Jahresbericht 2020

Liebe Gönner und Freunde von Teranga Senegal,

wahrscheinlich wundert ihr euch, dass mein Jahresbericht dieses Jahr schon vor Weihnachten kommt.

Nachdem es nun klar ist, dass ich im Januar sicher nicht nach Senegal reisen kann, freut es mich, dass ich noch vor Weihnachten eine kurze Zusammenfassung des Jahres 2020 für euch schreiben kann.

Im Halbjahresbericht hatte ich schon unsere Pläne für den Rest des Jahres bekannt gegeben. Trotz der schwierigen Situation wegen Corona, können wir auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken. Im Senegal hat sich das Leben, wenigstens in Ndioum, weitgehend normalisiert. Wir merken eigentlich nur bei gewissen Lieferschwierigkeiten von Baumaterialien, dass das Leben doch noch eingeschränkt ist. Da die Menschen im Norden nicht vom Tourismus abhängig sind, geht ihr Leben wieder seinen gewohnten Gang. Die Regenzeit war gut und die Bauern sind nun dabei ihre Felder zu bestellen. Ganz anders sieht die Situation in Dakar und der Region entlang der Küste aus. Dort sind alle Hotels geschlossen, da keine Touristen ins Land kommen können. Das bedingt, dass sehr viele Menschen ohne Arbeit sind. Sie sind verzweifelt, und viele wählen wieder den Weg Richtung Europa, übers Meer nach Teneriffa. Sie sind sich nicht bewusst, dass dort die Lage genauso prekär ist. Sie wollen nur weg von ihrem Elend und denken, es kann nirgends schlimmer sein. Jede Woche ertrinken sehr viele Menschen auf diesen stürmischen Ueberfahrten. Das bedrückt mich sehr. Der Staat hat kein Hilfsprogramm wie bei uns und eine Oeffnung des Landes für Touristen ist nicht in Aussicht. Und ob die Hotels danach wieder öffnen können, steht in den Sternen.

Doch nun zu unseren Projekten:

Patenkinder

Mitte August haben die Schulen Uebertrittsprüfungen und die Matura durchgeführt. Die Ergebnisse in unseren Schulen in Ndioum sind wirklich hervorragend. An unserem Collège haben 97.5% die Aufnahmeprüfungen für das Gymnasium bestanden, an der Primarschule Amadou Hane, an der wir 3 Klassenzimmer und die Schulküche gebaut haben, haben 100% der Schüler die Prüfung für das Collège bestanden, als beste Schule des Departements! In Doubangué und Ndioum Walo sind es 90%. In Mbettite haben 70% der Schüler die Prüfung für das Gymnasium geschafft. Für mich ist ganz klar, dass dort nicht dieselbe Dynamik bei dem Lehrerteam besteht wie in Ndioum. Aber man muss auch die belastende Situation mit zu wenig Klassenzimmern berücksichtigen. Bestimmt spielt es in Ndioum auch noch eine Rolle, dass es 2 Collèges gibt, die sich gegenseitig konkurrenzieren! Das spornt die Leistungen enorm an.

Drei Patenkinder haben die Matura bestanden, was mich sehr freut. Aissatou aus Mbour will Hebamme lernen und geht nun auf eine Privatschule in Mbour.  Diese Ausbildung werden wir bezahlen, sie dauert 3 Jahre und kostet jährlich 1‘000.- Das ist viel Geld, aber die Ausbildung ist gut und der Beruf für eine junge Frau ideal. Ich habe gehofft, dass ein weiteres Patenkind eine Ausbildung im Gesundheitsbereich machen will, aber sie hat sich nun entschieden auf die Uni zu gehen. Ich finde das keine gute Idee, da die Universitäten überfüllt sind und es sehr viele Streiks gibt. Und für uns ist nicht kontrollierbar ob sie wirklich studiert oder nicht. Folglich bezahlen wir nur die Einschreibegebühr. Die Kosten für das Studium übernimmt der Staat, aber wohnen, essen, Lehrmittel etc. muss die Familie aufbringen. Mal sehen ob das funktioniert. Auch ein Junge aus Ndioum will zur Uni, worüber der Vater sehr unglücklich ist. Malick hat mit beiden Familien und den Jugendlichen gesprochen, leider ohne Erfolg. Gerne hätten wir auch da eine Ausbildung an einer Privatschule bezahlt.

3 Patenkinder sind dieses Jahr mit der Ausbildung fertig. Wie schon geschrieben, hat die Buchhalterin ihr Diplom im Juli erhalten.  Die beiden anderen, eine Hebamme und eine Krankenschwester werden demnächst fertig. Durch die Coronamassnahmen kam ihr Zeitplan sehr durcheinander.

Nun gehen nur noch 5 Patenkinder in Ndioum zur Schule, die Samba, der Bruder von Malick, zuverlässig verwaltet.

Bautätigkeiten:

Im Halbjahresbericht  hatte ich schon geschrieben, dass wir in Doubangué eine kleine Mauer um unseren Gesundheitsposten gebaut haben. An der Primarschule wurde für die Frauen, neben dem Magazin für die Lebensmittel und das Geschirr, noch ein Küchenraum gebaut, worüber die Frauen sehr glücklich sind.

Die in Alwar für den Computerraum fehlenden Tische und Stühle haben Teranga Senegal und Niels Hörnö finanziert. Die Lehrer mussten als Eigenleistung für die Stromversorgung aufkommen. Vielen Dank an Niels!

Projekt Mauerbau:

Dank der guten Zusammenarbeit mit dem LED fanden wir eine sehr gute Lösung wie wir das Kleinprojektgeld optimal nutzen können. Der LED übernimmt als Höchstbeitrag CHF 25’000.- für ein Kleinprojekt, Teranga Senegal bezahlt 12‘500.- dazu. Das ergibt eine Gesamtsumme von 37‘500.- Mit diesem Geld können wir nun einen Teil für den Mauerbau in Ndioum nehmen und auch noch 3 Klassenzimmer am Collège in Mbettite bauen. Dort haben sich im neuen Schuljahr knapp 500 Schüler angemeldet, und sie haben nur 4 Klassenzimmer! Eine wirkliche Notlage. In den letzten Briefen habe ich immer wieder von den Problemen geschrieben, die wir rein organisatorisch mit Mbettite haben. Nachdem ich nun erfahren habe wie prekär die Lage am Collège ist, hat Malick mit den Verantwortlichen des Dorfes und der Schule eine Vereinbarung treffen können. Es wird ein Mann aus dem Dorf bestimmt, der die Bauarbeiten beaufsichtigt wenn Malick nicht da ist. Auch Lehrer und Elternvereinigung schauen nach dem Rechten, sodass die Klassenzimmer in möglichst kurzer Zeit gebaut werden können. Wir bauen nun erst mal 1 Klassenzimmer, um zu sehen ob die Abmachung auch wirklich eingehalten wird. Wenn es klappt, dann bauen wir gleich die 2 weiteren Klassenzimmer. Um die Beschaffung der Schulmöbel müssen sie sich selbst kümmern. Die Ziegel sind nun schon angefertigt, Malick ist in Mbour, und mit dem Bau wird Mitte Dezember angefangen. Malick ist sicher, dass alles klappen wird!

Bis Anfang Dezember war Malick in Ndioum und hat sich sehr engagiert, dass die Mauer um das Collège fertig wird. Es gab immer wieder kurze Unterbrüche, da Material nicht geliefert werden konnte. Doch nun ist sie rechtzeitig zum verspäteten Schuljahrbeginn fertig geworden. Zwar ist sie noch nicht verputzt, da ein bestimmter Sand, der für den Rauputz nötig ist, nicht geliefert werden kann. Deswegen haben wir beschlossen, dass Malick nun zuerst nach Mbour fährt und die Klassenzimmer für Mbettite baut. Wichtig ist, dass das Areal in Ndioum nun gesichert ist und auch die Bäume gepflanzt werden können.

Allen, die zur Finanzierung dieser Mauer beigetragen haben, meinen treuen Spendern, der Stiftung Pronoia, der Familie Schierle, und dem LED sage ich hiermit im Namen der Lehrer, Eltern und Schüler vom Collège in Ndioum ganz herzlichen Dank! Ein grosser Wunsch von vielen Menschen und ein wichtiges Bedürfnis für die Sicherheit der Schule ist in Erfüllung gegangen. Ein besonderer Dank geht auch an Malick, der sich unermüdlich dafür engagiert hat, dass alles gut klappt.

Ich kann zufrieden und dankbar auf das Jahr 2020 zurückblicken. Was uns 2021 bringen wird? Im Moment mache ich noch keine konkreten Pläne, da die 3 Räume in Mbettite erst einmal abgeschlossen werden müssen, ein 4. Klassenzimmer wird benötigt. Anfang des Jahres kommen sicher noch weitere Anfragen zum Bau von Klassenzimmern, da die Anzahl der Schüler in allen Schulen wächst. Das ist ein gutes Zeichen, und ich werde mich sicher gerne dafür einsetzen. Aber wie schon im Halbjahresbericht erwähnt, werden wir nur mit Schulen zusammenarbeiten, die wir kennen.

Wenn ihr die Schulprojekte von Teranga Senegal auch weiterhin unterstützen wollt, dann bin ich sehr dankbar. So können wir einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass es vielleicht doch eines Tages zu einem Umdenken in Senegal kommt, wenn die jungen Menschen mit Schulbildung die Geschicke des Landes lenken.

Nun bleibt mir nur noch, euch allen eine friedvolle Adventszeit und ein gesegnetes Weihnachtsfest im Kreis eurer Familie zu wünschen. Es ist dieses Jahr alles etwas anders als sonst, viele Menschen sind verunsichert oder gestresst. Doch wir dürfen uns nicht beklagen, es geht uns doch so gut, auch wenn wir mal auf dies oder jenes verzichten müssen.

Bleibt alle gesund und ich freue mich schon darauf, euch im nächsten Jahr Neuigkeiten aus Senegal zu schreiben.

Mit herzlichen Grüssen und aufrichtigem Dank für die jahrelange Unterstützung

Ute