Kleinkredite für Frauengruppen

In Senegal ist es in vielen Dörfern und auch in vielen Quartieren in Grossstädten üblich, dass sich die Frauen in Gruppen bis zu 20 Mitgliedern organisieren. Jede Frau, die mitmachen möchte, muss eine bescheidene Eintrittsgebühr bezahlen. Es gibt eine Präsidentin und eine Kassiererin. Jedes Mitglied der Gruppe kann einen Kredit beantragen wenn sie angibt wofür sie ihn verwenden will. Die Gruppe bestimmt dann ob das geht und legt die Rückzahlung mit 10% an einem bestimmten Datum fest. Da die Frauen nicht über viel Geld verfügen, geht es immer nur um kleine Beträge. Aber die Frauen kontrollieren sich gegenseitig sehr gut ob das Geld so verwendet wird wie beantragt. Wenn eine Frau sich mit dem geliehenen Geld z.B. nur etwas für die Schönheit kauft, wird sie ausgeschlossen und kann auch in keiner anderen Gruppe mehr mitmachen. Dieses System hat mich von Anfang an sehr fasziniert und als eine Frauengruppe aus Mbettite mich um einen Kredit bat, damit sie mehr Kleinhandel betreiben können, entschloss ich mich das Experiment zu wagen.

Gründungsversammlung Das Dorf kenne ich von meinen Patenkindern und bin dort regelmässig zu Besuch. Es liegt abseits der Hauptstrasse im Busch und die Menschen dort sind sehr arm. Sie leben hauptsächlich vom Erdnuss – und Hirseanbau. Die Frauen müssen das Wasser vom Brunnen, der 1 km entfernt ist holen, auch gibt es noch keinen Strom im Dorf. Sie hatten gerade eine Frauengruppe mit 36 Mitgliedern gegründet, aber leider hatte keine Frau auch nur einen Cent, um einen Mitgliedsbeitrag zu bezahlen. So baten sie mich um einen Kredit, um anfangen zu können. Ich bewunderte den Mut der Frauen und beschloss, ihnen CHF 500.- für ein Jahr als Kredit zu geben. Dann müssen sie ihn mir ohne Zins zurückbezahlen. Wenn das klappt, bekommen sie ihn wieder. Ich war recht skeptisch ob das funktionieren würde, denn es waren bis auf eine Frau, die Kassierin, alles Analphabetinnen.

Aber sie wollten mit beweisen, dass sie es schaffen und haben mir tatsächlich nach einem Jahr das Geld zurückbezahlt. Da sie aber in der Gruppe auch keinen Zins verlangt hatten, war ihre Kasse wieder leer. Das war ein frustrierendes Erlebnis für die Frauen. So entschlossen sie sich das gleiche System wie die üblichen Frauengruppen zu übernehmen, aber nur mit 5% Zins, damit sie Ende des Jahre etwas eigenes Geld in der Kasse haben.

Die Frauen gehen einmal in der Woche auf den Markt und treiben dort Kleinhandel oder verkaufen Essen oder Backwaren. Beliebt ist auch Küken zu kaufen und später  die Hühner zu verkaufen oder die Eier. Nach der Hirseernte kaufen sie billig Hirse ein und verkaufen diese wieder wenn die Preise steigen. Viele Möglichkeiten haben die Frauen in Mbettite nicht, aber in den letzten 5 Jahren haben sie doch schon recht viel eigenes Kapital erwirtschaftet. Und jedes Jahr bekomme ich den Grundkredit, den ich inzwischen aufgestockt habe, wieder zurückbezahlt.

Es ist eine Freude zu sehen wie die Frauen wirtschaften und wieviel Selbstvertrauen sie dadurch gewonnen haben. Sie sagen, dass ihr Leben sich sehr verbessert hat, besonders, da die Männer viele Monate ohne Einkommen sind. Ich besuche sie mindestens einmal im Jahr und sie zeigen mir ihre Dankbarkeit mit kleinen Geschenken.

glückliche Frauen

Im Jahr 2013 konnten wir den Frauen von Mbettite einen grossen Wunsch erfüllen. Seit Jahren haben sie immer wieder angefragt ob es nicht möglich sei eine Hirseschälmaschine zu kaufen. Sie wollten auch einen Teil der Anschaffung selbst finanzieren (mit einem weiteren Kredit von uns). Die Maschine soll dann nicht nur in ihrem Dorf, sondern auch in den umliegenden Dörfern die Hirse schälen. Damit kann man gutes Geld verdienen und was ein ganz wichtiger Punkt war: die Frauen würden arbeitsmässig sehr entlastet werden. Während der Zeit nach der Ernte muss die Hirse  mit einem Stössel in grossen Holzgefässen von Hand geschält werden Das heisst, die Frauen stehen morgens um 3 Uhr auf, arbeiten bis 8 Uhr mit der Hirse und machen dann noch den ganzen Haushalt. Und das während vieler Wochen. Danach sind sie natürlich total erschöpft.

Da so eine Maschine € 6’000 kostet habe ich mich lange gesträubt sie zu kaufen, denn die Anschaffung ist schnell gemacht, aber wie würde die Verwaltung aussehen?

Als ich im Februar 2012 mit zwei Freundinnen, die mich begleitet haben, in Mbettite war, haben die Frauen ihre Anfrage wiederholt. Meine Begleiterinnen waren so berührt von der Lage der Frauen, das sie mich sehr ermutigt haben den Schritt zu wagen. Wir haben lange diskutiert und schliesslich eine gute Lösung für die Verwaltung gefunden. Ein Pfarrer, der aus dem Dorf ist und den ich schon länger kenne, ist sehr an der Entwicklung der Frauen interessiert und begleitet sie auf ihrem Weg. Er war sofort einverstanden die Frauen auch in diesem Projekt zu unterstützen.

Als ich nun im Februar 2014 in Mbettite war, konnte ich mich davon überzeugen, dass die Anschaffung dieser Hirseschälmaschine wirklich eine gute Sache war. Die Frauen haben mir die 1. Rate ihres Kredites schon zurückbezahlt und die Maschine wird von 5 jungen Männern aus dem Dorf betrieben, die sonst arbeitslos wären. Und der Verdienst übersteigt alle meine Erwartungen bei weitem. Beieindruckt hat mich auch die Art wie sie die Verantwortung untereinander aufgeteil hatten, sodass ein Missbrauch fast nicht möglich ist. Der Pfarrer nimmt seine Aufgabe sehr ernst.

Jetzt freue ich mich auf meinen Besuch im November 2014, dann wird die 2. Rate des Kredits bezahlt werden. Die zwei Freundinnen, die mich so ermuntert haben, werden wieder mit dabei sein und sich dann sicher mit den Frauen freuen!

Natürlich wurden wieder  herzlich mit Trommeln empfangen. Wir haben die Maschine gesehen, die schon ein wenig gelitten hat im ersten Jahr ihres Einsatzes, aber doch gut gewartet wird von den verantwortlichen Männern. Die Frauen verwalten das Geld gewissenhaft und haben guten Gewinn gemacht. Aus diesem Grund haben sie mir doppelt so viel zurückbezahlt wie geplant. Ihre Begründung war, dass die diesjährige Hirseernte nicht so gut war und sie nicht wissen wie gut sie mit der Maschine verdienen werden. Im nächsten Jahr ist dann nur noch eine kleine Rate fällig. Dann gehört die Maschine ihnen. Wir waren beeindruckt von den Frauen! Ihr Leben hat sich sehr verbessert seit sie die Maschine haben, denn sie habe nun ein Einkommen, mit dem sie den Schulbesuch ihrer Kinder bezahlen und zur Ernährung der Familie beitragen können.  Auch ist immer etwas Geld auf der Seite wenn jemand krank wird. Das sind oft ganz schlimme Geschichten, denn ein Arzt will zuerst Geld sehen ehe er behandelt.

Im Februar 2015 besuchte ich wieder  die Frauen mit der Hirseschälmaschine. Und das war auch dieses Mal sehr erfreulich. Die Maschine ist seit Januar wieder jeden Tag im Einsatz und war gerade in einem Dorf, das ca. 10 km entfernt ist. Pfarrer Ndeb berichtete mir, dass die Verwaltung gut klappt und die Maschine regelmässig gewartet wird. In den Monaten nach der Hirseernte verdienen die Frauen mit der Maschine bis zu 450 € im Monat! Das wird dann nach und nach weniger und im Juni vor der Regenzeit wird sie gründlich gereinigt und untergestellt. Die Frauen betonten wieder wie sehr sich das Leben im Dorf positiv verändert hat mit dieser Maschine.

Im März 2016 war es dann soweit und die Frauen konnten mir die letzte Rate ihres Kredites für die Hirseschälmaschine zurückzahlen. Wie immer nahmen sie sich alle Zeit der Welt um nach und nach zu erscheinen, und meine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, denn es wurde schon sehr heiss und mein Kreislauf reklamierte heftig. Da tat ein Schluck Cola ganz gut und durch ein interessantes Gespräch mit Pfarrer Ndeb wurde ich etwas abgelenkt. Doch schliesslich waren dann einige Frauen parat und nach herzlichen Dankesworten wurde mir die letzte Rate zurückbezahlt. Die Frauen haben mit einem Teil ihres Verdienstes eine Wasserleitung zum Grundstück des Collège legen lassen, damit Wasser für die Bauarbeiten vorhanden ist und auch nachher für den Schulbetrieb. Das fand ich eine sehr schöne Geste. Die Verwaltung der Maschine klappt nach wie vor reibungslos, auch dank der regelmässigen Unterstützung von Pfarrer Ndeb.

Nach dem gelichen Prinzip habe ich 3 weitere Frauengruppen in Ndioum und eine in Alwar. Dort habe ich schon andere Projekte und kenne die Frauen mittlerweile recht gut. Bei allen Frauengruppen ist die Rückzahlung kein Problem. Und es ist sehr interessant  wie unterschiedlich die Frauen mit ihren Krediten wirtschaften. In Ndioum, einem grösseren Ort, in dem jeden Tag Markt ist, haben die Frauen natürlich ganz andere Möglichkeiten Geld zu verdienen. Sie machen z.B. Batikstoffe oder nähen und häkeln, machen Ketten etc.Ein weiterer Vorteil ist, dass Ndioum an einem Fluss liegt, und an den Ufern bauen die Frauen Gemüse an, das sie auf dem Markt verkaufen. Sie waren schon länger als Gruppe organisiert und zahlen sich das Geld in der Gruppe mit 10% Zins zurück. Ihre Treffen sind alle 2 oder 4 Wochen und so wird das Geld immer wieder neu verteilt. Die Kreativität der Frauen ist unglaublich, sie brauchen keinen Coach! Ihr Kapital steigt stetig.

handarbeiten

Dieses System ist den Gegebenheiten in Senegal angepasst und funktioniert deswegen auch so gut. Das Ziel ist, dass die Frauen mithelfen können die Familien zu ernähren und dieses Ziel ist erreicht worden.

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