt eingehen werden dafür verwendet, vielen Dank!

Anfang des Jahres war ich wenig optimistisch ob wir auch nur einen Teil unserer geplanten Objekte durchführen können und nun haben sich so viele „Türen geöffnet“, dass wir sogar mein Herzensprojekt, die Mauer in Ndioum, verwirklich können. Meine treuen Spender haben mich dabei tatkräftig unterstützt, dafür sage ich allen ganz herzlichen Dank!  Und Anfang Juli haben wir ausserdem noch unerwartete Spenden bekommen. Vor kurzem ist ein guter Bekannter von uns gestorben und anstelle von Blumenspenden hat die Familie entschieden, dass für unsere Projekte gespendet wird. Ich möchte der Familie Schierle meinen aufrichtigen Dank aussprechen für diese Geste und allen, die für unsere Projekte gespendet haben. So konnten wir die erste Tranche für die Herstellung von Ziegeln für die Mauer schon überweisen.

Weiterhin möchte ich Niels Hörnö und Cony Hofer herzlich dafür danken, dass sie spontan den Computerraum für die Primarschule in Alwar finanziert haben (Jahresbericht 2019). Er ist schon gebaut und die Lehrer sind sehr dankbar. Leider fehlen noch ein paar Tische und Stühle, doch ich hoffe, dass sie diese nach und nach selbst anschaffen können. Niels und sein Team waren im März wieder in Senegal und sie hatten wieder sehr viele Patienten in Alwar. Leider hat ihnen die Coronakrise einen Strich durch ihre Pläne gemacht und sie mussten nach 3 Tagen wieder heimreisen. Danach wurde der Flughafen geschlossen! Das war wirklich sehr schade, denn seine Hilfe wird wirklich dringend gebraucht.

Im März haben wir auch die notwendige kleine Mauer um das Case de Santé in Doubangué gebaut. Nun ist die Station gesichert, Gott sei Dank!

Und ebenfalls in Doubangué haben die Frauen ihre Küche für die Zubereitung der Schulkantine erhalten. Sie wollten dann doch lieber einen geschlossenen Raum und nicht wie anfänglich geplant eine offene Küche. Der Wind weht oft sehr heftig und da ist es besser wenn man gut geschützt ist.

Ich kann gar nicht oft genug sagen wie dankbar ich bin, dass ich diese Hilfe zur Entwicklung von Senegal leisten darf. Die Reiserei strengt mich zwar immer mehr an, aber ich kann sie nun wirklich mit gutem Gewissen reduzieren, da die Zusammenarbeit mit Malick so gut funktioniert. Wir können viel telefonisch erarbeiten und die Umsetzung klappt meistens sehr gut. Vor allem identifiziert er sich voll mit den Projekten und vertritt unsere Interessen in den Dörfern sehr gut. Das beruhigt mich sehr.

Ich hoffe, dass ihr alle gesund seid und nicht zu sehr unter den diversen Einschränkungen leidet. Ich selbst habe die Zeit für viele Spaziergänge genutzt und so meinen Kopf frei bekommen. Es fehlt uns ja an nichts!

Bis zum nächsten Brief wünsche ich euch allen eine gute Zeit und freue mich schon darauf, hoffentlich von der Verwirklichung unserer geplanten Projekte berichten zu können.

Mit einem aufrichtigen Vergelt’s Gott grüsse ich euch recht herzlich

Ute