Reisebericht Februar 2012

Liebe Freunde Senegals

Gerade bin ich wieder von einer interessanten Reise aus Senegal zurückgekehrt, die zum Ziel hatte, nach einem Jahr wieder alle meine Projekte zu besuchen.

Nach ein paar „Eingewöhnungstagen“ im Hotel in Mbour ging es mit dem Buschtaxi wieder 8 Stunden hoch in den Norden nach Ndioum.

Fahrt im Buschtaxi Für mich hatte die gute Verwaltung des Gesundheitspostens in Alwar erste Priorität. Letztes Jahr hatten wir beschlossen, dass wir alles tun wollen, damit die Station möglichst bald vom Staat anerkannt und verwaltet wird. Die Voraussetzung hierfür war die Zuleitung von Wasser und Strom in die Station, sowie ein Wohnhaus mit 2 Zimmern und einer Veranda für den neuen Leiter Oumar Sall.
Haus für den Leiter der Station Es steht im Areal der Station und hat Stromanschluss, den wir auch noch in eine Lehrerwohnung im Nebenareal gelegt haben. Das ist ein Komfort, den man lange suchen muss in den bestehenden Gesundheitsposten im Busch. Alle Bedingungen haben wir nun erfüllt, dank vieler Spendengelder und dem engagierten Einsatz meines Projektleiters Malick. Die Gesundheitskommission hat vor 10 Monaten einen Antrag ans Gesundheitsministerium geschickt, der bis heute leider unbeantwortet blieb. Wir hoffen nun auf eine neue Regierung und mehr Unterstützung vom Staat. Dank der Station hat sich die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung (7 Dörfer mit ca. 8000 Einwohnern) wesentlich verbessert. Alle Kinder sind geimpft und immer mehr Frauen kommen zu den Kontrollen während der Schwangerschaft. Jeden Monat werden von Oumar Sall und der Hebamme Treffen mit den Frauen organisiert, um mit ihnen über Hygiene,  Familienplanung und alltägliche Probleme zu reden. So wird ohne Druck eine gewisse Vertrauensbasis geschaffen. Auch werden Hausgeburten ab diesem Jahr nicht mehr zugelassen. Im weiten Umkreis findet sich keine vergleichbar gut eingerichtete Station hat
mir der Chefarzt versichert. Für die Hausbesuche in die im Umkreis von 12 km liegenden Dörfern habe ich nun die Anschaffung eines Mopeds beschlossen. Fau mit Zwillingen Eine junge Frau aus Alwar, die die Geburtshelfer-Ausbildung gemacht hat, möchte sich gerne zur  Krankenpflegerin weiterbilden. Grundsätzlich finde ich das eine gute Idee. Aber nach Rücksprache mit dem Chef in Ndioum, bei dem sie vor der Schule ein 6monatiges Praktikum machen muss, haben wir beschlossen, dass sie erst nächstes Jahr mit der Weiterbildung anfangen wird. Die Schule dauert dann noch weitere 2 Jahre. Auf dem Weg von Ndioum nach Alwar trafen wir an der zweiten Fähre eine hochschwangere Frau, die schon Wehen hatte, in Begleitung der Geburtshelferin von Alwar. Sie waren unterwegs nach Ndioum ins Krankenhaus (mit einem Pferdepritschenwagen!), da die Wehen seit Stunden nicht stark genug waren, und der Leiter der Station die Verantwortung nicht mehr
übernehmen konnte. Wir gaben ihr das Geld für die Krankenhausaufnahme, Gott sei Dank haben wir dann 4 Stunden später erfahren, dass sie Zwillinge geboren hat, alle wohlauf.

neue Schulmöbel In Alwar habe ich auch die Schüler in ihren neuen Klassenzimmern besucht, jedem Kind einen Kuli geschenkt und ein vielstimmiges „Merci Madame Ute“ als Dank erhalten. Die Lehrer sind dankbar für den Strom in ihrer Wohnung, so können sie auch abends arbeiten.

In Ndioum habe ich die für die provisorische Sekundarschule angefertigten Schultische und -bänke gesehen. Es konnten nun leider statt der geplanten 80 nur 75 gemacht werden, da das Material teurer geworden ist. Aber der Staat hat wenigstens 20 Möbel geliefert und so kann der Unterricht im März in den Provisorien beginnen. Die Schüler und der Direktor haben sich überschwänglich bei mir bedankt, ich sei die erste Wohltäterin ihrer zukünftigen Schule!

neues klassenzimmer Die 2 Klassenzimmer in Mbettite, die letztes Jahr noch nicht ganz fertig waren, sind nun bezogen und es sind schöne, helle Räume geworden.  Besonders eine Lehrerin war sehr glücklich, da sie in den Provisorien immer wieder Schlangen und anderes Ungeziefer hatten. Sie hat eine Klasse von 64 Schülern!

Natürlich habe ich auch dieses Mal wieder alle unsere Patenkinder besucht. Als Geschenk gab es Vitamine, Wurmkur, Kulis, Pflaster in einer Box und ein T’Shirt. Die Freude war gross. Die meisten von ihnen sind gute Schüler dank Förderunterricht und haben auch schon den Schritt in die Sekundarschule geschafft. Leider mussten 2 Kinder mit der Schule aufhören, da sie zu schlechte Schüler waren und schon mehrmals wiederholt haben. Im  Jahresbericht habe ich von der kleinen Fatima aus Ndioum berichtet. Es geht ihr im Moment wieder besser, sie musste Gott sei Dank nicht operiert werden. Ich habe ihre Laborwerte und Diagnose und Rezepte gesehen, sie muss laufend unter Kontrolle bleiben. Malick verwaltet das für sie bestimmte Geld für die Arztbesuche.

Fatima, unser Sorgenkind Die 5 Frauengruppen haben mich auch dieses Mal wieder herzlich empfangen und mir voll Stolz berichtet, dass sie den Kredit schon mehr als verdoppelt haben! Es ist schon erstaunlich wie das so klappt unter den Frauen. Ich bin sehr zufrieden mit dem was ich gesehen habe und danke an dieser Stelle allen, die mich so treu unterstützen und natürlich besonders meinem Projektleiter im Senegal, der gewissenhaft sein Bestes gibt.

Der einzige Wermutstropfen während meines Aufenthaltes und besonders jetzt aktuell sind die Unruhen im Senegal, von denen wir hier nur wenig hören. Ich hatte noch das Glück, dass nur diskutiert wurde, und die Unzufriedenheit mit der Politik war fast erdrückend wahrnehmbar. Aber jetzt sind Unruhen in allen grösseren Städten und es hat auch schon viele Tote und Verletzte gegeben. Hoffen und beten wir für einen Regierungswechsel Ende Februar, sonst könnte die Situation wirklich eskalieren. Senegal war bis anhin ein friedlich regiertes demokratisches Land, doch der amtierende Präsident (87 J. alt und senil) treibt mit seiner Machtpolitik und Korruption sein Volk in den Abgrund. Und seine Partei stellt ihn noch ein 3. Mal auf, obwohl das laut Verfassung nicht zulässig ist. Nun wehrt sich das Volk, verständlicherweise.

Mein Elan für meine Projekte im Senegal ist nach diesem Besuch bestärkt worden, und gerne würde ich noch weitere Klassenzimmer an Schulen anbauen, wie ich es schon im Jahresbericht erwähnt habe. Die Investition ins  Bildungswesen ist sicher das Wertvollste was wir zur Entwicklung eines so unterentwickelten Landes beitragen können. Auch heute möchte ich euch ganz besonders für eure treue Unterstützung danken, für die vielen guten Gedanken, Gebete, Gespräche und grosszügigen ,Spenden. Nur miteinander können wir auf diese Art und Weise ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Ich grüsse euch ganz herzlich bis zum nächsten Brief und wünsche euch vor allem viel Zufriedenheit

Ute Wild

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